Im All kann man nicht lüften

Der Tod gehört zum Leben.

Stimmt eigentlich nicht. Der Tod kommt, wenn das Leben geht. Man teilt sich quasi die Arbeit. Schichtdienst sozusagen, wobei mir die Schichtlängen sehr ungleich verteilt vorkommen.

Hin und wieder taucht er sehr unerwartet auf, wie bei unserem früheren Kollegen Wolfgang, der sich seit noch nicht einmal 2 Jahren in der Freistellungsphase – also der Rentenvorschule – befand und der vor einigen Tagen am Ende einer Radtour mit Freunden vom Rad fiel und wenige Stunden später dem Leben entfleuchte. Pures Entsetzen und Ungläubigkeit im Kollegenkreis, offenbar hatte ihn so ziemlich jeder noch kurz vorher putzmunter gesehen.

Der Tod kann aber auch erwartet auftauchen wie bei jenem anderen Wolfgang, Tschicks Papa, dessen Blog seit langem bei mir verlinkt ist und in dem man nachlesen kann, wie so ein verflixter (hier stand ursprünglich ein sehr ähnlich klingendes Wort) Hirntumor einen Menschen nach und nach verändert, abnagt, ihn immer wieder ins Stolpern bringt, insbesondere dann, wenn Herr Herrndorf gar nicht direkt über seine Krankheit schreibt. Nicht nur, aber ganz besonders schreibende Menschen können sich den Horror ausmalen, was es bedeutet, wenn einem die Worte abhanden kommen.

Nun hat er selbst entschieden, das Licht auszumachen und dazu gibt es nichts zu kommentieren, nur zu respektieren.

Tod schafft Vermissen, er lässt uns nur die Erinnerungen, ist unbestechlich und normativ. Deshalb aber sollte man alles, was noch nicht tot ist, auch nicht für tot erklären. Menschen nicht, aber auch nicht Ideen und vor allem Gefühle. Nur der Tod hat das Recht, Dinge endgültig zu beenden.

Der Titel des Eintrags stammt übrigens in ähnlicher Form aus einer frühen Herrndorfschen Erzählung, so wird es zumindest  in einem der vielen Nachrufe zitiert. Überprüft habe ich es nicht, es ist auch egal …

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West Egg

Sind denn nicht die meisten von uns fixiert auf dieses magische grüne Leuchten am anderen Ende des Ufers? Dort wo wir das Glück vermuten?

Stellen wir nicht allen möglichen Unsinn an, machen ein Riesenbowhow und versetzen Berge (manche mit Riesenbaggern, manche mit einem Schippchen), nur um dem grünen Leuchten nahe zu kommen? Nur aufgrund der kleinen Hoffnung, wenn wir genug tun, dann kann es passieren? Muss es passieren? Wird es passieren?

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Und wenn es dann unglaublicherweise doch passiert, aber nicht so, wie wir es erhofften, dann ist dieses magische grüne Leuchten immer noch da, aber nur noch ein banales Positionslicht.

Love is blindness.

Some short ones …

Manchmal ist das Leben wie ein ellenlanger Satz in einem Buch: Es mäandert so vor sich hin, beinhaltet Fremdworte, die man nicht kennt und fehldeutet, das Ende passt nicht zum Anfang und man, weiß nie wo man, die Kommas setzen soll und ob „Kommas“ überhaupt der richtige Plural ist.

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Aufgrund der fairen Sitzverlosung im NSU-Prozess werden wir dank Brigitte nun erfahren, ob man in einem Kostüm von Konzentrationslagerfeld angemessen im Gerichtssaal gekleidet ist, dennoch sind einige für mich elementare Medien bedauerlicherweise nicht berücksichtigt worden. Die größte Zeitschrift Europas fehlt unfassbarerweise. Dabei hätte die ADAC motorwelt sicher wertvolle Hinweise darauf geben können, welche Qualitäten ein Fluchtauto haben sollte und welche Abgaskammerwerte besonders günstig sind. Auch die Nichtberücksichtigung des „Deutschen Waffen-Journals“ ist nicht verständlich, wo dies doch so naheliegend wäre. Auch dass „P.M.“ nicht dabei ist, trifft mich hart, hätte ich doch gerne einen Artikel wie „Gab es bereits Na.zis bei den Dinosauriern?“ oder „Neue Erkenntnisse über das braune Loch“ gelesen. Irgendwie unbefriedigend, das Ganze!

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Der Balotelli, das alte Schlitzohr! (kennt ihr doch, der ebenholzfarbige, italienische Deutschenschreck mit Iro von der letzten EM). Verspricht der doch den Real-Spielern, dass sie – sofern sie nachher gegen den BVB doch noch weiterkommen sollten -, alle mit seiner Frau schlafen dürften (nicht alle auf einmal selbstverständlich). Die Schlussfolgerung, die man in einer aufgeklärten Gesellschaft daraus ziehen muss: Natürlich kommt Real nun nicht weiter. Erstens weil dies zu Lasten einer deutschen Mannschaft im CL-Endspiel ging, vor allem aber, weil ansonsten in mindestens 11 spanischen Spielerbeziehungen danach sowas von die Kacke am Dampfen wäre …

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Ich besitze offenbar eines der weltweit wenigen Exemplare eines Hemdes, dessen Falten sich beim Bügeln intensivieren und vermehren. Meinem Nervenkostüm gefällt dies außerordentlich nicht. Außerdem frage ich mich, ob das nur mir passiert, dass ich eine Tüte Gummibärchen oder vergleichbaren Süßkram vorsichtige an einer Ecke öffne, aber spätestens nach dem dritten Herausschütteln der Riss in der Tüte bis zum Boden geht und sich der Inhalt demzufolge nach und nach in der halben Wohung verteilt, das darf doch wohl nicht wahr sein, zefixnochmal, sacklzment  …

Szenen einer Ehe XXIV

„… natürlich würde ich alles für dich tun …“

„Du würdest Dich auch in eine Kugel werfen, die mir gälte?“

„Selbstverständlich würde ich das!“

„Oder Dich von einer Brücke stürzen?“

„Ich weiß zwar nicht, wann eine solche … naja, egal, auf jeden Fall täte ich auch so etwas“

„Würdest Du auch mit jemand Anderem schlafen, um mein Leben zu retten?“

„Pfft, das ist ja …“

„Würdest Du?“

„Jahaaaa, das ist doch gar keine Frage, natürlich. Für Dich würde ich alles tun.“

„Du bist soooo lieb!“

 

Sechs Monate später:

 

„Na, war Dein Kneipenabend hübsch?“

„Ja, doch, war wirklich hübsch … übrigens habe ich Dir heute sehr wahrscheinlich das Leben gerettet.“

Dokumentationsseife

Hatte nicht bereits vor vielen Jahren Max Goldt mit seinem Projekt „Foyer des Arts“ eine Königin mit Möpsen obendran besungen?

Egal, jetzt wo Brigitte I. zur Königin von Genitalfraßhausen gekrönt wurde, steht bereits der nächste Coup an: Eine Dokusoap über Deutschlands erfolgreichsten und addragdiefsden Fußballer, der wo in den letzten Jahrzehnten da war.

An dieser Stelle muss ein Lordfoltermord aber mal massiv STOP sagen tun. Wenn es möglich ist, eine Doku über einen ehemaligen fränkischen Raumausstatter zu produzieren, dann doch eigentlich auch über einen Lordfoltermord. Gibt denn mein Leben soviel weniger zeigenswertes her? Auch dieses kann kaleidoskopisch bunt sein. Den Samstag verbrachte ich voller Kultur in der hessischsten Großstadt Deutschlands, zunächst bei einer interessanten Ausstellung, später bei einer durchaus prominent besetzten Diskussionsrunde zum Thema „Protest und Aufruhr in der Musik“. Beides natürlich gratis, da schlägt dann schon mal der Brommibonus durch.

Dazwischen noch exotisch essen gehen … nein, kein kantonesischer Hackbraten! … da soll mal jemand sagen, das wäre trist.

Sonntags schrieb ich dann einen Tweet, der innerhalb von wenigen Stunden über 150 Sterne – also Favorisierungen – bekam, das ist deutlich mehr als die ganze Dschungelbagage in über zwei Wochen geholt hat! In den nächsten Tagen wird ein Lordflottermord dann bestimmt ein- oder zweimal ins Kino gehen, zum Teil sogar in charmanter weiblicher Begleitung und heute morgen habe ich mir bereits zwei Scheiben Brot geschmiert.

Das reicht doch bestimmt für mehrere Dokusoaps, oder? Außerdem und bei dem Weg: My English is feel better than his seins.

Gut, in Sachen Jobwechsel oder Minderjährigenhochzeiten habe ich zugegebenermaßen noch ein spürbares Defizit, aber wenn die Soap mal läuft, kommen bestimmt auch diese Dinge besser ins Rollen. Das wäre ja gelacht …

Also, wenn da draußen ein engagierter Dokufilmer sein sollte, ein Lordmoppelfort ist stets aufgeschlossen für konstrutive Vorschläge (keine Bettszenen, es muss niemand sehen, wie ich Brötchenkrümel wegwische!).

P.S.: Ach ja, das auch noch: Ich wunderte mich schon, dass mein vorletzter Artikel namens „DDD“, in dem es um 3-D-Filme ging, so ordentliche Besucherzahlen vorweisen konnte. Jetzt wurde mir erst klar, was viele von Euch dahinter vermuteten … IHR PORNOHUBER!!!

No Reset

Früher oder später wird es jedem widerfahren. Man verliert eine nahestehende Person, eventuell die ganze Welt, plötzlich und unerwartet. Dies kann eine nicht erwartete Trennung sein aber auch ein viel zu früher Herzinfarkt oder ein schlimmer Unfall.

Unsere Seelen scheinen nicht dafür ausgelegt zu sein, mit einem solchen Verlust professionell umgehen zu können, einfach weil es zu gewaltig für eine Person ist. Einige schaffen es zumindest noch, eine Zeitlang zu funktionieren, bis die wesentlichen Dinge geregelt zu sein scheinen.

Dann aber kommt der Moment, an dem man nur noch stundenlang ohne Regung aus dem Fenster schauen kann. Wann immer sich dann die Erkenntnis dessen, was passiert ist, in das Bewusstsein drängt, weiß sich die Seele nicht mehr anders zu helfen, als salzig-bitteres Wasser aus den Augen rinnen zu lassen.

Wie lange man derart paralysiert herumsitzt, ist individuell sehr unterschiedlich. Es scheint aber einen unausgesprochenen gesellschaftlichen Konsens darüber zu geben, wieviel Trauerzeit man einer Person zugestehen möchte. Irgendwann kommen die ersten, gutgemeinten Ratschläge, sich doch wieder zu sammeln (oder auch derber ausgedrückt, sich „zusammenzureißen“), denn das Leben geht doch weiter und derartiges. Man kann ihnen nicht böse sein, den Anderen, denn sie wollen einem sicher Gutes und kaschieren damit ihre eigene Unfähigkeit, mit dem Geschehenen umgehen zu können.

Es gibt aber keinen RESET-Knopf für derartige Unbill des Lebens, keine Zurückstellung mehr. Es ist eine Zäsur im Leben und ein Danach mag möglich und lebbar sein, aber es wird definitiv ein anderes Leben, eines, das einem ungewohnt und fremd vorkommen wird und in welchem man nicht sein möchte. Vor allem ein Leben im Ohne.

Ob und wann man sich mit diesen Umständen zurechtfindet und ob man eventuell Hilfe dabei benötigt, kann sich nur individuell und nach einer gewissen Zeit zeigen. Es muss weitergehen, sicherlich, aber es kann einem niemand Anderes dies ohne weiteres vorleben oder gar abnehmen.  Ein Jeder muss dies  selbst er-leben – Tag für Tag, Nacht für Nacht, Träne für Träne …

(Nein, kein wirklich aktueller Anlass, einfach eine sentimentale Betrachtung und … ach …)

Sag mal …

Mal wieder etwas aus der Reihe „Lord Foltermord privat“:

FRAGEN, DIE MIR SELTEN GESTELLT WERDEN:

„Bist Du mein Papa?“

„Warum haben Sie dann geschossen?“

„Sind die Beiden echt?“

„Möchten Sie ihre 3 Millionen denn nicht uns als erfahrenem Finanzdienstleister anvertrauen?“

„Wie fühlt man sich nach 90% der Marathonstrecke?“

„Möchten Sie sich lieber setzen?“

„Wer sind Ihre Telefonjoker?“

„Soll ich das für Dich machen?“

„Möchten Sie „Wetten dass …“ moderieren?“

„Wie war die Nacht mit den Kardashian-Schwestern?“

„How many Roads must a Man walk down before they call him a Man?“

„Wie bewerten Sie das heutige Börsengeschehen?“

„Schwören Sie, dass Sie Ihre Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, Ihre Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werden, so wahr Ihnen Gott helfe?“

„Was hat Sie denn nach Botswana verschlagen?“

„Liebst Du mich?“

(Welche der seltenen Fragen in die Kategorie „leider“ und welche unter „glücklicherweise“ fallen, möge jedes der hiesigen Lesefröschlein für sich selbst beurteilen)