Rock’n’Roll will never die!

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Naja, dachte ich mir Ende Februar, als ich mich entschloss, das Ticket zu kaufen, wenn ich mir Neil Young ansehe, dann sollte es schon Open Air sein, ein wenig Woodstock-Feeling suchen anstatt sich im Sommer in eine Eishockey-Arena in Köln zu setzen.

Und das Wetter wird dann schon ganz gut sein Anfang Juni, dachte ich mir und spürte bereits die frühsommerliche Sonne in meinem Gesicht.

Außerdem kann ich bei dieser Gelegenheit meinen Berlin-Besuch etwas ausweiten und das schöne Wetter noch zu dem einen oder anderen Ausflug nutzen, dachte ich mir.

Die werten Lesefröschlein ahnen nun bereits, wo der Schwachpunkt liegen könnte. Genau, im Denken.

Nein, ich sollte nicht meckern, immerhin hörte es vergangenen Sonntag just zu Konzertbeginn auf, vom Himmel zu pladdern, nachdem der Tag vorher der aquarieskeske des Kurztrips war. Am Mittag vollgesogen vom Mauerpark-Flohmarkt zurückschwimmend, waren meine Befürchtungen durchaus berechtigt. Aber oh Wunder, nachdem über 20.000 Besucher ihre Hintern zu fleischgewordenen Wisch-und-weg-Tüchern machten und somit die Sitzgelegenheiten trockneten, konnte man das Konzert ohne Regenschirmeinsatz verfolgen.

Nach der doch recht vergessenen Vorband Los Lobos, die aber ein ordentliches kleines Set hinlegten und einer etwas arg ausgedehnten Umbaupause (Wir sind hier nicht bei Pink Floyd, Neil!) schrammelten sich Herr Young und seine verrückten Pferde durch ein über zwei Stunden dauerndes Set, das natürlich vorwiegend das aktuelle Album präsentierte, aber selbstredend auch einige Klassiker auf Lager hatte. Die geneigte Leserschaft möge sich nun bitte vorstellen, wie eine recht lange Schlange blasenleerungsbedürftiger Menschinnen aus vollem Herzen „I wanna live, i wanna give, i’ve been a miner for a heart of gold …“ in Front of the Örtchen singt. So wurde mir aus vertraulicher Quelle berichtet.

Die alte Krankheit, einen Song einfach nicht beenden zu können, hat er halt immer noch, aber seien wir nachsichtig. Dafür war der Freakanteil der Zuschauer wie erwartet beachtlich und ich war heilfroh, dass ein Bewegungskasper nur am Rande meines Blickfelds und nicht direkt vor mir seine Messe hielt. Ansonsten hätte sicher etwas darüber in der Zeitung gestanden.

Nur eine Zugabe mit „Like a Hurricane“ war ein wenig enttäuschend, aber besser so, als wenn man genervt auf die Armbanduhr schaut. Die Aftershow-Röstbratwurst war auch sehr lecker, also wird das Ganze trotz suboptimaler Rahmenbedingungen als sehr gelungen bei mir abgespeichert, zumal die Waldbühne einfach ein schöner Konzertort ist. Hat sie es verdient, im Spätsommer einen Musiker beherbergen zu müssen, dessen Sprache nicht Worte sind? Nein, nein!

Well done, old Man …

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Zwangsräumung

„… with the eyes closed

it’s less dangerous

here we are now,

entertain us …“

 

Vor wenigen Tagen wurde medial noch von einem „Relaunch“ gefaselt, mit female Sidekick und derlei. Mittlerweile mehren sich jedoch die Gerüchte, dass die Senderchefs zum größten Teil die Daumen nach unten strecken für unseren Tommy und sein gemütliches frühabendliches Wohnzimmer.

Is besser so …

Das ganze Konzept funktionierte nie wirklich. Als ich just in die bereits laufende Sendung hineinschaute, waren  der Schauspieler Heino Ferch sowie ein mir nicht näher bekannter Schulpraktikant zu Gast, der sich aber bei längerem Verfolgen der Szenerie als der Autor Daniel Kehlmann herausstellte. Ohne weltvermessen zu sein, möchte ich mal behaupten, dass dieses offensichtlich lustlos geführte Interview nicht in die Annalen der Fernsehgeschichte eingehen wird. Ferch ist halt nicht Kinski und Herr Kehlmann antwortete auf beinahe jede Frage, dass er zum dem befragten Thema nichts sagen könne, weil er keine Ahnung habe.

Dies ist erfrischend ehrlich und mir fielen ohne Anstrengung jede Menge Menschen ein, von denen ich mir die gleiche Einstellung erhoffte, aber unterhaltungstechnisch ist dies halt nicht allzu spritzig. Der Gastgeber selbst wirkt sowieso jedesmal, wenn ich in seine Zendung sappe, wie ein Gemahl, der die Gäste seiner Gattin notdürftig bei Laune halten muss, während sie dringend und unerwartet außer Haus musste.

Alle zwei Minuten wird eine andere News angerissen und die Meinung der Gäste dazu pflichtschuldig abgefragt, wirkliches Interesse scheint beim Moderator jedoch nicht (mehr) vorhanden zu sein. Seine Gäste hätten wohl ebensogut mit „Wackelpudding“ oder „mein Popel ist aber grüner!“ antworten können, es wäre ihm nicht aufgefallen.

Die Quoten sind bereits seit geraumer Zeit erschreckend unterhalb der Erwartungen der Verantwortlichen, jetzt wo dann aber langsam die Zeit der wärmeren und sonnigeren Abende anbricht, dürften auch noch die letzten Stubenhocker bessere Ideen für die Zeit nach 19 Uhr entwickeln.

Also lasst es doch gut sein! Klar, einen Versuch war es wert, es hätte ja auch funktionieren können … mit einem anderen Konzept … interessanteren Gästen  … einem anderen Moderator … zu einer anderen Zeit … in einem anderen Land …

Für Tommy hingegen findet sich bestimmt eine andere Gelegenheit. Sucht das Zweite derzeit nicht einen Moderator für eine große Show, bei der Menschen mit skurrilen Wetten und jede Menge Promis auftreten sollen?

Haldern to your Dreams

Da stehste also spätabends mit den Schuhen tief im Matsch, bist heillos übernächtigt, nass und bekommst die dargebotene Musik nur noch in einem Trancezustand mit und Dir wird klar, dass Du für so etwas wahrscheinlich doch zu alt bist …

Andererseits, wenn ein Freund das Haldern-Premium-Paket mit Übernachtung im Burghotel gewinnt und Du als 2. Person mitkommen darfst, sagst Du nicht Nein, selbst wenn Du arbeitsbedingt nachkommen musst.

Die  Eingebung, vorher endlich noch eine wirklich wasserfeste Regenjacke für ein drittel Monatsgehalt zu kaufen, hatte sich zumindest als weise herausgestellt, war doch der Samstag nahe der holländischen Grenze ein wasserreicher.


Das Grundproblem für mich war aber weder die Niederschlagsmenge noch mein akuter immenser Schlafmangel sondern meine gefühlte Übersättigung. 7 bis 8 Auftritte in rund 11 Stunden en bloc sind für mich auch in ausgeschlafenem Zustand nicht mehr leicht zu bewältigen. Aus dem gleichen Grund schaue ich mir auch nicht 8 Krimis hintereinander an.

Aber hübsch war es natürlich dennoch. Nette Menschen kennengelernt, recht feudal genächtigt und gefrühstückt und dann waren ja noch die Konzerte. Allen voran Judith und ihre Helden, aber auch James Blake hatte ein mitreißendes Set hingelegt, mit dem aber nicht alle Besucher etwas anfangen konnten. Herrn Hauschka hätte ich mir auch gerne im Spiegelzelt, das als Nebenbühne fungierte, angesehen, aber als ich mich endlich durch verregnete Menschenmengen Stück für Stück nach vorne gearbeitet hatte, war er bereits wieder am Ende, so blieb mir leider nur die Liveübertragung nach außen, auf der ich mitverfolgen konnte, wie er mit Hilfe seines präparierten Pianos und Tischtennisbällen auch gleich noch die samstägliche Ziehung der Lottozahlen absolvierte.

Danach dann die Frauenband aus L.A. mit ihrem Dreamspaceshoegazepoprock, die von den Musikexperten hinter mir mit den Schlachtgesängen „WARPRINT! WARPRINT!“ und „MACH MA TECHNO“ herbeigepöbelt wurde. Ja,ja, schon klar …

Enttäuscht war ich leider von den Fleet Foxes, auf die ich mich am meisten gefreut hatte. Wenn sie  ihr Set ohne jegliche Kommentare, ohne eine Improvisation einfach so am Stück abnudeln, hätte man auch einfach nur ihre Alben abspielen können. Ich erwarte keine Rundumbespaßung aber der Live-Mehrwert sollte schon erkennbar sein. Schade!

Nachts um halb zwei, wenn man eh bereits jenseits von Gut und Böse ist und die Füße nur noch aufgrund ihrer Schmerzen als anwesend registriert werden, dann noch Frau Agnes Obel, die uns wie eine liebe Tante mit schwelgerischer Kammermusik ins Bett brachte,  das zu diesem Zeitpunkt ja nur lächerliche 15 km entfernt stand.

Ja,ja, natürlich war es toll und überhaupt und so und bestimmt immer wieder hübsche Erinnerungen wert; das nächste Mal wäre ich nur gerne wieder 20 Jahre jünger …

ENDLICH! LIVE!! MIT SPECIAL GUEST!!! (woanders halt…)

Heftiger Traffic auf der Dreckfoschpage? Ja, aber nur, weil ich meinen persönlicben Blog-pro-Monat-Rekord brechen möchte …

 

Worum es eigentlich geht: Ich beneide die Menschen in Hamburg und Berlin. Erstens schon mal des Dortwohnens selbst wegen (insbesondere Hamburg, mein gefühlter Zweitwohnsitz, wenn auch nur für wenige Tage im Jahr),aber vor allem, weil man davon ausgehen kann, dass so zirka 100 Prozent aller auf Tour befindlichen Musiker dort Station machen.

 

Berlin, Hamburg,Köln, München, das ist in etwa das Standardgerüst der allermeisten Tourpläne für Deutschland. Frankfurt kommt da vermutlich höchstens bei 40% der Tourpläne vor, insbesondere bei neuen Leuten, die noch keine Endlostour schultern können, fällt die hessische Metropole weg. Liegt vermutlich zu nahe an Köln, wo se ja auch fast alle hinkommen. Klar, sind ja auch höchstens 200 Kilometer von hier, die fährt man ja schon zum Brötchenholen. Und jetzt, wo einem das Benzin quasi hinterhergeschüttet wird …

 

Man muss ehrlicherweise zugeben, dass die Auswahl der nichtschämenswerten Auftrittsmöglichkeiten in Ffm eher begrenzt ist. Die „gut Stubb“, also Festhalle, ist ja akustisch nicht gerade der Hammer, im „Bett“ können wegen der geringen Fläche höchstens Duos auftreten, bleiben also Nachtleben, Batschkapp, Brotfabrik, Mousonturm usw. … alles bestenfalls mittelgroße Veranstaltungsorte, wenngleich mitunter durchaus mit Atmosphäre versehen. Fährt man hingegen mit dem Auto durch Berlin oder Hamburg und muss einmal niesen, hat man schon zwei bis drei nennenswerte Clubs übersehen. Ungerecht ist das, Menno!

 

Ach, eines noch: Ich bin grundsätzlich sicherlich kein Anhänger des Sinnspruchs „Sage mir, wo Du auftrittst und ich sage Dir, wer Du bist“ (zumal ich diesen Spruch eben das erste Mal lese). Oft kann das ein Künstler ja gar nicht beeinflussen. Wenn ich allerdings sehe, dass ein Herr Ma.ffay seine nächstjährige Tour mit einem Auftritt beim Völkerschlachtdenkmal in Leipzig beendet, mache ich mir schon mal Gedanken darüber, welche Aussagekraft dies haben könnte. Sollten da nicht eher Bands auftreten, bei denen ordentliches Moshen möglich ist?