Hot Dog Krissie

Den Soundtrack Eures Lebens könnte ich durchaus auch mal erfragen, aber nach dem überwältigenden Feedback meiner Sommerferienaktion ist mein Selbstbewußtsein noch nicht wieder so weit.

Den Soundtrack ihres Lebens liefert uns aber immerhin via NEON die derzeitige Bundesfamilienministerin in Mutterschaft. So in etwa hatte ich mir das auch vorgestellt. Die Benjamin-Blümchen-Titelmelodie, Stevie B, Dr. Alban, Rosenstolz (aber immerhin „Die Schlampen sind müde“) und Status Quo mit ihrer musikalischen Wehrübung.

Die Pet Shop Boys sind auch vertreten, jedoch mit einer ihrer schwächsten Nummern, dem „Go-West“-Aufguss „New York City Boy“. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn da nicht der bemerkenswerte Begleittext wäre. Ich zitiere einfach mal auszugsweise:

„2000, mit 23, war ich das erste Mal in New York … ich erinnere mich noch, wie ich vor dem World Trade Center einen Hot Dog aß. Ein Jahr später gab es das World Trade Center nicht mehr.“

Schwingt in diesen Worten nicht eine Portion Bekennerstolz mit? Zu den technischen Details kann ich leider keine Angaben machen, ich weiß also nicht, wie sie es gemacht haben will, aber derart viel destruktive Energie hätte ich in unserer Bundeskristina wirklich nicht vermutet.

Weiß denn die US-Heimatschutzbehörde davon? Bedeutet dies etwa, das man dort völlig grundlos einen gebildeten Herrn mit Altersruhesitz in Pakistan ultimativ von der Archivierung seiner Sammlung erotisch anmutender Filmwerke abgehalten hat? Wird ob dieser Erkenntnis nun Deutschland Ziel amerikanischer Vergeltungsangriffe? Müssen wir uns nun als Rebellengruppen in die Berge des schwer zugänglichen Westerwalds zurückziehen?

Na, vielen Dank, Frau S.!

NYC in HH

Noch bin ich in Hamburg, aber ich muss hier doch mal kurz nach dem rechten sehen…

Eigentlich gehört ein Kinobesuch nicht unbedingt zum Programm einer Städtereise, denn Filme sehen in Hamburg in aller Regel nicht erkennbar anders aus als in Frankfurt. Es ergab sich aber für mich die Möglichkeit, mir im Abaton den Film „New York i love you“ anzusehen, den ich in Ffm. irgendwie verpasst hatte.

Es ist eingentlich kein Film, sondern eher eine teils nur skizzenartige Beleuchtung unterschiedlicher Schicksale New Yorker Einwohner. Eigentlich müssten sämtliche Alarmglocken bei einem läuten, wenn man sieht, welche Ansammlung von prominenten Namen in diesem Film mitwirken, aber das war in diesem Fall okay, denn die meisten huschen eher durch den Film. Die Hauptrolle spielt schon die Stadt.

Er hat mir gut gefallen, war sehr inspirierend, allerdings werden derart viele kleine Geschichten angerissen, dass in mir schon das Bedürfnis wuchs, das eine oder andere Schicksal noch ein wenig weiter zu verfolgen. Die Geschichte mit der Assistentin, die der Komponist bislang nur telefonisch kennt und die sich aus freien Stücken bereit erklärt, mehrere Dicke Bände russischer Literatur für ihn zu lesen, obwohl ein Auftraggeber, dies von ihm verlangt hatte, um die notwendige Einfühlung für seinen Auftrag zu bekommen. Der Film reißt mit seinen Skizzen so einige Emotionen beim Betrachter an und es fehlt die Zeit, sich damit auseinander zu setzen, da schon die nächste kleine liebenswerte Geschichte ansteht. Berührend viele davon, manche etwas zu sehr auf einen Überraschungseffekt hin poliert, jedoch dennoch sympathisch. Andere vielleicht ein wenig zu sehr an der Oberfläche verbleibend. Kurz vor Schluss gibt es diese liebevolle Mann-Frau-Situation in einem Restaurant und aus dem Hintergrund schleicht sich Radioheads „No surprises“ heran, ein Stück, dass mir bereits ohne Bilder stets nahe geht. Da ist man dann schon recht schnell beim emotionalen Outbreak.

Einen indirekten Überraschungseffekt gab es im Abspann für mich. Die letzte Story dreht sich um ein altes Ehepaar, welches sich zu Ehren seines … 60.?? … Hochzeitstags an die Seaside schleppt und sich dort für ein paar Momente innig verbunden dem Ausblick hingibt in dem Bewusstsein, dass es das letzte Mal sein kann. Der Darsteller des alten, klapperigen und  sehr gebrechlichen Mannes ist Eli Wallach, den ich und sicher auch viele andere als den fiesen feisten Gangster aus „The good the Bad and the ugly“ (Zu deutsch: Zwei glorreiche Halunken) kennen („Hey, Blonder!!!“). Erschreckend, was Zeit mitunter mit Menschen macht …

Schauts euch ruhig an, ich denke mal, jeder wird wenigstens ein oder zwei Skizzen entdecken, die ihm nahe gehen, vielleicht ja die mit der rollstuhlfahrenden Tochter des Apothekers, die die sitzengelassene männliche Jungfrau zum Abschlussball begleitet und ihm die erstaunlichste Nacht seines Lebens beschert oder die des Malers, der sich in das Gesicht einer Ladenangestellten verliebt und dieses im nächsten Restaurant eilig mit einigen Pinselstrichen und Sojasoße auf einer Serviette nachempfindet.

Nein, nein, ich verbringe meine Hamburger Zeit nicht nur in Kinos. Davon aber später mehr …

Cine-Man Teil 2,659

Double-Preview-Edition

Vol. 1:

Ein Sommer  in New York /The Visitor  (läuft bereits)

Blöder deutscher Titel zunächst mal, denn das hat eigentlich so gar keinen Bezug zu dem Filminhalt. Gut, es ist tatsächlich Sommer in NY (wenngleich der Blattfarbe der Bäume im Central Park nach zu urteilen, eher Spätsommer), aber die Geschichte könnte auch im Frühjahr oder Herbst spielen und es müsste auch nicht unbedingt New York sein.

Über verunglückte deutsche Titel könnte man eine Doktorarbeit schreiben (do you remember „Die unglaubliche Reise in einem total verrückten Flugzeug“, im Original „Airplane“?), das soll aber nicht Gegenstand dieses Beitrages sein.

In besagtem Sommer kehrt nun also ein eigentlich in Connecticut lebender und als Uniprofessor arbeitender, seinen Beruf aber eher hinmogelnder und jeglichem Enthusiasmus beraubter verwitweter Walter in seinen besten Jahren in seine New Yorker Zweitwohnung zurück, weil er dazu verdonnert wurde, an der NYU einen Vortrag zu halten, über dessen Inhalt er eigentlich gar nichts weiß, da er nur for the Record als Coautor geführt wird. Dort trifft er zu seiner nicht geringen Überraschung auf ein illegales Pärchen, welches die Wohnung von einem ominösen Ivan gemietet hat, der vorgab, im Besitz dieser zu sein. 

Nach anfänglichem kleinem Zores ermöglicht Walter den beiden, vorerst wohnen zu bleiben, da diese akut über keine Wohnalternative verfügen. Man gewöhnt sich nach und nach aneinander und Walter beginnt sich für Tareks Trommelspiel zu interessieren, das eine lang in ihm brachliegende Begeisterung auslöst. Man begibt sich also zum gemeinsamen Jammen in den Central Park und auf dem Rückweg tritt anlässlich einer unglücklichen Aktion in der U-Bahn der ungünstige Teil des Schicksals auf die Bühne. Die Konsequenz heißt Abschiebehaft, was Walter zu einem kleinen, für seinen neuen Freund kämpfenden Löwen werden lässt.  Aber auch kleine kämpfende Löwen mit Halbglatze haben es nach Nineeleven nicht leicht mit Einwanderungsbehörden, selbst mit anwaltlicher Unterstützung nicht.

Im letzten Drittel des Films tritt dann noch Tareks Mutter, eine stolze attraktive Syrierin (merkwürdig, Männer werden meist als „Syrer“ bezeichnet, mit wem muss mann denn da ins Bett steigen, um an das „i“ zu kommen?)  in Walters Leben und zwischen beiden entspannt sich innerhalb des bestehenden Chaos so etwas wie eine vorsichtige, feingliedrige Romanze.

Dies muss nicht zwangsläufig auf ein Happy-End hindeuten, aber wir wollen ja hier nicht alles vorwegnehmen. Jedenfalls entwickelt der Film für mich eine ganz eigene Poesie und es lässt einem nicht unberührt, wenn man mit den Schicksalen der abschiebegefährdeten Menschen konfrontiert wird.

An dieser Stelle möchte ich mich dann auch von der eingangs benutzten Formulierung „illegales Pärchen“ distanzieren. Es handelt sich selbstverständlich um zwei Menschen, die niemals illegal sein können, deren Aufenthalt in den USA jedoch keine rechtlichen Grundlagen besitzt. Sprache kann Menschen töten, das geht ganz fix.

Dem Film tut im übrigen auch sehr gut, dass keine wirklich der breiten Masse bekannten Schauspieler agieren, das hätte nur abgelenkt.

Reingehen? Ja! Das nächste Mal kann man sich dann ja wieder diese spritzige Liebeskomödie mit Frau Dings und Herrn Bums anschauen …

Sachen zum lachen

Gut, zugegeben, der Plural mag ein wenig übertrieben sein und es wird garantiert Menschen geben, die der Meinung sind, dass das ja wohl nach wie vor keinen Anlass zum Lachen geben sollte, denn es sind ganz viele Menschen gestorben, direkt und indirekt und ich sage jajajaja, stimmt ja, aber trotzdem …hmpff…

Also, um was es geht: Derzeit feiert sich ja Radiotelevision Luxemburg für sein vierteljahrhundertliches Bestehen. Bei dieser Gelegenheit werden immer wieder dieselben…*hüstel*…Highlights präsentiert als da wären: eine vom Stuhl plumpsende Moderatorin, Tuttifruttimuttis, Flegeljahre der Pöbeltalkshows, Herrn J.auch, der zusammen mit Herrn R.eif über ein umgefallenes Tor philosophiert undsoweiterundsofort…

Jetzt konnte ich aber mal etwas für mich Neues entdecken. Der vielgepriesene Ankermann Kl.oeppel meldete sich im September 2001 – es wird wohl der 11. gewesen sein – am frühen Nachmittag mit folgender Moderation:

„Liebe Zuschauer, wir unterbrechen die Sendung „Der Schwächste fliegt“ für eine Eilmeldung: In New York hat sich offenbar ein Terroranschlag ereignet…“ Naja, den Rest kennen wir ja.

Ich kann mir nicht helfen, ich finde das witzig…