Old Man

Ich musste schon ein wenig darüber nachdenken. Ist ja nicht ganz billig und dann noch Fahrtkosten und Unterkunft …

Aber letztlich musste es dann doch sein. Das Alter des Herrn wird nicht mehr allzuviele Möglichkeiten zulassen, auch wenn er gefühlt immer noch alle 6 Monate ein Album herausbringt. In dieser Regelmäßigkeit schaffen andere Gentlemen seiner Altersstufe nicht einmal ihre Prostata-Untersuchung.  Außerdem hat er mich mit seinem letzten Album „Psychedelic Pill“ mit seinen jedes Radioformat sprengenden Titeln irgendwie auf dem richtigen Fuß erwischt.

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Und wenn schon Herrn Young live ansehen und dann auch noch im Sommer, dann sollte es schon auch Open Air sein, nicht wahr? Also blieb nur Berlin, was ja grundsätzlich auch kein so schlechtes Kurztrip-Ziel darstellt. Dann auch noch in angenehmer Begleitung, also auf gehts … in gut 4 Monaten …

Und, Wettergott: Wehe, WEHE es regnet!

 

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The Dark Side of the Kurpark

Natürlich höre ich generell am liebsten diese auf Metalleimern gespielte Variante von Punkjazz-Dubstep, aber man hat ja auch so seine musikalischen Abgründe …

Gelegentlich komme ich also auch durchaus mal nicht umhin, mir beispielsweise das eine oder andere Werk von Pink Floyd anzuhören und es sogar gut zu finden. Das hat dann auch mit Erinnerungen an Kindheit und Jugend zu tun und geht euch eigentlich auch gar nix an, pah.

Wenn nun jedoch atens schönes Wetter ist und btens im Nachbarörtchen im Rahmen eines mehrtägigen Pfingstfestes eine Floyd-Coverband im dortigen Kurpark auftritt und man ctens nix besseres zu tun hat, weil der ESC ja erst einen Tag später läuft, kann man sich schon einmal überlegen, dort hinzugehen, zumal dtens das Ganze auch noch für Umme ist und ein kurzfristiger Abbruch der Veranstaltungsbeiwohnung im Falle von akuter Schlimmheit somit nicht ärgerlich.

Wirklich schlimm war allerdings nur das Endlosgelaber des Moderators vor- und nachher, der sich an seinem eigenen Verbalauswurf berauschte und wiederholt darauf hinweisen musste, dass besagte Coverband bald in größeren Hallen spielen wird mit noch mehr Bühnenshow und vor allem einem sprechenden Schwein.

(Jaja, genau diesen Gedanken, den die werten Lesefröschlein nun entwickeln, hatte ich auch, hihi)

Das Konzert selber war aber gar nicht so schlimm, wenn man sich mal an das Gefühl gewöhnt hat, ProgRock auf Bierzeltgarnituren sitzend zu goutieren. Auch das etwas vollschlank geratene Hüpfmännchen mit Glatze im Vordergrund hätte ich eher bei der Hermes House Band verortet, aber sei’s drum.

Musikalisch war das Ganze durchaus ambitioniert wie routiniert. Man scheute sich auch nicht, vor eher klatschwilligem Publikum, nach den ersten Gassenhauern wie „Time“ oder „Money“ (bei dem sogar selbstgedrucktes Geld in die Menge geworfen wurde) dazu überzugehen, mehrere der längeren Stücke mit Endlosgitarrengegniedel hintereinander zu spielen, was dem Einen oder Anderen im Publikum schon veranlasste, sich mal was Neues zu trinken zu holen. Gerade noch rechtzeitig bevor das Interesse überlappend verloren zu gehen schien, kamen die berühmten Hubschraubergeräusche, die geschlagenen Gitarrenakkorde und die Megafon-Schreiereien, die dann wie auf Platte in „We don’t need no Education …“ übergingen und dann brach das Johlen und Klatschen im Publikum aus. Endlich Bierzelt-Atmo!

Es waren über zweieinhalb Stunden Show, also Respekt! Als Zugabe das vermutete „Wish you were here“ und -haha – „Shine on you crazy Diamond“, meinem langsam schmerzenden Rücken zuliebe in einer leicht gekürzten Fassung.

Ja, doch, war nett. Viel Spaß künftig in den größeren Hallen und entscheidet rechtzeitig, wer sich um die Hinterlassenschaften des sprechenden Schweines zu kümmern hat!

Nur schade, dass sie weder „Smoke on the Water“ noch „Stairway to Heaven“ gespielt haben …

Live@Osteoporose-Rehazentrum

„… holtadipolta, der bass pumpt bis obervolta …“

Nach einiger Zeit mit geringer Konzertdichte nun zweimal elektronisch Orientiertes innerhalb von nicht einmal einer Woche.

Und dann steht man an einem Mittwochabend zu beinahe schon nachtschlafender Zeit auf einem Stahlplattenboden, eine der beteiligten Waden droht mit vorzeitigem Ladenschluss (garantiert aufgestachelt vom Fuss) und Hirn, das Aas, rechnet mir – während sich einige Leute auf der Bühne in Trance spielen – genüßlich vor, dass ich in 7 Stunden bereits wieder aufstehen muss.

Ist sowas noch als Leben anzusehen?

Ich gönne mir nunmal auch im Pre-Best-Age hin und wieder noch den Luxus, auf Konzerte von Menschen zu gehen, die noch nicht bei „Unggha-Pah and the Saurierschubser“ Steingitarre gespielt haben. Da sind dann die Auftrittsorte auch noch kleiner und die Anfangszeit später, weil sich ein Großteil des Publikums ja sowieso erst gegen 10 zur Uni bewegen muss oder etwas vergleichbares. Die Zeiten, in denen ich mich sorglos moshen ließ und gerne bis zum Bauchnabel in Matsch oder Eigenschweiß stand, sind halt vorbei, es hilft ja nichts.

Was aber wäre die Alternative? Nur noch zu NightOfTheProms-Konzerten zu gehen, die schön brav Samstags spätestens um 20 Uhr beginnen? Nichts gegen NightOfTheProms aber … wobei, doch, durchaus etwas gegen NightOfTheProms, weil dort nur noch Schnarchsäcke auftreten und  anscheinend für Schnarchsäcke Schnarchsackmusik spielen, die sie vor 35 Jahren mal gut fanden. Ab einer gewissen Karrieredauer scheinen viele Künstler einfach nightofthepromsig zu werden. Da spielt dann Clapton seine Layla in der Rheumadeckenversion, Simply Red treten mit dem russischen Staatsorchester auf und Chris de Burgh covert ABBA und Ma.ffay bzw. Karat und überhaupt, ach je, ach je …

Simply Red beispielsweise fand ich zu Zeiten, in denen wir Musik noch in schwarzweiß hören mussten, zumindest 2 Alben lang durchaus hörenswert. Da war auch für Herrn Huckna.ll und Kollegen das Money noch too tight to mention. Dann kam „If you don’t know me by now“ und der Main streamte (Frankfurt ist ja übrigens sowas von Main-Stream!). Der Rest ist dann käsig-bräsig oder nightofthepromsesk.

Also werde ich mir doch lieber noch einige Jahre die geschundenen Füße plattstehen und vor der Zugabe gedanklich noch die verbliebene Restschlafzeit durchgehen, bevor ich mich auf einen gemütlichen Sonntagvormittag im Zettdeeff-Fernsehgarten freue oder der vierten Reunion der beiden dann noch lebenden Take That-Mitglieder beiwohne.

(Auf dem Rückweg zum Auto übrigens noch die Fußballnationaltorhüterin am Büdc Kiosk stehen sehen. Frankfurtesk so etwas!)

Die Helden aus Reihe 7

Hier eine kleine Synopse betreffend die typische Unterhaltung zweier Konzertbesucher im Wandel der Zeiten:

1990:

„WHOOO-HOOO!!!…“ ……. „yeah, voll geil, Alter!“ …………………… *pfeiiiif* …………… „Boah, ey, voll das Brett!“ …………….. „YOU! … SHOOK ME AAAALL NIGHT LOOOHOONG!“ …………………… „Willste auch noch n Bier?“ …. „Logen!“ …………………………..“ Gei-lo-mat! Die Glocken!“ ……………..

*heftigklatsch* ….. usw.

2010:

„Ist das das neue ifön?“ … „Jepp! Ich film grad mal“ … Wow, klasse Bilder!“ … Ja, bei den Lichtverhältnissen hier, echt stark.“ …“Uff, der Typ vor mir hält mir ständig sein Smartphone in meinen Fotobereich. Mach dich mal vom Acker, ey!“ … „Mach doch mal Zoom!“ … „Ja, ich suche noch …die Funktion liegt jetzt anscheinend irgendwo anders“ … „Gib ma her, ich schau mal.“ … „Hattest Du das letzte Bild gespeichert?“ … „Da, ich habs!“ … „Cool! Die Sabse steht doch voll auf den Sänger, schick ihr doch mal das Foto,w enn sie schon wegen Grippe nicht mitkonnte“ … „Gute Idee! … Wo hab ichs denn jetzt gespeichert?“ … „Du musst eine Ebene zurück! … Nee, nicht dort … guck mal hier!“ … „Nein, da isses aber nicht!“ … „Haste den Standardspeicherort geändert?“ … „Keine Ahnung! Ich hab das erst seit vorgestern …“ … „Ha, ich habs, schnell wegsenden“ … „Pffft, fast gar kein Empfang hier“ … „Halts doch mal hier drüben hin!“ …. „Wart mal, da ist ein Balken!“ … „Ach, Shit, jetzt hab ichs versehentlich dem Bibo geschickt“ … „Huch, wasn jetzt los? …. wie, schon vorbei??? … war das jetzt schon Zugabe?“ …

(Im Übrigen: Laut einer jüngsten Cartoonage der Herren Katz und Goldt ist „auf Konzerte gehen“ eh sowas von Nuller Jahre. Heutzutage geht man auf ein Heidepflupf . Nein, nein, erspart mir und Euch die Peinlichkeit des Nachfragens. Wenn Ihr es nicht kennt, seid Ihr zu alt. Oder zu jung. Oder zu irgendwas.)

Im 2fel für 1

Liebes Orga-Team vom Hafen 2:

Grundsätzlich gilt sicher: 2 Konzerte hintereinander für einen (zumal erschwinglichen) Preis = gut

Allerdings:

Wenn die eine Band (wegen der man gekommen ist), klingt wie früher Neil Young und die eher akustische Folkschiene bedient, die nachfolgende Band jedoch klingt wie eine Mischung aus Prodigy, Linkin Park und soeben aus der geschlossenen Abteilung abgehauen, dann dürfte dies doch so unterschiedliche Hörerschichten ansprechen, dass mir die Sinnhaftigkeit einens solchen Doppelkonzertes nicht ganz einleuchten will.

Gut ,die konnten halt beide an dem Tag, aber ist das wirklich ein guter Grund?

Im einen Moment fühlt man sich noch in die seeligen 70er zurückversetzt und verspürt das dringende Bedürfnis, sich ein Gänseblümchen hinters Ohr zu stecken und nur wenige Minuten später hauen einem wilde subsonische Bässe das Karottensaftglas aus der Hand und  in der Magengegend bekommt man das Gefühl, man wäre Sparringspartner von Doktor Eisenfaust – da passt dann irgendwas einfach nicht so richtig zusammen.

Nicht, dass es nicht hin und wieder Situationen in meinem Leben gäbe, in denen ich mit genau solcher Musik etwas anfangen kann, aber soooo bitte nicht. Bitte also merken für zukünftig: Gekoppelte Konzerte sollten zumindest halbwegs musikalisch zusammenpassen.

Ach, und bei dieser Gelegenheit noch etwas: (Boah, ich habe aber auch einen Doppelpunkt-Verschleiß heute …) Wenn  ein Konzert für 21:45 Uhr angekündigt wird, dann aber wegen eines vorher gezeigten Dokumentarfilms aus Afrika erst nach 23 Uhr startet, dann würde ich in puncto Organisation auch nur ein „mittelprächtig“ vergeben – und das auch nur, weil ich grundsätzlich kein besonders hart urteilender Mensch bin.

Der Flammkuchen war aber lecker, wenn auch ein wenig arg lange im Ofen … aber lassen wir das …

Yessstwist

Psychedelic, acid trancey, postrock, lava lightbulp, spacefloating sizzling electronic mindshifting Konzerterlebnis mit Weinheims Besten. Sehr großartig, die Herren Notwist!

Zum Nachempfinden:

Pilot

Eine der wenigen Gelegenheiten, bei der selbst ich die Hinzufügung eines selbstgedrehten Kräuterstäbchens als äußerst passend empfunden hätte. Ging aber auch so …

btw: Lese heute, dass ASH im Mai auf Europatournee kommen wollen. Hatten wir das nicht bereits dieses Wochenende?

Tin und Sticki

Wäre das fein, könnte man seine Freizeiterlebnisse in einer von den Erfordernissen des notorischen Alltags gelösten Raum-Zeit-Feelgood-Blase erleben, und zwar ohne die Zuhilfenahme diverser bewußtseinverändernder Substanzen.

Filme, Theateraufführungen, Ausstellungen, Parties oder eben auch Konzerte pur erleben können, ohne sie in das bereits zum größten Teil festgezurrte Tageskorsett hineinquetschen zu müssen wie die winterlich angehäuften Extrapfunde in die leichte und demzufolge weniger belastbare Sommerhose, das könnte das Vergnügen vermehrfachen.

Das ist aber Deutschland hier und vor allem Realität, also findet man sich nach eines langen Montags Arbeit noch zu vorgerückter Stunde auf dem Konzert der Tindersticks wieder, die nach Vorband und Umbau irgendwann nach 22 Uhr die Bühne betreten und kann es nicht ganz vermeiden, kurz mal durchzurechnen, wieviel maximale Restschlafzeit in dieser Nacht wohl verbleiben könnte. Das Ergebnis fiel nicht besonders mundwinkelanhebend aus.

Eigentlich wäre ich ob des Termins auch nicht unbedingt hingegangen, aber latent gereizt hatte es mich doch, den wohlig-melancholischen Klängen der Mannen um Stuart Staples zu lauschen und dann schlug das Schicksal in Form einer kurzfristig freigewordenen Eintrittskarte mit Preisnachlass zu. Das deutete ich als Zeichen …

Nun könnten einige sagen, einem Tindersticks-Konzert zuzuhören wäre durchaus mit zwei Stunden Schlaf gleichzusetzen und fügen noch ein hämisches „höhö“ hinterher aber so ist das nicht. Auch wenn die Songs der Band von einer gewissen getragenen Elegie dominiert sind, entwickelt die Musik live doch eine nicht unerhebliche Dynamik. Sich in die Musik fallen lassen ist in diesem Fall jedoch leicht möglich, da sehr schnell Bilder in den Köpfen erzeugt werden. Bei manchen Titeln hätte ich mir sehr gewünscht, das Publikum entschiede sich in einer unerwarteten Konkordianz dazu, nach dem Ausklingen der letzten Töne ein paar Sekunden mit dem Applaus zu warten, um sich noch ein wenig von der Stimmung des Songs lösen zu können. Das wäre aber sicher zuviel erwartet.

Nein, schön war es, auch wenn meine gedankliche Schlafuhr sich auf -5:54 Stunden reduzierte. Etwas störend wirkten lediglich zum einen der augenscheinlich jüngere Bruder von Dominique Ho.rwitz in Front of me, der es mir schwer machte, an seinen Ohren vorbei zu sehen, vor allem aber der hyperaktive Bewegungsfanatiker Marke „Zappelphilipp“ leicht neben mir, der noch zu den getragensten Liedern so tat, als befände er sich mitten in einem Sco.oter-Konzert und dessen Bier in der Hand bestimmt auch nicht das erste zweite dritte gewesen sein dürfte. Es muss anstrengend sein, sich immer so offensiv darstellen zu müssen …

Aber dafür konnten die Jungs ja nix …