Segen der Frühförderüng

Prinzipiell stehe ich der Frühförderung von Kindern eher skeptisch gegenüber, von wegen „hysterisch besorgte Eltern“, „Verlust der Kindheit“ und derartiges, wenn ich mitbekomme, dass Erstklässler nachmittags noch zum Violin- oder Chinesisch-Unterricht genötigt werden, denn immerhin sollten Kinder noch Kinder sein dürfen und blabla.

Hin und wieder muss ich jedoch registrieren, dass nachwachsende Generationen zusehends begabter und gewappneter werden, als wir es damals waren. Zu beobachten war dies zuletzt am vergangenen Wochenende anlässlich einer Stadtteilkirmes (hier aber „Kerb“ genannt).

Wenn wir damals ein gewisses Trunkenheitslevel überschritten hatten, waren wir gerade noch dazu in der Lage, Benjamin Blümchen zu imitieren oder in einen Steinzeit-Dialekt zu verfallen, Grunzlaute eingeschlossen.

Heutzutage läuft nun eine Bande total versoffener Jugendlicher Gruppe fortgeschritten angeheiterter Jungerwachsener hinter uns her, deren Alkoholgehalt sich irgendwo zwischen Promille und Prozent eingependelt haben dürfte. Obwohl deren Laufwerkzeuge schon starke Koordinationsprobleme aufwiesen, waren Sie – in der Gruppe! – aber dennoch in der Lage, quasi fehler- und akzentfrei

Nossa, nossa
Assim você me mata
Ai se eu te pego
Ai ai se eu te pego

zu intonieren. Respekt, die Herren!

Das Ganze während unseres gemeinsamen Weges übrigens ungefähr 34 mal, was aber fast gar nicht unwesentlich nervte.

Ein Hoch also der Frühförderung, das werden bestimmt Super-Arbeitstiere!

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Smells like Schaschlikspirit

Hätte Marty „feigeSau“ McFly seine Zeitreise nicht in einer amerikanischen Kleinstadt sondern auf einer bundesdeutschen Kirmes, einem Jahrmarkt, einer Kirchweih oder wie auch immer die einzelnen Landsmannschaften ein solches Ereignis zu nennen pflegen, unternommen, dann wäre ihm trotz Flux-Kompensator nicht viel Veränderung aufgefallen. Jahrmärkte scheinen mir eine beinahe schon sympathische Zeitlosigkeit zu besitzen. Heute wie vor dreißig Jahren dieselbe Geräuschkulisse aus mindestens vier verschiedenen Tonquellen und der immergleiche Wettlauf um die Geruchs- und Geschmacksnerven zwischen Popcorn, Schaschlikspieß, Reibekuchen, gebrannten Mandeln und Toilettenhäuschen. Zudem hat man die Vermutung, dass es Fabriken geben muss, in welchen der stets gleiche Typ Schausteller aus der unveränderten Gußform gefertigt wird, inklusive Schnauzer (nää, nicht der Hund, der Bart!).

Es trieb mich heute völig ungeplant dorthin, weil mich um die Mittagszeit ein dringendes Hüngerchen unerwartet überfiel und ich mich gerade in der Nähe des kreisweit größten Marktes aufhielt. Warum also nicht mal kurz drüber gehen und schnell was wegfuttern?

Ein Jahrmarkt zur Mittagszeit, zudem noch mit zeitweise geöffneten Himmelsschleusen hat seine ganz eigene Atmosphäre. Die Fahrgeschäfte laufen noch größtenteils leer, manch eine Bude hat gar noch nicht geöffnet. Der Strom der Menschen ist dann eher der Seitenarm eines träge plätschernden Baches. Das ist noch kein Mainstream, jetzt befinden sich außer Spontanhungerbekämpfern wie mir vor allem spezielle Menschengruppen dort. Zum Einen natürlich die übliche Stammbesetzung der Buden mit mehr oder weniger geisthaltigen Getränken, meist lauthals in Gespräche/Gelalle vertieft, bei denen man zu Recht darüber sinnieren darf, ob sie denn noch oder bereits wieder da sind. Von der Erscheinung her vermittelten einige der Profitrinker tatsächlich den Eindruck, Sie seien über Nacht einfach mit den Budenklappen abgedeckt worden.

Dann  gibt es noch tapfere Kleinfamilien, die sich bereits gestern vorgenommen hatten, mittags mal mit den Kindern über den Markt zu gehen und sich durch schlechtes Wetter nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen wollten. Einige von denen werden abends nochmals erscheinen, dann aber ohne Kinder und denn gehts auch an die Cocktailbude.

Zudem noch einige etwas verwirrt erscheinende Gestalten vornehmlich fortgeschrittener Jahrgänge, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie nicht einfach von ihrem sonntäglichen Spaziergang am nahegelegenen Park und Fluss abgekommen sind und sich nun auf Suche nach der ebenfalls benachbarten Seniorenresidenz befinden.

Dann natürlich auch noch ein paar Mitarbeiter der direkt benachbarten Privatradiospassmusiksenderniederlassung, die ihre Mittagspause überbrücken möchten.

Schließlich diejenigen, die nicht zum Spaß dort sind, die Futter- und Saufbuden auch eher seitlich liegen lassen, um sich mit wichtigen Gegenständen des Alltags einzudecken. Ledergürtel, Halstücher, Küchenhelfer, Dufthölzer, doppelt gesalzene Lakritze, diese Wundersaubermachertücher, die man quasi nur mit zwei Fingern festhaltend in den Raum halten muss, damit es aussieht wie bei Heinzelmännchens und dergleichen mehr. Zum Abschluss lassen sie sich dann noch „Schatzi“ auf eine Holzscheibe brennen, die dann vor Papas Hobbykeller gehängt wird.

Ach ja, Jahrmarkt halt …

Bei mir waren es übrigens Reibekuchen. Mit Knobisoße. Weil mir eh schon alles egal ist. Die Tüte mit Negerküssen Schaumwaffelgebäck habe ich blöderweise vergessen mitzunehmen, grrr…

Allehoool…

Passend zum Oktoberfest veröffentlicht SpON einen Kurzartikel darüber, dass Alkohol die Folgen von Hirnverletzungen mildern kann. Es ist mir allerdings nicht ganz klar, ob dies auch für die Fälle gilt, in denen sich jemand ins Koma gesoffen oder vollgerußt sein Auto um den nächsten Baum gewickelt hat.

Außerdem: WENN Alkohol Hirnverletzungen mildert, warum gibt es dann immer noch Enpeedee-Wähler?

Der Zauber des Zentiliters

Es gibt da einen Punkt gegen Ende einer Party, wenn die Sonne schon wieder aufgeht (oder für die Partypeople im sommerlichen Helsinki: 24 Stunden später), bei dem ein paar Unentwegte verzweifelt nach verwertbaren Restmengen an Alkoholischem suchen und in aller Regel auch noch finden. Warm gewordene Cola wird dann mit noch wärmerem Rotwein zusammen- und schließlich in sich hineingekippt und damit man sich nicht allzu sehr für seinen fortgeschrittenen Alkoholismus schämen muss, gibt man dem Kind einfach einen seksuell aufgeladenen Namen, in diesem Fall „kalte Uschi“ – nur mit „M“ davor (nein, nicht „Mkalte Uschi – vor dem ANDEREN Wort!).

Diese Systematik passt wunderbar in eine Zeit. in welcher es vor vermeintlich erotischen Drinks nur so wimmelt: Orga-Smus, SX on the Beach, Ecstasy  undsoweiterundsofort. Und das zunächst lustig-exotisch klingende „Daiquiri“ ist auch nur die mikronesische Bezeichnung für „Ich will es mit Deiner minderjährigen Schwester tun“.

Das ist ja mal wieder typisch für unsere heutige Zeit. Nicht nur, dass man mit immer neuen Rezepturen mittels überteuerter Mischmaschgetränke nur noch weiter in die Alkoholabhängigkeit getrieben wird. Nein, man untermalt dies auch noch chauvinistisch mit anzüglichen Namen, um dem Bargast das zweifelhafte Vergnügen zu gönnen, bei der womöglich weiblichen Cocktailkraft Anzügliches loszuwerden und sich dann damit zu entschuldigen, man wollte doch nur etwas zu trinken bestellen. Immerhin scheinen sich immer wieder genug Menschen zu finden, die für so etwas viel Geld …

*klick* …

… Moooooment …

hmmmmm …

Also, ich nehme  einige cl Wodka, Licor 43, Southern Comfort, Tequila Gold,  einen Dash Limetten- und Cranberrysaft, Kokoslikör, eine Vanilleschote, Chilipulver, etwas geraspelten Pferdehuf, einen Meter Luftschlange, Haushaltsreiniger und zum Garnieren eine Sternfrucht, mixe das alles zusammen und nenne es … ähhhh … also … genau „Scheidenpilz“.

Oh, nein, das ist ist nicht gut, da denkt ja jeder, es handele sich um ein Bier. Dann halt … möööp … hmmm … genau: „Dau.erstän.der“ So, gleich mal die Namensrechte sichern und ab in die nächste Bar zum promoten. Schon toll, wie leicht man in dieser Gesellschaft mit Eigeninitiative und ein wenig Kreativität etwas aus sich machen kann …

Gluckgluck…

Bei der Südvariante von Herrn Albrechts Discount gibt es heute unter Anderem einen Ouzo mit dem schönen Namen „Pythagoras“ im Angebot. Hmmm…eigentlich dachte ich, der Satz des Pythagoras lautete „Innerhalb eines rechtwinkligen Dreiecks entspricht der Flächeninhalt der beiden…ähhh…also a² + b² = c²“ halt und nicht etwa „KommGimmirnochsonebuddelbidde…nurdukannsmischvastehn…“

 

Da lobe ich mir doch russische Alkoholika. Bei einem Wodka „Boris Jelzin“ wusstest Du sofort, was dich erwartet.