About Schmidt

In seinen besten Momenten war er wie der deutsche Letterman in dessen besten Momenten. Sich erhebend über die tägliche Witzmaschinerie eines Jay Leno, auf einem ironiegetränkten Hochplateau sich gerne auch mal am Konstrukt des Daily Talks an sich abarbeiten. So was gab es in Deutschland vorher nicht und wie sich nun herausstellt nachher auch nicht mehr.

Vielleicht ist es auch nicht mehr notwendig, schließlich versenden viele von uns ihre Gagshow tagtäglich und den ganzen Tag auf Twitter oder sonstwo. Jede Schlagzeile zieht sofort eine ganze Rattenschwanzpopulation von mehr oder weniger gut gelungenen Kommentaren nach sich und ich muss zugeben, manche davon sind wirklich lustig.

Vermutlich hielt er sich irgendwann auch mal für unangreifbar, es wurden ihm Gagen nachgeworfen, die sogar höher als Herrn Hoeness hinterzogene Steuern gewesen sein sollen und eine Zeitlang hätte er tatsächlich eine ganze Sendung lang nur seinen Flatulenzen freien Lauf lassen können und noch anerkennende Pfiffe aus den Feuilletons dafür bekommen. Zwischen der komfortablen Situation, solches tun zu können und es zu tun liegt mitunter aber doch ein wesentlicher Unterschied. Seine Auszeit, aus der er als Mischung aus Gandalf und Alm-Öhi zurückkehrte, der ständige Senderwechsel aber vor allem seine mehr als fragwürdige Idee, diesen rotzblonden Sektenvertreter als Kompagnon zu holen, ließen seinen Lack langsam aber sicher abblättern.

Nun hauchte er sein TV-Leben fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus, zumindest der skyfreien, und es fehlt schon etwas. Raab ist kein Ersatz, Raab funktioniert dafür viel zu gut, er ölt das Getriebe gefühlte 58 Wochen im Jahr, trägt aber keinen wirklichen Ansatz von Anarchie in sich. Er ist Dienstleister im Unterhaltungssektor und könnte sich ein „Business as usual“ als Lebensmotto auf den Steiß tätowieren lassen.

Also vergießen wir an dieser Stelle ein Tränchen als Respektsbekundung für Harald, den hervorragenden in seinen besten Zeiten und erinnern uns dabei an seinen korrigierenden Griff mit Daumen und Mittelfinger an die stets wanderbereite Brille. Tusch von Helmut Zerlett und Band!

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After the Goldrush

Die Umfrage der Woche:

Tele ohne Vision

Man kann ja durchaus noch Sympathie für öffentlich-rechtliches Fernsehen haben – so wie für vom Aussterben bedrohte Tier- oder Pflanzenarten, Videorekorder oder Vinylscheiben -, ohne deshalb mit diesen unkritisch umgehen zu müssen.

Dies fiele mir nach dem gestrigen Abend auch wieder schwer. Wenn mal wieder ein Mimimiminister seinen Doktortitel erkopiert haben soll, wenn des Teutschen liebstes Töfftöff manipulativ gekührt wird, wenn mal wieder einer aus der ersten Reihe Kinder sehr gern hat oder ihm (oder ihr) sein Geld überraschend in die Schweiz türmt und bei Vielem dergleichen mehr, wird das Plätzchen nach der Tagesschau gerne mal für einen BRENNPUNKT freigeräumt. Nun, warum auch nicht, wenns Spaß macht …

Sehr merkwürdig allerdings, dass dies wie gestern abend geschehen nicht passiert, wenn es tatsächlich mal irgendwo brennt, das große Chaos regiert, Menschen zu Schaden oder Tode kommen und das Ganze nicht auf dem Mars, sondern zumindest am Rande der Europäischen Union passiert.

Dann möchte man nicht, dass sich die Menschen unnötig aufregen und versendet stattdessen eine beliebige … hoppla … beliebte Arztfamilienserie, denn das Leben ist ja schon hart genug.

Noch besser der Geriatrensender aus Mainz: Statt des lodernden Maidans zeigte man hier ausführlichst vorsätzlich schunkelnde und allerdümlichste Witzchen ausspeiende Karnevalszombies in Kostümen, von denen man bestenfalls hoffen kann, dass es nicht ihre Alltagskleidung ist.

„In Kiew brennt der Tannebaum,

des intressiert die Leut‘ hier kaum … tarääää …“

Diejenigen, die es interessierte, schauten stattdessen einen der sich an diesem Abend rasch verbreitenden Livestreams und hätten sicherlich nichts dagegen gehabt, wenn kompetente Menschen versucht hätten, das dort Geschehene zu kommentieren.

Ich wollte dies nur mal kurz erwähnen, falls sich mal wieder großes Erstaunen über rückläufige Zuschauerzahlen insbesondere bei den Jahrgängen kurz vor Best Age breitmachen sollte. Sowas kommt von sowas. Nämlich.

Djungelkampowitsch 1918

(Anmoderation Trailer):

„Ja, Herrschaftszeiten, liebe Bolschewiki da draußen, es gibt mal wieder reichlich Beef – wie der Klassenfeind sagt – im Campus. Nachdem der zur Belustigung und Behandlung des ewig kränkelnden Alexei eingeflogene Rasputin sich offenbar mehr um die Frau des Hauses kümmerte und von ihr schon den Spitznamen „Rasputiiieeef!“ bekam, fanden einige der Campinsassen, der olle Georgi gehöre … nun, sagen wir … herausgewählt. Sie haben dazu aber kein Zuschauervoting benötigt, sondern dies in Eigenregie erledigt. Alexandra ist von dieser Aktion leider überhaupt nicht begeistert und die Stimmung im Camp geht noch weiter den Isset runter als sie es eh bereits war.

Jaja, Jekaterinburg ist halt nicht der Winterpalast in Petrograd, wo unsere Campfamily vorher untergebracht wurde. Hier ist alles etwas kleiner, schmutziger, kälter, aber was willste machen? Olga ist ja grundsätzlich von allem angefressen und auch das Nesthäkchen Anastasia ist – nachdem sie zum fünften Mal hintereinander zur Prüfung gewählt wurde und zuletzt ekligen Haferschleim in sich stopfen musste – von Hass erfüllt und schrie die Anderen an „Ich hoffe, ihr krepiert bald alle!“. Wir werden sehen, wie schnell ihr dieser Wunsch erfüllt wird.

Die Probleme kommen aber nicht nur von innen. Draußen macht weiterhin Wladimir, der sich selbst immer nur „Der Lenin“ nennt, auf sich aufmerksam, hält sich eh für viel besser als all die Campbewohner und möchte diese am liebsten zum Teufel jagen.

Ob und wie lange sich das der gute Nikolaus noch gefallen lassen wird, werden wir uns jetzt ansehen. Vielleicht ist ihm ja bereits heute alles zuviel und er schreit „ICH BIN EIN ZAR – HOLT MICH HIER RAAAAAAUUUUUS!………..“

(Eröffnungstrailer).

 

VOS

Der verkaufsoffene Sonntag wurde zumindest in dem mich beherbergenden Bundesland vor einer Reihe von Jahren eingeführt. Nicht, weil Wirtschaftsverbände hier ihren Einfluss durchsetzten, sondern selbstverständlich zum Wohle der gesamten Gesellschaft.

Schließlich sollte ja allen klar sein, dass das vorhandene Kaufpotential nicht etwa deswegen suboptimal ausgenutzt wird, weil die Menschen oft zuwenig verdienen und jeden der wenigen Euro, der bei ihnen ankommt, nur einmal ausgeben können, sondern weil sie schlichtweg zuwenig Zeit haben, einkaufen zu gehen. Klar, lediglich sechs Tage pro Woche, in denen sie höchstens bis 20, mitunter 22 und ab und an auch 24 Uhr einkaufen gehen konnten, standen vorher zur Verfügung. Wie soll man denn da die mehr oder weniger dringenden Bedürfnisse befriedigen?

Nebeneffekt: Das bislang ausgesprochen öde Wochenende der in solchen Läden Beschäftigten wird endlich einmal aufgepeppt und man kann sich vor lästigen Aufgaben wie „Verwandtenbesuch“ oder „mit den Kindern beschäftigen“ drücken.

Deshalb ist es seit einiger Zeit an vier Sonntagen im Jahr für sechs Stunden möglich, Läden zu öffnen, und zwar aus besonderem Anlass. Man kann nur vermuten, welche Anlässe der Gesetzgeber hier im Kopf gehabt haben mag. Vermutlich traditionelle Jahrmärkte, Altstadtfeste oder Beschneidungen. Tatsächlich sind aber seitdem besondere Anlässe wie Pilze aus dem Boden geschossen, die meisten davon gab es bislang nicht. Aber wen kümmerts, irgendwann einmal muss man ja mal anfangen mit solch einer Tradition.

Nun existieren also plötzlich in vielen Kommunen Erdbeerfeste, Frühsommerfeste, Spätsommerfeste, Sommerherbeiwünschfeste, Apfelweinfeste, Blumenkohlfeste, Fußpilzfeste oder Nocheinvierteljahrbisweihnachtenfeste, von denen meist nicht einmal die Veranstalter sagen können, was denn dahinterstecken mag. Das einzig ehrliche Fest wäre das Konsumförderungsfest, aber dazu hat sich bislang wohl noch niemand bekennen mögen.

Optisch sehen solche festbedingten Verkaufsoffenen Sonntage meist gleich aus: Es haben stets die gleichen Läden auf, die Samstag abend eingefrorenen Gemüse- und Obstreste werden nochmal aufgetaut anstatt sie wie ansonsten wegzuwerfen und auf den Parkplätzen vor den Läden gibt es meist eine Hüpfburg und einen Bratwurstgriller.

Oftmals regnet es auch …

Hurra.

Hill Valley Motown

Da läuft zum xten Male ein Teil der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie auf dem Primatsender und man lässt es nebenbei laufen, um sich gelegentlich zu amüsieren. Der gezeigte Teil 2 ist thematisch der dichteste, spielt er doch in 4 verschiedenen Zeitebenen; dem realen fiktiven 1985, 2015, dem veränderten 1985 und nochmals wie bereits Teil 1 1955.

Ich habe ihn damals bei seiner Veröffentlichung gesehen, also im Jahr 1989 und schon damals schwante mir, dass es im tatsächlichen 2015 nicht wie dargestellt aussehen wird, obwohl der Film weitaus weniger futuristisch veranlagt ist als viele SciFi-Ergüsse, die bereits von der Realität eingeholt wurden und unsere Realität als im Vergleich beschämend zurückgeblieben erscheinen lässt.

Es muss nun gut zwei Jahre vor der im Film dargestellten Zeit dennoch resignierend festgestellt werden, dass es in den nächsten beiden Jahren wohl kaum noch zu Hoverboards oder sich selbst anpassenden und trocknenden Jacken kommen wird. Auch werden sich Autos bis dahin wohl nicht durch die Luft bewegen, auch wenn es ihnen aufgrund der vielerorts vorhandenen Straßenverhältnisse durchaus zu wünschen wäre.

Neinnein, die dargestellte Zukunft hat meist nichts mit der dann tatsächlich einsetzenden Realität zu tun, gesteht man sich ein, während man Marty McFly dabei zusieht, wie er in ein verändertes Hill Valley in 1985 zurückkehrt, das aufgrund krimineller Biff-Machenschaften völlig heruntergewirtschaftet wurde und in einer völlig kommenden Gegend Autowracks mitten auf der Straße stehen und die wenigen noch dort wohnenden Menschen sich verbarrikadiert halten. So ist das nun doch … oh, wait … hat sich nicht gerade die ehemalige Autoboom-Metropole Detroit für komplett bankrott erklärt …?

Wenn das nun schon … könnte es sein, das der in „1984“ prognostizierte Überwachungsstaat mit etwas Verspätung dann doch … ach nein, ich konzentriere mich lieber auf das baldige Erscheinen des Hoverboards … allerdings werde ich nicht allzuviel Geld dafür ausgeben, schließlich spare ich weiterhin auf ein Laserschwert … und wehe es macht beim Starten nicht SWOOSH!!! …

Rundum glücklich

Jubelpopubel, wir bekommen einen neuen Kreisel! Es ist erst der zweite richtige in unserem Städtchen, aber immerhin.

Die Nachbarstadt hat schon seit einigen Jahren ganz viele Kreisel, inklusive einem, der durchgängig befahrbar ist, was Verkehrsteilnehmer aus drei Richtungen auch immer wieder gerne tun. Es ist also eher ein Durchfahrel. Aber die Nachbarstadt hat ja auch schon lange eine breite Trasse für ein erst noch zu bauendes Gewerbegebiet angelegt, deren Seitenarme bislang nur nach Nirgendwo führen wie weiland die Rolltreppe ins Nichts in Springfield.

Kreisel sollen sicherer, pflegeleichter und verkehrsflussbegünstigender sein als Ampelkreuzungen, was in vielen Fällen auch stimmen mag. Meine Phobie, versehentlich mal in Paris in den Megakreisel am Arc de Triomphe hineinzugeraten und nie mehr herauszukommen, bleibt dennoch bestehen. Aber das sind ja ganz andere Kategorien …

Sinnvoll scheinen mir Kreisel vor allem dann zu sein, wenn in etwa gleichstarke Verkehrsströme geregelt werden sollen. Im Falle des jetzigen Neubaus trifft eine Magistrale, durch die sich jeden Morgen und jeden Abend gefühlt der halbe Bestand des nördlichen Rhein-Main-Gebietes quält, auf eine Zufahrtsstrasse eines Neubaugebietes, weshalb ich an der Sinnhaftigkeit gewisse Zweifel hege. Aber Gemach, bald kommt ein Supermarkt in das Neubaugebiet und das rechtfertigt schließlich alles.

Einen Trugschluss muss ich allerdings noch aufklären: Kreisel mögen die Sicherheit erhöhen, aber die Problemfahrer bleiben die Gleichen. Diejenigen, die an Ampeln noch mit Vollstoff und bei Kirschgelb über die Kreuzung heizen sind dieselben, die noch in den Kreisel einfahren, wenn der eigene linke Vorderreifen sich einen Zungenkuss mit dem rechten Vorderreifen des sich bereits im Kreisel befindlichen Vehikels geben könnte. Verkehrstechnisch wäre es übrigens auch möglich, bei einem Kreisel rechts vor links gelten zu lassen. Wie dies gerade bei größeren Kreiseln praktisch funktionieren soll, kann ich mir aber nicht vorstellen. Vielleicht sollte man auch auf Ampelregelungen inerhalb des Kreisels zurückgreifen …

Bevor sich diese Thematik jetzt im Kreis zu drehen beginnt, höre ich an diesem Punkt lieber auf; mir ist auch schon ganz schwindelig, obwohl es sich hierbei NICHT um ein Rundschreiben handelt …