Das Heiligabend-Dilemma

Zugegeben, „DAS Heiligabend-Dilemma“ ist sicherlich ein beinahe schon lächerlicher Euphemismus, stecken die Weihnachtsfeiertage doch voller Möglichkeiten für Dilemmae … Dilemmi … Schwierigkeiten, sei es die Essenszubereitung, die Frage, wer wen wann besucht, die das restliche Jahr mit Schweigen belegten Vorwürfe und Einschätzungen, die nun geradezu eruptiv hervorbrechen und derlei mehr.

An dieser Stelle möchte ich mich jedoch auf ein spezielles Problem konzentrieren; dem des gegenseitigen Beschenkens. Nehmen wir ein typisches Pärchen, Britta und Lutz. Die beiden haben sich bereits im Oktober ausführlich über die Weihnachtszeit unterhalten und gemeinsam eine kritische Haltung gegenüber dem damit verbundenen Konsumwahn eingenommen. Nur um dem gesellschaftlichen Druck nachzugeben, kauft man sinnloses Zeug, das zudem noch unter fragwürdigen Bedingungen produziert wurde, die Umwelt belastet und meist noch nicht einmal einen persönlichen Bezug zum Beschenkten hat. Deshalb vereinbarte man, sich gegenseitig nichts Materielles zu schenken, sondern Zeit füreinander und lieb f  ..  kuscheln. Sollen sich doch diese armen Irren um den wirtschaftlichen Fortbestand dieser Nation kümmern …

Die Zeit vergeht und flugs ist es Heiligabend und es bestehen nun grob skizziert die folgenden möglichen Situationen:

  1. Beide hielten sich tatsächlich an die getroffene Vereinbarung.
  2. Einer schenkt etwas, der Andere nichts oder nur eine Kleinigkeit
  3. Einer schenkt eine Kleinigkeit, der andere etwas hochwertiges.
  4. Beide schenken sich hochwertige Geschenke

Die erste Situation sollte grundsätzlich problemfrei sein, man steht halt nur etwas verlegen vor dem recycleten Weihnachtsbaum, lächelt bemüht, versichert sich gegenseitig, wie vernünftig dies doch sei und macht sich noch ein wenig über die Verrückten lustig, die in den letzten Tagen noch verzweifelt die Geschäfte stürmten, um wenigstens noch einen Design-Entsafter zu erstehen. Ein wenig später fließt in einem unbeobachteten Moment ein kleines Tränchen, aber es ist natürlich alles vollkommen in Ordnung. Man war sich ja einig.

Die zweite und dritte Situation muss eigentlich nicht näher ausgeführt werden. Beide sind aus unterschiedlichen Gründen unzufrieden und entsprechend maulig. Das mit dem Kuscheln wird heute eher nix.

Die vierte Situation schafft grundsätzlich am ehesten Harmonie und eine kuschelfreudige Atmosphäre, die innere Stimme zwingt aber zunächst dazu, sich einige Minuten über das gemeinsame Unvermögen, sich diesem kapitalistischen Unsinn zu verweigern, zu sorgen und sich zu verprechen, das Ganze im nächsten Jahr aber wirklich mal ernst zu nehmen.

Ich denke, es ist nun klar, welchen Rat ich den sich jenseits des Eremitentums befindlichen hiesigen Lesefröschlein nun geben kann …

 

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