Der Lauf der Dingens

Schönes Wetter und ich habe frei? Wer hat denn da nicht aufgepasst …?

Frühstück im Cafe und dann ein wenig in den Park zum lesen und die Sonne diverse Hautirritationen auffrischen lassen aber was ist das? Horden von Menschen traben teilweise äußerst ungrazil und asthmatisch an mir vorbei. Nun gut, „Horden“ mag ein wenig übertrieben sein aber es haben sich schon einige Laufwunder an meinem Gesichtsfeld vorbeigeschoben.

Einige – wenige – machen dabei durchaus auch eine gute Figur aber der deutlich größere Teil vermittelt mir eher den Eindruck, jemand laufe mit einer Waffe hinter ihnen her und sie seien kurz davor, sich ihrem Schicksal zu ergeben. Meines war das Laufen irgendwie nie und wenn ich mir die vergnieselten Gesichter Mancher anschaue, weiß ich auch warum.

 

Jaja, man muss sich auch quälen können und Runners High und all das,  aber mir fallen auch noch andere Möglichkeiten ein, um zu guten Gefühlen zu kommen. Der Laufstil Einiger scheint mir – der natürlich kein Experte ist – auch mitunter sehr bedenklich zu sein und häufiger irgendwo  zwischen Prothese, kaltem Entzug und Schlaganfall zu liegen. Warum dann auch noch eine Frau mit um sich flatternder Wolljacke und einem Rucksack auf dem Rücken ihrem Gefährten hinterherrennen möchte, musste ihr Geheimnis bleiben.

Eine Gruppe verhärmt dreinschauender Männer in ihren frühen Zwanzigern zieht mehrfach an mir vorbei und irgendwie lässt mich der Eindruck nicht los, es handele sich um den örtlichen  JU-Vorstand, der den Frust der OB-Wahlklatsche vom Wochenende ablaufen möchte. Meiner Beobachtung nach laufen die meisten Menschen in diesem Park übrigens ihre Runden entgegen des Uhrzeigersinns. Dafür gibt es sicherlich Gründe und es wunderte mich nicht, hätten die vielbeschworenen amerikanischen Wissenschaftler zu diesem Themenkreis nicht bereits etwas herausgefunden.

Bei all dem Gehechle und Getrabe wirken ein Dreierpack kinderwagenschiebender Jungmütter in sommerlicher Trenchjacke und mit Puck-die-Stubenfliege-Sonnenbrille oder ein Herr mitsamt seiner Kleinhund-Ferkel-Mischung,welche  sich energisch mit einem Aststück abmüht, das eigentlich außerhalb ihrer körperlichen Möglichkeiten liegt, beinahe schon kontemplativ.

Kurz vor Aufbruch versetzt mir ein weltvergessenes, sich neckendes Pärchen mal wieder einen dieser komischen Nadelstiche in der Herzgegend, die ich mittlerweile schon selbstironisch als Phantomschmerzen bezeichne. Hätte jetzt nicht noch sein müssen …

 

Dann geht mal schön spielen!

Jaja, Frühling, blaues Band, Vogelgezwitscher, Sommerzeit (VORstellen!), Eisessen, Echo-Moderatorinnen mit anzüglichen Witzeleien,  Kleidchen und Sneaker und vor allem selbstverständlich Frühlingsgefühle. Die Menschheit zieht es wieder vermehrt vor die Tür und entsprechend steigt auch wieder die Zahl der Anbahnungsversuche beiderlei Geschlechts. Damit verbunden ist jedoch auch stets die Gefahr der Fehlinterpretation. Nicht jedes Lächeln sollte einem schon veranlassen, die Hose fallen zu lassen.

Da bereits diverse Quantitätsmedien entsprechende Tipps an ihre Leserschaft weitergegeben haben, möchte ich hier nicht hinten anstehen und mal wieder so tun, als sei dies ein Serviceblog.

Deshalb hier UNTRÜGLICHE ZEICHEN FÜR GESTEIGERTES INTERESSE:

Für Ihn:

  1. Sie spielt mit ihren Haaren, schaut Dich länger als üblich an und lässt schließlich ihren Verlobten an ihrem Cafétisch sitzen, um sich zu Dir zu setzen.
  2. Sie leckt sich die Lippen (nicht die im Gesicht!)
  3. Sie lässt Dich auf der Anti-AKW-Demo ihr Schild mit der Aufschrift „IHR MACHT UNS ALLE TOT!“ tragen
  4. Ihr lauft aufeinander zu und während sie ihren Blick nicht von dir lassen kann, geht sie achtlos an mehreren Schuhläden vorbei.
  5. Sie schaut Dich in der Disco immer noch fasziniert an, obwohl Du tanzt.
  6. Sie lacht Dich nicht aus, obwohl Du Deine Haare trotz Geheimratsecken jetzt im Justin-Bi.eber-Look trägst.
  7. Sie steht in einem Traum von Kleid neben Dir und sagt „Ja, ich will!“

Für Sie:

  1. Er macht sich für Dich schlechtgelungene aber ambitionierte Bügelfalten in seine Lieblingsrumschlumperhose.
  2. Er schaut auf Deine Brüste.
  3. Er ist ein Mann.
  4. Er wird überall … ach, was soll das denn, es gibt letztlich nur ein untrügliches Zeichen für Interesse und das kennt ihr eh alle und werdet es erkennen, wenn ihr es seht.

Viel Spaß auf jeden Fall!

Eine andere Geschichte

So, das wäre nun die andere Geschichte … nämlich die mit den Schuhen:

Ich wollte mir ein Paar (paarweise schien mir sinnvoll) neue Sneaker zulegen und liebäugelte ein wenig mit dieser etwas conversen Marke, die auch etwas höhere Modelle anbietet. In einem Schuhgeschäft (dieses dem Bäcker vorzuziehen erschien mir ebenfalls sinnvoll) war eine erkleckliche Auswahl an Modellen vorrätig, eines davon in einem nett aussehenden Materialmix, das sich auch preislich etwas unterhalb eines Monatsgehaltes bewegte. Dieses sollte es schließlich sein.

Das fast schon nicht erwähnenswerte Problem dabei war, dass meine Größe für dieses Modell leider nicht vorrätig war. Man könnte es bestellen (das dauert aber länger als von mir gewünscht) oder ich könnte es in einer anderen Depand… Zweigstelle versuchen. Da ich ungerne quer durch die City fahre, ohne einen Erfolg garantiert zu bekommen, bat ich darum, dort mal vorher kurz telefonisch nachzuhaken.

Dem kam die Mitarbeiterin gerne nach. Ich konnte also aus etwas Entfernung folgende Gesprächsfragmente mitbekommen:

„Ja, heiiiiii, hier ist die Steffi!

Sach ma, habt ihr zufällig noch diese uuuuuuralten Blablabla in Größe XY?….hmmm….ja…*kicher*…ich weiß …“

Nee, hattense natürlich nich und dann wollte ich auch nicht mehr. Wer so unsensibel mit seinem anvertrauten Material umgeht. hat es auch nicht verdient, dass man dort einkauft. Die schickt bestimmt auch ihre Eltern mit 63 ins Altenheim …

Es sind dann letztlich ganz andere Sneaker in einem ganz anderen Geschäft geworden und die sind auch in Ordnung. So, Frühling, dann mal schööön herkomm! …

So Momente

Ein Zweieinhalbtages-Lehrgang, eine knappe vierfünftel Autostunde entfernt. Kurhotel am Park, wäre bestimmt eine nette Atmosphäre, wenn es nich ständig regnete. Bad und WC mit Komplettbefensterung zur Straße hin, die aber gottseidank niemals wissen wird, was das Wort „belebt“ wohl bedeuten könnte. Die üblichen Probleme mit dem Schlafen in ungewohnten Betten und den Aufwach-Content einer ganzen Woche in einer einzigen Nacht verbraucht. Immerhin ein wenig und noch ein wenig Neues erfahren, fachliches aber auch über methusalemige Spanner in gemischten Saunas und das Wissen, wie Chili con Carme auch „schmecken“  kann. Freitag dann Überraschungsbesuch der Sonne schon am frühen Morgen, bis zum Seminarbeginn aber schon wieder gut versteckt.

Man fährt dann mittags wieder nach Hause, kennt die Gegend zwar ein wenig, fühlt sich aber weitaus weiter von allem entfernt, als es der Kilometerzähler ausdrücken kann. Irgendwie haben es die Wolken bis unter die Schädeldecke geschafft.  Dann aber ändert sich in kurzer Zeit einiges. man biegt um die Kurve auf eine Straße, die einem in bekanntes Terrain führt, die Sonne kommt wieder hervor und bringt einige ihrer Celsiuskumpels mit, es fällt einem ein, dass man nicht nur etwas einkaufen wollte, sondern den Frühling mit einem neuen Paar Sneakern herbeizwingen will (was sich aber noch als etwas nervig herausstellen sollte, aber das ist eine andere Geschichte) und man außerdem nur noch 5 Arbeitstage von einem Fortnight-Break entfernt ist, das Seitenfenster ist urplötzlich geöffnet und lässt wärmer riechende Düfte und Aromen hinein, die Heizung hat sich wie von Geisterhand abgestellt und der Player, der listige DJ, lässt ausgerechnet in dieser Situation das Stück „Spring will surely come“ von einer Musikzeitschriften-CD-Beilage seinen Klang ausbreiten, während irgendetwas an meinen Mundwinkeln zieht, der Schwerkraft entgegen, das „man“ einem „ich“ weicht und ich argen Appetit auf ein Eis bekomme.

Das sind dann so Momente …

Spätrechtseinschlafen V. 2.1

Es waren nur knapp 10 Minuten. Ich unterwegs auf einer Straße, die wie eine Allee mit Kariesschäden wirkt. Dort wo die Bäume stehen, besänftigt der Schatten das etwas überhitzte Gemüt und lässt den Fahrtwind eine überaus angenehme Kühle verbreiten.

 

Dort, wo die frühabendliche Sonne durchkommt, streichelt sie mir Gesicht und Arme und lässt wunderbare Gerüche von Blüten und Kräutern hereinströmen. Das Abgasgemisch vorbeiröhrender Motorradfahrer lässt sich dabei ganz leicht ignorieren.

 

Aus dem CD-Player pflanzen sich die mittlerweile ziemlich vergessenen Les Negresses vertes mit „Voila l’ete“ in meine Ohren und machen glücklich…

 

Könnte sich dieses Gefühl nun bitte mehrere Zentimeter tief in mein Gemüt einprägen und immer dann abrufbar sein, wenn die äußeren Umstände mal wieder ganz andere sein sollten? Dankesehr!

Spätrechtseinschlafen

Da ist er doch tatsächlich, der Frühling. Mit Sonne, noch mehr Sonne, den wundervollen Gerüchen und eiskratzerverachtenden Temperaturen selbst nach 18 Uhr.

 

Raus auf die Wiese, ans Wasser und schließlich zum Outdoor-Spaßhabing mit Speis’ und Trank im dreivierteloffenen Wohlfühlhäuschen am Badesee oder ins kleine Cafe im Museumshof.

 

Und prompt waren auch die Anderen wieder da.

 

Die Clique Jungerwachsener, die lautstark das Kommando über den Tisch übernommen hatte und sich über zwei Stunden lang unter Einbeziehung mehrerer Telefonate überlegte, wo man denn den restlichen Abend verbringen könnte, während dieser sich so nach und nach davonschlich und sich schlussendlich dazu aufraffen konnte, irgendwo hinzugehen, wo vielleicht Party ist, aber eventuell ist da heute auch nix, ist überhaupt wenig Party heute hier, wasn los?….

 

Kaum waren die Plätze frei, wurden sie von einer neuen Horde geentert. Unter ihnen die allseits bekannte Frau Ichkennejeden-Derhierreinkommt. Dies wird dann auch eifrig demonstriert und sich teilweise auf meinen Rücken abstützend Bussibussi gegeben mit Janni, Tom, Elli, Basti und all den Anderen, gefolgt von kurzem Smalltalk der immergleichen Art und schwupps schon kam der oder nie Nächste…

 

Was fehlte noch? Richtig, einer der letzten Popper, so richtig mit schnieke gescheiteltem Popperhaar, um den Hals gelegten Pulli, vanillefarbener Bundfaltenhose, sockenfrei in modischen Mokassins aber mit etwas zu dicken Stelzen.

 

Nicht zu vergessen, das junge Elternpaar, das mit demonstrativer Selbstverständlichkeit davon ausing, dass sich die Welt gefälligst von nun ab ausschließlich um den kleinen Fratz zu drehen hat und fast einen hysterischen Anfall bekam, weil dieser furchtbare Laden doch tatsächlich und unfassbarerweise keine Mikrowelle für das schnelle Warmmachen von Babymatschebrei bereithielt. Menschenrechtskommission, ick hör dir trapsen…

 

Ach ja, wunderbar, es ist Frühling, raus mit Euch, zeigt Euch, ich schreibe auch darüber!!!!