Neschänell Änsem

Wir wären Fußball-Europameister 2012 geworden, hätten unsere Spieler doch nur ordentliche Schnurrbärte getragen!

Oder rote Trikots!

Das findet Ihr albern? Gut, kann ich verstehen. Dann fände ich es aber auch gut, wenn diese hochnotpeinliche Nationalhymnendiskussion schnell ihr Ände fende.  Wenn nun sogar Provinzpolitiker, die eigentlich eher wie einschlägige Kiezgrößen aussehen, glauben, sich in diese Sommerloch-Debatte einschalten zu müssen, ist es höchste Zeit.

Der Franz natürlich mit dem üblichen Kaiserschmarrn, aber unter dessen Teamchef-Ägide wurde das Zwangsmitsingen ja auch eingeführt. Ein Mann, der sich so sehr mit Deutschland identifiziert, dass er bereits seit Jahrzehnten seinen Wohnsitz im urdeutschen Kitzbühel hat. Ein wahrer Prophet, der nach der WM 90 behauptete, Deutschland sei nicht zuletzt durch die Integration der SBZ-Spieler auf Jahre hinaus unschlagbar, was sich bei der WM 94 auch deutlich zeigte.

Es mag sein, dass bei der heutigen Windelpupser-Generation der eine oder andere Spieler tatsächlich seine Identifikation durch Hymnensingen steigern kann, dann möge er dies ruhig tun. Die Auswirkungen auf sein Spielvermögen scheinen mir aber eher gering zu sein. Mindestens die Hälfte der Spieler fühlt sich nach meinen Beobachtungen hingegen eher zum Singen verpflichtet, was dem Identifikationsgefühl nicht gerade zuträglich sein dürfte.

Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Diskussionen geführt werden, wenn insbesondere Spieler wie Özil und Khedira nicht mitsängen UND dann auch nicht gut spielten. Kommentare, die mit „Kein Wunder, …“ begännen, wären dann keine Seltenheit.

Auch vom musikalischen Ansatz kann man das Ganze betrachten. Während die deutsche Hymne doch eher getragen-tranfunselig bis pathetisch daherkommt, hat z.B. das italienische Fratelli-Gesinge auch rhythmisch schon einen ganz anderen Schwung. Da fällt das Mitsingen leichter, denke man doch zurück an den Wahlitaliener Schumacher.

Wer mitsingen möchte, sollte dies tun. Wer währenddessen lieber Kaugummi kaut, sollte auch dies tun. Die Frage nach dem jeweiligen Spielvermögen und des gerne beschworenen Mannschaftsgeistes ist aber von viel mehr Faktoren abhängig und sicher mehr von der tatsächlichen Einigkeit als von der besungenen.

Das Duell „Engangierte Sänger“ gegen „(mangels Text) Schweigende Südländer“ endete am Sonntag übrigens 0:4 und danach brandete bislang keine Hymnendiskussion auf …

Advertisements

Arbeitsnachweis

Wenn ihr glaubt, Ihr könntet meinem Gelaber entkommen, indem Ihr mir einfach nicht auf Twitter folgt, habt Ihr Euch aber mal schön geschnitten. Hier einiges von meinem Gezwitscher der letzten Wochen. Ja, ich gebe zu, eine gewisse Fußballorientierung ist nicht ganz zu leugnen. Kommt halt klar damit!

…………………..

Die Kunst ist, sich mit diesem extrem erwachsen-seriösen Ton ein Spongebob-Eis zu bestellen.

Der Tag, an dem mich ein LKW-Fahrer vor sich einfädeln lässt … ach, was soll ich mir dafür ausdenken, das wird eh nie geschehen.

Tonight at Airport-Cinemas: The Hangar Games

Nein, nein, tut mir leid, aber für dieses 72-Stunden-Deo fehlt mir definitiv die Zeit.

Streiche geräuschvoll Frischkäse auf ein Brot. The Sound of Philadelphia.

halbwach Treppenstufen nehmen ist bei mir auch eher Dubstep.

Ich hoffe, mein Gesicht wird lang genug sein, wenn in einigen Jahren die ersten Rasierer mit 13 Klingen auf den Markt kommen.

Hmm … mein Ellenbogen schmeckt heute irgendwie komisch. Eurer auch?

Wenn Jungs in die Pubertät kommen, möchten sie plötzlich gerne hanutas mit Spielerfrauen-Sammelbildchen haben.

Die Venus schiebt sich gleich vor die Sonne. Ich lebe hinter dem Mond und schiebe mir gleich ein Mars rein.

Wenn ich noch EINMAL eine Kontaktanzeige sehe, die mit „Schlaflos in …“ beginnt, heißwachse ich mir die Augen.

Hallo Schufa, ich bin griechischer Ex-Lehman-Bros-Banker, lungenkrank und spielsüchtig. Wie wärs mit nem Kredit für ein Toastbrot?

Also, im Elektrogroßmarkt scheint das mit der Herdprämie noch nicht angekommen zu sein. Servicewüste Deutschland!

Wird das vorher eigentlich ausgelost, wer sich beim Mannschaftsfoto so hinstellen muss, als sei er gerade am A-a machen?

Bin auf dem Heimweg in einen Kleinstadt-Autokorso geraten, d.h. ein sinnlos hupendes Auto vor mir an der Ampel. Wild wild Life!

„Voll auf den Mann! … Dieser Strahl …“ Äh, wir sind schon noch beim Fussball, gelle, Bela?

Welche selbsterniedrigende Ader verleitet mich eigentlich immer wieder dazu, an Fussball-Tippspielen teilzunehmen?

Gelten 36,3 Grad Körpertemperatur bereits als Fussballfieber? Dann habe ich *gääähn* das wohl doch …

Beschwert euch nicht über die Qualität der Spiele. Was erwartet Ihr von Flachbildschirmen?

Hilfe, ich werde alt! Kann bislang gegen keine Mannschaft aufrichtigen Haß entwickeln. Gibts da nicht was bei Ratiopharm?

Sorry, aufgrund der widrigen Platzverhältnisse ist derzeit ein ordnungsgemäßes Twittern nicht möglich.

„Du wischst Krankenhausböden anstatt Dein Manuskript anzubieten? Was soll das?“ „Du sagtest doch, ich solle Kliniken putzen gehen.“

„three stains on the shirt, shoes still need some cleaning …“

Die Vroni und der Hias sind zwar nun geschieden, sie bleiben aber auch weiterhin gute Geschwister füreinander.

Wie hübsch wäre das, wenn Menschen ihre Freude nicht durch Autocorsi sondern durch Massenhandstände in den Straßen kund täten.

„Tja, sieht so aus, als leiden Sie unter weckerinduzierter Schlafstörung. Ich empfehle eine Ohrenamputation.“

Wir Menschen mal wieder … wollen weder schlafen gehen noch aufstehen. Tsss …

„Boah, das is voll rassistisch, Du Mongo!“ (Passantengespräch, kürzlich).

„Depp teilt Vermögen mit der Ex!“ ist aber schon eine ziemliche Chauvi-Schlagzeile.

Gottschalk und Bohlen in einer Sendung? OMG, der Maya-Kalender hat doch recht!

Diejenige mit dem Fischstäbchen-Tattoo am Steiß könnte vielleiiiicht die Frau fürs Leben sein …

„Oma, mein Schuhschnürband is gerissen, ich brauch Geld für n neues!“ Aha, der alte Senkeltrick mal wieder …

Erschreckend! Viele IKEA-Mitarbeiter sollen am Björn-Out-Syndrom leiden.

Die Ägypter, voll die Ökos, gnihi. Ein Müslibruder als Präsident. Hält jetzt die Demeterkratie Einzug?

…………..

Wutwürger

Ganz besonders herzlichen Dank übrigens auch noch denjenigen degenerierten Zellansammlungen, die vor nunmehr drei Wochen die hiesige Packstation in körperlicher Umsetzung ihrer Hirnhäufchen dermaßen malträtiert haben, dass sie immer noch nicht wieder einsatzfähig ist und ich deshalb zum wiederholten Male mein Päckchen mit lebenswichtigem Inhalt in einer dieser „Postfilialen“ abholen musste, die im Hinterzimmer irgendwelcher Schnickschnacklädchen angesiedelt sind und ich mich natürlich stets am einkaufsstärksten Wochentag durch eine quasi parkplatzfreie Straße fädeln muss, um dann noch solange anstehen zu dürfen, dass ich den „Ulysses“ durchlesen kann.

Vielleicht erwische ich euch noch, dann werde ich mit euren Visagen genau das tun, was ihr mit dem Packstations-Display getan habt, damit ihr den Namen „Hackfresse“ auch optisch zurecht tragt. Dann versteht Ihr vielleicht auch, dass mit „Packstation“ nicht Ihr gemeint seid.

Und diejenigen Fussballplautzenfanatiker, die am allerliebsten auch noch ihre Windschutzscheiben in schwarzrotgold anmalen möchten, die aber – falls sie jemals an größere Mengen Geldes kämen (was bei den allermeisten pure Fiktion wäre) – ihre Penunze ohne mit der Wimper zu zucken sofort in die Schweiz oder auf die Cayman-Islands verschwinden ließen, dürfen sich gleich mit anstellen. Die haben zwar nichts direkt getan, nerven mich aber jetzt schon …

NEIN, ES GEHT MIR GUT, VERDAMMTE AXT!!!

Vollspann Tuberkulose vom Balkon

Von dem Herrn Robert Koch wusste ich in meiner Kindheit nur, dass ihm in unserem Städtchen eine eigene Straße gehörte.

Später bekam ich dann noch mit, dass er nicht unerhebliche Leistungen auf dem Gebiet der Bakteriologie vorzuweisen hatte; insbesondere konnte er dem damals im späten 19. Jahrhundert noch weit verbreiteten Tuberkulose-Erreger den Garaus machen und wurde dafür auch entsprechend gefeiert.

Was ich und sicher auch viele Andere jedoch nicht wussten: Parallel zu seiner wissenschaftlichen Arbeit hat der Herr Koch zu ebendieser Zeit auch das damals nur in England bekannte Fußballspiel nach Deutschland gebracht und ihm zu Beliebtheit verholfen! Ja, auch ich hatte zunächst diesen etwas erstaunten Gesichtsaudruck auf Lager aber immerhin stammt diese Erkenntnis von Herrn Daniel aus Brühl. der den Herrn Koch in einem diese Woche anlaufenden Film namens „Der ganz große Daum“ oder so verkörpert. Wörtlich nachzulesen in der gestrigen Frankfurter Rundschau, sonst hätte ich mich hier nie getraut, derlei zu behaupten.

Was es nicht alles gibt …

Der Herr Daniel hat übrigens auch eine Wohnung in Barcelona, die er gerne in den kalten Monaten nutzt, weil man sich „im Winter in Berlin nur vom Balkon stürzen kann“ Dazu möchte ich dem Herrn Daniel mal folgendes sagen: „Erst ma nen Balkong haben, Alta! Viele müssen sich nämlisch durch det Schießschartenfensta im Etaschenklo kwetschen, um sich in die gnädige Arme von die Schwerkraft zu begehm.“

Scheint mir nicht so der Oberbrüller zu sein, dieser Film. Aber auch sonst ist es diese Woche eher dürre. Einen Film mit Adam S. schaue ich mir grundsätzlich nicht an, den vermeintlichen Witz hinter der Westernneuverfilmung der Coen-Brüder namens „True Grit“ konnte mir bislang auch noch niemand nahe bringen, da bliebe am ehesten noch „Jack in Love“ mit einem sicher wunderbaren Herrn Seymour Hofmann. Schaun wer mal, bzw. auch nicht.

Frankfurt am Meer

Einerseits bekommt man ja bereits seit Jahren eingetrichtert, diese Gesellschaft wäre reizüberflutet und deshalb so abgestumpft. Tausender brutaler Videospiele und vor allem dieses Dings, wo da jetzt alle drin sind … nein, nicht dieses brustaufgepumpte Promiluder, dieses „Internetz“ meine ich, sollen dafür gesorgt haben, dass unser Nervenkostüm schon lange kapituliert hat und unsere Aufmerksamkeitsspanne höchstens … huch, da ist ja ein Eichhörnchen …

Egal, ich denke, es ist klar geworden, was ich meine. Vertreter dieser Ansicht möchte ich nun aber einladen, an einem beliebigen sonnenbegünstigten Januarsonntag nach Frankfurt zu kommen und darüber zu staunen, wie sich tausende Menschen an Ufern und Brücken sammeln, um stundenlang den unüblichen Wasserstand der lokalen Wasserader Main zu betrachten. Es ist dabei nicht so, dass da arg dramatische dinge passieren, Keine panisch schreiende Rinderherde treibt hilflos den Fluss hinunter, kein havariertes Schiff verliert tausende Liter radioaktiv verseuchtes Benzin, es sitzen auch keine weinenden Menschen auf den Dächern ihrer mitten im Wasser befindlichen Häuser.

Die Situation ist vielmehr eher ruhig und beinahe statisch, der Pegelstand war unter der Woche schon mal höher, es wirkt insgesamt eher kontemplativ. Beinahe möchte man vor diesem Hintergrund seine Tai-Chi-Übungen absolvieren.

Solange sich Menschen also stundenlang von recht effektarmen Naturschauspielen noch derart faszinieren lassen, erscheint mir eine Diskussion über Reizüberflutung eher bemüht. Seid ein Stein!

Ich selbst war selbstverständlich nicht aus Hochwassertourismusgründen vor Ort ,sondern weil ich ein wenig im Sonnenschein flanieren und einen Kaffee trinken und anschließend in meiner wiedereröffneten Lieblingsfußballerkneipe (oder heißt es Fußballerlieblingskneipe?) ein wenig begeisterndes Tauschgeschäft (3 Tore gegen 3 Punkte) zwischen Main und Leine ansehen wollte.

Damit auch Nichtfrankfurter wissen, von was ich rede. Das in der Mitte ist der Main, das rechts und links auch und noch ist gar nichts schlimmes passiert …

Mafifa?

Da kommt man von einem mal wieder wenig Freude spendenden Arbeitstag nach Hause und hat schon jegliche Hoffnung aufgegeben, dass heute noch irgendetwas einem die Mundwinkel in Richtung 2. Stock treiben könnte, aber da hat man doch sträflich die unterhaltenden Qualitäten von Sepp und seiner Räuberbande unterschätzt.

Die Vergabe der Fußball-WM-Ausrichtungen war eigentlich nur deshalb im Vorfeld als spektakulär angesehen worden, weil man sich fragen durfte, wieviele Gremiumsmitglieder noch vor der Wahl eingesperrt würden (natürlich wegen völlig aus der Luft gegriffenen Korruptionsvorwürfen). Da hat die FIFA aber heute die richtige Antwort gegeben.

Gastgeber der WM 2018 ist Russland, in 2022 ist es Katar (das liegt im mittleren Osten, ja, es ist ein Staat, ja, man kann es auch mit Q vorne schreiben)!

Damit hat das Gremium doch sicher die einzig mögliche Antwort auf mögliche Vorwürfe gegeben, bei der Vergabe der Ausrichtungen könnten andere als fußballerische Fragen im Vordergrund stehen. Was soll denn die WM in so Exotenländern wie England oder Spanien? Spielen die überhupt Fußball?

Russland hingegen hat Fußball-Tradition. Schon zu Zarenzeiten war die Spielvereinigung Nischni-Nowgorod mit ihrem legendären Stürmer Michail Strogoff weltberühmt. Später dann die furiose sowjetische Nationalmannschaft. Aber auch heute ist Russland ein Paradies für Fußallspieler. Warum sonst zieht es Spitzenspieler wie Kuranyi oder … äähhh … na, der andere da halt … in den Osten?

Außerdem hat Russland Geld. Viel Geld! Das benötigt man auch, um eine WM auszurichten. Nicht wie derzeit die Ukraine, die alte Betonplatten aus Tschernobyl zum Bau von Fußballstadien für die EM 2012 einsetzen muss.

Außerdem: Die WM sollte 2018 in einem europäischen Land sein und Russland ist schließlich ein europäisches Land. Zumindest teilweise. Gut, jetzt mag der Eine oder Andere vielleicht kritisieren, dass es Austragungsorte gibt, die auf dem Längengrad von Afghanistan oder Indien liegen. Denen aber sei gesagt: Seid froh, dass nicht Nowosibirsk, Irkutsk oder Wladiwostock als Austragungsorte gewählt wurden. Nektarinenburg als östlichster Austragungsort ist nur 4 Stunden voraus, das heißt somit WM-Endspiel in Putingrad zirka zur Abendbrotzeit. Wat willste mehr?

Noch mutiger natürlich die Wahl Katars für die WM 2022. Man wollte neue Wege gehen und man ist neue Wege gegangen. Was also spricht für Katar? Das liegt auf der Hand. 1 Million Einwohner, davon 80% „Gastarbeiter“, kein störendes Grün außerhalb des Rasens, gemütliche 50 Grad Celsius, damit die Spieler endlich die Erfrierungen des Russland-Feldzugs von 2018 abschütteln können. Vor allem aber, die Katarinen haben versprochen, nach der WM die meisten Stadien wieder ab- und in bedürftigen Ländern wieder aufzubauen. Das könnten bis dahin durchaus auch England, Frankreich oder Deutschland sein.

Super Wahl also, völlig korruptionsunverdächtig, hört gefälligst mit dem Gemeckere auf, man könnte ja meinen, ihr seid alle in dieser Dagegen-Partei. Die sind immer nur gegen alles, diese Dagegen-Parteiler …

Versuch über ein Länderspiel

Freitag mittag irgendwann nach 12 Uhr: Kein normaler Freitag, man sieht es an den hektisch agierenden Menschen, man sieht es an den heimwärts gerichteten Autoschlangen, die mindestens 4-5 Stunden früher als sonst dran sind. Man sieht es an den Frustpusteln derjenigen, die an diesem Nachmittag nicht frei haben werden.

Ich habe, deshalb begebe ich mich zu einer öffentlichen Leichenschau, was „public viewing“ im Englischen ja eigentlich bedeuten soll und weiß in diesem Moment noch nicht, wie nahe ich  dieser Bedeutung sein werde. Eine Hafengegend in der ungeliebten Nachbarschaft Frankfurts, ein multifunktionales Gebäude, im welchem oft auch rumgeklampft und filmgeschaut wird, Ausstellungen stattfinden und dergleichen. Das war mir lieber als in einer Fußballerkneipe herumzusitzen. Das Publikum war auch entsprechend angenehm durchmischt, wenngleich überwiegend von einer provozierenden Jugendlichkeit. Den Bratwurstprofis draußen dämmerte langsam, dass es einem Grill so geht wie manchem Jungnationalspieler; er muss erst mal warm werden.

Die Meinung zum Spiel vor dem Spiel war nach eigenen Beobachtungen zirka so: „Das wird nicht so ein Spaziergang wie gegen Australien. Die Serben sind bissig, für die geht es ja bereits um hopp oder topp, da muss man aufpassen!“ Nun ja, das war das, was man SAGTE. Was man dachte, war „Ja, komm, die Balkanspieße hauen wir wech, 2:1 oder höher, die Jungs machen das schon. Schland, oh, Schland!“.

Von der ersten Spielminute musste ich aber das Gefühl bekommen, dass es tatsächlich eine knorrige Veranstaltung werden wird. Falls es Menschen geben sollte, die sich dachten „Ob der Schiri auch nicht seine Karten vergessen hat?“, so konnten diese bereits nach kurzer Zeit beruhigt in ihre Sessel sinken … bzw. konnten sie natürlich nicht, denn das Spiel bot dazu leider keinen Anlass. Gelb hier, gelb da, der Miro dann schon wieder Gelb, hoppla zwei mal Gelb geht ja gar nicht, oho, also gelb-rot, was ja immer noch schlimmer empfunden wird als gelbschwarz, zumindest in diesem Zusammenhang.

Der Rest der Mannschaft war gerade am Neudurchzählen, da klingelte es auch schon im eigenen Kasten. Schockschwerenot! Das war so nun aber nicht vorgesehen. Bis zur Halbzeit taumelte die deutsche Elf etwas benommen über den Platz. Aber es sollte, nein es musste besser werden in Halbzeit zwei. immerhin hat ja der Olli in der Halbzeitbananenpause festgestellt, dass die Serben ein so hohes Tempo gegangen sind, dass sie im zweiten Durchlauf bestimmt einbrechen.

Taten sie wohl auch. Vielleicht waren sie aber auch nur taktisch eher auf Defensivarbeit ausgerichtet worden. Jedenfalls drehten die Deutschen eine Zeitlang mächtig auf, vor allem Lukkassspodolski schoss ein ums andere Mal aufs Tor, was zumindest quantitativ beeindruckend war. Dann ein großes Hurra: Elfmeter! Um mich herum erhoben sich so ziemlich alle schon mal 5 Zentimeter von ihrem Sitzmöbel, um gleich pfeilartig nach oben schießen zu können beim Jubeln, aber nur wenige Sekunden später waren die Stühle wieder vollbelastet. Was war das denn? Hallo, Herr Poldi, ein Deutscher verschießt keine Elfmeter, selbst wenn er polnischer Abstammung sein sollte, so die einhellige Meinung. Leider erwies sich diese verunglückte Aktion wie von mir befürchtet, als Knackpunkt, nach dem nicht mehr viel ging. So langsam gab man sich zähneknirschend mit einem Unentschieden zufrieden und erinnerte sich kollektiv daran, dass Ghana ja noch lange nicht gegen Australien gewonnen habe, ha. Der Schiri hatte seine Gelbsucht immer noch nicht auskurieren können und aus meiner näheren Umgebung konnte ich so nach und nach die ersten erwarteten Verschwörungstheorien heraushören. Natürlich hat so ein spanischer Schiedsrichter ein vitales Eigeninteresse daran, mögliche Konkurrenten aus dem Turnier zu schicken. Sind wir ehrlich, ähnliche Vermutungen hätten sich mit leicht unterschiedlicher Begründung auch breit gemacht, wenn der Schiri aus Kolumbien oder Kanada gekommen wäre.

Kurz vor Spielende dann die Sensation: Bundestrainer Löw schmeißt hin!
Öffentlich, vor laufenden Kameras. Gut, nur eine Wasserflasche, diese aber mit Schmackes und der Symbolgehalt dieser Geste kann gar nicht übersehen werden.

Die Spielzeit wurde langsam knapp und selbstverständlich musste sich dieser Drecksack von serbischem Torwart bei jedem Abstoß  vorher erst mal die Nase schnäuzen , Schuhe binden, ein Haiku verfassen oder ein BWL-Studium absolvieren. Dass muss doch mindestens 20 Minuten Nachspielzeit geben, Hätte es müssen, es waren dann aber doch nur 3 Minuten und auch in diesen wollte es doch partout nicht mehr gelingen, das kugelartige Flatterding im gegnerischen Tor unterzubringen.

Fazit: Warum wir dieses Spiel nicht gewonnen haben, lag an

a) dem furchtbaren Schiri,

b), den Serben, diesen rüden Gesellen

c) dem Scheißball

d) dem unerträglichen Luftdruck in Port Elizabeth und

e) weil man sich eh weltweit gegen uns verschworen hat.

Keine Panik also, alles wie immer ;o)

Ein nachheriger Kurztrip in die Frankfurter Innenstadt zur Frustbewältigung ließ mich anschließend noch erkennen, wieviel Balkanien sich doch in dieser Stadt niedergelassen hat und dass dieses Volk doch ein ausgeprägtes Talent zum Autohupe betätigen hat. Respekt!

Damit ihr überhaupt einschätzen könnt, wieviel fachliche Kompetenz in dieser Fusballkommentierung steckt, möchte ich euch meine Tipps zu den Spielen der letzten drei Tage zeigen.

Honduras – Chile: 0:2

Spanien – Schweiz: 3:1

Südafrika – Uruguay: 1:0

Argentinien – Südkorea: 1:1

Griechenland – Nigeria: 2:2

Frankreich – Mexiko: 2:0

Deutschland – Sterbien: 3:1

Slowenien – USA: 2:0

England – Allergien: 3:1

Wie ihr unschwer erkennen könnt, sind die tatsächlichen Ergebnisse teilweise nur haarscharf an meinen Erwartungen vorbeigeschrammt. Ja, Ihr dürft euch gerne verneigen.

P.S.:

So gerne ich gestern nachmittag den Kommentator „ER MACHT IHN REIN!!!“ hätte schreien hören wollen, so deplatziert und nachgerade als geschmacklos empfände ich es, passierte dies bei der heutigen Live-Berichterstattung aus Schweden.