(I) AM OK!

Tja, und wenn ich mich eines Tages vor Gericht für eine aus der Kontrolle geratene Situation zu verantworten hätte, dann könnte sie durchaus ihren Ursprung in einem Tagesbeginn wie dem gestrigen haben.

Es fing damit an, dass ich mich erledigungshalber am frühen Morgen in der großen Stadt herumtreiben musste, in der sich demnächst Jogi Löw und Olli Bierhoff um den Titel des „Galopper des Jahres“ streiten können und mir dachte, dies dann wenigstens mit einem kleinen Frühstück zu verbinden. Wie bereits mehrfach berichtet, ist dies in einer Möchtegern-Metropole wie Frankfurt vor einer gewissen Uhrzeit nur sehr schwer zu realisieren. Und siehe da, auch das von mir anvisierte Cafe hat mittlerweile seine samstägliche Öffnungszeit auf10 Uhr korrigiert. Der Mainhesse schläft halt gern‘ e bissi länger, net wohr?

Grrrr! GRRRRR!!!!

Also blieb mir nur, einen dieser Bäcker mit Sitzmöglichkeit aufzusuchen, die netterweise wenigstens bereits geöffnet hatten. Ein Croissant und einen Automatenkaffee später wollte ich mich immer noch grollend ein wenig in meine Zeitung vertiefen. So einfach jedoch wollte es mir der Tag aber nicht machen. Am Tisch nebenan unterhielten sie zwei Damen mittleren (hüstel) Alters recht angeregt,aber von mir aus. Plötzlich begann das Smartphone der einen sich bemerkbar zu machen. Offenbar eines, dessen Besitzerin öfter mal aus einem komatösen Zustand befördert werden muss, denn es klingelte nicht nur in einem dieser äußerst nervigen, roboterhaften Töne sondern ließ dabei auch noch das eingebaute Fotoblitzlicht stroboskopisch aufblitzen. Noch mehr Aufmerksamkeit wäre wohl nur noch möglich, wenn es anfinge, zu brennen oder giftiges Gas zu versprühen.

DoppelGRRRR!

Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der sich Damemittlerenalters1 erstmal mit Damemittlerenalters2 über die Identität des Anrufers auslassen musste, entspann sich in etwa folgender Dialog, denn ich versuche, aus dem Gedächtnis zu rezitieren (Dialog stimmt nicht ganz, denn ich bekam ja nur einen Teil davon mit, aber ich denke, es ist klar, was ich meine):

„Hallo? … Herr Yilmaz! … Ach, Herr Yilmaz, haben sie meine Nachricht nicht bekommen? … ich habe Ihnen extra besonders früh … Herr Yilmaz, ich hatte Sie mehrfach versucht, telefonisch zu erreichen, aber … genau … Herr Yilmaz, Haben sie gerade Ihr Handy dabei? … Ich hatte zwei Haken an meiner Nachricht, daher dachte ich … Herr Yilmaz, das tut mir schrecklich leid … Herr Yilmaz, ich bin immer noch ganz verstört von der Sache am Dienstag … ja, das verstehe ich … Herr Yilmaz, die Sache von Dienstag hängt mir noch sehr nach … ach, das ist schade,das wollte ich nicht … herr Yilmaz, ich werde Sie künftig einfach solange anrufen, bis Sie drangehen … ja, das kann ich gut verstehen … das weiß ich doch … Herr Yilmaz …“

Ich breche an dieser Stelle die Wiedergabe ab, glaubte ich doch zu hören, wie der Herr am anderen Ende der Leitung, dessen Name mir leider entfallen ist, sich einen Strick zu knoten begann.

Glücklicherweise lief der Tag dann weniger nervenbelastend weiter, wäre ich aber beim Verlassen der Bäckerei in einen der frisch angerichteten Hundehaufen getreten oder angesprochen worden, ob ich nicht der Afd beitreten möchte, weiß ich nicht, wie die Sache ausgegangen wäre.

Ich erwähne dies hier nur rein vorsorglich, nur falls mal jemand glaubt, mich verantwortlich dafür machen zu wollen, eine Lebensgefährtin durch die geschlossene Klotür erschossen zu haben. Ich habe ja nicht mal eine … Doch, eine Klotür schon!

Längengrade der Inspiration

Zunächst einmal Allen noch ein gutes neues Jahr! Ich hoffe doch sehr, alle verehrten Lesefröschlein haben den Sprung nach 2013 geschafft. Ich wäre ansonsten untröstlich …

Ich muss es unumwunden zugeben: Lange schon habe ich mir keinen Atlas mehr gekauft. Zur Schulzeit waren sie erzwungene Unterlage, meist in halbtransparenter blauer Folie eingebunden und spätestens Anfang Juli nicht mehr in meinem Besitz. Derjenige, welcher sich derzeit noch im Regal breit macht, ist jedoch immerhin noch so aktuell, dass er keine DDR noch UdSSR mehr aufzeigt. Immerhin. Das letzte Mal hatte ich ihn glaube ich bemühen müssen, als ich mir nicht sicher war, ob der künftige Fußball-WM-Ausrichter Katar wirklich ein richtiges Land oder doch nur ein Verbund von Ölfördertürmen ist.

Aus diesem Grunde bin ich auch auf dem Atlantenmarkt nicht so ganz auf der Höhe der Zeit. Mittlerweile scheinen sich Atlanten nicht mehr nur mit dem schnöden geographisch Belegbaren abzugeben, sondern sie erweitern ihr Betätigungsfeld darüber hinaus.

So gibt es nun beispielsweise einen „Atlas der fiktiven Orte“ der sich mit sagenumwobenen Orten wie Atlantis, Utopia, Eldorado oder Bielefeld beschäftigt.

Noch hübscher fand ich allerdings einen „Atlas inspirierender Orte“, weshalb ich ihn mir auch zu Weihnachten oder Neujahr oder wasauchimmer schenkte. Bahnhofstoiletten beispielsweise bieten wohl bestenfalls drittklassigen Stand-Up-Comedians noch Inspiration, aber das Werk listet durchaus auch das Stille Örtchen als Inspirationsquelle auf. Genauso wie die Badewanne, aber keine Angst, es geht hier nicht um Barschel, sondern mehr um Archimedes und Loriot.

Darüber hinaus beschäftigt man sich aber auch mit mehr oder weniger naheliegenden Inspirationsorten wie der Kneipe, dem Kaffeehaus, Hotels (hier auch mehr Chelsea Hotel als Economy Inn am Hbf), Bibliotheken, dem Garten sowie Meer und See aber auch Orten, die einem bei diesem Thema wohl nicht sofort in den Sinn kämen wie Friedhöfen, Gefängnissen, oder dem Kaufhaus. Alle Orte werden mit diversen Beispielen benannt und vor allem wird das Ganze sehr hübsch illustriert.

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Welche Orte inspirieren mich besonders? Einerseits vor allem jene, in den es trubelig ist, ich aber einen netten Platz ein wenig abseits habe, um beobachten zu können. Cafe, Kneipe, Konzerte und derlei. Gerne auch Bahnhöfe, leider ist es dort aber zumeist (Knallerwortwitz!) zugig und damit ungemütlich und lädt nicht zum träumerischen Verweilen ein. Andererseits kenne ich beispielsweise einen kleinen Park mit chinesischem Garten mitten in der großen Stadt, in dem man ganz wunderbar die Seele baumeln lassen und nachdenken kann.

Sicherlich fallen Vielen auch noch weitere inspirierende Orte ein, die hier nicht erwähnt werden, z.B. eine aus Decken und Couchelementen selbst gebaute Höhle im Wohnzimmer oder „ihre“ Achselhöhle, aber im Idealfall ist dieses Werk, das sicher eher Coffeetable-Literatur als Nachschlagewerk ist, genau das:

inspirierend.

Habe jetzt große Lust auf einen Kaffee …

P.S.: Das Buch selbst holt einen auch wieder in die eher prosaische Gegenwart zurück, wenn man lesen muss, dass der Illustrator  – immerhin Literaturwissenschaftler und Grafikdesigner – als Kellner, Grafiker und Dozent tätig ist. Die Romantik des Kapitalismus. Wahrscheinlich wohnt er auch noch in einer Dachkammer in Neukölln …

Nicht die Bohne!

Werte Frankfurter Cafe-Betreiber!

Ich schrub darüber bereits an anderer Stelle, fühle mich jedoch aufgrund aktueller Geschehnisse wieder mal motiviert, eine gewisse Problematik zu thematisieren.

Dabei geht es mir heute nicht darum, dass sich heutzutage von der InternetTelefonkarten-Butze über den Dönerladen bis hin zur Spielhalle so ziemlich alle Läden „Cafe“ nennen, dafür könnt Ihr nur bedingt etwas (an dieser Stelle auch ein minder herzliches „Hallo!“ an die Potsdamer Gastronomie).

Das Problem ist ein anderes: Wenn ich mich zwecks Aufnahme eines Frühstücks in ein derartiges Etablissement begebe, dann tue ich dies – nennt mich hier ruhig Traditionalist – gerne deutlich vor Sonnenuntergang. Dies wird jedoch spürbar erschwert, wenn eine ganze Reihe Frankfurter Cafes erst um 10 Uhr oder sogar noch später öffnen. Was an dem Wort „Frühstück“ versteht ihr denn nicht?

Es spricht ja überhaupt nichts dagegen, auch die Langschläfer zu bedienen, deshalb finde es heutzutage auch affig, Frühstück nur bis 12 Uhr anzubieten. Aber es sollte doch möglich sein, auch den Lerchen ein wenig Futter zu bieten.

Genau solche Dinge sind es, die eine Gernegroßstadt wie Frankfurt von wirklichen Metropolen unterscheidet. Ich will hier überhaupt nicht von dieser eher rustikalen Cafe-Kette aus Hamburg anfangen, die in einigen ihrer Filialen von der Putzstunde abgesehen rund um die Uhr aufhaben. Schließlich haben wir hier auch keine Reeperbahn. Es sollte doch aber möglich sein, zmindest mal um 8:30 Uhr zu öffnen. Mein Magen hat dann bereits über 12 Stunden nichts zu tun gehabt und wird dann gerne mal grummelig.

Pah, werden jetzt einige der Betreiber einwerfen, da kommt doch noch keiner! Natürlich nicht, weil Ihr sie die letzten Jahre entsprechend konditioniert habt, muss ich hier vernichtend urteilen. Kundenservice ist anders!

Reißt Euch also mal ein wenig zusammen, was sollen denn die Gäste von uns denken?

Oh, ich sollte ja mit etwas Positivem enden … okay, es gibt da ein Cafe am BCN-Turm an der Friedberger Landstrasse unter neuer Leitung. Die öffnen zwar auch erst gegen halb zehn, führen aber Fair-Trade-Produkte, bemühen sich und sind nett, der Kaffee ist durchaus lecker und es ist gemütlich eingerichtet, was mich dann doch mit diesem Morgen versöhnte. Guckstu hier:

Geht doch …!

Regionalprogramm

Werte Frankfurter Gastronomiestätten, die Ihr Euch gerne mal „Café“ oder „Café Bistro“ oder dergleichen nennt und morgens um 10 Uhr noch nicht geöffnet habt:

GEHT STERBEN!!!

Wann sollte Eurer Meinung denn ein Café geöffnet haben? Mittags von 15 bis 17 Uhr, damit einige Omis und Halbtagsmuttis ihren Schonkaffee oder Lattucchino genießen können? Oder abends ab 19 Uhr, denn wann mag das Bedürfnis, ein Cafè zu besuchen größer sein, als nach Einbruch der Dunkelheit in Erwartung des allseits beliebten Mitternachtskäsekuchens?

Ich  weiß ja, dass Frankfurt eher so eine Gernegroßstadt ist und lege sicher nicht die Erwartungen zugrunde, die mir beispielsweise in Hamburg oder Berlin erfüllt werden. Aber dass man bei „Café“ eine Institution erwartet, die sich bereits am Morgen dem Publikum öffnet, scheint mir keine perverse Neigung zu sein..

So, das musste mal raus …

Auf der Suche nach einer Befriedigungsmöglichkeit für morgentliche Kaffeesucht stößt man dann unversehens auch auf folgende Beschilderung:

Nein, es geht nicht um verfremdete Namen und Telefonnummern. Es geht auch nicht um die ungewöhnliche Vornamensschreibweise. Eventuell kommt die Dame ja aus Frrranken oder es gab eine „2 für 1“- Aktion beim Schilderdienst oder was auch immer.

Es geht auch nicht um das Katastrophenapostroph. Dies in der heutigen Zeit noch zu kritisieren, hieße doch nur, Athen’s Eulenbestand in’s Unzählbare zu steigern.

Aber „Marrions Friseur & Shop“? Oder um es noch deutlicher zu formulieren: ???

Gut, in Zeiten totgerittener Wortspielchen wie „Haarscharf“, „Schnittchen“ oder „Coiffeur Schneider“ ist dies ein beinahe sympathisch wirkender Dadaismus, aber dennoch bleibt die Frage „???“. Ein Fall für Galileo Mystery, oder? Immerhin, ich freue mich für Marrion, dass sie sowohl einen  Friseur als auch einen Shop ihr eigen nennen kann und sich nicht wie jeder Dritte heute als „Lifecoach“ verdingen muss. Aber dennoch …

Mika Milchkaffee

Yippiieeeh, endlich hat die Mainmetropole auch mal wieder einen lokalen Aufreger jenseits von Gut.tenberg, Gad.dafi und Getreidesprit (jahaa, ich habe schon Alliterationen benutzt, da war „Bauer sucht Frau“ noch der feuchte Traum eines Erteel-Praktikanten!).

Dazu muss ich kurz ausholen: In Frankfurt gibt es einen Stadtteil namens Nordend, der mittlerweile offensichtlich einen ähnlichen Ruf wie Berlin-Mitte oder Prenzlberg hat, was seine Bewohner betrifft. Gut bis besser situierte Pärchen sollen sich dort niedergelassen haben, der Stadtteil wird gerne als „schwarz-grün“ bezeichnet und die horrenden Mieten sorgen dafür, dass sich asoziales Pack wie ich dort erst gar nicht niederlassen kann. Ja, auch ich wohnte dereinst im Nordend. Es waren zwar nur die ersten zweieinhalb Lebensjahre aber diese frühkindliche Erfahrung lässt mich immer noch mit dieser Gegend verbunden bleiben.

Auch die Produktion von Nachwuchs scheint im Nordend gut zu gedeihen und ist die Brut erst geschlüpft, bieten einige Parks in der näheren Umgebung Auslauf und Vergnügen. Hin und wieder wollen sich Muttis aber auch mal jenseits von Spielplätzen treffen und ein wenig plauschen und da setzt das Problem an.

Eines der im Nordend befindlichen Cafés hat nun mittels Aushang wissen lassen, dass es Café und keine Hüpfburg sei und sich damit als nicht besonders kinderfreundlich geoutet, was natürlich prompt zu großer Aufregung führte. Die Betreiber waren laut Presse zutiefst entnervt von sich im Café breitmachenden Mütterhorden, die den Laden in Beschlag genommen und zur Krabbelstube umfunktioniert haben sollen.  Freie Entfaltung der Kinderseelen stand dabei wohl im Vordergrund, was aber nicht unbedingt von den anderen Gästen goutiert wurde.

Ob dies übertrieben dargestellt ist, kann ich nicht beurteilen, aber als recht regelmäßiger Gast solcher Etablissements kann ich eigene diesbezügliche Erfahrungen beisteuern. Es ist schwer, bei ständigem Geplärre mal in Ruhe etwas zu lesen und wenn am … nein … auf dem Nachbartisch ein öffentlicher Windelwechsel stattfindet, während man selber bis dato mit Lust an seiner Mousse au Chocolat genascht hat, sind auch meine persönlichen Toleranzgrenzen überschritten. Gleiches gilt für Eltern, die sich als Mittelpunkt des Universums begreifen und sich darüber echauffieren, dass ein Gartencafé keine Mikrowelle zum Babymatschebreiwarmmachen hat, als gehörte dies zur selbstverständlichen Grundausstattung.

Ich möchte hier aber nun wirklich keine Progromstimmung gegen diejenigen schüren, die sich um die Sicherung Eurer Renten (für meine waren schon Andere zuständig) verdient machen. Deswegen halte ich es auch für wenig hilfreich, wenn eine überregional bekannte Tageszeitung, welche vor allem in Frankfurt Rundschaut, am Wochenende das Thema ordentlich in den Vordergrund stellt, dabei  jeweils einen Pro- und einen Contra-Kommentar hineinwirft, die ich beide für bedenklich halte und sich dann heute sogar auf dem Titelblatt mit den aus dem selbstgeschürten Popanz resultierenden Reaktionen der Gut- und Wutbürger beschäftigt.

Der Pro-Mann beschwerte sich über Wickelmütter, die in Cafe sitzende Geistesgrößen kantscher oder marxscher Prägung am Neuordnen der Welt hindern. Ich sehe andere Besucher in Cafés und da sind mitnichten vorwiegend Dichter und Denker anwesend. Der Contra-Mann hingegen ging gleich ins Allgemeine, fühlte mit den Diffamierten und man war beinahe enttäuscht, dass der Kommentar nicht mit einem H*tler-Vergleich endete.

Heute wurde nochmals etwas sachlicher thematisiert, aber eine schnelle Lösung scheint sich nicht abzuzeichnen. Natürlich könnten sich einige Cafés zur kinderfreien Zone erklären, andere wiederum sich bewusst dieser Zielgruppe öffnen, aber diese Separatisierung ist mit äußerster Vorsicht zu betrachten, ansonsten muss man irgendwann sehr genau suchen, um ein Café für nichtrauchende, kinderlose Singles mit dunklen Haaren, leichtem Sprachfehler und gemusterten Unterhosen zu finden.

Ein Lösungsansatz könnte sicher auch sein, dass sich manche Eltern mal ein wenig mehr um ihre Umgebung kümmern und ihre Leons, Finns und Lenas auch ein klein wenig im Zaum halten. Keine Angst, es bleibt doch später noch genug Zeit, ADS oder Autismus zu entwickeln oder sich im Supermarkt ostentativ und andauernd auf dem Boden zu wälzen und zu schreien, als wäre man angezündet worden, weil man die Quengelware nicht bekommt.

Ich rechne damit, dass es im sozialen Netzwerk bereits entsprechende Dafür- und Dagegen-Gruppen gibt, sich gegenseitig Dreck in die Accounts werfen. Demnächst dann vielleicht ein Bürgerbegehren, dass man ja noch super mit der Forderung nach Anwohnerparkplätzen an den örtlichen Friedhöfen verbinden könnte.

Ja, das sind so Probleme, die Ihr in Heinis Pilsstübchen nicht so sehr kennt, aber dafür ist dort hin und wieder der Zapfhahn verdreckt und so hat jeder sein Kreuz zu tragen …

Dienstagebuch

Sofern man sich einen kurzfristig entstandenen freien Tag mit Inspektionshintergrund durch den Genuss eines Frühstücks in einem frühstücksservierenden Etablissement aufwerten möchte, sollte man tunlichst darauf achten, nur dann das Schälchen mit dem Honig von der Tellermitte an den leicht geneigten Rand zu bugsieren und dann für mehrere Minuten aus den Augen zu lassen, wenn man experimentierfreudig ist und unbedingt einmal Salami-Käse-Butter-Gurkenscheibe-an-Honigjus probieren möchte.

Honig auf ein Brötchen zu träufeln ist im Übrigen eine ganz wunderbare Entspannungs- wenn nicht gar Meditationsübung. Spirituell versierte Existenzen malen dabei noch ein Mandala aus.

Kann man übrigens auch machen: In der U-Bahn einen Halbliterbecher Buttermilch vor sich hertragen, nach gefundener Sitzgelegenheit diesen so zu öffnen, dass der Aludeckel in möglichst viele kleine Fetzen zerreißt und den Inhalt anschließend derart zu verschlingen, als wäre man Teilnehmerin in einem Schnellsaufwettbewerb. Oh, mannigfaltige Welt!

Gerade entdeckt: Eine Frankfurter Sparkasse bietet ab sofort die AdlerCard an. Eine Bankkarte mit dem Wappenmotiv von Eintracht Frankfurt nebst diversen Fanvorteilen. Sehr gute Idee! Und so kommunikationsfördernd! Welch Spaß, sich beim Geldabheben am Straßeneck-Automaten  in anderen Städten die Kauleiste neu modellieren zu lassen, während um einen Fangesänge irgendeines Effzeh oder was auch immer skandiert werden …

Die heute oder morgen zu erwartende Mitteilung über den Ausgang der Inspektion sowie der durchgeführten Hauptuntersuchung meines Gefährts und der damit verbundene und erwartete finanzielle Aderlaß nötigen mich dazu, vorsichtig anzufragen, ob sozial engagierte Menschen eventuell bereit sind, diesen Blog tageweise oder auch länger zu mieten (Verhandlungssache). Immerhin hatte er in den letzten Monaten jeweils zwischen 1.200 und 2.500 Aufrufe und die Leserschaft ist samt und sonders intelligent, attraktiv, wohlriechend und vielseitig interessiert. HeiratskandidatInnen allesamt, sogar die verheirateten.

Im Zweifelsfall kann ich diese Seite auch dem Welthandballverband übergangsweise zur Verfügung stellen, bis sich die Zustände in Ägypten wieder geklärt haben.

Interesse anyone? Ich möchte mich nur ungerne gezwungen sehen, mich an Atomenergieverbände zu wenden …

Lordiot

Die Szenerien, über die sich Generationen von Zuschauern seit vielen Jahren beöm … amüsiert haben, leben unter anderem auch davon, dass sich der sehr geschätzte Herr von Bülow ausgiebig im Leben der Menschen umschaute und die Komik des Alltäglichen fein herausfilterte.

Was Wunder also, wenn man sich in seinem eigenen Alltag hin und wieder in eine Loriot-Situation versetzt fühlen darf, wie auch ich dieser Tage. Nein, man hat mich nicht heimlich bei der Teilnahme am VHS-Kurs „Französisch Jodeln für Anfänger“ erwischt. Es klingelten auch nicht mehrere Vertreter an meiner Tür während ich noch mit dem Haushalt beschäftigt war, bei mir fragte auch nicht der Vatikan bezüglich der Beteiligung an einer Herrenboutique an und schon gar nicht teilte ich mir eine Badewanne mit einem Vorstandsvorsitzenden aus Lüdenscheid.

Meine loriotesque Szenerie betraf die Situaton im Restaurant. Gut ,einige Details wichen ein wenig von der Vorlage ab. Es war ein Café und kein Restaurant (in dem ich übrigens zu jenem Zeitpunkt der einzige Gast war). Es ging auch nicht um die berühmt-berüchtigte Kalbshaxe „Florida“ sondern um Zupfkuchen sowie einen hausgemachten Weihnachtsstollen und die mir von 2 immer wieder die Räumlichkeiten durchquerenden Beschäftgten gestellte Frage war auch nicht „Schmeckts?“ sondern eher ein „Bei Ihnen alles okay?“ in verschiedenen Variationen, dies aber gefühlte 35 Mal innerhalb einer halben Stunde. Mehrfach wurden mir auch die Vorzüge des hausgemachten Weihnachtsstollens angepriesen und ich kam mir beinahe schäbig vor, mich für den Zupfkuchen entschieden zu haben anstatt den sicher sehr leckeren hausgemachten Weihnachtsstollen zu wählen.

Mit Zupfkuchen im Mund spricht man „Zupfkuchen“ übrigens eher wie „Mupfmuhen“ aus. Das wäre mir mit hausgemachtem Weihnachtsstollen sicher nicht passiert.

Eine entscheidende Differenz zum Loriotsketch gab es aber, denn mir platzte nicht irgendwann der Kragen um laut „JAAA!“ zu brüllen, was aber zumindest zu einem Teil daran lag, dass die beiden Beschäftigten plötzlich zum Schneeräumen abkommandiert wurden. Dies hinderte jedoch einen der beiden nicht daran, mir pantomimische Gesten durch das Panoramafenster zu widmen, deren Inhalt auch ein Laie ohne große Mühe als eine „Alles okay?“-Variation  interpretieren konnte. Wie schade, dass ich irgendwann aufbrechen musste. Nun weiß ich wieder nicht, wie es um meine nervliche Belastungsgrenze in der Vorweihnachtszeit bestellt ist.

Mit diesem ausführlichen Einblick in mein abenteuerliches Freibeuterleben möchte ich meine Lesefröschlein in einige wunderbare und liebevolle Feiertage entlassen. Fühlt euch dezent genasstupst!

P.S.: Wer in der Überschrift „Lordidiot“ gelesen hatte, sollte sich was schämen … nun ja, ein klein wenig zumindest …