Warten auf Michel

Man könnte oberflächlich betrachtet glauben, es ginge hier um Fussball. Tut es sicher auch, aber eigentlich ist es genauso sehr ein Versuch in absurdem Theater im Stile von Beckett, Ionesco und anderen.

Zunächst eine kurzer Griff in die Vergangenheit, einer Zeit also, in der nicht wenige der hiesigen Lesefröschlein noch Mayonaise im Kartoffelsalat des Lebens waren: Der Grundgedanke war, die besseren Fussballmannschaften der einzelnen europäischen Länder sich auch gegeneinander beweisen zu lassen. Zuerst gab es den Messecup, dann aber gestalteten sich drei internationale Wettbewerbe.

Die jeweiligen Meister des Landes spielten im – große Überraschung! – Pokal der Landesmeister, aufgrund der überschaubaren Teilnehmerzahl von der ersten Runde an im Playoff-Modus, also einer kommt weiter, einer fliegt raus.

Die jeweiligen Pokalsieger eines Landes spielten im Pokal der Pokalsieger. Manchmal waren es auch die unterlegenen Finalisten, dann nämlich, wenn der Pokalsieger auch gleichzeitig Meister wurde. Dann hat der sich nämlich lieber in den Landesmeister-Cup begeben, weil da die attraktiveren Gegner lauerten.

Schließlich spielten noch ein bis vier weitere Mannschaften der vorderen Tabellenregion im UEFA-Cup gegeneinander, die Anzahl der teilnahmeberechtigten Mannschaften richtete sich nach dem Erfolg der Nation in den Vorjahren.

Vor einigen Jahren kamen nun einige maßgebliche Herren zur Erkenntnis, dass man noch mehr Kohle scheffeln könne, wenn man den Landesmeister-Cup ausbaut. Zukünftig durften also auch die Fast- und Beinahemeister der Länder mit den ganz Großen spielen, was vor allem die Mannschaften freute, die eigentlich das Feiern von Meisterschaften als unveräußerliches Recht annahmen und fassungslos zuschauen mussten, dass sich hin und wieder ein anderer Verein vor diese schob. Frechheit, Gotteslästerung usw.

Man nannte den Wettbewerb nun Champions League und da nun eine ganze Reihe von Mannschaften dabei war, wurde der Wettbewerb nun mit Gruppenspielen begonnen, d.h. jede Mannschaft hatte garantierte 6 Spiele, auch Partizan Tirana, damit etwas Geld ins Vereinssparschwein kommen konnte.

Für den wenig beliebten Pokalsieger-Cup hingegen machte man sich gar nicht mehr die Mühe, einen internationalen Namen zu suchen, Stattdessen  wurde  dieser aufgelöst und die Pokalsieger durften fortan ebenfalls im UEFA-Cup spielen, der nunmehr aber Europa League heißt. Seine Beliebtheit ist im Gegensatz zur immer weiter aufgewerteten Champions League aber eher gesunken.

Deshalb muss man sich nun auch gar nicht wundern, wenn der allmächtige UEFA-Imperator Michel Platini laut darüber nachdenkt, demnächst diese Euroleague ganz aufzulösen und dafür die Champions League von derzeit 32 auf 64 Mannschaften aufzustocken, denn wie wir ja alle wissen: Mehr hilft mehr, vor allem den Richtigen.

Sollte dies so eintreten, wage ich mal folgende Prognose: Nach wenigen Jahren beschweren sich Mannschaften wie Realitätsfremd Madrid oder der FC Bayern Hoeneß darüber, mit soviel Kroppzeuch in einer aufgeblähten Liga spielen und tatsächlich zum Dritten der rumänischen Liga fahren zu müssen. Deshalb werden erste Gedanken gesponnen, ob man sich nicht absetzen und in einem kleineren, exklusiveren Rahmen gegeneinander spielen könnte. In einer Super League oder Elite League.

Das wiederum schwächte natürlich die Champions League und es werden erste Überlegungen angestellt … nun ja, hier darf der geneigte Leser seine eigenen Fantasien weiterspinnen.

Aber bis dahin muss zunächst der erste 200-Millionen-Transfer eines Spielers abgewickelt werden …

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Kraft der Bilder

In manchen Momenten sagen Bilder mehr aus als ein noch so langer Text mit kreativ aneinandergereihten Buchstaben erreichen kann, gerade weil sie uns ermöglichen, Menschen mit ihren Emotionen beobachten zu können.

Hierzu zwei Beispiele:

Eines ist schon ein paar Tage her:

Das Andere ist sehr aktuell:

Gemeinsam ist beiden Bildern lediglich der etwas getönt wirkende Herr im jeweiligen Hintergrund und auch wenn man es im ersten Moment glauben möchte, handelt es sich bei der Dame in der lila Jacke im unteren Bild nicht um die entsetzt schauende Frau im Bild darüber.

Dennoch sieht man Gemeinsamkeiten, wenn man es möchte. Eine Schar Menschen in verantwortungssvoller Position schaut Ereignissen zu, die ihnen von einem fernen Ort übertragen werden. Das zu sehende Material im oberen Bild war wesentlich exclusiver als das des unteren aber darauf kommt es nicht an. Beide Gesellschaften wohnen damit Ereignissen bei, von denen man bis dahin nicht wirklich geglaubt hätte, dass sie noch eintreten könnten.

Dafür lässt sich – mit dem entsprechenden Detailwissen – im unteren Bild genauer bestimmen, wieviel Schüsse daneben gegangen sind. Auch scheint die Reaktion der Zuschauer im unteren Bild etwas differenzierter auszufallen als im Bild darüber, aber das mag den Ereignissen angemessen  sein.

Wie sehr sich der Weltenlauf durch die indirekt von uns zu beobachtenden Ereignisse ändern wird, wird die Zukunft zeigen müssen. Wenn jedoch englische Mannschaften nun Elfmeterschiessen gewinnen, sollten wir uns den Maya-Kalender doch noch ein wenig genauer anschauen.

Ansonsten gilt für alle Beteiligten außer dem Hauptdarsteller des oberen Ereignisses natürlich „Lebbe gehd weider!“

Terminologik

Stellt euch mal vor, ihr wärt große Fans eurer Fussballnationalmannschaft und möchtet gerne möglichst viel Spiele im eigenen Land auch live sehen. Da freut ihr euch bestimmt, wenn euer Team in der Quali für die anstehende EM im Großraum Tschernobyl 2012 auf einen sehr namhaften Gegner trifft. Die schaut man sich ganz bestimmt gerne mal an.

Wie groß wird dann erst die Freude sein, wenn ihr erfahrt, dass das Spiel an einem Dienstag abend um 23 Uhr angepfiffen wird? Da kann man vorher noch gemütlich zu Abend essen, den Kindern beim Insbettbringen noch aus der regionalen Wirtschaftszeitung vorlesen und sich dann auf zum späten Vergnügen machen.

Nach dem Spiel legt man sich dann noch ein, zwei Stündchen auf die Rückbank, da das Nachhausefahren nicht mehr lohnt und und schwupps schon holt man die Wechselklamotten raus und macht sich auf zur Werktätigkeit.

„Warum der späte Anpfiff?“ fragt ihr euch? Nun, weil beide Länder vier Stunden auseinanderliegen und bei der Festlegung der Spielzeit die Interessen beider Nationen angemessen berücksichtigt werden sollten. Deshalb.

Was? Welche eurer Interessen hierbei berücksichtigt wurden? Na hört mal, immerhin dürft ihr im eigenen Land spielen, ihr undankbaren Kasachen. Außerdem ist das für Deutschland ein dermaßen uninteressantes Spiel, dass bei einer Spielfestlegung jenseits der Prime-Time gar keiner mehr zugeschaut hätte. Hier geht es ja auch um Werbeeinnahmen des Fernsehens undsoweiter. Seid froh, dass der Kernkraft-Olli bei seinen Freunden in der Wirtschaft überhaupt Werbeminuten loswerden konnte bei so einem unterirdischen Gegner. Was jammert ihr überhaupt? Ihr seid doch selber schuld! Wieso glaubt ihr überhaupt, zum Hochkulturgebiet Europa zu gehören? Eigentlich müsstet ihr euch mit dem Iran und Katar um den Scheich-Ahmed-Cup prügeln! Noch einmal jammern und wir lassen den Thilo auf euch los.

Echt, ey!