Kaskaden der Fremdscham

Wie eine Blume am Winterbeginn und so wie ein Feuer im eisigen Wind, wie eine Puppe, die keiner mehr mag, fühl ich mich an manchem Tag, den ich mich deutschem Liedgut widme …

Ach nee, der Beginn ist zu siegellastig. Nochmal von vorne:

„HUUUUH, HUUUHH!“ jammert die deutsche Seele und dicke Kullertränen rinnen an ihrem speckigen Kinn herab, „die Welt nimmt uns in Sachen Musik einfach nicht ernst, dabei kommen so berühmte Musiker wie Goethe und Daimler aus Deutschland. Immer nur England und Amerika und so …“

Naja, deutsche Seele, ist schon klar, dass sowas wehtut, wo man in vielen anderen Sachen doch so gut ist. Pünktlich sein, Fußball, Weltkriege anzetteln … Aber in manchen Dingen reicht es einfach nicht für ganz vorne. Das muss man auch mal akzeptieren können und das ist sicher auch nicht nur ein dummer Zufall.

Nehmen wir gestern Abend als beredtes Beispiel: ESC-Vorentscheid. Zwölf Darbietungen zur Auswahl und wer sie sehen musste, dem wurde wahrscheinlich klar, dass wir uns besser wieder aufs Autobauen konzentrieren sollten. Die Spannbreite ging von „nicht ganz so …“ bis „hochnotpeinlich“ und deutschen Siegesjubel in südlichen schwedischen Gestaden in einigen Wochen konnte man sich ehrlicherweise bei keinem Song vorstellen.

Immerhin waren sich die Radiohörer Deutschlands unisono einig. LaBrassBanda sollten es sein! Nun ja, warum nicht? Ich hatte sie schon mal live gesehen und für eine Stunde kann man das tatsächlich originell finden, danach aber zumindest noch sympathisch.  Exotischer als dereinst Lordi wären sie auch nicht gewesen. Da man aber den Fernsehzuschauern noch die Möglichkeit zum Wählen ließ, während die Radiovotes bereits gelaufen waren, wussten interessierte Kreise nun, was zu tun wäre, wenn man noch ein anderes Gesicht nach Malmö schicken möchte.

Und siehe da: Tatsächlich wurden es schließlich nicht die Nackerten aus Deutschlands Süden, sondern eine blond-dralle Presswurst aus Bonn, die einfach noch mal den Siegertitel des letzten ESC nachgesungen hat, nur halt in schlechter. Aber soll man wirklich darüber überrascht sein? In einem Land, das sich darüber beömmelt, dass ein ebenfalls blonder Barde, der früher auch schon mal zu Wahlkampfzwecken alle drei Strophen der Nationalhymne für die DVU einsang, nun über ärztliche Löcherrr in derrr Hooose singt, und dies völlig unoriginell? Wohl kaum.

Jedes Volk hat die Musik, die es verdient, so traurig ist das.  Deutschland kann halt vor allem Rumpelrock, dumpfe Eurodisco und neuerdings auch pathetisches Emo-Mystery-Geknödel. Schade halt nur für die tatsächlich guten Musiker, die es auch in Deutschland gibt.

Jetzt schnell die neue Nick Cave hören und alles wird gut oder was auch immer …

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Alles was zählt

*dingdong*

Oh, nein, diesmal ist es nicht nicht die nymphomane Nachbarin, die mal wieder Zucker benötigt oder der verwirrte Alte, der fragt, ob er mal schnell mit den Aliens telefonieren darf, weil er seine Geldbörse bei ihnen vergessen hat. Diesmal ist es der Volkszähler!

Ach, jetzt stellt Euch mal nicht so an! In jedem Laden muss hin und wieder Inventur gemacht werden. Am Ende sind wir womöglich nur 50 und nicht 80 Millionen und wir können uns einige Autobahnen und Industriegebiete sparen. Außerdem werden ja nur 10% der Bevölkerung befragt und nur ganz harmlose Dinge. Bevor ihr also Klage beim Bundesverfassungsgericht einreicht, denkt mal kurz darüber nach, was ihr sonst alles freiwillig von Euch preisgebt, vor allem im Netz, inklusive Fotos des aktuellen Morgenschisses.

So ganz naiv solltet ihr an die Sache dennoch nicht herangehen. Bei folgenden Gesprächsverläufen beispielsweise möchte ich zur äußersten Vorsicht und geeigneten Maßnahmen raten:

„So, während Sie diesen Bogen ausfüllen, möchten Sie vielleicht ein wenig mit mir über Gott reden?“

„Sie haben aber eine toll eingerichtete Wohnung! Ist das denn auch alles ausreichend gegen Waserschaden und Diebstahl versichert? Ich habe hier zufällig …“

„Jetzt benötige ich noch die Anzahl der vorhandenen Slips. Haben Sie auch welche in pink und aus Seide? Tragen Sie momentan einen davon?“

„Haben Sie eine Alarmanlage im Haus? Falls ja, welche Firma und welches Modell?“

„Wolle Rose kaufe?“

„Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, welcher Partei …“

„Hätten Sie etwas dagegen, meinem Cousin, ein nigerianischer Prinz, ihr Konto gegen eine großzügige Belohnung vorübergehend zur Verfügung zu stellen, um seine 25 Millionen Nigitaler, die ihm das verbrecherische System wegnehmen will, retten zu können?“

„Ich sehe, Sie haben einen Fernseher und Radio im Haus. AHA! Wieso sind die bislang nicht angemeldet???“

„Was ist das für eine rote Flüssigkeit, die unter Ihrer Badezimmertür durchsuppt? Hier schreit doch irgendwo auch jemand, oder? “

Wer also ein wenig achtsam ist, hat sicher nichts zu befürchten. Alles wird gut und wer weiß, vielleicht bleibt die Eintracht ja doch in der ersten Liga … (keine dummen Sprüche!!!)

Dönerbude dans la Plage

Aus der Reihe „Stille Tage im Klischee“ heute:

Unterschiede von französischen zu deutschen Filmen:

Französische Filme:

Sie zeigen 2 Stunden lang Menschen am Strand, am Swimming Pool oder in einem Pariser Café, die sich über Gott und die Welt, die neuesten Philosophen oder die Unausweichlichkeit der Unausweichlichkeit unterhalten. Dabei sehen Menschen grundsätzlich und selbst nach 30 Jahren Raucher- oder Säuferkarriere noch wunderschön aus und das Sonnenlicht reflektiert sich in ihren Haaren.

Gerne zeigt man filmelang auch Familienfeste in hydeparkgroßen Hausgärten. Es wird gestritten, getechtelmechtelt und Bündnisse geschmiedet, der 102jährige Großonkel verstirbt sehr stilvoll mit einem Glas Wein in der Hand und der beleibte wie beliebte Cousin treibt Schabernack mit den Kindern.

Wird es kriminell, sind meist Romy Sch.neider oder Catherine Den.euve oder Frauen, die wie Romy Schn.eider oder Catherine Dene.uve aussehen die hnreißenden Täterinnen und alle haben eine nachvollziehbare Motivation, die zudem den ermittelnden Commissaire in eine gefährliche Leidenschaft versinken lässt. Am Ende steht häufig ein grobkörniges Schwarzweißbild, das eine Küstenlandschaft zeigt.

Für Humor in Filmen sind Menschen wie Jacques Tati zuständig.

Die Musik ist meist verspielt und leicht, gerne wird auch ein Akkordeon eingesetzt.

Deutsche Filme:

Sie zeigen, wie angetrunkene Männer an Currywurst- oder Dönerbuden regnerischer Großstädte stehen und sich über Fußball, Frauen und Ausländer unterhalten. Gerne zeigt ein Film auch das Leben einer sozial auffälligen Familie im Plattenbau, wobei besonderer Wert auf den Einsatz besonders gedämpfter, deprimierender Farben gelegt wird.  Man sieht 25jährige, die aussehen wie die eigene Mutter, die jahrzehntelang mit Zigarette im Bräunungssarg lag und gescheiterte Professoren zwischen Wodka und Nerventabletten. Der Abspann zeigt gerne einen in der Gosse liegenden toten Junkie neben seinem toten Hund.

In Krimis stapfen melancholische KommissarInnen durch neblige Moore und Wälder oder Münchner Vorortvillen. In letzterem Fall ist die überspannt agierende Schwester die Täterin.

Für Humor in Filmen sind Menschen wie Tom Ger.hardt oder Til Schwei.ger zuständig.

Die Soundtracks kommen gerne von Ram.mstein, Discopoppern  oder poststrukturalistischen Minimaltechnomusikern.

Noch Fragen?

NichtWarnung

Wie ich feststellen musste, wurde WordPress offensichtlich Opfer eines Hackerangriffs. Man empfiehlt nunmehr den Nutzern, das Passwort zu ändern, um seinen Account vor unber

Wie sich jetzt herausgestellt hat, ist nähmlich überhaupt gar nix passiert, es muss auch kein Passwort geändert werden, alles okay. Was ich eigentlich schreiben will: So kan es nicht mehr weitergehen mit Deutschland und mit diese Ausälnder und allem. Die müssen nähmlich hochere Zinsen zahlen gefälligst, wenn die sich schon breitmachen tun in unsere Land (also hier das Deutschland) und nur Autos klauen und so. Auserdem sollen die Weiber nicht ständig mich und meine Kumpel die Arbeitspläze wegnehmen. Die sollen Kinder bekommen und groß ziehen und kucken, dass die Küche nicht so dreckig sein tut und genug Bier da ist und digge TitBrüste haben, da haben die voll genuhg zu tun, die Weiber. Dann würd ich nähmlich auch auf die Uni aufgenommen werden. weil ich hab das echt voll drauf. Jetzt ist mir das aber so wie so voll egal, weil ich mach ein Kafe auf in Major Malo Spanien, so für Promis und so, das habt ihr davon! Euer Lord Vlottermord

Unfassbar!

Ich kann mich hier nur entschuldigen. Wenn ich dieses Hackerbürscherl in die Finger bekomme, dann …

Splitter

Völlig verwirrt in der Katastrophenwelt. Man sieht mal wieder Bilder von einem Gebäude, über dem Rauch aufsteigt und merkt erst nach geraumer Zeit, dass es dieses Mal um Libyen geht. Das ist ja unerhört, die sollen gefälligst Ruhe geben, bis das Andere sich gelegt hat, nicht wahr?

Ich hoffe sehr, dass  Hitori, Yakuma und all den Anderen, die konsterniert auf Überbleibseln, die einmal ihr Leben waren, sitzen, die ganze Tragweite dieser Mehrfachtragödie erst nach und nach in kleinen Happen bewusst wird, sonst bliebe ihnen wohl nur, den Verstand zu verlieren. Ich weiß beim Besten willen nicht, wie ich das schaffen könnte. Mir haben in den letzten Tagen bereits intensive berufliche Inanspruchnahme in Verbindung mit tagelangem Zuschauen, wie dort eine Welt im Untergang ist, genügt, um mir nervöse Macken, schlechten Schlaf und Probleme beim ruhigen Atmen einzufangen.

Ein Moratorium? War das wirklich gemeint? Oder eher eine Moritat? Ging es vielleicht – wäre ja naheliegend – um Mortalität? Oder um Mortadella? Kernkraftwerksprokrastination scheint mir kein geeigneter Ansatz zu sein. So ein Schippchen Mut, ein kleiner Teil der Menge, die viele Menschen in Japan derzeit benötigen, genügte schon, Wesentliches zu verändern. Aber einen Umwälzminister gibt es noch nicht. Bis vor kurzem dachte ich noch, man könnte lediglich so triviale Dinge wie die Nutzung eines Doktortitels aussetzen.

Ds gibt man viel Geld aus, um mit Pisa-Tests der Deutschen Intelligenz zu messen. Das ginge einfacher. Nur mitbekommen, dass in Deutschland derzeit Geigerzähler und Jodtabletten ausverkauft sind, wäre doch aussagekräftig genug. Da gebe ich doch gerne noch weitere Tipps: Wenn die bösen Wolken wirklich kommen sollten, einfach unter den Tisch ducken oder stets eine Packung Bleistifte zum Schutz vor der Strahlung mit sich führen.

Ich erwähnte es bereits in der Zwitscherwelt; derzeit bin ich froh, keine Kinder im frageintensiven Alter zu haben, denen ich das alles irgendwie erklären müsste. Andererseits, vielleicht machten sie es ja wirklich besser …

Ich gehe jede Wette ein, dass in den Giftschränkchen einiger Boulevard-Journallie der Begriff „Mega-GAU“ auf seine Freisetzung wartet, denn so ein Super-größteranzunehmenderunfall genügt irgendwann einfach nicht mehr. Bei der Gelegenheit könnte man ja auch gleich mal im Bedeutungswörterbuch die gerne und häufig genutzte „Apokalypse“ nachschauen.

Um hier nicht nur blöd rumzuquaken:

Einfach eine SMS mit „DRK“ an die 81190 senden, Pro SMS gehen 5,00 € als Spende an das rote Kreuz für die Opfer in Japan. Kann man sogar mehrfach machen, Wunder der Technik.

Danach

Eine wahre Nagelprobe für Freundschaften ist beispielsweise die Bereitschaft, zu zweit acht Sitzplätze für die nach und nach Eintrudelnden freizuhalten.

Manchmal entscheidet man sich ganz pragmatisch gegen den Schlemmerteller und für den Feta-Börek, einfach weil die Warteschlange dort viel kürzer ist.

Da schaut man gegen 20 Uhr auf die Wand am Rand der Wiese und das, was sich dort schemenhaft abspielt (im Zweifelsfall nix, weil gerade Tagesschau läuft) und das Wort „Tageslichtbeamer“ bekommt einen sehnsüchtig verklärten Reiz.

Ich hätte Stein und Bein schwören können, dass ich mir definitiv nicht mit den Händen über die dreifarbige Stelle im Gesicht gefahren bin, aber schwarzrotgolddreckige Finger und eine verschmierte Wange beweisen nun mal das Gegenteil. Warum ich aber auch nie die Finger von mir lassen kann …

Angenervt nach der 1. Halbzeit, beruhigt nach rund einer Stunde, aber die ganz große Euphorie wollte sich nicht einstellen. Ich erwische mich dabei, wie ich mir aus taktischen Gründen in den letzten Spielminuten wünsche, Ghana möge noch den Ausgleich schießen. Verdient wäre es sowieso gewesen. Das wird nicht reichen für einen vierten Stern. Sollte ich mir schon mal eine Ersatzmannschaft zum Mitfiebern suchen gehen?

Danach aber sehr entspannte Sommerabendstimmung mir afrikanischem Gesang und heidnischem Freudenfeuer. Die nackt ums Feuer tanzenden Frauen hatten sich offenbar verspätet. Das wahrhaft Störende, geradezu eine Zumutung an solch einem Abend ist schlichtweg die Tatsache, am nächsten Tag arbeiten gehen zu müssen.

Das Duo Gerry und Günni mag ja um die Haartausendwende mal lustig anzusehen gewesen sein. Mittlerweile wünscht man sich eigentlich nur noch, sie mögen entweder endlich heiraten oder sich trennen. Letzteres passiert ja bald, aber wo ist Hoffnung auf Besserung? Beim Zweiten sicherlich nicht. Die Bekloppten bei Radioteleluxemburg? Najaaaaa …

Nicht mal einen arabischen Sender kann man schadlos verfolgen, schon tönt einem Scheich El Mat Theus entgegen. I hoped we have a little bit lucky this time but it didn’t work.

Als sich die Versammlung dezent aufzulösen begann, war ich stark versucht, von niederen Instinkten und einer einsatzfreudigen Autohupe geleitet, mich bei Anderen zu erkundigen, wo denn in Frankfurt das Serbenviertel sei. Ich hätte auch noch ein paar Vuvuzelisten mitgenommen, aber offenbar hat sich dieses Völkchen gleichmäßig über die Stadt verteilt. Glück gehabt!

Noch ein kleiner Nachtrag zum Turnierverlauf unseres südwestlichen Nachbarn. Aus der Zwitscherwelt errreichte mich dieser Tage folgender gut gemeinter Ratschlag:

„Si tu veut voir Les Bleues gagner, regarde „Avatar“!

… oder den neuen Schlümpfe-Film, möchte ich noch ergänzen …

Update: Noch ein Nachtrag aus aktuellem Anlass:

„Giovanni, einmal Pasta Undaus!“ („Pizza Endstazzione“ wäre der hübschere Name, aber darauf habe ich leider nicht das Copyright)