Träx (II)

(Wiesoweshalbwarum:)

Lou Reed – Perfect Day

Heutzutage erklärt uns ja der Kabarettist Dieter Nuhr buchhalber das Geheimnis eines perfekten Tages. Seinerzeit übernahm dies Lou Reed.

Der Song ist häufig der zweite, den man mit dem Namen Lou Reed verbindet, gleich nach der Geschichte von Holly, die von Miami, FLA kam. Für mich ist diese von Piano unterlegte, sentimental-melancholische Betrachtung sein bester Song (Wenngleich ich kein Reed-Experte bin und längst nicht alle seine Songs kenne). So richtig populär wurde das Lied wohl erst Jahre nach seiner Veröffentlichung durch seine Aufnahme in den „Trainspotting“-Soundtrack.

Tiere im Zoo füttern wäre nicht unbedingt eine meiner Lieblingsbeschäftigungen an so einem perfekten Tag, weitaus eher wäre ich für den Programmpunkt „drink Sangria in the Park“ zu haben. Wichtig dabei ist aber vor allem das „spent it with you“ und diese Erfahrung werden sicher schon die meisten von uns gemacht haben. Glücklich machende Beschäftigungen werden noch besser, wenn wir sie mit den richtigen/wichtigen Menschen teilen können, auch wenn es nicht nötig ist, dass sie einem – wie von Herrn Reed beschrieben – das Gefühl vermitteln, jemand Anderes, Gutes zu sein.

Nicht ungefährlich ist dieser Song für potentielle Beifahrer, denn er gehört zu jenen, die ich – wann immer ich sie zu hören bekomme – unweigerlich mitsinge … nun, sagen wir „etwas tue, dass von mir als mitsingen klassifiziert wird“.

Das sollte man dem Song aber nicht anlasten …

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Träx (I)

The Sound of Silence – Simon & Garfunkel

Von den Herren S&G könnte man so einige Titel nennen, denen meine dauernde Sympathie gehört … „Scarborough Fair“ oder „The Boxer“ beispielsweise … was „The Sound of Silence“ heraushebt, ist sein Einsatz in einem der von mir am häufgsten gesehenen Filme.

„Die Reifeprüfung“, Dustin Hoffmans Durchbruch, beschreibt eine Epoche, die selbst ich mit meinem biblischen Alter noch nicht bewusst erlebte, die sich aber durch solche Filme für mich sehr gut erschliessen lässt. Gesellschaftliche Normen im Umbruch, die Menschen irgendwo zwischen noch vorhandener Fortschrittsgläubigkeit und einsetzender Nachdenklichkeit trudelnd. Inmitten dieser der ziellos wirkende Benjamin, dem Mr. Robinson in beinahe väterlicher Manier den Einstieg in die Welt des Plastik empfiehlt. Das Verhältnis dieser beiden wird sich im Laufe des Films noch deutlich verschlechtern – aus Gründen, wie man heute so treffend sagt.

Wir bewegen uns auf das Ende des Films zu, Benjamin hat seine Elaine in einer dieser presbyritanischen Kirchen endlich gefunden, jedoch zu spät, die Ehe mit dem Schnösel wurde bereits geschlossen. Dennoch erhört sie seine Rufe, lässt den überrascht dreinschauenden Neu-Ehemann stehen und beide flüchten sich durch die Masse hassverzerrter Gesichter in einem vorbeifahrenden Bus. Auf der Rückback sitzend und von den anderen Fahrgästen staunend beäugt, begiggeln sich die beiden zunächst über ihren gelungenen Coup, dann aber beruhigen sie sich und das Lächeln auf ihren Gesichtern verflüchtigt sich, da ihnen langsam die Konsequenzen ihres Tuns bewusst werden. Genau in diesem Moment, setzen die ersten gezupften Gitarrensaiten ein und eine Stimme beginnt mit „Hello Darkness, my old Friend …“

Es ist vor allem diese Erinnerung, die mich begleitet, wann immer ich diesen Song höre. Darüber hinaus bietet es sich durchaus an, sich einmal ein paar Gedanken über den Klang der Stille zu machen, ist sie heutzutage doch stark vom Aussterben bedroht.

Wer übrigens derzeit Musik im Radio hört, die klingt, als habe man unveröffentlichte S&G-Stücke aus einer bislang übersehenen Truhe gefischt, hat es womöglich mit den Milk Carton Kids zu tun. Die veröffentlichten dieser Tage ihre neues Album und klingen schon sehr nach Reinkarnation von Paul und Art, im positiven Sinne gemeint.

Noch etwas Gossip gefällig? Garfunkel soll ja einen ziemlich arroganten, schnöseligen Sohn haben, der zunächst glaubte, er sei der neue Donald Trump und später bei Jack White erfolglos vorsprach, weil er deutschen Schlager singen wollte … nein, nicht DER Jack White, sondern der deutsche Musikproduzent, der eigentlich Horst Nußbaum heißt und Lieder für Tony Marshall, Lena Valaitis und David Hasselhoff schrieb …

Träx (Prolog)

Dieser Tage lag dem aktuellen „Rolling Stone“ aus einem Jubiläumsanlass ein kleines Büchlein bei, in welchem dort tätige Redakteure insgesamt 222 Songs aussuchten, die zu ihren Lieblingen gehörten und mal kurz, mal länger beschrieben, was den jeweiligen Song zu etwas Besonderem für sie macht.

Natürlich sind viele wohlbekannte Namen dabei. Die titelgebende Band, die Beatles, Dylan, Cohen undsoweiter und natürlich werden auch Songs bevorzugt aus dem Bereichen Rock, Pop, Folk und Soul und eher weniger aus den Bereichen Electronica, Blasmusik und Kastratengesänge gefeatured, aber die eine oder andere Überraschung ist dann doch dabei, und sei es auch nur ein überraschender Track einer bekannten Band.

Dies brachte mich nun auf die wenig überraschende, aber für mich dennoch reizvolle Idee, an dieser Stelle in unregelmäßigen Abständen einige meiner Lieblingstracks vorzustellen. Immerhin höre ich nun bereits seit mehreren Jahrz …*hüstel* … ääh, seit geraumer Zeit Musik, investiere eine gewisse Menge Zeit und Geld darin und in all den Jahren hat sich mein Geschmack mal in diese, mal in jene Richtung bewegt (deshalb möchte ich auch nicht von einer Entwicklung sondern eher von einem Mäandrieren reden).

Auch hier wird Wohlbekanntes neben Überraschendem und sicher auch Peinlichem stehen, so genau weiß ich das aber noch nicht, man wird sehen.

Sofern ich nicht bereits nach der dritten Folge die Lust verlieren sollte, könnt ihr die sich bildende Sammlung unter der Subkategorie „getracked“ leicht finden. Ich werde die einzelen Folgen überdies mit aufsteigenden römischen Ziffern numerieren (weshalb aufgrund meiner überschaubaren Kenntnisse in diesem Bereich  wahrscheinlich spätestens bei 16 Schluss sein wird).

Howauchever, vielleicht kann ich ja ein paar Erinnerungen bei den hiesigen Lesefröschlein aufwärmen, Inspiration geben oder zum empörten Widerspruch anregen. Auf jeden Fall viel Spaß!

onetwothreefour2012

Well, Folks, das sind wie immer zum Jahresende einige Songs, die mich dieses Jahr in irgendeiner Form nachhaltig begleiteten und entweder hinternshaking, mitpfeifing, tagdreaming, trübsalblasing oder fingerschnipping wirkten.

Selbstverständlich ist dies keine abschließende Liste und irgendwas geht immer vergessen aber irgendwann muss ja auch mal Schluss sein.

Hoppa, Gangnam Styyyyyle!

One Day rmx – Asaf Avidan

Genesis – Grimes

I and Thou – The Daredevil Christopher Wright

Bonnie and Clyde – L Gainsbourg & S Johansson

You cannot cast out the Demons – Get Well Soon

Full Moon rising – Neil Halstead

Thirteen Thirtyfive – Dillon

Old and gray – Maps & Atlases

Cold Nites – How to dress well

Children of the Sun – Dead can Dance

Dark star – Polica

Perth – Bon Iver

Jeeper Creeper – Sinkane

Psychedelic Pill – Neil Young

Schritt für Schritt – Kid Kopphausen

Ach ja, und ich darf natürlich keinesfalls den Trailer des Jahres vergessen:

The Real Simpsons

Viel Spaß!

Hidden Dreck

„Jetzt gib acht, nach dem letzten Stück von der neuen Platte von Xerox kommen 23 Minuten und 20 Sekunden Pause und dann fängt er an zu singen „Dass wir ja Deine Schwester schänden“ … Hier, hör mal genau zu! …“

„Hmmm, also ich verstehe hier eher „Das Jahr wird an Sylvester enden“ …“

„Was? Quatsch, das ist eindeutig eine satanische Botschaft! Hier hinten gehts noch weiter … Achtung! …… hast Du es gehört? Da singt er „Dein Schmerz, wenn wir Dich pfählen …“ Das ist doch voll krass Satanismus!!!“

„Also, tut mir leid, ich höre hier eigentlich „Mein Herz, Du wirst mir fehlen …“ Ich glaube langsam, Du willst sowas hören. Der Umzug in diese düstere Kellerwohnung hat Dich doch irgendwie verändert. Früher  hast Du auch eher so Sachen wie Shania Twain oder die Sportfreunde Stiller gehört. Jetzt mit den schwarzen Klamotten und was hast Du überhaupt für komische Hörnchen auf der Stirn …? HEY! HILFE!“

(Mit den besten Grüßen an Badesalz)

there, there …

Bestimmt gab es einmal sich steigernden Unmut bei Songs wie „Weird Fish/Arpeggi“ oder „Reckoning“ darüber, dass sie immer im Schatten der Hitsongs standen. Da erhörte sie Thom, der Gutmütige und Gerechte vor einiger Zeit und versprach, dass nur noch sie im Vordergrund stehen sollten bei Konzerten.

So könnte das gewesen sein. Es könnte aber auch sein, dass Radiohead sich als progressiv entwickelnde Künstler verstanden wissen wollten und sich nicht darauf beschränken, sich in ihren letzten Alben möglichst weit weg vom Mainstream-Stadionrock zu bewegen sondern auch mit der Wahl ihrer Live-Setlist dokumentieren, wie wenig Wert sie auf vermeintliche Klassiker legen.

Das ist einerseits zwar nachvollziehbar, andererseits aber schlechter Dienst am Kunden. Ich hätte keineswegs eine Greatest-Hits-Kollektion erwartet, dann könnte ich ja gleich zu „Night of the Proms“ gehen, aber wenn bei über 2 Stunden Konzert weder „Creep“ noch „High and Dry“ noch „Karma Police“ noch „No Surprises“ oder zumindest „Fake Plastic Trees“ gespielt werden und „Paranoid Android“ gerade noch als Zugabe, finde ich das ein wenig snobistisch. Ich hoffe, die Herren werden auch mal erleben,wenn ihnen der/die Partner/in mal die Lieblingsspielart fleischlichen Beisammenseins verweigert, nur weil sie sich davon wegentwickelt zu haben glaubt. Man bricht sich auch nicht gleich den Kopf, wenn man dem Affen mal ein wenig Zucker (oder besser Stevia) gibt.

Typisch Künstler!

Davon mal abgesehen war ihr montäglicher Auftritt in der Kölner Vielseitigkeitssarena „op de schäl Sick“ des Rheins, die ich nun ob ihrer reichlich vorhandenen Stufen gerne „Treppenhaus“ nenne, ein mitreißendes Ereignis. Das Bühnensetting war clever, der Sound vom 1. Oberrang aus erstaunlich klar und druckvoll für eine Multifunktionshalle. Dabei machte ich mir, wenn schon „Karma Police“ nicht gespielt wurde, zumindest mal Gedanken über das Karma einer solchen Halle, wenn Sie ansonsten nicht nur regelmäßig voller Haie ist, sondern auch Zellansammlungen wie Andrea Berg, Atze Schröder, Roland Kaiser oder diverse Karnevalsjecken dort ihre Spuren hinterlassen. Bedenklich zumindest …

Noch bevor Yorke und Co. dies in der Zugabe taten, musste ich selbst leider „How to disappear completely“ spielen, da der von mir gebuchte Zug für die Rückfahrt mit Abreise drohte und ich möglichst noch in der selben Nacht wieder in meinem eigenen, ca. 200 km entfernt wartenden Bettchen unterkriechen wollte. Als ich vor vielen Monden die Buchungen vornahm, war nämlich noch nicht die Rede davon, dass sie der Herr Caribou als Vorprogramm auch in Köln unterstützen wollte. Da ich ihn bereits live gesehen hatte, wäre es mir nicht so wichtig gewesen, man muss aber attestieren, dass er ein knackig kurzes, aber durchaus heftiges kleines Set hinlegte und damit bestimmt ein paar neue Fans gewinnen konnte.

Über die grundsätzliche Unart, Konzerte montags abends stattfinden zu lassen, wettere ich dann ein anderes Mal.

Zugabe:

Man sollte durchaus auch immer einen Stift bereit halten, wenn man Hygieneräume aufsucht. Hätte ich diesen Ratschlag selber beherzigt, hätte ich gerne das Schild in einem der Räume, die ich an jenem Tag besuchte und welches die Beschriftung „Liebe Herren, bitte verlassen Sie auch diese Toilette, wie sie diese bei sich zuhause vorfinden!“ trug, ergänzt um den Kommentar „So sehr ich mich auch bemühe, in der Kürze der Zeit ist mir dies leider nicht möglich. Ich habe aber zumindest mal den Abfluss verstopft. Herzlichst!“ ergänzt.

Zweite Zugabe:

Es würde mich nicht wundern, wenn ein paar meiner spitzfindigen Lesefröschlein mir nun vorhielten, wie ich denn wissen könne, was in der Zugabe gespielt wurde, wenn ich dieser selbst gar nicht mehr beiwohnte? Dazu kann ich nur sagen: Ihr verbringt nicht wenig Zeit in Internet und stellt wirklich derartige Fragen? Pfff …

So nicht bislang

Das wird sicherlich vielen von Euch auch schon passiert sein:

Man hört ein Stück Musik, liest eine Geschichte oder sieht eine Filmszene zum wiederholten Mal und anders als die Male vorher, in denen dieses passierte und man nicht besonders beeindruckt war, sieht oder hört man es dieses eine Mal auf eine andere Weise und irgendetwas darin berührt etwas in uns so sehr, dass dieses Element fortan einen ganz speziellen Platz in unserem Leben einnimmt.

Hinterher fragt man sich, wieso dies erst in jenem Moment passierte, hatte man sich doch vorher genauso klaren Sinnes dieser Sache ausgesetzt. Genauso wenig kann sich zumindest unser Bewusstsein an ein Ereignis erinnern, dass diese neue Wahrnehmungsart logisch erklären könnte. Es passierte einfach … Nachvollziehbar wäre es ohne große Überlegung, wenn wir z.B . ein bestimmtes Stück im Radio hören, während wir in einen der großartigsten Sonnenuntergänge unseres Lebens fahren oder wenn ER oder SIE gerade das letzte Mal in unserem Leben stattfanden.

Meist sind es schlichtweg unsere in jenen Momenten vorhandenen Gefühlszustände, die uns für spezielle Klänge, Worte oder Bilder öffnen, ohne  dass wir uns dessen bewusst wären oder es uns gar vorgenommen hätten.

Objekte, welche wir auf diese Art noch ein zweites Mal kennenlernen dürfen, als wäre man vorher in einem Halbschlaf gewesen, liegen uns danach dann meist ganz besonders am Herzen. Genau solche Momente können unser heutzutage meist so vorgeplantes Leben um ein wenig Zauberhaftigkeit bereichern.

Manche sagen, so könne es einem auch mit einigen Menschen gehen. Hmmm …

P.S.: Nein, der Titel des Blogartikels ist NICHT einem Kettcar-Song entliehen. Könnte vielleicht, ist aber nicht … glaube ich zumindest nicht …