QT

Die Story wäre folgendermaßen:

Stone Power arbeitet als Tennislehrer in New Mexico. Eigentlich ist er aber ein Veteran des Irakkrieges, der ihn auch einen Hoden und den rechten Arm kostete, was seine Tennistrainerexistenz nicht eben einfacher machte.

Stone ist überdies psychisch sehr lädiert und auf Rache aus. Während seiner kriegsbedingten Abwesenheit hatte sich eine Diebesbande in sein Haus eingeschlichen und seine Frau sowie seinen geliebten Collie geschändet. Die Diebesbande konnte sich aufgrund der unseligen Arbeit eines gerissenen Winkeladvokaten namens Shlomo Feinstein vor einer Verurteilung retten.

Im Laufe der Zeit gelingt es Stone jedoch, alle Beteiligten ihrer gerechten Strafe zuzuführen und dabei seine Tarnexistenz als Tennislehrer und Womanizer aufrecht zu erhalten. Seine Rachefeldzüge führt er nämlich in Maskierung und unter dem Namen DEEP BLOOD durch.

Seine Rachetaten bleiben der Polizei natürlich nicht verborgen und Chief Inspector Lee Mang Tsu, ein karriereorientiertes und über Leichen gehendes ehemaliges Boat-People-Kind mit einer bedenklichen Vorliebe für Hackfleisch, kommt Stone nach und nach auf die Schliche.

Nun ja, es geht in der Folge noch hoch her, es wird viel gestorben und am Schluss wird der gerissene Anwalt von einer sich durch ein Erdbeben lösenden Mauer zermalmt, umittelbar bevor er Stone strangulieren konnte.

Die Mauer könnte übrigens hervorragend von Christoph Waltz dargestellt werden.

Na, wie wäre es?

Nein? Schade! Anyway, dennoch alles Gute zum 50. Geburtstag, Mr. Tarantino!

Advertisements

Banjo ist nicht Poppy!

Oder: Natural Born Killahz im Bleistiftmuseum

Seinen ersten Pärchenurlaub trotz der zeternden und manipulativen Mutter der Frau gemeinsam mit Wohnwagen auf der Rundreise zu diversen mittel- und nordenglischen Sehenswürdigkeiten – vor allem Museen und Höhlen – verbringen, kann für viele Menschen sehr reizvoll sein. Also zumindest für einige. Nun ja, zumindest für die beiden Hauptprotagonisten des wunderbaren Films „Sightseers“, der das letztjährige Fantasy-Filmfest eröffnete und nun endlich auch in (wenigen) deutschen Kinos läuft.

Im Laufe des Films wird der Zuschauer auch mit einigen Lebenslügen konfrontiert, so zum Beispiel der Tatsache, dass das geprahlte „Sabbatical“ des Mannes zur Vorbereitung darauf, ein Buch zu schreiben, sich eigentlich als eine schnöde Arbeitslosigkeit entpuppt. Die typischen Lebensträume und -lügen, die die meisten von uns begleiten. Was den Film jedoch von einem erwartbaren Sozialdrama unterscheidet, ist die Tatsache, dass doch einige Verluste an Leben während der Tour der beiden zu beklagen sind. Zunächst ein dummer Unfall mit dem Wohnwagen, der allerdings den Richtigen erwischte, einen notorischen, unsensiblen Papierwegwerfer.

Die Vorfälle häufen sich dann aber im Laufe der Zeit und mit dem Vorankommen der Geschichte wird der moralische Hintergrund der Taten immer fragwürdiger. Zunächst noch blanke Provokation dadurch, dass man bereits an einem dritten Buch schreibt, während unser Held noch nicht einmal das erste begonnen hat oder die Frau gezwungen werden soll, Hundehinterlassenschaften mit bloßer Hand aufzuheben und die ein solches final regelndes Handeln durchaus nachvollziehbar, wenngleich etwas extrem wirken lassen, sind es am Ende wirklich niedere Instinkte, die den Zuschauer in ein moralisches Dilemma versetzen und man sich verstohlen fragt, ob das nun wirklich sein musste.

Alles in allem aber ein großer Spaß, vor allem für Menschen mit einem Faible für englischen Humor, Sommer und schroffen Felsenlandschaften. Auch Tierfreunde kommen auf ihre Kosten, tritt doch der plötzlich halbverwaiste Hund „Banjo“ in das Leben unseres Paares und ersetzt den sehr ähnlich aussehenden und ein Jahr vorher unter skurrilen Umständen tödlich verunglückten Familienhund „Poppy“

Wenngleich man während des Films vielleicht darüber nachdenken mag, wieviel Sympathie man unseren leichenproduzierenden Touristen entgegenbringt, sind es die letzten, hochemotionalen Bilder des Films, die einem vor Augen führen, was wahre Romantik mit Menschen tun kann. Seht es euch einfach an, liebe Lesefröschlein!

Das wirklich albtraumgenerierende Element des Films sind – das sollte man unbedingt noch erwähnen – weder die Sex- noch die Mordszenen, sondern selbstgestrickte, schweinchenfarbene, im Schritt offene Dessous. Tötet jede Libido sofort!

Ach ja, eines noch: Obwohl (bzw. weil) Frau Engelke und Herr Mädel den Hauptakteuren ihre deutschen Stimmen geben, rate ich eher dazu, sich den Film als OmU anzusehen. Die wohlbekannten deutschen Stimmen lenken doch arg von den Charakteren ab und Bjarnes Stimme trifft meines Erachtens nicht ganz das Wesen des Mannes.

Astor

Mir selbst fiel es gar nicht so sehr auf, aber offenbar ist eines der Hauptprobleme beim Kinobesuch der Pöbel, der sich ungefragt in die eigene Nähe setzt und tut, was ein Pöbel eben so tut.

Wie kann man dem wirksam begegnen? Nun, man eröffnet ein hochpreisiges Kino, welches bereits deswegen eine gewisse Ausschlussfunktion hat. Sicher, man erwischt nur den eher geldknappen Pöbel, der solvente Pöbel fühlt sich hier eher noch angezogen, aber es ist ein Anfang, nicht wahr?

Grund genug also für mich und einige Pöbelfreunde, dieses restriktive Milieu zu infiltrieren, auch wenn dies für mich bedeutete,  dafür auf ein, zwei Mahlzeiten zu verzichten. Hopphopp in die Frankfurter Konsumtempelstrasse, um sich anzuschauen,welches Leben eine Kreiszahl mit Tiger so führt.

Es ging bereits damit los, dass einem ein Doorman begrüßt und hineindeutet. Mit dem Fahrstuhl geht es dann alsbald in luftige Höhen. Ausgespuckt wird man schließlich vor einer Lounge, in der man unter anderem seine Eintrittskarte erwerben aber auch Essen und Trinken konsumieren kann. Jedem Filmfreund wird ein im Preis inbegriffener Begrüßungsdrink offeriert, gerne auch alkoholfrei und es gibt eine ebenfalls inbegriffene besetzte Garderobe für den Pelzmantel oder die diamantenbesetzte Robe.

Hinein geht es dann in den Saal, der mit gut 200 Plätzen überschaubar groß geraten ist. Bei den Sitzreihen käme Herr Steinbrück ins Schwärmen; hier wird Beinfreiheit nämlich großgeschrieben (Gut, es müsste also eigentlich BEINFREIHEIT lauten). Die Sitze sind komfortabel, in den hintersten Reihen sogar mit einem ausfahrbaren Fußbänkchen versehen, man kann sich also durchaus plumpsen lassen. Fast wie zuhause, gelle? Jetzt noch ein Bierchen? Kein Problem, denn man wird am Platz bedient (zumindest bis der Hauptfilm beginnt). Getränke und einiges an Fingerfood kann geordert werden und wird an den Platz serviert.

Irgendwann beginnt es dann an den Leinwand bunt zu werden und man erinnert sich beschämt daran, zu welchem Zweck man diese Örtlichkeit eigentlich aufgesucht hat. Leiderleider war der Auftakt sehr bedenklich; er fand in Form eines (zumindest gefühlten) 10 Minuten langen Trailers des neuen Til-Nuschler-Opus „Keinkopfhühnchen“ ..oh, nein, „Kokowääh 2“ statt. Uff. Hätte nicht sein müssen. Dann folgt unerwarteterweise Kabarett. Willy Astor, der sonst gerne dort auftritt, wo das Möbel haust, rezitiert einen langen Text, in den über 12o oscarprämierte Filmtitel hineingebaut wurden (Das ist jetzt nicht ganz richtig, denn oscarprämiert sind ja die Filme, nicht deren Titel, aber ihr wisst ja, was ich meine …)

Kurzzeitig fragte ich mich, wieso ausgerechnet Herr Astor hier bemüht wird, bis mir klar wurde, dass es offenbar mit dem Kinonamen zusammenhing. Schlagartig breitete sich in mir große Freude darüber aus, dann doch nicht in der Barth Film Lounge zu sitzen oder dem Ceylan-Center. Schließlich noch ein wenig Lichteffektshow und dann war es auch schon Zeit, seine DDD-Brillen aufzusetzen und sich zuächst nach Indien und dann auf den Pazifik entführen zu lassen.

Für all das Brimborium bezahlt man dann je nach Filmlänge und Anzahl der Dimensionen bis zu 19 Euro und die daraus sich zwangsläufig ergebende Frage lautet natürlich: Braucht man das wirklich?

Mein Fazit: Eine gelegentlich nette Abwechslung, vor allem wenig man häufig Besucher von Schachtelkinos ist, aber Stammgast werde ich dann doch eher nicht werden.

Der Film hatte übrigens tatsächlich sehr beeindruckende Bilder, war mir aber von der spirituellen Ausrichtung dann doch etwas zu überladen.

Oostende de Janeiro

Man sollte das ruhig mal gleich am Anfang klarstellen: Trotz des Titels spielt der Film „Copacabana“ nicht eine Minute an Rios Amüsierstrand. Der Titel steht vielmehr für einen bleibenden Traum der Hauptdarstellerin Isabelle Huppert.

In der Gegenwart muss sie sich als waffenbestückter Halbdroide in einer zukünftigen Alternativwelt voller venusianischer Hirnmoster … oh, nein, das ist eine andere Geschichte, die ich gerade …

Anyway, Frau Huppert ist eine arbeitslose Frau in Frankreichs Norden,  die um die Anerkennung ihrer Tochter kämpfen muss. Letztere wurde durch den bisherigen Lebenswendel der reise- und lebenslustigen Mutter einer „normalen“ Kindheit und Jugend beraubt und drängt nunmehr auf ein solides Leben inklusive klassischer Hochzeit.

Ihre Mutter macht ihr dabei das größte Geschenk, wenn sie als gefühltes Misfit dieser Hochzeit fern bleibt. So etwas trifft natürlich jede Mutter und die Titelheldin Babou ist nunmehr bestrebt, Ihrer Tochter zu beweisen, wie seriös sie sein kann. Letztlich verdingt sie sich als Mitarbeiterin einer Timesharing-Firma, die einen riesigen Gebäudekomplex mit zig Wohnungen an überrumpelte Kunden verschachern möchte. Ja, genau das, was den meisten von uns schon im Teneriffa-Urlaub widerfahren ist.

Die Wohnungen liegen jedoch in Oostende; ein Ort der sich hinsichtlich seiner Urlaubsgeeignetheit  durchaus nicht unwesentlich von Rio de Janeiro unterscheidet, wo sich Babou immer wieder hinträumt. Dort muss und wird sich Babou zurechtfinden und der Zuschauer darf dies mitverfolgen. Man trifft dabei auf mehr oder weniger talentierte Straßenverkäufer, ein junges Streunerpärchen nebst Hund, einer verliehenen Fernbedienung und dem Gefühl, dass man besser nicht zu Jedem allzu offen sein sollte.

Mal abgesehen von einer filmischen Volte kurz vor Ende, die nicht wirklich glaubhaft wirkt, ist es wirklich hübsches Unterhaltungskino, das keineswegs seicht geraten ist. Die mir bislang nicht bekannte Darstellerin der Tochter, Lolita Chammah, wäre überdies sicher für so Einige eine Heiratskandidatin.

So, nun müssen sich die cinemaphilen Lesefröschlein nur noch ein Programmkino suchen, in dem der Film läuft. Ich hingegen bedaure es nach wie vor, dass es dieses Jahr kein Open-Air-Kino in meiner Gegend geben wird, in dem nicht nur die üblichen Blockbuster zu sehen sein werden und muss  mir nun genügend Mut antrinken, um mich demächst zu trauen, mir „The Dark Knight rises“ öffentlich anzusehen …

DDD

Der Traum Film- und Fernsehschaffender, die dritte Dimension zu erobern, ist beinahe so alt wie der Film selbst. Mittlerweile haben die Bemühungen einen  respektablen Grad an Vollendung erreicht. So etwas lässt auch mich nicht immer unbeeindruckt. Ich fand es beispielsweise durchaus putzig, das Gefühl haben zu dürfen, in „Avatar“ die Hand direkt in den dortigen Urwald hineinstrecken zu können und die bunte Flora und Fauna beinahe zu berühren. Es gibt sicher einige Filme, die gerade der Räumlichkeit ihre besondere Attraktivität verdanken.

Andererseits gibt es meiner Beobachtung nach aber auch noch viel mehr Filme, bei denen 3D nicht nur keine Verbesserung bringt, sondern dem Film einiges von seinem Zauberr nehmen kann.  Noch schlimmer und mittlerweile , glaube ich, auch nicht gering verbreitet sind Machwerke, die einzig und allein auf ihre Dreidimensionalität hin gebaut wurden und man sich mit solchen Nebensächlichkeiten wie einer hübschen Story, spannenden Charakteren, einem verzaubernden Ambiente undsoweiter nicht weiter aufhalten wollte.

Bah!

Abgesehen davon zwingt es auch nicht wenige Kinos, technisch enorm aufzurüsten, um 3D-fähig zu sein, was viele aber finanziell nicht können und deshalb so nach und nach den Multischnultiplexen das Feld überlassen müssen. Traurig.

Von daher finde ich es schon bemerkenswert, wenn an diesem Wochenende zwei sehr unterschiedliche Filme den Weg in die Aufführungshäuser finden: Zum einen die dreidimensionale Version von „Star Wars 1“ (also dem tatsächlich ersten Teil, nicht dem vermeintlichen, der ja eigentlich Teil 4 ist, aber das wisst Ihr eh alle, warum schreibe ich das überhaupt?), der von den drei neueren, sowieso weniger gelungenen Teilen uninteressanteste mit einem Darth Vader als kleinem, rennenfahrendem Hosenscheißer und einer Menge computergenerierter Figuren, die einem kein Stück interessieren. Auch 7 Dimensionen würden diesen Film nicht besser machen.

Gleichzeitig startet aber auch „The Artist“, eine bereits Golden-Globe-prämierte und oscarnominierte Verbeugung vor dem Kino der zwanziger Jahre, welche nicht nur zweidimensional, sondern auch noch in schwarz-weiß und im Stile eines Stummfilms (im Gegensatz zum obengenannten Stumpffilm) gedreht wurde.

Natürlich ist dies im Gegensatz zu 1927, wo es nicht anders ging, ebenfalls artifizielles Kino und hinterlässt ein wenig dieses Gefühl von misslungener Authentizität, das man auch beim Hören von CDs mit extra hinzugefügten Knacksern haben könnte, aber dieses Leinwandwerk scheint in großen Mengen etwas zu haben, das sich nur sehr schwer künstlich erzeugen lässt, nämlich Charme.

Ganz weit oben auf meiner Musstugucknliste und eine Empfehlung.

Bei Filmen mit Adam Sandler hingegen ist selbst eine Dimension verschwendeter Rohstoff …

Hmmm ….

… ob dieser Blog wohl durch eine dritte Dimension an Attraktivität gewinnen könnte …?

Nun ja, das könnte man noch mal überdenken …

Vom Fortgehen

Mutti ruft Vati auf der Arbeit an, ja es wird mal wieder später. Anschließend die halbwüchsige Tochter, die ihrem Alter pflichtgemäß eher patzig-rotzig reagiert, schließlich den kleinen Sohn, um ihm zu sagen, dass er heute bei seinem Freund übernachten darf, was diesen enorm freut.

Anschließend setzt sie sich in ihr Auto, fährt in den Stadtwald, setzt sich unter ihren Lieblingsbaum und verabreicht sich eine Überdosis Schlafmittel, was ihr als praktizierender Anästhesistin nicht schwerfallen dürfte. Wo sie zu finden ist, erfährt ihr Ehemann jedoch erst am nächsten Morgen durch eine zeitversetzt gesendete Mail. Viel zu spät, so war es gewollt.

Das ist die Ausgangshandlung des Films „Der letzte schöne Tag“, der Mittwoch abend im Ersten zu sehen war. Die restliche Laufzeit begleitet der Film zurückhaltend die kleine Familie und ihr (Un-)vermögen, mit dieser Ungeheuerlichkeit umzugehen. Hierbei ist es hilfreich, dass neben Motan Milke Wöhring (verflixt, den verwechsele ich namenstechnisch immer mit Warius Wüller-Mesternhagen!) keine allzu bekannten Schauspieler agieren, die die Konzentration von der Geschichte ablenken könnten.

Etwas schade aber, dass die bezaubernde Julia Koschitz als suizidale Sybille nur einige kurze Momente als Leiche oder in Rückblenden hat.

Der Film scheint mir sehr nah am realen Leben gezeichnet zu sein. Das beinahe groteske Schlittern zwischen katatonischer Starre und gestartetem Autopiloten des Witwers, die Unfassbarkeit, mit der sich die beiden Kinder auseinandersetzen müssen, ohne es wirklich verstehen zu können. Die Anderen sind auch da: Die etwas zu hilfsbereits Nachbarin, die Schwester des Mannes, die auch eher hilflos agiert, aber eben da ist und bei der Beerdigung ein Gedicht von Mascha Kaleko vorträgt, das den jungen Witwer kurzzeitig die Fassung verlieren lässt – endlich, möchte man beinahe sagen. Die Eltern, die sich um die Alltäglichkeiten kümmern und nicht zu vergessen, zu erwähnen, dass ihre Schwiegertochter schon immer etwas schwierig war.

Die Leichenschmaus-Gesellschaft, die sich angelesene Selbstmörder-Anekdoten hin und herwirft, ihr ehemaliger Chef, dessen wichtigtes Augenmerk darauf zu liegen scheint, klarzustellen, dass im Krankenhaus penibel darauf geachtet wird, keine Schlafmittel verschwinden zu lassen, der sich aber durchaus sprachlos den Vorwurf durch den Mann machen lassen muss, dass er mehrere Jahre mit einer depressiven Kollegin gearbeitet hat, ohne es zu bemerken oder bemerken zu wollen.

In einer Rückblende zeigt sich kurz die Komplexität der Situation. Nicht nur, dass Sybille seit längerer Zeit an Depressionen litt, sie wollte auch nicht, dass es irgendjemand außer ihrem Mann mitbekommt, vor allem aus Angst um den Job. Zusätzliches Leiden am Leiden.

Während des Films blitzt öfter mal ein wenig Wut auf die Tat der Frau und Mutter auf, was völlig nachvollziehbar für mich ist. Ein kurzer Abschiedsbrief, in dem sie ihren Mann um Verzeihung für das bittet, was sie tun musste, bringt ihre Tochter in Rage, weil sie dort lediglich von „den Kindern“ spricht.

Nach gut einer Woche verlässt der Film die kleine Familie wieder, die nun tapsig im Ohnesieleben agieren muss und man ahnt, dass es noch ein langer Weg für alle sein wird. Erklärungen liefert der Film eigentlich keine und auch dann ist er sehr nahe am realen Leben.

Im Film erzählt ein Beamter, dass neun von zehn Selbstmördern gar keinen Abschiedsbrief hinterlassen, was es den Angehörigen noch schwerer macht. Dies scheint der Realität zu entsprechen.

Ein bewegendes Schauspiel, das derzeit auch noch in der ARD-Mediathek zu sehen ist.

Seeeehr clever übrigens, dass in 3sat nicht um 22 Uhr oder am nächsten Tag sondern zeitgleich eine Dokumentation über Menschen lief, die damit zurechtkommen müssen,  dass ein wichtiger Mensch im Leben fortgegangen ist. Nun ja, dafür wird es zum Ausgleich dann wieder Tage geben, an denen im Ersten die Superdupervolksmusikparade läuft und parallel auf 3sat eine Doku über Menschen, die ohne Jodeldiplom durchs Leben gehen müssen …

Erpresso. What else?

Eigentlich ist es höchstens mein siebzehntgrößtes Vergnügen, mich in der Vorweihnachtszeit montags abends nach einem langen Arbeitstag noch mühsam in die City zu quetschen, nur um mir einen Film anzusehen, aber ich bin mit kostenfreien Preview-Karten durchaus manipulierbar.

„The Ides of March“ also, der neue Film mit und vor allem von George Clooney. Jener spielt im Film aber nur einen Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, also eher eine Nebenrolle. Hauptakteur ist der zur Zeit reichlich beschäftigte Ryan Gosling, wieder einmal ein Schauspieler, der als „die Zukunft des Kinos“ proklamiert wird, was sich meines Dafürhaltens noch zeigen muss. Er spielt einen anfangs noch sehr idealistischen Wahlkampfmanager, der aber im Laufe des Films aufgrund gewisser Vorkommnisse  zum erpresserischen Manipulator mutiert.

Bereits in der zweiten Einstellung des Films kann man überdies einer blonden Praktikantin dabei zusehen, wie sie fröhlich-sexy wippenden Ganges eine Palette Coffee-to-go in die Wahlkampfbasis bringt (keine Pads also!) und der erfahrene Kinogänger ahnt bereits an dieser Stelle, dass man dieser Dame im Laufe des Films noch öfter begegnen wird (Evan Rachel Wood, die Darstellerin der Praktikantin, war übrigens zeitweise auch Lebensgefährtin von Marilyn Manson und in einem nicht ganz unspektakulären Video von ebendiesem zu sehen. FSK 18 please! Heart shaped Glasses )

Der Film beschäftigt sich mit der Phase, in der innerhalb einer Partei diverse Kandidaten darum kämpfen, zum offiziellen Präsidentschaftsbewerber ausgerufen zu werden, wofür sie möglichst viele Abgeordnetenstimmen in möglichst vielen Bundesstaaten gewinnen müssen. Die hiesigen, friedfertig orientierten Lesefröschlein mögen vielleicht glauben, dass dies in einer groß angelegten Meditation geschieht, innerhalb derer sich eine gemeinsame Erleuchtung zeigt, die auf den richtigen Mann oder die richtige Frau weist, aber so läuft das leider nicht.

Es gibt einen dreckigen Wahlkampf, in dem alle verfügbaren Register an Niedertracht gezogen werden, es werden haltlose Versprechen gemacht, es werden Posten verschachert, die erst noch gewonnen werden müssen, es wird erpresst, intrigiert und genötigt und vermeintliche Freundschaften zählen nichts. Also wie im richtigen Leben.

Die ziemlich abrupte Wandlung des Herrn Gosling vom  Wahlkämpfer mit heißem Herzen zum enttäuscht-abgefuckten Player empfand ich als nicht besonders glaubhaft. Wirklich neue Erkenntnisse darüber, wie enttäuschend es auch in vermeintlich idealistischen Bereichen zugehen kann, liefert die Story mir persönlich auch nicht unbedingt. Been there, done that. Es ist jedoch kein schlechter Film, der sicherlich seine Oscar-Meriten erhalten wird. Sehr gut besetzt ist er mit den Herren Philipp Seymour Hofmann und Paul Giamatti sowie Madame Marisa Tomei allemal.

Mein persönlicher Abschluss des Filmjahres wird in den nächsten Tagen wohl „Submarine“ sein. Würdig.