rivelazioni di un bacio

„Ich bin so aufgeregt.“

„Du fühlst Dich wunderbar an!“

„Ich will Dich! Jetzt! … Ja, hier im Supermarkt!“

„Du bist mein wahrgewordener Traum.“

„Ich bin traurig. Bitte heile mich mit Deinem Kuss!“

„Ja, ich habe heute Zwiebeln gegessen.“

„Lass uns zusammen ziehen!“

„Ich will eines mit Dir sein.“

„Ich vertraue Dir“

„Lass uns heute abend die Seite 83 ausprobieren!“

„Auf alles könnte ich verzichten, wenn es sein muss. Sogar auf meine Plattensammlung/Motorräder/Medaillen. Nur ohne Dich kann ich nicht mehr sein.“

„Komm gut durch den Tag!“

„ichliebedichichliebedichichliebedichichliebedichichliebedich …“

„Wenn ich dann mal sterbe, dann bitte so!“

„Ich will ein Kind mit Dir haben!“

„Ich fühle es einfach, es ist gut. So gut.“

„Bitte verzeih mir! Ich bin ein Idiot, ich weiß.“

„Du darfst mich niemals verlassen.“

„Glüüüüüüüücklich …“

„Nimm bitte den Müll mit raus!“

(Darf nach Belieben fortgeführt werden)

Der Lauf der Dingens

Schönes Wetter und ich habe frei? Wer hat denn da nicht aufgepasst …?

Frühstück im Cafe und dann ein wenig in den Park zum lesen und die Sonne diverse Hautirritationen auffrischen lassen aber was ist das? Horden von Menschen traben teilweise äußerst ungrazil und asthmatisch an mir vorbei. Nun gut, „Horden“ mag ein wenig übertrieben sein aber es haben sich schon einige Laufwunder an meinem Gesichtsfeld vorbeigeschoben.

Einige – wenige – machen dabei durchaus auch eine gute Figur aber der deutlich größere Teil vermittelt mir eher den Eindruck, jemand laufe mit einer Waffe hinter ihnen her und sie seien kurz davor, sich ihrem Schicksal zu ergeben. Meines war das Laufen irgendwie nie und wenn ich mir die vergnieselten Gesichter Mancher anschaue, weiß ich auch warum.

 

Jaja, man muss sich auch quälen können und Runners High und all das,  aber mir fallen auch noch andere Möglichkeiten ein, um zu guten Gefühlen zu kommen. Der Laufstil Einiger scheint mir – der natürlich kein Experte ist – auch mitunter sehr bedenklich zu sein und häufiger irgendwo  zwischen Prothese, kaltem Entzug und Schlaganfall zu liegen. Warum dann auch noch eine Frau mit um sich flatternder Wolljacke und einem Rucksack auf dem Rücken ihrem Gefährten hinterherrennen möchte, musste ihr Geheimnis bleiben.

Eine Gruppe verhärmt dreinschauender Männer in ihren frühen Zwanzigern zieht mehrfach an mir vorbei und irgendwie lässt mich der Eindruck nicht los, es handele sich um den örtlichen  JU-Vorstand, der den Frust der OB-Wahlklatsche vom Wochenende ablaufen möchte. Meiner Beobachtung nach laufen die meisten Menschen in diesem Park übrigens ihre Runden entgegen des Uhrzeigersinns. Dafür gibt es sicherlich Gründe und es wunderte mich nicht, hätten die vielbeschworenen amerikanischen Wissenschaftler zu diesem Themenkreis nicht bereits etwas herausgefunden.

Bei all dem Gehechle und Getrabe wirken ein Dreierpack kinderwagenschiebender Jungmütter in sommerlicher Trenchjacke und mit Puck-die-Stubenfliege-Sonnenbrille oder ein Herr mitsamt seiner Kleinhund-Ferkel-Mischung,welche  sich energisch mit einem Aststück abmüht, das eigentlich außerhalb ihrer körperlichen Möglichkeiten liegt, beinahe schon kontemplativ.

Kurz vor Aufbruch versetzt mir ein weltvergessenes, sich neckendes Pärchen mal wieder einen dieser komischen Nadelstiche in der Herzgegend, die ich mittlerweile schon selbstironisch als Phantomschmerzen bezeichne. Hätte jetzt nicht noch sein müssen …

 

Kennzeichen

Solchen Phänomenen wie Glaube oder Liebe kann man ja trotz intensiver Bemühungen immer noch keinen festen Körper zuordnen. Man erkennt sie an ihren Auswirkungen und Reflektionen. Deshalb und weil es ja sonniger Frühling mit gesteigertem Herzpollenflug ist und wegen sowieso:

LIEBE IST … (das nackte Buchhaltermännchen mit Seitenscheitel und seine treudoof glotzende Uffze müsst Ihr euch dieses Mal halt dazudenken)

… der vielfach zerknüllte Zettel mit ihrer Telefonnummer und die Eintrittskarte in einer alten Bonbondose

… das unbeschreiblich schöne Gefühl, morgens als erstes eine andere Hand in seiner zu spüren.

… freiwilliges Müllrunterbringen.

… sich so lange selbst hypnotisieren, bis man ihn völlig glaubhaft davon überzeugen kann, die Krankheit komplett überstehen zu können.

… Milchreis mit Apfelmus und Zimt ans Krankenlager gebracht zu bekommen.

… auf Besserwisserei auch mal zu verzichten, selbst wenn man es definitiv besser weiß.

… auch Monate nach der Trennung nichts Neues anfangen zu können, weil das Gefühl nicht verschwindet, sie damit zu betrügen.

… zwei große Beutel Teelichter.

… trotz Seepferdchen und Freischwimmer in ihren oder seinen Augen zu versinken.

… sich die Mühe zu machen und zwar gerne.

… alle zu verkloppen, die sie geärgert haben.

… sich auch mit seinen Ängsten aufgehoben fühlen zu dürfen.

… gemeinsame Verrücktheit

… auch montags zu spüren.

… der völlig unerwartete Kuss

… der erwartete Kuss

… erleichtert festzustellen, dass man in einigen Punkten auch uneins sein darf, ohne sich zu verlieren.

… die Tierhaarallergie als nunmehr beständigen Teil des eigenen Lebens zu akzeptieren.

… mit doppelter Kraft durchs Leben gehen zu können.

… der erlaubte Griff in die andere Hose.

… eine kleine eigene Welt zu gründen.

… zu spüren, immer wieder …

(darf gerne fortgesetzt werden)

Ein gutes Herz

Also, ihr Spacken, Ihr stemmt jetzt Eure pickligen Speckhintern aus Euren vergammelten Sesseln, schnappt euch die Tageszeitung und lasst Eure suffverquollenen Augen suchen, ob und wo in Eurer degenerierten Umgebung der Film „Ein gutes Herz“ läuft. Dann zieht ihr Euch die am wenigsten versifften Joggingklamotten an und kriecht dorthin, anstatt schon wieder an Euch herumzuspielen oder Dartwerfen auf Eurosport zu glotzen …

Oje, ich muss wirklich aufhören, mich immer wieder so sehr mit Filmcharakteren zu identifizieren. Das war schon bei Zorro peinlich …

Also nochmal für die kulturelle Bohême (und sorry wegen der Entgleisung; ich weiß ja, dass Euer Joggingoutfit gar nicht sooo sehr versifft ist…):

In obengenannten Film spielen vor allem folgende Elemente eine tragende Rolle:

Die Bar „House of Oysters“, die ihren Namen aber nur noch aus Traditionsgründen hat,

deren Wirt Jacques, ein in die Jahre gekommener Griesgram, der Herzinfarkte sammelt wie andere Leute Briefmarken,

der junge Lucas, der den Kampf ums Leben erst gar nicht aufnehmen will,

die verzweifelte April, eine Ex-Düse, hoppla, Stewardess mit Flugangst,

der Schäferhund Rococo, der wie selbstverständlich mit Schutzbezügen an den Pfoten in der Intensivstation herumtapert,

die Gans Estragon, deren weihnachtliches Schicksal eigentlich bereits rasch besiegelt scheint, bevor dann doch alles ganz anders kommt  sowie

ein Barthekenbesetzungspanel, das irgendwie aus „Cheers“ und Moes Taverne zusammengebastelt wurde. Alles Stammgäste, klar; Laufkundschaft wird erst gar nicht bedient.

Jacques ahnt sein baldiges Ende und nimmt Lucas, den er im Krankenhaus trifft, unter seine Fittiche, weil er ihm seine Bar überlassen möchte, wofür sich dieser aber erstmal qualifizieren muss. Ein schwieriges Unterfangen und es wird nicht leichter, als die verzweifelte April auftaucht. Eine Frau. In dieser Bar! Eine Frau !!!

Ich musste schon lange nicht mehr so oft schmunzeln oder lachen wie in diesem Film, auch wenn er sich einem klassischen Happy-End verweigert und einige gefühlige Momente in sich trägt. Das schwierigste für die cinemaphilen hiesigen Bloglesefröschlein dürfte aber nicht sein, sichfür diesen Film zu entscheiden (schließlich habe ich es bef …. empfohlen), sondern ein Kino zu finden, in dem er läuft und das nicht von Harald, dem Potten belegt ist.

Also, spähet aus, Landsvolk und tummelt euch in Scharen in den Lichtspieltheatern. Es soll Euer Schaden nicht sein.

Reihe 10

Frage:

Erhöht es den cineastischen, sinnlichen oder sonstwie gearteten Wert eines Kinobesuchs, wenn direkt vor einem ein überregional bekanntes Moderatoren-Promipärchen dem selben Film beiwohnen möchte?

Antwort:

Selbstverständlich nicht, insbesondere, wenn man sich zurückhalten muss, um nicht mit Schmackes in die vor einem befindliche Rückenlehne zu treten, weil ER einem Freund vor einiger Zeit in großkotziger Art einen der raren Innenstadtparkplätze blockiert und anschließend weggenommen hat.

Hängengeblieben sind vielmehr Film-Fragmente wie diese:

„Kannst Du dir vorstellen, mich zu lieben?“

„Du magst mich viel mehr, als Du Dir selber eingestehen willst!“ (bei beginnender Narkose geäußert)

„verletzte Menschen verletzen Menschen“

Solche Dinge halt …

Ja, ich habe nach wie vor eine offene Flanke an dieser Stelle, aber wenn Frauen wie jene im Film, die sich stets etwas ungelenk durchs eigene Leben manövrieren, hin und wieder versuchen, Liebe über Seks zu finden, dabei aber in der Lage sind, einen Anderen, einen ausgewiesenen Sozialphobiker, trotz dessen immer wieder durchbrechender Arschlochhaftigkeit in ihr Herz zu lassen, dann sollte, nein müsste man jene solange liebevoll an sich drücken und ihnen wundervolle Dinge ins Ohr flüstern, bis beiden ganz schwindlig davon wird.

Solche Dinge halt …