2 für Einen

Hurra, heute gibt es 2 Posts im Doppelpack, und das zum gleichen Preis!

Teil 1:  Sandmann, lieber Sandmann

Stellt euch doch einmal vor, Ihr wärt ein snobistischer, arroganter Kerl in seinen Dreißigern, der bei seiner Traumverwirklichung auf halbem Weg gescheitert ist und diese Verbitterung gerne an Anderen auslässt. Eines Tages beginnt ihr plötzlich, Sand zu verlieren, aus Eurem Körper. Zunächst nur kleine Mengen, später dann immer gewaltigere. Wer an Eurem Sand riecht, fällt in einen traumreichen Schlaf. Warum dies so ist, bleibt Euch zunächst unklar, aber Euer  bisheriges Leben tut es dem Sand gleich und rinnt Euch durch Eure Finger, bevor Euch sogar die Finger wegrinnen …

Das ist im Groben der Plot zu dem Schweizer Film „Ein Sommersandtraum“, der zur Zeit noch in einigen Programmkinos läuft. Eine kleine, zeitweise durchaus humorige Groteske, in welcher es aber eigentlich – und das habt Ihr Euch mit eurer Lebenserfahrung sicher bereits gedacht – um Liebe geht, um Poesie und Musik. Mit der heutigen Wiederholung von „Spiderman 3“ hat das übrigens nicht viel zu tun. Schaut ihn Euch ruhig mal an, wenn ihr Naturwissenschaft auch mal hinter Poesie stellen könnt.

Teil 2: Das kleine Glück

Nach dem Glück suchen wir doch alle irgendwie und für viele gilt auch hier: Je mehr, je besser. Die großen Glücksgefühle sind aber für die meisten von uns eher dünn geseht. Was den Alltag angenehm gestalten kann, sind viel häufiger die kleinen, unvorhersehbaren  Glückserlebnisse, die wir leider zu oft zu schnell wieder vergessen. Das kann ein unerwartetes Angebot sein, Sonne, wo man von Regen ausgeht oder ein nicht erwarteter Parkplatz in einer schlimmen Parkgegend in der großen Stadt, und dies direkt gegenüber dem Kino, in das man möchte und während es draußen gerade Bindfäden regnet.

Ja, Leben, ich habe dies gewürdigt!

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Ein gutes Herz

Also, ihr Spacken, Ihr stemmt jetzt Eure pickligen Speckhintern aus Euren vergammelten Sesseln, schnappt euch die Tageszeitung und lasst Eure suffverquollenen Augen suchen, ob und wo in Eurer degenerierten Umgebung der Film „Ein gutes Herz“ läuft. Dann zieht ihr Euch die am wenigsten versifften Joggingklamotten an und kriecht dorthin, anstatt schon wieder an Euch herumzuspielen oder Dartwerfen auf Eurosport zu glotzen …

Oje, ich muss wirklich aufhören, mich immer wieder so sehr mit Filmcharakteren zu identifizieren. Das war schon bei Zorro peinlich …

Also nochmal für die kulturelle Bohême (und sorry wegen der Entgleisung; ich weiß ja, dass Euer Joggingoutfit gar nicht sooo sehr versifft ist…):

In obengenannten Film spielen vor allem folgende Elemente eine tragende Rolle:

Die Bar „House of Oysters“, die ihren Namen aber nur noch aus Traditionsgründen hat,

deren Wirt Jacques, ein in die Jahre gekommener Griesgram, der Herzinfarkte sammelt wie andere Leute Briefmarken,

der junge Lucas, der den Kampf ums Leben erst gar nicht aufnehmen will,

die verzweifelte April, eine Ex-Düse, hoppla, Stewardess mit Flugangst,

der Schäferhund Rococo, der wie selbstverständlich mit Schutzbezügen an den Pfoten in der Intensivstation herumtapert,

die Gans Estragon, deren weihnachtliches Schicksal eigentlich bereits rasch besiegelt scheint, bevor dann doch alles ganz anders kommt  sowie

ein Barthekenbesetzungspanel, das irgendwie aus „Cheers“ und Moes Taverne zusammengebastelt wurde. Alles Stammgäste, klar; Laufkundschaft wird erst gar nicht bedient.

Jacques ahnt sein baldiges Ende und nimmt Lucas, den er im Krankenhaus trifft, unter seine Fittiche, weil er ihm seine Bar überlassen möchte, wofür sich dieser aber erstmal qualifizieren muss. Ein schwieriges Unterfangen und es wird nicht leichter, als die verzweifelte April auftaucht. Eine Frau. In dieser Bar! Eine Frau !!!

Ich musste schon lange nicht mehr so oft schmunzeln oder lachen wie in diesem Film, auch wenn er sich einem klassischen Happy-End verweigert und einige gefühlige Momente in sich trägt. Das schwierigste für die cinemaphilen hiesigen Bloglesefröschlein dürfte aber nicht sein, sichfür diesen Film zu entscheiden (schließlich habe ich es bef …. empfohlen), sondern ein Kino zu finden, in dem er läuft und das nicht von Harald, dem Potten belegt ist.

Also, spähet aus, Landsvolk und tummelt euch in Scharen in den Lichtspieltheatern. Es soll Euer Schaden nicht sein.

halbvoll/halbleer

Das geht den werten Lesefröschlein hier doch bestimmt ganz ähnlich. Immer diese theoretischen Diskussionen über den Umgang mit dieser vorübergehenden Existenzmanifestation namens „Leben“. Selbst der hinterwäldlerischste Motivationstrainer und Glücksverheißer bringt in seinem Geschwätz  irgendwann den Vergleich mit dem Glas, dass je nach Lebensansicht als halbvoll oder halbleer betrachtet wird. Je nach Einschätzung geht man dann als ewiger Misanthrop durch seine Lebenstage oder muss als Vorzeigeoptimist herhalten, dem zwar das Haus abbrannte, der sich aber darüber freut, dass der Keller erhalten geblieben ist, worauf man ja aufbauen kann (und der Dali malt ja bestimmt mal wieder ein Bild, das man sich dann wieder ins neu erbaute Wohnzimmer hängt).

Das alles ist mir aber viel zu abgedroschen und lebensfremd, zumal ich nicht nur ein Problem mit halbgefüllten sondern auch mit leeren sowie vollen Gläsern habe (mit Dank an die Gebr. Blattschuss).

Da liefere ich doch viel lieber ein direkt aus dem Leben gegriffenes, plastisches, nachvollziehbares … äähhh … Dingens halt.

Wenn man …

… sich zum Open-air-Gucken verabredet, extra recht früh anreist, weil es einem aus Gebrechlichkeitsgründen diesmal wichtig wäre, einen der nicht sooo reichlich vorhanden Stühle zu bekommen, auf dem Weg dorthin erfahren muss, dass sich die Verabredung verspätet (was schon deshalb problematisch ist, weil man ein 2-für-1-Angebot am Eintritt nutzen möchte, das die gleichzeitige Anwesenheit beider Eintrittswilliger nötig macht), man aber eh damit rechnet, ein klein wenig anzustehen, beim Abbiegen auf das Gelände sich jedoch unversehens  just am Ende einer ca. 100 m langen Schlange wiederfindet mit mindestens doppelt so vielen Filmguck-Anwärtern, einem in diesem Moment fast jegliche Lust vergeht, man daraufhin die Verabredung zu informieren gedenkt, diese aber einwirft, dass sie jetzt ja bald da sei und den derzeitigen Aufenthaltsort nennt, welcher aber ca. 25 km entfernt ist und einem dadurch schlagartig klar wird, dass hier wohl gerade unterschiedliche Open-Air-Kinos angesteuert werden, …

… dann kann man …

… in einem hysterischen Wutanfall seinen Rucksack auf den Boden schleudern, rumpelstilzig darauf herumtrampeln, dann bemerken, dass ja auch die Flasche Apfelsaftschorle im Rucksack war, die daraufhin nochmals verdoppelte Wut dadurch ablassen, dass man die Rucksackreste den vor einem Stehenden ins Genick schleudert und beim Verlassen der Stätte der Schmach allen Anwesenden noch sämtliche verfügbaren Verwünschungen an den Kopf werfen, oder …

… nach kurzem enttäuschtem Luftholen sich umorientieren, anerkennen, dass manche Dinge eben nicht sein sollen, noch ein klein wenig dem gemeinsamen Abend hinterher trauern, dann aber recht schnell erkennen, dass man wohl jeweils (oder zumindest einfach) 7 € gespart hat, nicht in einem atmosphärisch nicht sooo dollen Gelände auf einer Decke rumhängen muss, wo einem irgendein Hirni im Vorbeistampfen wieder die Getränkeflasche umwirft und außerdem davon ausgehen kann, die Geschichte von Vincent und seiner magersüchtigen Bekannten innerhalb der nächsten 9 Monate sowieso im TV sehen zu können. Dies akzeptierend tritt man dann deutlich weniger frustriert den Rückweg früher als geplant an, was einem aber zum Einen ein früheres Zubettgehen ermöglicht und zum Anderen einen dazu verleitet, einen Teil des gesparten Eintrittsgeldes aus Gründen des persönlichen Labsals in einen Eisbecher zu investieren, dessen Zubereiter auf dem Weg zum Auto auf einen wartet.

Leben ist also, was man daraus macht! Bedenkt dies ruhig gelegentlich!

(Okay, der Realität geschuldet sollte ich evtl. noch folgendes ergänzen: Die Eisdielen in mittelgroßen Kleinstädten schließen gerne auch mal vor 21 Uhr, was ich hätte bedenken sollen. Machte aber fast gar nix, denn schräg gegenüber gibt es ja diese rotweiß beschilderten Supermärkte, die selbst in mittelgroßen Kleinstädten gerne bis 22 Uhr geöffnet haben, also gab es statt Eisbecher eine Packung Eiskonfekt, die ja zumindest eine kleine Reminiszenz an einen Kinoabend darstellt. Das mit dem Frühzubettgehen hat dann auch nicht wirklich geklappt, da ich irgendwo zwischen Switch, Broken Comedy und irgendwas auf 3sat hängengeblieben bin und bis nach Mitternacht eher in einem TV-begleiteten Dämmerschläfchen vor mich hinsabberte. Das ändert aber fast gar nichts an meiner grundsätzlichen Betrachtungsweise, bllbll!)

Rabbi, Pappi und das Homotüt

(Achtung! Der Titel ist das einzige an diesem Beitrag, das zumindest die Absicht hat, lustig zu wirken und wird dem ernsthaften Artikel insgesamt damit eigentlich überhaupt nicht gerecht. Ich Kindskopf konnte einfach der Versuchung nicht widerstehen …)

Kurz vor Sommerbeginn schnell noch mal ins Programmkino.

„Du sollst nicht lieben“.

Fühle mich davon mal wieder unnötig angesprochen, aber eigentlich erzählt dieser Film aus Israel von einem Schlachter, der den Laden seines verstorbenen Vaters übernimmt, wo ihm ein wohnsitzloser junger Mann begegnet, dessen Erscheinung ihm gleich merkwürdig berührt. Er lässt ihn über der Schlachterei wohnen, gibt ihm Arbeit und bemerkt irgendwann, dass dieser junge Mann sich offenbar eher dem eigenen Geschlecht zugeneigt fühlt.

Nun passiert dies nicht irgendwo, sondern in einem ultraorthodoxen Stadtteil Jerusalems. Unser Hauptakteur findet sich zunehmend verwirrt von seinen Gefühlen für diesen jungen Kerl. Schließlich ist er verheiratet und Vater von 4 Kindern und außerdem als sog. „Gerechter“ einer der Autoritäten der örtlichen Glaubensgemeinschaft.

Die Verwirrung jedoch bleibt und irgendwann musste es dann passieren, dass sich die beiden Männer ihrer Leidenschaft hingeben. Gleichzeitig sieht sich unser Akteur aber auch noch als Mann und Vater und soll zudem als Teil eines Moralkommandos ein vermeintlich unsauberes Verhältnis zwischen der Tochter eines Nachbarn und einem ungemäßen Mann unterbinden, was er auch tut. Das schlechte Gewissen dabei ist ihm aus dem Kinositz heraus anzusehen.

Die Dinge entwickeln sich, wie man es befürchten muss. Natürlich fällt sein veränderter Lebenswandel auf. Nicht nur seiner Ehefrau, sondern auch den Glaubenskriegern seiner Nachbarschaft und plötzlich sieht er sich einem Femegericht ausgesetzt. Als ihn der eigentlich wohlmeinende Rabbi darauf anspricht, warum er dies denn tue, antwortet er diesem „Weil ich mich wieder lebendig fühle“

Damit kommt er natürlich nicht durch. Sein junger Freund wird aus der Gegend geprügelt und schließlich nimmt der Film ein trauriges, von Verzweiflung geprägtes,  wenngleich zu befürchtendes Ende.

Die Engstirnigkeit, der Hass gegen das Andere, die aus dieser Gemeinde hervortreten sind – ich denke, das sollte klar sein – nicht nur ein jüdisches Problem. So etwas tritt überall dort auf, wo man Prinzipien und Regeln über die individuellen Lebensarten von Menschen stellt, am besten noch durchgesetzt von einer Bande selbsternannter Sittenwächter.

Oder um es in Twittersprech zu formulieren. „I put the „gemein“ in „Gemeinschaft“.

Der Film ist recht spröde erzählt, aber die Intensität der Bilder entwickelt sich im Laufe der Zeit dennoch. Zudem bin ich zwar ein großer Anhänger von OmU-Filmen, wenn man aber keine Schrift in diesem Film lesen kann, kein Wort versteht und die Untertitler es nicht für nötig halten, jedes gesprochene Wort zu übersetzen, kann es für den Zuschauer etwas anstrengend werden. Dennoch eine Empfehlung für Programmkinogänger, das gestrige Kino war putzevoll.

Im Abspann dann noch eine Kleinigkeit, die die Strenge und Ernsthaftigkeit des Films ein klein wenig durchbricht: Die Darstellerin der Ehefrau nennt sich im richtigen Leben tatsächlich „Tinkerbell“. Sachen gibts …

Reihe 10

Frage:

Erhöht es den cineastischen, sinnlichen oder sonstwie gearteten Wert eines Kinobesuchs, wenn direkt vor einem ein überregional bekanntes Moderatoren-Promipärchen dem selben Film beiwohnen möchte?

Antwort:

Selbstverständlich nicht, insbesondere, wenn man sich zurückhalten muss, um nicht mit Schmackes in die vor einem befindliche Rückenlehne zu treten, weil ER einem Freund vor einiger Zeit in großkotziger Art einen der raren Innenstadtparkplätze blockiert und anschließend weggenommen hat.

Hängengeblieben sind vielmehr Film-Fragmente wie diese:

„Kannst Du dir vorstellen, mich zu lieben?“

„Du magst mich viel mehr, als Du Dir selber eingestehen willst!“ (bei beginnender Narkose geäußert)

„verletzte Menschen verletzen Menschen“

Solche Dinge halt …

Ja, ich habe nach wie vor eine offene Flanke an dieser Stelle, aber wenn Frauen wie jene im Film, die sich stets etwas ungelenk durchs eigene Leben manövrieren, hin und wieder versuchen, Liebe über Seks zu finden, dabei aber in der Lage sind, einen Anderen, einen ausgewiesenen Sozialphobiker, trotz dessen immer wieder durchbrechender Arschlochhaftigkeit in ihr Herz zu lassen, dann sollte, nein müsste man jene solange liebevoll an sich drücken und ihnen wundervolle Dinge ins Ohr flüstern, bis beiden ganz schwindlig davon wird.

Solche Dinge halt …

NYC in HH

Noch bin ich in Hamburg, aber ich muss hier doch mal kurz nach dem rechten sehen…

Eigentlich gehört ein Kinobesuch nicht unbedingt zum Programm einer Städtereise, denn Filme sehen in Hamburg in aller Regel nicht erkennbar anders aus als in Frankfurt. Es ergab sich aber für mich die Möglichkeit, mir im Abaton den Film „New York i love you“ anzusehen, den ich in Ffm. irgendwie verpasst hatte.

Es ist eingentlich kein Film, sondern eher eine teils nur skizzenartige Beleuchtung unterschiedlicher Schicksale New Yorker Einwohner. Eigentlich müssten sämtliche Alarmglocken bei einem läuten, wenn man sieht, welche Ansammlung von prominenten Namen in diesem Film mitwirken, aber das war in diesem Fall okay, denn die meisten huschen eher durch den Film. Die Hauptrolle spielt schon die Stadt.

Er hat mir gut gefallen, war sehr inspirierend, allerdings werden derart viele kleine Geschichten angerissen, dass in mir schon das Bedürfnis wuchs, das eine oder andere Schicksal noch ein wenig weiter zu verfolgen. Die Geschichte mit der Assistentin, die der Komponist bislang nur telefonisch kennt und die sich aus freien Stücken bereit erklärt, mehrere Dicke Bände russischer Literatur für ihn zu lesen, obwohl ein Auftraggeber, dies von ihm verlangt hatte, um die notwendige Einfühlung für seinen Auftrag zu bekommen. Der Film reißt mit seinen Skizzen so einige Emotionen beim Betrachter an und es fehlt die Zeit, sich damit auseinander zu setzen, da schon die nächste kleine liebenswerte Geschichte ansteht. Berührend viele davon, manche etwas zu sehr auf einen Überraschungseffekt hin poliert, jedoch dennoch sympathisch. Andere vielleicht ein wenig zu sehr an der Oberfläche verbleibend. Kurz vor Schluss gibt es diese liebevolle Mann-Frau-Situation in einem Restaurant und aus dem Hintergrund schleicht sich Radioheads „No surprises“ heran, ein Stück, dass mir bereits ohne Bilder stets nahe geht. Da ist man dann schon recht schnell beim emotionalen Outbreak.

Einen indirekten Überraschungseffekt gab es im Abspann für mich. Die letzte Story dreht sich um ein altes Ehepaar, welches sich zu Ehren seines … 60.?? … Hochzeitstags an die Seaside schleppt und sich dort für ein paar Momente innig verbunden dem Ausblick hingibt in dem Bewusstsein, dass es das letzte Mal sein kann. Der Darsteller des alten, klapperigen und  sehr gebrechlichen Mannes ist Eli Wallach, den ich und sicher auch viele andere als den fiesen feisten Gangster aus „The good the Bad and the ugly“ (Zu deutsch: Zwei glorreiche Halunken) kennen („Hey, Blonder!!!“). Erschreckend, was Zeit mitunter mit Menschen macht …

Schauts euch ruhig an, ich denke mal, jeder wird wenigstens ein oder zwei Skizzen entdecken, die ihm nahe gehen, vielleicht ja die mit der rollstuhlfahrenden Tochter des Apothekers, die die sitzengelassene männliche Jungfrau zum Abschlussball begleitet und ihm die erstaunlichste Nacht seines Lebens beschert oder die des Malers, der sich in das Gesicht einer Ladenangestellten verliebt und dieses im nächsten Restaurant eilig mit einigen Pinselstrichen und Sojasoße auf einer Serviette nachempfindet.

Nein, nein, ich verbringe meine Hamburger Zeit nicht nur in Kinos. Davon aber später mehr …

Cine-Man Teil 3,58792wasweissich

Double-Preview-Edition:

Was bisher geschah:

Wie? Was bisher geschah? Was soll schon geschehen sein? Vorletzten Montag war ich in dem einen und diesen Montag in dem anderen Film. Die haben doch nix miteinander zu tun (außer dass Richard Kind aus Chaos City in beiden mitspielt). Was bisher geschah! So ein Unfug!

Vol. 2:

A Serious Man (läuft seit Donnerstag)

Das neue Werk der fleißigen Herrn Coen. Zunächst: Es kommen weder Gartenhäcksler noch Luftdruckkartuschen vor und auch Bra.d P.itt bekommt diesmal keine aufs Maul, was schon alleine daran liegt, dass er gar nicht mitspielt. Überhaupt zeichnet sich dieser Film durch Abwesenheit allzu bekannter Schauspieler aus; auch die üblichen Verdächtigen aus Coen-Filmen fehlen diesmal.

This Weeks Walter heißt Larry. Die Geschichte dreht sich um ihn und seine jüdische Familie, welche in einer dieser Suburbias des amerikanischen Nordwestens lebt, in der es viel Rasen, aber keine Bäume gibt. Die Geschichte muss im Jahr 1970 spielen, da „Abraxas“ von Santana eine kleine Nebenrolle spielt, welches in diesem Jahr veröffentlich wurde.

Larry ist ein zur Festanstellung anstehender Uniprof, der um ein gradliniges, ehrliches Leben bemüht ist,  jedoch verwandelt sich jenes zusehends zu seiner eigenen privaten Hölle. Dazu tragen bei:

Die Ehefrau, die sich nicht nur von ihm scheiden lassen möchte, sondern se vill auch noch chabbe de Gett, also die rituelle Scheidung nach jüdischem Brauch, um für ihren neuen Partner, der ehemals gute Freund Larrys, frei zu sein. Dieser möchte Larry dann auch am liebsten dafür trösten und bringt extra eine gute Flasche Wein mit. Was ihn und seine neue Partnerin (gleichzeig Nochfrau Larrys) allerdings nicht davon abhält, Larry davon zu überzeugen, dass er im nahegelegenen Motel besser aufgehoben sei.

Der Sohn, dessen schwerwiegendste Probleme in der Wiedererlangung seines konfiszierten Miniradios und der bestmöglichen Ausrichtung der Dachantenne bestehen sowie die Tochter, die sich immer und immer die Haare waschen muss und auch immer immer auf dem Sprung in die Disco ist.

„Onkel Arthur“ der fast ganztägig das Bad besetzt, weil er ständig Ekelflüssigkeit aus einer Geschwulst am Nacken absaugen muss und eine Weltformel ausbrütet, die ihm vor allem reichlich Ärger mit dem Gesetz einbringt.

Ein militanter Nachbar, Hobbyjäger, der sich keinen Deut um Grundstücksgrenzen schert und eine Nachbarin, die sich nackt im Garten sonnt, Pot raucht und mit Absicht verrucht schaut.

Ein unzufriedener Student, der mit allen Mitteln versucht, seine Benotung zu verbessern, eine Routineuntersuchung beim Arzt, die offenbar dann doch weniger routinemäßig abläuft als erwartet usw. usw.

Auf der Suche nach Hilfe und Orientierung blitzt Larry bei mehreren Rabbis ab und der einzige der ihm halbwegs helfen kann, ist ein Anwalt, was Larry allerdings in den Ruin treibt.

Genugtuung kommt nur selten vor, aber immerhin sorgt ein Unfall für ein wenig ausgleichende Gerechtigkeit. Es gab einen Punkt mitten in dieser Groteske, an dem ich mir gewünscht hätte, Larry ginge in aller Gemütsruhe in seine Garage, holte seine Flinte (oder als witziges Selbstzitat der Coens eine Druckluftkartusche) heraus und begänne lässig pfeifend damit, Wände und Tapeten mit Gehirnmasse zu besudeln. So einfach machen es einem die Coens diesmal aber nicht

Dramaturgischer Höhepunkt soll wohl die anstehende Bar-Mizwah des Sohnes sein, ich halte allerdings „das Ende“ für den Höhepunkt, aber das kann wohl nur nachvollziehen, wer bereits viele Filme mit vielen Enden gesehen hat.

Ein Extralob gebührt allerdings der Ausstattung. So muss es tatsächlich damals ausgesehen haben. Flache Häuser die wohl irgendwas mit Art Deco zu tun haben müssen, hässliche Hornbrillen allüberall und die Frauen tragen Betonfrisuren, in denen pro Kopf mindestens eine Dose Haarspray steckt und zumeist auch lakritzstangendicken Eyeliner zur Akzentuierung des Profils.

Man kann den Coens nun wirklich nicht vorwerfen, immer dieselbe Art von Film zu machen, ich vermute aber mal, der größte Publikumserfolg wird es wohl nicht werden. Dennoch bedingte Reingehempfehlung. Später könnt ihr euch ja dann noch ein zweites Mal diese spritzige Liebeskomödie mit Frau Dings und Herrn Bums ansehen.

P.S.: Falls jemand diese tolle Platte mit jiddische Thora-Singsang von Yossele Rose.nblatt haben sollte, schön pflegen, die wird jetzt bestimmt viel wert …Das häufig zitierte „Somebody to love“ hingegen stammt natürlich von Jefferson Airplane, die mit „White Rabbit“ auch einen der meiner Meinung nach intensivsten Drogensongs auf der Erledigt-Liste vorweisen können.

Nachtrag: Es wird immer wieder behauptet – nicht zuletzt auch von den Coen-Brüdern selbst -, der Film spiele 1967. Dies ist aber falsch, meine Herren. Gut, das immer wieder zitierte „Somebody to love“ stammt tatsächlich aus jenem Jahr, „Abraxas“ stammt jedoch definitiv aus 1970. Das ist schlampig recherchiert, Santana gab es 1967 noch gar nicht. Aber von miiiir aus; let’s party halt like it’s 1967!