Splitter

Völlig verwirrt in der Katastrophenwelt. Man sieht mal wieder Bilder von einem Gebäude, über dem Rauch aufsteigt und merkt erst nach geraumer Zeit, dass es dieses Mal um Libyen geht. Das ist ja unerhört, die sollen gefälligst Ruhe geben, bis das Andere sich gelegt hat, nicht wahr?

Ich hoffe sehr, dass  Hitori, Yakuma und all den Anderen, die konsterniert auf Überbleibseln, die einmal ihr Leben waren, sitzen, die ganze Tragweite dieser Mehrfachtragödie erst nach und nach in kleinen Happen bewusst wird, sonst bliebe ihnen wohl nur, den Verstand zu verlieren. Ich weiß beim Besten willen nicht, wie ich das schaffen könnte. Mir haben in den letzten Tagen bereits intensive berufliche Inanspruchnahme in Verbindung mit tagelangem Zuschauen, wie dort eine Welt im Untergang ist, genügt, um mir nervöse Macken, schlechten Schlaf und Probleme beim ruhigen Atmen einzufangen.

Ein Moratorium? War das wirklich gemeint? Oder eher eine Moritat? Ging es vielleicht – wäre ja naheliegend – um Mortalität? Oder um Mortadella? Kernkraftwerksprokrastination scheint mir kein geeigneter Ansatz zu sein. So ein Schippchen Mut, ein kleiner Teil der Menge, die viele Menschen in Japan derzeit benötigen, genügte schon, Wesentliches zu verändern. Aber einen Umwälzminister gibt es noch nicht. Bis vor kurzem dachte ich noch, man könnte lediglich so triviale Dinge wie die Nutzung eines Doktortitels aussetzen.

Ds gibt man viel Geld aus, um mit Pisa-Tests der Deutschen Intelligenz zu messen. Das ginge einfacher. Nur mitbekommen, dass in Deutschland derzeit Geigerzähler und Jodtabletten ausverkauft sind, wäre doch aussagekräftig genug. Da gebe ich doch gerne noch weitere Tipps: Wenn die bösen Wolken wirklich kommen sollten, einfach unter den Tisch ducken oder stets eine Packung Bleistifte zum Schutz vor der Strahlung mit sich führen.

Ich erwähnte es bereits in der Zwitscherwelt; derzeit bin ich froh, keine Kinder im frageintensiven Alter zu haben, denen ich das alles irgendwie erklären müsste. Andererseits, vielleicht machten sie es ja wirklich besser …

Ich gehe jede Wette ein, dass in den Giftschränkchen einiger Boulevard-Journallie der Begriff „Mega-GAU“ auf seine Freisetzung wartet, denn so ein Super-größteranzunehmenderunfall genügt irgendwann einfach nicht mehr. Bei der Gelegenheit könnte man ja auch gleich mal im Bedeutungswörterbuch die gerne und häufig genutzte „Apokalypse“ nachschauen.

Um hier nicht nur blöd rumzuquaken:

Einfach eine SMS mit „DRK“ an die 81190 senden, Pro SMS gehen 5,00 € als Spende an das rote Kreuz für die Opfer in Japan. Kann man sogar mehrfach machen, Wunder der Technik.

Lauf, Zeit, lauf!

Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, funktioniert es folgendermaßen:

Ich kaufe mir bspw. ein neues Auto hoher Qualität, dem man mal locker 13 Jahre Fahrtüchtigkeit unterstellen kann. Solange werde ich es aber voraussichtlich gar nicht fahren.

Mein Nachbar dagegen besitzt eine uralte schrottreife Karre, die den nächsten TÜV-Besuch garantiert nicht überleben wird. Der Nachbar möchte sich aber noch nicht von seinem Schnauferl trennen. Also veräußere ich 3 Jahre derLaufzeit meines neuen Autos an ihn.

Nun kann er also 3 weitere Jahre akute Verkehrsgefährdung mit seiner Rostlaube betreiben, bei der die Bremsen total abgefahren sind, ständig Öl ausläuft (nein, es ist kein Golf!) und das Licht nur gelegentlich und nach dem Zufallsprinzip funktioniert, und das nur, weil er Laufzeit meines Autos erworben hat. Währenddessen habe ich einen Teil des Kaufpreises refinanziert.

Ja, doch, überzeugendes Konzept!

Das ließe sich sicher noch weiter ausbauen. Es gibt garantiert Menschen, die gar nicht so alt werden wollen, während Andere …

Strahlendes Lächeln

Es liest sich wie eine Folge der Sim.psons, ist aber Realität. Rechtzeitig zum Tag der Frau und in einer speziellen Form von Wertschätzung von diesem  hat Springfield Russland seine diesjährige Gewinnerin der Wahl zur „Miss Atom“ bekanntgegeben. Irgendeine Olga Kommraufaufssova, die als ihr Motto aber nicht dieses langweilige „Frieden für die Welt“ oder „Rettet die Bisamratte“gewählt hat, wie man es von Kandidatinnen des Klassenfeindes ja gewohnt ist, sondern „Ich lebe energiegeladen“. Eine frühere Siegerin soll sogar das Motto „Atomkraft macht sexy“ ausgerufen haben.

Nochmals betont: Das ist das wahre Leben!

Eine Spätfolge dieser eigentlich gar nicht so dramatischen Havarie von 86, die unter Umständen vielleicht doch einige Teile der Bevölkerung unnötig kritisch gegenüber dieser sauberen Energieform gemacht hat. Man sieht dann z.b. eine atomar verstrahlte braungebrannte, durchaus ansehnliche Kandidatin vor possierlichen Kühltürmen, die zudem offenbar von eifrigen russischen Hausfrauen mit eigens geschaffenen Häkeldeckchen dekoriert wurden. Auf einem anderen Foto soll eine weitere Schönheit, in Nachfolge von Ursula An.dress und Hal.le B.erry aussehen, als sei sie soeben dem hinter ihr liegenden Kühlsee entstiegen.

Und die Botschaft scheint tatsächlich zu verfangen. Viele Menschen denken jetzt offensichtlich „Na, wenn da sooo hübsche Mädchen in einem AKW arbeiten, kann diese Atomkraft nicht wirklich schlimm sein.“ Einer lässt sogar extra sein Nachttischlämpchen länger brennen, um der Süßen den Arbeitsplatz zu sichern. Niedlich, oder?

Ob man ihm sagen soll, dass die meisten Kandidatinnen früher Männer oder energiereicheres Plankton waren? Neee, bin ja kein Spielverderber …

Radiation-Wellness

Upps, da hat es mal wieder ein eigentlich gar nicht erwähnenswertes Piffpaffpuff in einem AKW in Südfrankreich gegeben und einige Mitarbeiter haben so mal eben eine Winzigkeit lustige Strahlung dabei abbekommen, hihi…was halt mal passieren kann. Der Zwischenfall war derart minimal, dass er nicht mal ausreicht, um auf einer Schädigungsskala eingestuft zu werden, also quasi gar nicht geschehen ist.

 

Doch, doch liebe, PR-Abteilung des AKWs, das ist schon sehr feinsinnig kommuniziert. Ihr hättet aber noch ein wenig mutiger sein können. Lasst uns doch mal einen Schritt nach vorne denken: Wenn es schon sozusagen überhaupt nicht schädlich war, ist es da unter Umständen nicht sogar denkbar, dass so eine kleine Strahlungsdusche sich positiv auswirken kann? Wer weiß, wer weiß…am Ende ist ein derartiger Zwischenfall sogar irgendwo zwischen Karibik-Urlaub, Ferien auf dem Bauernhof inkl. frischgebackenem Apfelkuchen und einem Verwöhn-Wochenende in der Wellness-Oase „Body&Soul“ einzuordnen.

 

Haben sich diese quengelnden Mitarbeiter denn wenigstens bereits für diesen kostenfreien Extrakick für den Organismus bedankt? Nein? Undankbares Pack!!!

Return of the Fallout-Boys

 

Ich kann mich noch gut an das Katastrophenjahr (nein, ich bringe es nicht über mich, „f“ statt „ph“ zu schreiben; das sieht widerlich für mich aus) 1986 erinnern:

 

Anfang des Jahres die Explosion der Challenger und im April dann Tschernobyl. Erst wurde in den Nachrichten von einem Zwischenfall, später von einem Störfall gesprochen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt der dickliche Mann mit dem Sylt-Tattoo auf der Kopfplatte in Moskau bereits an der Macht war, hatten sich Glasnost und Perestrojika in Bezug auf die Berichterstattung aus der Region Kiew noch nicht wirklich durchgesetzt.

 

Der Schrecken kam portionsweise in immer größeren Happen. Nach ein paar Tagen war man in Deutschland nicht mehr auf die spärlichen Mitteilungen aus der Sowjetunion angewiesen, denn der Wind hatte dafür gesorgt, dass die Auswirkungen bereits hier gemessen werden konnten. Mittlerweile war den meisten Menschen klar, dass dort etwas allergründlichst schiefgelaufen war und die Angst machte sich breit.

 

Begriffe wie „Becquerel“, „Fallout“ und „Halbwertzeit“ waren auf einmal so geläufig, als hätten wir Cäsium und Strontium mit der Muttermilch aufgesogen (naja, einige haben das wohl tatsächlich…), man traute sich viele Monate vor lauter Angst kaum noch vor die Tür, schon gar nicht auf Wiesen und in die Wälder. Eltern hätten die Schuhe ihrer Kinder nach jedem draußen spielen am liebsten als Sondermüll entsorgt. Auf den Spielplätzen wurde der Sand ausgetauscht und wenn man seinen Wunsch nach einem lecker Hirschgulasch mit Waldpilzen äußerte, wurde man mit ähnlich entgeisterten Gesichtern angeschaut, als hätte man eben mal beiläufig verkündet, man wolle vom nächstbesten Hochhaus springen. TK-Kost, die vor Mitte April 86 verarbeitet wurde, wurde wochenlang zum Renner. All das und noch vieles mehr…

 

Irgendwann tat die Zeit dann ihr Werk, die ständige Auseinandersetzung mit den Folgen der Katastrophe ermüdete die Gemüter der Menschen. Nachdem ein Jahr später festgestellt wurde, dass zumindest in Deutschland wider der anfänglichen Erwartungen doch kein Kind mit drei Köpfen und 26 Fingern geboren wurde, ließ der Schreck allmählich nach, die kritische Haltung gegenüber  Atomkraft blieb bei der Mehrzahl der Menschen meiner Empfindung nach aber manifest. Letztlich mag dies dann auch zu dem späten Erfolg des unter rotgrün erarbeiteten Atomausstiegskonzeptes geführt haben. Spätestens da glaubten viele, das Problem sei in absehbarer Zeit erledigt und man konnte sogar über die Aussetzer Homer Simpsons im AKW Springfield lachen.

 

Die Menschen in der Ukraine haben auch heute noch wenig zu lachen. Als 2006 anlässlich des 20. Jahrestages eine Dokumentation über die heutigen Zustände im dortigen Gebiet zu sehen war, war der Kloß im Hals wohl nicht nur bei mir wieder deutlich spürbar,. Ähnlich ging es mir, als vor einigen Wochen von einem Zwischenfall in einem AKW der Slowakei (oder war es Tschechien?) berichtet wurde. Auf einmal schwappten verdrängte Ängste wieder hoch…

 

So, normalerweise gehören solche Erzählungen der Marke „Opa erzählt vom Gipskrieg“ ja in die Online-Foren entsprechender Wochen- oder Monatsmagazine. Wenn ich aber derzeit beobachten muss, wie sich Energiekonzerne nach erholsamen Schlaf auf Supermann-Heftchen wieder berufen fühlen, für Kernkraft zu werben, weil ja damit der Klimawandel abgehalten werden kann, wenig überraschend der Wirtschaftslobbymann Clement, der sich ja offenbar viele Jahre in wallraffähnlicher Manier getarnt bei der SPD eingeschlichen hatte und dort sogar bis in die Ministerverantwortung kam, die Verlängerung von Kraftwerklaufzeiten anregt und der SPIEGEL sich in der dieswöchigen Ausgabe der Rückkehr der Atomkraft widmet, möchte ich dies alles doch zumindest mal in Erinnerung gebracht haben.

 

Jetzt bitte alle den Kopf nach links und rechts drehen und mir nachsagen „NEIN! Atomkraft ist nicht sicher!“. Ich weiß nicht wie sicher die Zahlen sind, aber derzeit heißt es, dass die monatliche Ersparnis eines Durchschnittshaushaltes bei Verlängerung der Laufzeiten ca. 30 Cent pro Monat betragen soll. Das ist eine drittel Eiskugel…apropos…jammi…

Happy End…

Jaja, der Prinz nahm sich Aschenputtel zur Frau, die Hexe steckte im Ofen und Darth Vader warf den Imperator ins All, um seinen Sohn und seine Seele zu retten. Das ist aber alles schon lange her. Wie wäre es denn mit ein paar zeitgemäßen Märchenenden?

…und bereits 90 Minuten nach diesem einen Anruf wurden ihm tatsächlich alle Zugänge von seinem Provider freigeschaltet und er konnte fortan bis an sein Lebensende frohen Herzens telefonieren, mailen und im Netz surfen.

…“Mach dir keine Sorgen“, flüsterte ihm seine Freundin schließlich ins Ohr während sie ihm liebevoll durchs Haar fuhr, „auf die Größe kommt es für uns Frauen wirklich nicht an und Du machst mich glücklich mit dem, was Du hast, mein lieber Schatz“

 …und endlich, endlich begriff die Mehrheit des amerikanischen Volkes und jagte ihn zum Teufel, aber selbst der wollte ihn nicht haben.

 …“Aber ich bitte Sie“, meinte der Vertreter mit vertrauenserweckender Stimme, „genau für diesen Fall haben Sie doch eine Versicherung bei uns abgeschlossen. Selbstverständlich regulieren wir das. Setzen Sie sich erstmal hin und erholen sich von dem Schreck, den Rest erledigen wir für Sie.“ Da weinte der Mann. Vor Glück.

… und rubbeldiekatz hatten die fleißigen Heinzelmännchen unbemerkt über Nacht alle AKWs abgebaut und durch Sonnen-, Wind- und Wasserkraftwerke ersetzt. Hei, welche Freude war da unter der Bevölkerung, die darüber aber nicht ihre Selbstverpflichtung vergaß, auch weiterhin sparsam mit Energie umzugehen.

… schließlich brannte tosender Applaus im Gerichtssal auf, als der Richter den Herren Kerner und Beckmann verbot, sich noch jemals per Funk, Fernsehen oder anderen Medien zu präsentieren und selbst in den tränenfeuchten Augen der Angeklagten konnte man ein Fünkchen Verständnis für diese Entscheidung erkennen, denn auch in ihnen gab es noch Gutes.

und aus gegebenem Anlass:

…“aber nein, meinte der nette ältere Herr vom Schlüsselnotdienst mit den verschmitzten Augen und dem leicht gezwirbelten Bärtchen, das ihm ein wenig Ähnlichkeit mit Jean Pütz verlieh, „für so eine Lappalie kann ich ihnen doch kein Geld abnehmen. Es war mir eine Freude. Nehmen sie das Geld und gehen dafür hübsch mit Ihrer Freundin essen“.

Ach ja…