Parteien zur Europawahl

Heute:

Liste 42 – Pro LoFoMo

 

Für mehr Gesellschaft mit mehr Ellenbogen

Mindestlohn! Für viele! Wenn nicht jetzt dann aber später!

Mehr Gerechtigkeit für die Richtigen!

Leistung muss sich wieder tragen lassen!

Sozialität muss sich wieder lohnen!

Wir sind Brüssel!

Wir krümmen unsere Gurken selber!

In Gedanken nah bei den Menschen!

Liste 45 – Es soll euer Schaden nicht sein

Was uns ist, soll uns bleiben!

Wettbewerb muss stets bestrebt sein, sich selbst zu eliminieren!

Aus dem Volk am Volk vorbei für das Volk!

Wer bereits hier ist, muss nicht mehr hierher wollen!

Auch eure Kinder können Superstar oder Topmodel sein!

Wir, das sind die Anderen. Deshalb lasst uns selbstlos sein!

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist!

Mehr Ausrufezeichen!!!

Deshalb Liste 47- Pro LoFoMo.

Für eine Welt, die sich dreht!

The Revenge

Als sie morgens ihre prächtig ausgestatteten Anwesen verließen, waren Urs, Hansjörg und Matthias noch guter Dinge und hatten keine Ahnung, was ihnen bevorstand. Bei der Ankunft in den Tiefgaragen ihrer Arbeitsplätze bei den jeweiligen Ölkonzernen ging plötzlich alles ganz schnell und nun fanden sie sich an einem fabrikartigen Ort wieder, angeschnallt und hilflos den Dingen ausgesetzt, die ihnen nun widerfuhren.

Möglicherweise wäre der vielfältige und peinigende Schmerz, dem sie von nun ausgesetzt waren, etwas erträglicher gewesen, wenn sie gemeinsam im selben Raum gewesen wären, aber nicht einmal diese Gnade war Ihnen vergönnt. In unterschiedlichen Räumen waren sie den gleichen Qualen ausgesetzt und wußten dabei nicht um das Schicksal der Anderen.

Noch wenige Tage zuvor hielten sie eine ihrer überaus lustigen Telefonkonferenzen ab, bei der sie die Frage, wer mit den Preissprüngen von 15 bis 20 Cent pro Liter an den Tankstellen rechtzeitig vor den Ferien und Feiertagen, denn dieses Mal beginnen möge, mit einigen Runden „Quizduell“ ausknobelten und Hansjörg ärgerte sich den ganzen Tag darüber, dass er bei der Frage nach dem letzten Dreipäpstejahr die falsche Antwort ausgewählt hatte. Er wusste es doch eigentlich, hatte dies 1978 selbst erlebt. Diese Abspracherunden hatten jedoch in den letzten Jahren etwas an Reiz verloren, da man sich zwischenzeitlich keine vermeintlichen Ursachen für diese Preiserhöhungen mehr ausdenken musste. Wie lustig war es doch, ein angebliches Erdbeben in Taiwan, den Herzinfarkt eines Scheichs in den VAE oder zur Not die erwarteten Unwägbarkeiten der Börsen als Grund angeben zu können, um von dem eigentlichen Grund „weil wir es können“ abzulenken. Dieser Spaß fehlt einfach …

Welch eine Lappalie im vergleich zu dem, was er und die Anderen nun auszuhalten hatten. Es war schwer auszumachen, was schlimmer war: Die an den Testikeln angebrachten Elektroden, die brennende und juckende Flüssigkeit, die ihnen intravenös verabreicht wurde oder die unerträglichen Töne, denen sie schutzlos ausgeliefert waren. Am allerschlimmsten daran waren aber wohl die willkürlichen Variationen, in denen sie kein Muster erkennen konnten und die keine erkennbare Reaktion auf ihr eigenes Verhalten als Rückschluss anboten.

Die Stromstöße im Genitalbereich waren mal stärker, mal schwächer, aber in keinem erkennbaren Rhythmus, die Menge der intravenösen Flüssigkeit war offenbar unterschiedlich hoch zu diversen Zeiten, da das Brennen und Jucken zwischenzeitlich kurz, aber bemerkbar nachließ, selbst die unerträglichen Klangschauder wurden mal für wenige Minuten für „Atemlos durch die Nacht“ oder „Dieser Weg wird kein leichter sein“ unterbrochen (was für viele eigentlich keine Änderung der Qualen gewesen wäre), aber alles nur kurzzeitig und unvorhersehbar.

Bei den äußerst seltenen Gelegenheiten, so etwas wie Kontakt zu ihren peinigern herzustellen, nämlich bei der täglichen Versorgung mit gerade so viel Essen und Trinken, dass sie am Leben blieben, war auf die Frage, warum dies alles, stets nur zu hören „Du weißt warum!“

Gelegentlich wurden sie ohnmächtig, was perfiderweise die einzige kurze Erholung von all der Qual darstellte. Mittlerweile waren sie trotz all der Schmerzen so abgestumpft, dass man beinahe glauben könnte, es gäbe so etwas wie eine Gewöhnung an all das Schreckliche. aber das täuscht. Es war eher eine Art Schicksalsergebenheit kurz vor dem Lebensende.

Dabei stand ihnen allen das Schlimmste erst noch bevor, denn die Feiertage lagen ja noch vor ihnen …

 

Blick in die Welt

Manchmal staune ich über mich selbst bzw. über mein schon so sehr auf Social-Media-Gagverwertung gepoltes Hirn. Da lese ich dieser Tage die Todesanzeige eines mir unbekannten Herrn Runde, der zudem nur wenige Monate vor seinem 100. Geburtstag verschied und das erste, was mir durch den Kopf ging, war „Der Runde muss nun ins Eckige!“

Das ist fürchterlich pietätlos und alles und ich schämte mich fremd, wenn ich mich nicht so gut kennen würde …

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Wie ich ebenfalls der Tagespresse entnehmen musste, heißt der umtriebige und vielgenannte Herr Grube gar nicht „Baanchev“, sondern ganz banal „Rüdiger“. Das grenzt ja an Volksverdummung!

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Endlich läuft die letzte Staffel von „How i met your mother“! Es wird aber auch Zeit. Mag sein, dass die Erzählstruktur anfänglich mal sympathisch war, seit langer Zeit finde ich die ganze Chose nur noch nervig. Der Hauptdarsteller Ted Mosby wirkt nicht nur äußerlich wie eine schlechtere Kopie von John Dorian aus „Scrubs“ und auch die anderen Darsteller konnten mich nie so wirklich für sich einnehmen. Eventuell ein wenig doch Barney, aber wann immer ich ihn sehe, muss ich daran denken, wie ich ihn vor vielen Jahren als das kindliche Genie und präpubertären Arzt Doogie Howser sah. Möge sich also bitte die Frau mit dem gelben Schirm endlich erbarmen und dafür sorgen, dass die seit Jahren auf der Familiencouch gefangengenommenen Kinder des Herrn Mosby wieder freikommen.

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Beinahe sechs Jahre sorgte sie dafür, dass meine Texte in die Welt gespuckt wurden, ich viele unterhaltsame und informative Stunden vor dem Rechner verbringen konnte und interessante Menschen kennenlernen durfte. Nun zeigte sie mir (resp. meinem Online-Provider, der nach mehreren Anläufen endlich die richtige Diagnose lieferte) durch heftig blinkende Dioden und ständige Abbrüche, dass sie am Ende ist. Ruhe nun also sanft, werte Fritzbox, Du warst ein wertvoller Teil meines Lebens! … und hallo, neue Box, Du trittst ein schweres Erbe an, erlaubst mir aber immerhin, mein schnurloses DECT-Telefon wieder anzuschließen. Dieser technische Fortschritt aber auch immer …

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Marius

DINGDONG!

„Ja, bittschön?“

„Servus, Frau Bierbichler! Dr. Wolpertinger vom Gesundheitsamt und dös ist mei Kollege, Herr Hirnhuber. Mir kimma wegn dem Marius ..“

„Ja? Was is denn mit mahm Bua?“

„Schauns, der Marius ist ja mittlerweile gschlechtsreif und es wurd beobachtet, wie er letztens aufd  Kirchweih mit ahm Madl gsprochn hat. Boid is es aiso womöglich soweit, dass er mit ahna schnackselt. Naja, Misthaufing is a klaaner Ort und die meisten kumma ned viel aussi … naja, sie wissen ja wies is . ihr Mo is ja aa Ihr Halbbruder … also, damit des ned ausufert, müssd ma den Marius ausm Genpool entferna …“

„Ausm Puhl entferna? Woas moans denn damit …?

„Naja, entferna hoid …(macht die Geste eines abgezogenen Gewehrlaufs)“

„Jessas! Um Gotts Wuin! … MARIUS! SCHNELL, BUA, LAUF UM DEI LE’M!!!“

Nun, das ist selbstverständlich lediglich eine satirisch intentierte Metapher bezüglich der aktuellen Geschehnisse in einem Kopenhagener Zoo und natürlich würde man mit Menschen so nieeemals … außer mal vor rund 75 Jahren oder so, aber es erzeugt schon ein gewaltiges Maß an Empörung vor allem im Netz. Nicht nur die eigentliche Tat, zu der es im Nachhinein Informationen gibt, die nahelegen, es hätte Alternativen geben können. Auch das öffentliche Ausweiden des girafflichen Kadavers vor teilweise kindlichem Publikum erzeugt Unverständnis. „So gehts im wirklichen Leben halt auch zu, das müssen die Leute auch mal erleben“ rechtfertigt sich der mittlerweile mehrfach bedrohte Zoodirektor.

Ja, da mag er recht haben. Warum dann aber nicht gleich alle Gatter und Käfigtüren öffnen, insbesondere während der Öffnungszeiten? Vor allem die Löwen und Geparden würden dann nicht nur den meisten anderen Arten, sondern auch den Bediensteten und Besuchern mal zeigen, wie es in der Natur so zugeht. Dann müsste man aber auch diese ganzen süßen Zoosendungen vom Nachmittag in den späten Abend verlegen.

Was mich allerdings an dieser Angelegenheit am meisten tracked, sind die meist schon auf die Sekunde vorhersehbaren Meta-Kommentare der Sorte „Wenn eine Giraffe getötet wird, ereifern sich alle, aber für ……… haben die meisten nur ein Schulterzucken übrig.“ In den Freiplatz kann je nach Tagesaktualität das Flüchtlingsschicksal vor Europas Küsten, die Geschehnisse in Syrien oder Osttimor oder wasauchimmer die Welt so an Furchtbarem hergibt eingesetzt werden, natürlich mit empörtem Gesichtsausdruck.

Natürlich stimmt das inhaltlich, aber diese automatisierte Moralkeulisierung der öffentlichen Anteilnahme, als ob es eine Reihen- oder Rangfolge geben müsste für die Dinge, über die man sich ereifert, lässt mich zunehmend mit dem Kopf schütteln. In ebenjenem Kopf materialisiert sich dann langsam eine To-Do-Checkliste der moralischen Entrüstung mit Angabe der vorgeschriebenen Dauer und Anzahl der Wiederholungen, wie bei Sit-Ups und Kniebeugen und genauso nervt mich dieses auch.

Als ob es ausgerechnet in der Anteilnahme, Empörung und Trauer gerecht zugänge …