So nicht bislang

Das wird sicherlich vielen von Euch auch schon passiert sein:

Man hört ein Stück Musik, liest eine Geschichte oder sieht eine Filmszene zum wiederholten Mal und anders als die Male vorher, in denen dieses passierte und man nicht besonders beeindruckt war, sieht oder hört man es dieses eine Mal auf eine andere Weise und irgendetwas darin berührt etwas in uns so sehr, dass dieses Element fortan einen ganz speziellen Platz in unserem Leben einnimmt.

Hinterher fragt man sich, wieso dies erst in jenem Moment passierte, hatte man sich doch vorher genauso klaren Sinnes dieser Sache ausgesetzt. Genauso wenig kann sich zumindest unser Bewusstsein an ein Ereignis erinnern, dass diese neue Wahrnehmungsart logisch erklären könnte. Es passierte einfach … Nachvollziehbar wäre es ohne große Überlegung, wenn wir z.B . ein bestimmtes Stück im Radio hören, während wir in einen der großartigsten Sonnenuntergänge unseres Lebens fahren oder wenn ER oder SIE gerade das letzte Mal in unserem Leben stattfanden.

Meist sind es schlichtweg unsere in jenen Momenten vorhandenen Gefühlszustände, die uns für spezielle Klänge, Worte oder Bilder öffnen, ohne  dass wir uns dessen bewusst wären oder es uns gar vorgenommen hätten.

Objekte, welche wir auf diese Art noch ein zweites Mal kennenlernen dürfen, als wäre man vorher in einem Halbschlaf gewesen, liegen uns danach dann meist ganz besonders am Herzen. Genau solche Momente können unser heutzutage meist so vorgeplantes Leben um ein wenig Zauberhaftigkeit bereichern.

Manche sagen, so könne es einem auch mit einigen Menschen gehen. Hmmm …

P.S.: Nein, der Titel des Blogartikels ist NICHT einem Kettcar-Song entliehen. Könnte vielleicht, ist aber nicht … glaube ich zumindest nicht …

d(13)

Wenn man ein Kulturspektakel wie die documenta besucht, ist es sicher ein sinnvolles Unterfangen, sich vor dem Besuch in diversen Medien und Sonderheften über die Exponate, Happenings und Performances zu informieren, um dem Besuch eine gewisse Struktur zu geben und nicht hilflos und überfordert durch Kassel zu eiern.

Oder man macht es wie ich, gibt sich ca. 8 Stunden Zeit und hat im Kopf lediglich diverse Versatzstücke aus TV und Zeitung, von denen man nicht einmal weiß, an welchem Ort sie zu finden sind. Aber warum nicht? Wäre ich Künstler, wäre dies ein sympathisches Projekt, denn so geht man unvoreingenommen und very openminded an die Kunstwerke heran, die sich durch die Stadt verteilt vor einem auftun.

Gesellschaftskritisch und politisch sind viele Objekte der d13. Hier ein quasi interaktives Kunstwerk, das den hemmungslosen Materialismus unserer Wegwerfgesellschaft optisch anschaulich illustriert. Die angebrachte Plakatierung ist hier sicher eher als bewusst gesetzte Irritiation zu verstehen (Sorry für den etwas verwackelten Eindruck; Art makes me excited!)

Konsumkritisch auch diese unkommentiert präsentierte Installation. Der schon oft kritisierte Nahrungskreislauf in Verbindung mit bewusst pflanzlicher, also veganer Alternative gebracht. Der Mensch (das M könnte aber auch für „Money“ stehen) geht, die Natur bleibt.

Ungewollt dazu passend (aber wer weiß, vielleicht war es ja gewollt) auch dieses Werk an anderer Stelle. Die aufwendig inszenierte Aufzug-Installation gestattet jedem einzelnen der therotisch möglichen 22 Nutzer exakt 75 Kilo. Die menschliche Erfahrung zeigt jedoch, dass kaum jemand dieses Normgewicht tatsächlich aufbringt und zwingt damit quasi die zumeist zufällig zusammengewürfelte Zuschauermenge, miteinander in direkten Kontakt über intime körperliche Details zu treten und somit gesellschaftliche Tabus aufzubrechen.

Im übrigen bitte ich um einen dezenten Applaus für meine Anstrengung, in einem sinvollen Satz vier Worte hintereinander zu stellen, welche mit „zu“ beginnen … vielen Dank, das genügt.

Getrübt wurde der Kunstgenuss leider während einer kleinen Verschnaufpause in der hübschen Karlsaue.

Sinnloser Vandalismus war noch nie eine Kunstform. Jugendlicher Überschwang, übermäßiger Alkoholgenuß, dieses „Sowas kann ich auch“-Bedürfnis minder begabter Naturen, was auch immer eine solche Schändung der Natur auslöste, verachtenswert ist es auf jeden Fall.

Insgesamt war es ein zwar anstrengender, jedoch sehr inspirierender Tag für die und mit der Kunst, ein kleiner Ausbruch aus dem Alltag, wie ich hoffentlich mit den hiesigen Beispielen zumindest andeuten konnte.

Ein paar Tage Zeit zum Besuch bleiben noch …

This Tweek

Aus der Reihe „Cross Media Marketing Challenge“ oder auch „Kein Bock auf Neues, wozu gibt es denn die Zweitverwertung?“ heute:

LoFoMos Tweets der vergangenen Woche (also einige davon):

  • „Ginger Spice macht jetzt in Dessous.“ Jaja … das Alter … Inkontinenz … schlimm …
  • So, Keller voll! Muss die Tusse aus der Straße nebenan jetzt nur noch davon überzeugen, dass sie nie einen 8jährigen Sohn hatte.

(Keine Angst, es ging hierbei lediglich um Halloween und seine Erscheinungen … oh, da fällt mir etwas ein … muss mal kurz ein Stockwerk tiefer …)

  •  TRÖÖÖÖÖÖT!!!! Och, liebe Menschen in Bayern, BaWü, NRW usw., habe ich euch jetzt geweckt? Dastutmirjetztaberleiiiiid ..

(Neidzerfressener Tweet aus einem Weder-Noch-feiertagsfreiem Bundesland)

  • Ritter Sport geborgte Mandeln??? … jaja, Brille, isjagut
  • Jedesmal wenn die Depressions-Therapiegruppe einen Fortschritt erzielte, gab man sich Low Five.
  • Schon vermisse ich „Alice“. Zum Glück gibt es jetzt das TicTac-Mädchen. Die lächelt bestimmt für mich.
  • Wann ist überhaupt mit der Gesprächsreihe „Auf einen Saumagen mit Helmut Kohl“ zu rechnen? Nie? Großartig!
  • Der Knirps, wegen dem wir alle damals nicht bei Rot über die Straße gegangen sind, ist heute Crackdealer. Tolle Show!
  • Falls wir die DM wieder einführen, sollte sie für „Deutsche Merkel“ stehen, Nie tat bezahlen mehr weh …
  • Beliebter Witz unter Künstlern dieser Tage: „Wird das zum Putzen benötigt oder kann ich das anmalen und ausstellen?“
  • Waaas? Alete-Kinderpampe enthält „wertvolle Omega 3- und Sexfett-Säuren“??? Her damit!
  • Wie genau lautet eigentlich die Rübezahl? Und was sagt sie aus?
  • Bereits 4 Möpse auf der Couch und Dirk Bach kommt auch noch!

(Nein, so siehts nicht bei mir zuhause aus. Es ging um die aktuelle Wetten dass – Sendung und speziell das Wettmopsen der Damen Hunz.iker und Sawa.tzki)

Creme pelle

Wenn das Fernsehen ein Gefühl in den letzten Jahren wirklich ausgiebig bedient, dann ist es neben Magengrummeln vor allem die Schadenfreude. Insbesondere aber nicht nur unsere Primatsender bemühen sich nach Kräften, Artgenossen in ihrer ganzen Hilflosigkeit oder Deppertheit zu zeigen, woraufhin wir uns ein wenig erleichtert vormachen können, dass es mit uns dann doch nicht ganz so arg sei. Genügte es früher, sozial auffällige Typen gegen kleines Geld in ein Studio zu karren und sie sich beispielsweise zum Thema „Du hast es mit meinem Jagdhund getrieben und willst nun abtreiben“ selbst um Kopf und Kragen reden zu lassen, musste im Laufe der Jahre die Zurschaustellung etwas differenzierter werden.

Gerne werden nun ganze Berufsgruppen auf den Heiratsmarkt geworfen oder Menschen mit bedenklichem BMI oder bedenklich aussehenden Wohnungen dabei beobachtet, wie Ihnen „Fachkundige“ in erster Linie zur Freude der Zuschauer dabei helfen wollen, etwas an diesem Zustand zu ändern.

Besonders publikumswirksam ist es ja, Menschen, die hierzulande bereits Probleme beim Öffnen eines Drehverschlusses haben und es nicht ohne Navigationshilfe zur nächsten Tankstelle schaffen, Flausen der Art in den Kopf zu setzen, dass es eine prima Idee sei, ein Café in Mallorca zu eröffnen, denn da gibt es bestimmt viel zu wenige und die Mallorquiner kämen ja niemals selbst auf eine derart glorreiche Unternehmung. Landessprache können wird eh überschätzt; viel wichtiger ist es, eine oder mehrere sympathische Macken zu haben oder künstliche Augenbrauen in Höhe des Haaransatzes.

Die öffentlich-ächzenden Sender hingegen produzieren in ihren Regionalprogrammen weniger plakative Selbstentblößungen sondern setzen auf feinsinnigere Unterhaltung. So ziemlich jedes Dritte Programm hält sich eine Sendung im Stile von „Kunst oder Krempel“. Dort werden in meist stilvoller Umgebung Menschen eingeladen, die irgendein Erbstück oder auf dem Dachboden Gefundenes von einem anwesenden Experten auf dessen Marktwert schätzen lassen. Die Klientel ist meist mittelmäßig bis gut situiert, tritt gerne in Clubjackets auf und wähnt sich nicht zu selten im bisher unerkannten Besitz der Bundeslade, eines Teils des Bernsteinzimmers oder zumindest einer frühen Arbeit von Rembrandt oder Konsorten. Mitunter befindet sich tatsächlich eine Pretiose im Besitz der Familie, allzu oft allerdings stellt sich der vermeintliche Schatz als Tand heraus. Was eben noch als seltene Figur aus der Spätromantik galt, entpuppt sich oft als verschnörkelte Verzierung für einen Kräuterschnaps, der zudem mittlerweile einige Jahre über seinem „Best before …“ zu sein scheint.

Diese Sekundenbruchteile, wenn das Expertenurteil den eben noch hoffnungsvollen Gesichtsausdruck der Eigentümer in schreckverzerrte Grimassen verwandelt, welcher sich dann aber sehr schnell in einen Ausdruck der Gefasstheit verwandelt, weil man sich der anwesenden Kameras gewahr wird, obwohl man eigentlich die allergrößte Lust hätte, den Müll in die nächste Ecke zu pfeffern, wären es eigentlich wert, aufgezeichnet und mehrfach in Slow Motion abgespielt zu werden. Man sieht förmlich die kreisenden Gedanken, wie man dem Nachwuchs nun beibringen muss, dass der wertvollste Teil der Erbschaft nun doch im Sammelalbum der Fussball-WM 1970 in Mexiko liegt – einfach unbezahlbar.

Genau aus solchen Gründen muss ich meine negativen Charaktereigenschaften nur selten an anderen Menschen ausleben, hihi. Danke, Fernsehen!

König der Spinnen

(Keine Panik, liebe Arachnophoben, in diesem Beitrag geht es nur sehr indirekt um diese knuffigen achtbeinigen Krabbelwesen, ihr könnt also beruhigt weiterlesen …)

Musicals und ich – das wird in diesem Leben auch keine Traumbeziehung mehr. Gut, ich habe mir seinerzeit „Hair“ und „Jesus Christ Superstar“ angesehen (NICHT in der Uraufführung, ganz so alt bin ich nun doch noch nicht [unglaublichwasmansichhieränhörenmuss!]), dies vor allem in Search of the Spirit des Hippiewesens, dem ich als Zuspätgeborener (HA!) ein ganz klein wenig nachtrauere. Das war auch nett und okay.

Wenn ich aber beobachte, welcher Markt sich hier in den letzten 20 Jahren aufgetan hat, bin ich eher angewidert. Da die klassischen Stoffe von Victor Hugo und Konsorten langsam ausgingen, beackerte man vermehrt den Gegenwartssektor und suchte und fand meist den größten gemeinsamen Nenner. Heutzutage habe ich den schwer widerlegbaren Eindruck, dass Musicals von Reiseunternehmen oder der regionalen Wirtschaftsförderung in Auftrag gegeben werden, nur um Bestandtteil eines Superklasse-Eventwochenendes zu werden und zwischen Wellness-Spa und 6-Gänge-Menü beim Promikoch konsumiert zu werden. Weniger Kunst und mehr Kommerz war selten. Könnte man Musicals eindampfen, gäbe es sie bestimmt bereits als Einrichtungsgegenstand im nächsten Krikrilädchen.

Handwerklich ist das sicher alles sehr gut gemacht, keine Frage und ich kann auch verstehen, dass sich Menschen durch diese Ausstattungspracht und den Wohlklang ein wenig von ihrem eigenen sehr unvollkommenen Leben ablenken möchten, aber ich kann das Ganze nicht soweit abstrahieren und mich hineinfallen lassen, um derartiges wirklich gut zu finden, selbst wenn ich zugestehe, dass Kunst nicht unbedingt immer kantig, angefressen, selbstzerstörerisch, abseitig oder provokant sein muss.

Der neueste Coup ist nun ein Musical über Spider-Man, angereichert mit Songs von Bonobo und TheE.dge (Gutmenschenbonus) und ausgeheckt von der gleichen Supermami, die immer noch nicht für den Löwenkönig strafrechtlich belangt wurde. Zunächst nur in NY, aber der Verbreitungsgrad solcher Events ist ja pandemisch, wie wir aus der Vergangenheit wissen.

Ich aber sage euch: In wenigen Jahren wird es sehr wahrscheinlich ein Musical über das Leben von K.urt Co.bain geben unter dem Titel „Come as u r!“ und es werden nicht genug Flinten und Garagen im Lande sein, um das auffangen zu können. Wenn es soweit ist, denkt doch bitte kurz daran, welcher Vorort-Nostradamus euch dies geweissagt hat.

„When the Moon is in the 7th House and Jupiter aligns with Mars…“ [geht singend ab] …