Wie wisch ju e blessend Dschörnie

Na, das kann doch schon mal passieren, dass man sich sonntagabends im hauptstädtischen Hauptbahnhof in einen dunklen stromfreien Zug setzt und bereits nach 25 Minuten darauf hingewiesen wird, dass es technische Probleme gibt und man doch lieber einen anderen Zug nehmen möchte, der gleich auf dem Gleis am anderen Ende der Ebene abfährt und man sich eiligst mit vielen anderen in diese Dose Tunfisch begibt, dabei gedanklich schon mal seine Reservierung abhakt, dort mit einer weiteren Verspätung aber immerhin losfährt, allerdings nicht über die einigermaßen zügig (haha!) zu absolvierende Strecke, sondern einer, während der der Zug in jedem Unterzuppelhausen hält und man den heimatlichen Bahnhof erst erreicht, wenn man schon zu überlegen beginnt, ob sich hinlegen überhaupt noch lohnt oder man lieber direkt zur Arbeit watscheln soll.

Da muss man sich nicht darüber aufregen, denn erstens kommt man womöglich gerade von seinem Schatz nach Hause, mit dem man ein wundervolles Wochenende verbringen durfte und zweitens gibt es ja auch ganz reizende Zugfahrten wie die Hinfahrt am Freitag zuvor, bei der in Ausnahme zu den sonst üblichen depressiv rumnuschelnden Zugführern, bei denen man stets hören kann, dass sie ihre Ansagen so schnell wie möglich hinter sich bringen möchten, offenbar ein ehemaliger Radiomoderator oder Werbeclipsprecher zum Zugführer umgelernt wurde und nun mit seiner sonoren Stimme selbst einen verlängerten Zwangsaufenthalt in einem Bahnhof wegen eines Notarzteinsatzes so formulierte, dass die meisten Fahrgäste darauf warteten, dass er seine Ansage mit dem Ceterum Censio „… und nun wieder die größten Hits der 70er, 80er und 90er Jahre!“ beendet.

Geht doch! Alles in Ordnung.

Knabberspaß und Fspsdspdas

Zwei kleine Fundstücke müsste ich dann noch loswerden:

Während ich als Teil der Besucherschaft des letzten sonntäglichen Flohmarktes am Mauerpark meine Fähigkeiten im Pfützenumhüpfen-bei-gleichzeitigem-Schirmausweichen testen konnte, fiel mein Blick auf eine der dort aufgestellten Buden und deren Name ist ein geradezu wunderbares Beispiel für eine positive Informationsvermittlung:

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Es fehlen vielleicht noch „sparen“ und „Porno“, aber der Ansatz wirkt schon sehr überzeugend. Kleine Kinder stehen davor und schütteln mit aufgeregtem Gesicht Chipstüten, während sie hineinzuhorchen versuchen.

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Eine ganz andere Form der Informationsvermittlung praktizierte am Montag die gute alte Frankfurter Rundschau, eine Zeitung, die früher oft dafür bekannt war, die Dinge beim Namen zu nennen. So auch dieses Mal:

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So deutlich wurde dies selten formuliert. Bravo! Endlich mal keine rhetorischen Nebelkerzen und verschwurbelten Beschreibungen. Das ist, was das Volk versteht. Vermutlich …  Unverständlich nur, warum es nur drei sein sollen …

Old Man

Ich musste schon ein wenig darüber nachdenken. Ist ja nicht ganz billig und dann noch Fahrtkosten und Unterkunft …

Aber letztlich musste es dann doch sein. Das Alter des Herrn wird nicht mehr allzuviele Möglichkeiten zulassen, auch wenn er gefühlt immer noch alle 6 Monate ein Album herausbringt. In dieser Regelmäßigkeit schaffen andere Gentlemen seiner Altersstufe nicht einmal ihre Prostata-Untersuchung.  Außerdem hat er mich mit seinem letzten Album „Psychedelic Pill“ mit seinen jedes Radioformat sprengenden Titeln irgendwie auf dem richtigen Fuß erwischt.

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Und wenn schon Herrn Young live ansehen und dann auch noch im Sommer, dann sollte es schon auch Open Air sein, nicht wahr? Also blieb nur Berlin, was ja grundsätzlich auch kein so schlechtes Kurztrip-Ziel darstellt. Dann auch noch in angenehmer Begleitung, also auf gehts … in gut 4 Monaten …

Und, Wettergott: Wehe, WEHE es regnet!

 

Bowie in Berlin

Eigentlich wollte ich über etwas Anderes berichten, aber nun hat mich das neue Jahr tatsächlich einmal überrascht. Nein, nicht diese expräsidiale Trennung, die war so vorhersehbar wie das Ende der meisten Tatort-Folgen. Es geht um bedeutenderes:

Es gibt Neues von David Bowie!

Dies bedeutet gleichzeitig, dass er offenbar noch lebt, was mich schon mal erfreut.  Nach zehn Jahren gibt es tatsächlich im Frühjahr ein neues Album von ihm und vorab schon mal passend zu seinem heutigen 66. Geburtstag eine neue Single nebst Video. In diesem Song zieht es ihn mal wieder nach Berlin. Er singt mit etwas gebrochener Stimme (Alter, Herzprobleme) vom Verlorensein zwischen Potzdamer Platz, KaDeWe und Nürnberger Strasse und natürlich erinnert das Jeden, der Bowie schon eine Weile verfolgt, an dessen „Berlin Years“ Mitte der Siebziger Jahre, in denen er sich meist zusammen mit Iggy Pop und im Drogenrausch von seiner Schöneberger Wohnung aus dem morbiden Charme der damals geteilten Stadt aussetzte. Die Alben Low, Heroes und Lodger stammen aus dieser Zeit und werden auch heute noch zu seinen bedeutenderen Werken gezählt.

Die getragene neue Single „Where are we now“ erinnert im Sound auch wieder ein wenig an diese Zeit und mich freut das. Bowie machte viel und dabei auch einigen Mist (Tin Machine und vor allem „Dancing in the Streets“ mit Jagger, waaah) aber er hat z.B. mit Changes, Starman, Wild is the Wind, Ashes to Ashes oder This is not America einige All-Time-Favourites bei mir hinterlassen, sodass eine gewisse Freude durchaus auch berechtigt ist. Vielleicht hätte man ihm und seinem Videoregisseur raten sollen, zur Verstärkung der Atmosphäre des Verlorenseins noch großzügig Aufnahmen von BER einzubauen, aber zu depressiv soll es ja auch nicht werden.

Oh, damit ihr wisst, von was ich hier rede:

David Bowie – where are we now

So, Fanboy-Modus aus!

Wind: Nord/Ost, Startbahn 0-3 …

Nun hat sich also die Eröffnung des neuen Justin BBI/BER unter den Großflughäfen ein klein wenig verzögert. Tss, eine Verzögerung an einem öffentlichen Bauwerk, das ist ja mindestens so exotisch wie eine Verdoppelung von ursprünglich angesetzten Baukosten.

Aber grämt euch nicht, ihr Flughafenwichtel, am Kölner Dom wurde rund 300 Jahre herumgebastelt, daran wird nicht einmal mehr die Elbphilharmonie in Hamburg herankommen. Was sind da ein paar Jahresz  Wochen mehr? Die Verzögerung des Flughafens Willy Brandt beruht offenbar auf Probleme im … hihi … Brandschutz. Das Leben hat schon noch die eine oder andere Pointe parat.

Das mit der Namensvergabe von Persönlichkeiten an Flughäfen ist in Deutschland eine noch recht neue Weise der Benennung. In New York gibt es schon lange JFK, in Paris CdG oder in Neu-Delhi den Mahatma-Ghandi-Airport, aber in Deutschland bisher nur FJS in Minga. Tot muss man aber schon sein, bevor man Flughafen-Namenspate wird, also wird es mit dem Beckenbauer-Airport noch ein wenig dauern. Sollte Leimen dereinst mal einen eigenen Flughafen bekommen, wird die Namensfrage schnell geklärt sein und in Dortmund gäbe es nach der derzeitigen Gefühlslage posthum bestimmt eine große Zustimmung zu einem Aeroporto di Kloppo. Das ist aber alles Zukunftsmusik.

Und was ist mit Deutschlands größtem, der beinahe vor meinen Fenster (f)liegt? Frankfurt-Airport, naja … Da müsste sich doch auch ein verblichener und überregional bekannter Namenspate finden lassen. Wer hatte denn hier Bedeutung? Hermann-Josef Abs wäre eine interessante Symbolfigur für den Finanzcharakter der Stadt (nein, Berlin, davon musst Du nichts verstehen), der Onkel von Udo Jürgens war mal Frankfurter Oberbürgermeister, aber ich weiß ja nicht … Sabrina Setlur lebt noch … Heinz-Schenk-Airport? Grabowski und Hölzenbein erfreuen sich ja gottseidank auch noch ihres Lebens … Liesel Christ-Flughafen? Aaah, jetzt habe ichs: Nennen wir ihn doch „Babba-Hesselbach-Fluchhafe“. Nein? Wirklich nicht?

Ach, es ist wirklich bedauerlich, dass Frankfurt keinen großen verblichenen Dichter und Denker zu bieten hat …

Berlimpressionen

Das nächste Mal mache es dann aber ganz bestimmt.

Was? Naja, ich betrete eine U-Bahn, warte kunstvoll einige Sekunden und lege dann los:

„Schönjutentach, verehrte Damunherrn, tschulljense die Störung, ick bitte nur kurz um ein klein wenich von ihre Uffmerksamkeit. Mein Name is Lord Foltermord und ick bin mal wieda zu Besuch in ihre schöne Stadt. Ick komme eijentlich aus Frankfurt und da bin ick es eenfach nüsch jewöhnt, wenn ma nach jeder Haltestelle Leute uff ihrer Quietschkommode oder Geige wat vordudeln oder misch zum Kauf vonner Obdchlosenzeitung zu Spenden nötjen wollen. Ick habe sehr jroßet Verständnis für die Notlage von mansche und spende ooch jerne hin un wieda, aber nüsch in diese Taktung. Könnten wa uns also druff einijen, det ick nur zweemal am Tach hier anjenötischt werde? Dit wäre janz knorke. Falls Ihnen meen Vortrach jefallen hat, har ick ooch nüschd gejen ne kleene Spende, ick will nämlisch jleich noch ins KaDeWe, wat koofen …“

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Ich mag das Berliner Idiom sehr gerne und durchaus auch die dortige Ureinwohner-Mentalität, es ist aber immer wieder belustigend, dass es irgendwie sogar dann leicht aggressiv klingt, wenn ein Urberliner „HALLO, MEIN LIEBER, ICK HOFFE, ES JEHT DIR JUT!“ sagt.

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Sir Vice lässt allen, die ebenfalls noch die Gemälde von Herrn Richter anschauen möchten, ausrichten, dass man letzten Mittwoch um viertel nach 10 circa 20 Minuten anstehen musste, das geht ja noch. Voll ist es halt, damit muss man leben können.

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Wunderte mich gestern, dass ausgerechnet das Stationsschild „Berlin-Wannsee“ in alter Schrift (offenbar gotisch)  geschrieben steht. Vermutete sofort eine Konfer einen Beschluss als Grundlage für derartiges und nicht, dass man seit 1912 einfach nicht mehr daran dachte, es zu modernisieren. Kurze Recherche ergab: Der Bahnhof Wannsee steht wohl unter Denkmalschutz und das ist offenbar eine der Folgen. Ganz konsequent ist man in der Umsetzung aber wohl nicht, denn es dürfen dennoch elektrische Züge den Bahnhof durchfahren.

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Tsstss, Bundespräsidentenvereidigung, Filmpremiere von Schweighöfers neuestem am Potsdamer Platz, Echo-Verleihung und Herr Sutherland war auch vor Ort, also maximale Promidichte und wen sehe ich?

Diesen blonden Moderator, der früher mal eine Show machte, wo Leute so ganz komische Sachen machten und prominente Gäste mussten drauf wetten, ob die das schaffen … wie hieß der gleich nochmal? … Irgendwas mit Teufel oder so … was macht der heutzutage eigentlich? …

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Besonders billig ist es nicht unbedingt, aber wenn ich ansonsten nach Musikalben in Läden schauen muss, wo sie zwischen PC-Spielen, Waschmaschinen und Stabmixern ihr Restleben fristen, genieße ich es doch jedes Mal, dieses Kulturkaufhaus in der Friedrichstraße zu betreten, in der es praktisch nur Musik und Bücher gibt. Sogar eine veritable Vinylabteilung haben sie dort.

(Die Scheibe oben neben der mit der Discotittenmaus kann ich übrigens wärmstens empfehlen.)

So ’n Sonntag!

Da träumte ich diesnachts doch, ich sei ganz kurzentschlossen schnell noch nach Berlin getrippt, um mir ein wenig Berlinale zu gönnen und erst dort seiend fiel mir auf, dass ich es nun wohl nicht mehr schaffen werde, mich rechtzeitig am Montag morgen an meinem Arbeitsplatz einzufinden, der nur knapp 500 km von Berlin entfernt liegt. Ob und wie ich es geschafft habe, dieses Problem zu lösen, wird auf immer im dunklen Zimmer der fehlenden Erinnerungen verbleiben müssen.

Der Grund für diese Träumerei ist allerdings nachvollziehbar, denn ich habe diese Woche sehr mit dem Gedanken geliebäugelt, in den nächsten Wochen der Hauptstadt einen Besuch abzustatten, obwohl ich dies erst vor einigen Monaten tat. Grund war der Wunsch, mir die dortige Gerhard-Richter-Ausstellung anzusehen. Da ich leider davon ausgehen muss, dass sich die Ausstellung beinahe schon kindisch dagegen verwehren wird, zu mir zu kommen, liegt der Aktivitätsnachweis wohl bei mir.

Herr Richter ist ja unter anderem verantwortlich für das Bild „Kerze“, dass sich vor einigen Jahren Dagobert Duck für mehrere Fantastilliarden Taler unter den Nagel (Blödsinn, Enten haben gar keine Nägel, auch die ganz reichen nicht!) gerissen haben soll … nein, er hat sich nicht den Nagel eingerissen, Ihr müsst hier schon etwas konzentrierter sein beim Lesen!

Dieses Bild ist übrigens gleichzeitig Motiv für das Sonic-Youth-Album „Daydream Nation“, welches nicht wenige für das Beste der Band halten. So, heutiger Bildungsauftrag damit abgefrühstückt.

Eigentlich wollte ich ja dringender mal wieder nach Hamburg … hmmm …vielleicht lässt sich dies ja verbinden … möchte mich jemand gerne zur Ausstellung einladen? Ich kann im Gegenzug dafür Warhol oder Munch (aber ohne „Schrei“) in Frankfurt anbieten.

Kaum wache ich auf, ist dann Whitney Houston tot und Hertha-Trainer Skibbe entlassen. Da musste ich dann doch kurz lachen … nicht über Whitneys Tod selbstverständlich, dass ist dann doch tragisch, wenngleich eher winehousig vorhersehbar als jacksonesk unerwartet.

Werden die heutigen Grammys also unter dem Eindruck von Skibbes Entlassung … QUATSCH … Frau Houstons Tod eher kontemplativ stattfinden, wenn überhaupt.

Um was es mir bei diesem Beitrag aber eigentlich ging: …