Expertentalk

Ich bekam die Gesprächsfetzen in einer Hamburger S-Bahn mit, aber machen wir uns nichts vor, es könnte auch jede andere Stadt gewesen sein – sofern sie über ein S-Bahn-Netz verfügt natürlich.

Zwei Herren mittleren Alters (huch, das könnte ja auch ich bereits sein, also nicht DIESES mittlere Alter bitte!) unterhielten sich offenbar über Computer, das Internet und all die Sachen, die seit ihrer Faustkeil-Jugend ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben und mit denen diese Jugendlichen heute so selbstverständlich umgehen. Sie tun dies mit einem offensichtlich leicht abschätzigen Grundton, wie man es landläufig von Herren mittleres Alters erwartet.

Eigentlich wollte ich dem Gespräch gar nicht folgen und war mehr damit beschäftigt ,den richtigen Titel auf meinem portablen Grammophon zu finden, aber ein Satzteil erregte dann doch meine Aufmerksamkeit:

„Die googeln sich doch stän-dig solche Sachen hin und her …“

Jetzt war es also raus! Es handelte sich um Experten!

Tja, liebe Leute, was wollt ihr tun? Sich Sachen hin und her zu googeln ist nun mal der Geist der Zeit. Vorbei ist es mit Pferdekutschentransporten und derlei. Heute muss man sich seine Medizin gegen Schwindsucht nicht mehr von reitenden Boten bringen lassen, man lässt sie sich einfach so nach Hause googlen. Unglaublich!

„Papa, wollen wir uns eine Pizza googeln lassen?“

„Was? schon wieder? … na gut, aber erzähl das bloß Mutti nicht, wenn sie wieder von der Reha nach Hause kommt!“

So sind die Zeiten! Schade, dass ich bald aussteigen musste. Bestimmt wäre bald die Stelle gekommen, wo sie beklagen, dass die heutige Jugend ja nicht einmal mehr in der Lage ist, auf dem Hochrad sitzend einen dreifachen Salto hinzulegen, was damals noch alltäglich war.

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Fragfrag

1.

Liebe A-Er-De!

Wie ich vernehmen könnte, willst Du jetzt elektronische Filter zur weitgehenden Ausblendung von Elefantengeburtsgeräuschen a.k.a. Vuvuzelas einsetzen. Ein sehr löblicher Vorsatz! Nun meine Frage: Könnte ich dieses Programm irgendwo käuflich erwerben, z.b. als App? Und: Lässt es sich variabel einstellen, so dass auch nach der WM noch vielfältige Einsatzmöglichkeiten bleiben, z.B. gegen keifende Frauenstimmen, Babygeschrei, Politikerpalaver oder Lieder von den A.tzen? Für eine baldige Antwort wäre ich sehr dankbar.

Dein Lofomo

2.

Liebes Magenta-T!

Ich bin zw———————————ar nur beruflich m    ———           —–it Dir verbandelt (priv——–      ——– ——-at vertrage ich mich eh———-er mit                                                  Marcells Leuten), aber w——————                                                                             —äre es unter Umst——————————————————————änden möglich, eure Internetver                                                —————–                                       bindung langsam mal w——————————————-ieder sta ——————bil zu beko                                         ————————–mmen?

Diese stän—————————–digen Ausse——————–                     tzer sind doch ein g——————————–anz klein wen ———————————————————————————-

——————-**

An Sarah

Liebe Sarah!

Du hast mir nun mehrfach geschrieben und es fällt Dir mittlerweile sicher auch auf, dass ich nicht reagiere. Das wird Dich wohl enttäuschen, deshalb möchte ich Dich zumindest auf diesem Weg darüber informieren, dass dies nicht grundlos passiert.

Keineswegs möchte ich Dir damit wehtun, so fies bin ich sicherlich nicht. Du solltest das auch nicht allzu persönlich nehmen. Grundsätzlich hatte ich mich ja zunächst sehr gefreut, als Du mch anschriebst, fühlte mich geschmeichelt. Sarah ist ja ein sehr hübscher Name für mich, ich glaube, ich hätte gerne mal eine Partnerin, die Sarah heißt; der Name steht für mich für eine intelligente und sensible, kunstinteressierte Frau.

Dennoch … wie soll ich es nur formulieren? Ich befürchte einfach, dass wir beide doch zu unterschiedlich sind. Ich bin ein in Maßen normaler Kerl, der auch keine abnormen Ansprüche an eine Partnerin stellt. Lediglich real und präsent sollte sie schon sein. Du hingegen bist einer von vielen Aliasnamen, der nur den Zweck hat, mich auf eine Internetseite zu locken, auf welcher meist leichtgekleidete Schl … Damen Kontakte suchen; meinem Eindruck nach eher nicht zum gemeinsamen Schachspielen oder dem Aufbau überkontinentaler Umweltschutzprojekte.

Deshalb vermute ich schlichtweg, dass wir beide nicht wirklich gut zusammenpassen. Wir wären auf Dauer sicher auch nicht glücklich miteinander und das ist  kein überkommenes Standesbewußtsein, das mich zu dieser Einschätzung drängt, sondern Lebenserfahrung.

Deshalb möchte ich Dich bitten, mir nicht mehr zu schreiben. Ich weiß, irgendwo da draußen wirst Du Männer finden, die Dir das geben können, was Du suchst und ich gönne es Dir von Herzen, ich jedoch kann so einer nicht sein.

Halte Dein süßes Näschen auch weiterhin in den Wind, Du wirst Deinen Weg schon gehen, auch ohne mich.

Dein LoFoMo

I am a zon!

Lieber Internetgroßhandel!

Stellt euch mal bitte folgende Situation vor:

Ihr habt Hunger, kommt zu einer Gaststätte, schaut euch in aller Ruhe die Speisekarte an, findet nach längerer Suche auch etwas, das euch mundet und preislich handhabbar ist, geht hinein, bestellt und genießt das üppige Mahl.

Nachdem ihr euch sattgegessen habt und bezahlen möchtet, kommt zusammen mit der Bedienung nochmals der Chefkoch an euren Tisch und kredenzt euch weitere Speisen, denn wenn ihr Sauerbraten mit Klößen mochtet, habt ihr bestimmt auch Hunger auf blablabla usw. Ihr schaut euch zunächst verwundert um, weil ihr die versteckte Kamera in eurer Nähe vermutet, klärt dann aber die anwesende Belegschaft darüber auf, dass ihr sicher auch mit einigen anderen der angebotenen Speisen liebäugeln könntet, derzeit aber schlichtweg zu satt seid, um noch Nahrung aufnehmen zu können.

Was ich euch damit sagen möchte: Gut, ich habe vor einigen Wochen nach längerem Abwägen eine Armbanduhr bestellt und sie verrichtet mittlerweile auch zu meiner vollsten Zufriedenheit ihren Dienst an meinem Handgelenk. Ich besitze allerdings noch mindestens 2 weitere gangbare Armanduhren und fühle mich  derzeit in dieser Richtung nicht mehr bedürftig. Ich sammle keine Uhren, esse sie auch nicht oder benutze sie als Köder zum Fang der seltenen und scheuen Uhrzeitkrebse, also könntet ihr BITTE!!!! aufhören, mir nahezu täglich neue Angebote zuzusenden? Das wäre sehr fein. Obwohl ich nämlich zwei Arme besitze, trage ich in aller Regel nur eine Uhr gleichzeitig, wenn überhaupt. Möglicherweise kaufe ich bei euch in einigen Jahren mal eine Taschenuhr, das würde meinem dann fortgeschrittenen Alter eher entsprechen, dies aber nur, wenn ihr bis dahin schön brav bleibt.

Solange könnt ihr mich ja noch mit CD-, Bücher- und HelloKi.tty-Angeboten überhäufen! (War ein SPAAAAAß, wagt euch!!!)

Schlecht bei Flaute *

10. Oktober:

Er:

„…deshalb möchte ich mein Abonnement Ihrer Zeitschrift zum Ablauf des Quartals kündigen. Das Niveau der Artikel ihres Heftes hat in den letzten Monaten stetig nachgelassen und erinnert mittlerweile weitaus öfter an das pseudowissenschaftliche Gequatsche alkoholisierter Kneipengänger mit Viertelbildung als an den Geist anregende, mitunter sogar kognitive Dissonanz auslösende Abhandlungen kluger Köpfe, von denen es seinerzeit zumindest einige in Ihre Redaktion verschlagen haben musste. Ich bitte daher darum …“

2 Stunden, 10 Minuten später:

Sie:

„Lieber Herr Fogelweid,

so gerne ich ihre durchaus nachvollziehbare Kündigung in die Tat umsetzen möchte. so sehr fehlen mir die Möglichkeiten. Sie sind – wie bereits einige vor Ihnen – dem Tippfehlerteufel aufgesessen und wieauchimmer auf meiner Homepage „wegelagerer“ statt „Wege-Verlag“ gelandet, die sich mit eineiigem … Entschuldigung, da ist er wieder, der Tippfehlerteufel … einigem beschäftigt, jedoch nicht mit dem Vertrieb halbwissenschaftlicher Magazine fragwürdiger Qualität. Ich muss Sie daher leider bitten, ihre Kündigung nochmals an die richtige Adresse zu senden, wünsche Ihnen dabei allerdings viel Glück und hoffe, sie finden künftig Literatur, die ihren wachen und kritischen Geist wesentlich besser beflügeln kann.

Herzlichst, Ihre Christina M.“

49 Minuten später:

Er:

„Liebe Christina M. (entschuldigen Sie die etwas ungelenke Anrede, aber mehr Information steht mir nicht zur Verfügung),

ich bedaure meinen Adressenlapsus – gleichzeitig aber auch wieder nicht. Denn anderenfalls wäre ich doch um das Vergnügen dieser so fein formulierten Email Ihrerseits gekommen. Sie zegut nicht nur von Formulierkunst, sondern auch von einer unübersehbaren Herzlichkeit und einem schelmischen Humor, den man nicht überall finden kann. Emails wie Die ihre sind es, die meinen Geist besser beflügeln können als jede auf den Massengeschmack zu- oder hingerichtete Zeitschrift.  Fast wäre ich geneigt, mein Vertippen als schicksalhafte Fügung zu bezeichnen. Wären Sie denn – sofern ich Ihnen verspreche, meine Kündigungsbemühungen weiter zu verfolgen – geneigt, mir noch etwas mehr über sich zu erzählen? Da hätte die Welt einen glücklichen Menschen mehr zur Verfügung, etwas, dass ihr sowieso jederzeit aber insbesondere heutzutage gut zu Gesicht stünde.

Hoffnungsvoll, ihr Werner Fogelweid“

1 Stunde, 8 Minuten später:

Sie:

„Ach, ich hätte es mir eigentlich denken können. Höflich wollte ich sein, weil ich Ihren Schreibstil symphatisch fand, aber jetzt bin ich wohl ein weiteres Mal gezwungen, unmissverständlich zu sein.

Ich habe das Pech, eine diesem obskuren Verlag sehr ähnliche Mailadresse zu besitzen. Ich war eher da, aber das nur nebenbei. Ich hätte, da diese „Vertipper“ sich des öfteren ereignen, schon vor längerer Zeit eine andere Anschrift gewählt, da ich diese Adresse aber bereits seit Jahren beruflich nutze, wäre eine Änderung ein großes und riskantes Verfahren. Deshalb bin ich gezwungen, immer wieder auf Mails mir unbekannter Menschen zu antworten.

Es mag sie ein wenig kränken, aber allzu originell sind Ihre Anbahnungsversuche leider nicht. Schon einige glaubten, so näher mit mir in Kontakt zu kommen. Aber nur, weil es in depperten Hollywood-Schinken oder realitätsfernen Büchern immer wieder veranschaulicht wird, ist dies noch lange kein erfolgverprechender Weg, seine Einsamkeit zu überwinden. Ich suche mir meine Kerle – nennen Sie mich altmodisch – immer noch auf die eher klassische Art und Weise aus, die stets mit persönlichem Kontakt in Natura einhergeht. Ich kann ja verstehen, dass dieses Internet eine prima Plattform für ansonsten verklemmte Mauerblümchen ist, einen Schritt aus ihrer selbstgewählten Isolation zu tun. Deshalb bin ich aber noch lange kein romantisch verklärtes Lyrikkätzchen, das schon im siebten Himmel schwebt, wenn hin und wieder mal einer in der Lage ist, drei Sätze einigermaßen gefühlvoll und/oder originell hintereinander zu setzen, ohne sich dabei gleich das Gehirn zu verstauchen. Was auch immer Ihre Kontaktstörungen verursachen mag, ob exotische Ansprüche, eine vermurkste Kindheit, Kleinschwänzigkeit, stinknormale Soziophobie oder was auch immer, ich bin definitiv kein Weg aus diesem Elend für Sie.

Reißen Sie sich halt mal zusammen, gehen Sie unter Leute, pflegen Sie ihre Interessen mit Gleichgesinnten, öffnen Sie sich neuen Eindrücken, aber lassen Sie mich bitte in Ruhe. Vorsichtshalber und aus gegebenem Anlass möchte ich ihnen auch noch miteilen, dass mein Cousin beim LKA tätig ist. Dort hat man keinerlei Probleme, ihre Identität zu enträtseln und Ihnen gegebenenfalls bös auf die Pelle zu rücken, sollten Sie tatsächlich auch weiterhin noch den jämmerlichen Versuch wagen, mich amateurhaft becircen zu wollen. Ich hoffe, ich war nunmehr deutlich genug!

Gerade noch freundlich, C.M.“

*= Es gibt, was den Titel des Beitrages betrifft, m.E. drei Arten von Menschen: Die erste Gruppe weiß um die Bedeutung von Titel und Beitrag, bildet sich darüber ihre eigene Meinung, ist aber nicht weiter informationsbedürftig. Die zweite Gruppe kann zwar keinen Zusammenhang zwischen Titel und Inhalt erkennen, denkt sich aber aus Erfahrung, dass dies einfach mal wieder eine Spinnerei des Herrn LoFoMo darstellt und hat kein weiteres Interesse an Aufklärung. Die dritte Grupe schließlich erkennt ebenfalls keinen Zusammenhang, hat aber durchaus ein gewisses Maß anNeugier in sich, das befriedigt werden möchte. Nur dem letzteren Personenkreis sei deshalb hilfsweise kurz erläutert, dass es sich bei Titel und Inhalt um eine harmlose Parodie des durchaus netten  Romans „Gut gegen Nordwind“ handelt, der von einem ganz anderen Autor (remember filosofy 2.0: Ich bin der Autor DIESES Beitrags) zum gleichen Thema Liebesanbahnung per Internet verfasst wurde, allerdings wesentlich ausführlicher und mit einem deutlich anderen Handlungsverlauf. Mittlerweile gibt es davon sogar eine Fortsetzung namens „Alle sieben Wellen“. So ist das nämlich …