Haldern to your Dreams

Da stehste also spätabends mit den Schuhen tief im Matsch, bist heillos übernächtigt, nass und bekommst die dargebotene Musik nur noch in einem Trancezustand mit und Dir wird klar, dass Du für so etwas wahrscheinlich doch zu alt bist …

Andererseits, wenn ein Freund das Haldern-Premium-Paket mit Übernachtung im Burghotel gewinnt und Du als 2. Person mitkommen darfst, sagst Du nicht Nein, selbst wenn Du arbeitsbedingt nachkommen musst.

Die  Eingebung, vorher endlich noch eine wirklich wasserfeste Regenjacke für ein drittel Monatsgehalt zu kaufen, hatte sich zumindest als weise herausgestellt, war doch der Samstag nahe der holländischen Grenze ein wasserreicher.


Das Grundproblem für mich war aber weder die Niederschlagsmenge noch mein akuter immenser Schlafmangel sondern meine gefühlte Übersättigung. 7 bis 8 Auftritte in rund 11 Stunden en bloc sind für mich auch in ausgeschlafenem Zustand nicht mehr leicht zu bewältigen. Aus dem gleichen Grund schaue ich mir auch nicht 8 Krimis hintereinander an.

Aber hübsch war es natürlich dennoch. Nette Menschen kennengelernt, recht feudal genächtigt und gefrühstückt und dann waren ja noch die Konzerte. Allen voran Judith und ihre Helden, aber auch James Blake hatte ein mitreißendes Set hingelegt, mit dem aber nicht alle Besucher etwas anfangen konnten. Herrn Hauschka hätte ich mir auch gerne im Spiegelzelt, das als Nebenbühne fungierte, angesehen, aber als ich mich endlich durch verregnete Menschenmengen Stück für Stück nach vorne gearbeitet hatte, war er bereits wieder am Ende, so blieb mir leider nur die Liveübertragung nach außen, auf der ich mitverfolgen konnte, wie er mit Hilfe seines präparierten Pianos und Tischtennisbällen auch gleich noch die samstägliche Ziehung der Lottozahlen absolvierte.

Danach dann die Frauenband aus L.A. mit ihrem Dreamspaceshoegazepoprock, die von den Musikexperten hinter mir mit den Schlachtgesängen „WARPRINT! WARPRINT!“ und „MACH MA TECHNO“ herbeigepöbelt wurde. Ja,ja, schon klar …

Enttäuscht war ich leider von den Fleet Foxes, auf die ich mich am meisten gefreut hatte. Wenn sie  ihr Set ohne jegliche Kommentare, ohne eine Improvisation einfach so am Stück abnudeln, hätte man auch einfach nur ihre Alben abspielen können. Ich erwarte keine Rundumbespaßung aber der Live-Mehrwert sollte schon erkennbar sein. Schade!

Nachts um halb zwei, wenn man eh bereits jenseits von Gut und Böse ist und die Füße nur noch aufgrund ihrer Schmerzen als anwesend registriert werden, dann noch Frau Agnes Obel, die uns wie eine liebe Tante mit schwelgerischer Kammermusik ins Bett brachte,  das zu diesem Zeitpunkt ja nur lächerliche 15 km entfernt stand.

Ja,ja, natürlich war es toll und überhaupt und so und bestimmt immer wieder hübsche Erinnerungen wert; das nächste Mal wäre ich nur gerne wieder 20 Jahre jünger …

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