Lass ma‘ gut sein!

In diesen Tagen ist es mal wieder besonders deutlich erkennbar: Die Welt hat einen akuten Mangel an positiven Vorbildern im klassischen Sinne. Die Entrepreneure der letzten Jahre, die dadurch berühmt wurden, dass sie möglichst radikal und schnell zu wirtschaftlichem Erfolg sind nun mal nicht gemeint.

Es waren die Trauerfeierlichkeiten zu Nelson Mandelas Ableben, anlässlich derer einem dies mal wieder sehr deutlich vor Augen geführt wurde. Es gab sogar mal wieder bemerkenswerte Worte für den Friedensnobelpreisträger von einem anderen Friedensnobelpreisträger, der die Grundlage für diese Auszeichnung in der letzten Zeit jedoch vermissen ließ. Die Euphorie, die Obamas Wahl damals auslöste, zeigte aber auch, wie sehr sich die Menschen nach jemandem sehnten, der ihnen Hoffnung auf wieder mehr Gerechtigkeit, Fürsorge und Unterstützung machte, statt vor allem Ertragsoptimierungen im Auge zu haben

Auch der nun anstehende 100. Geburtstag von Willy Brandt und die damit verbundenen Reportagen bringen in den Menschen sehnsuchtsvolle Erinnerungen zurück, zum Teil sogar bei Menschen, die damals noch gar nicht am Leben waren. Sogar der amtierende Papst, der bislang durchaus glaubhaft nach außen tragen kann, insbesondere für die Armen der Welt da sein zu wollen, wird vom Time-Magazine zur Person des Jahres gekürt, während einer seiner Untergebenen in meiner Nähe aus den Träumen des Baus eines Palazzo Prozzo gerissen wurde.

Die Welt benötigt ganz offenbar dringend Gutmenschen, so nervig sie mitunter wohl auch sein mögen und ihren Willen, zum Wohl Anderer da zu sein, denn Steuerhinterzieher, Großkoalitionäre,  Gschaftlhuber, Onkelmörder und selbstherrliche Despoten hat es wahrlich bereits genug. Vielleicht hilft ja in den nächsten Tagen mal wieder ein Blick in den einen oder anderen Stall (nein, ich meine nicht diese riesigen Mastbetriebe, in denen durch gezielte Fütterung versucht wird, erst gar keine Seele in das zum baldigen Verzehr bestimmte Fleisch kommen zu lassen.)

Wichtig wäre, solche potentiellen Hoffnungsträger nicht moralisch zu überhöhen. Es wären dennoch vor allem Menschen mit all den Fehlern, die Menschen so haben können. Nur vielleicht mal angenehmere Fehler …

So, jetzt habe ich aber genug vom Einkaufsbummel abgehalten. Schnellschnell, die 3-Euro-Shirts werden schon knapp!

The Future`s so bright i gotta wear Shades

Es gab einiges zu lesen, hören und sehen in den letzten Tagen, die Obamania befeuert sämtliche Medien reichhaltig, vor allem in den Feuilletons und Kommentarspalten. Es ist doch erstaunlich, welches Erdbeben sich in der Meinung der Menschen ereignet hat. Ich kann mich noch einigermaßen an die erste Wahl Clintons erinnern. Große Erleichterung noch 8 Jahren Reaganomics und einer mäßigen Coda durch Bush d.Ä. inkl. Irakkrieg, der Erste. Er sah aus wie ein Peoples President, hörte Fleetwood Mac und spielte Saxophon. Damals eine große Sache.

Diesmal scheint aber deutlich mehr passiert zu sein, als dies. Es ist nicht nur ein afroamerikanischer Demokrat zum Präsidenten gewählt worden, sondern es scheint sich tatsächlich etwas wie eine Zeitenwende vollzogen zu haben. Plötzlich haben ein Haufen Menschen wieder strahlende Augen und verrückte Vorstellungen, wie die Welt auch sein könnte.

Bei aller Skepsis, die einem als realitätsnahen Menschen zwangsläufig ereilen muss (so schmächtig ist die Realität schon geworden), was die zu erwartende Erfolgsquote der Nummer 44 betrifft, ist alleine die Vorstellung der nunmehr bestehenden Möglichkeiten fast schon unfassbar.

Könnte es tatsächlich sein, dass ein anderes Denken in der Politik Einzug finden könnte? Ein Denken, dass sich nicht hauptsächlich an „Liebesdiensten“ für Öl-, Waffen- und sonstigen Lobbies orientiert, eines, das nicht nur kurzfristige Erfolge und die Wiederwahl im Auge hat? Ein Denken, das einen gesamtheitlicheren Ansatz verfolgt? Das womöglich wirklich die vielbeschworene Nachhaltigkeit in Fragen von Umweltschutz und menschlichem Wirtschaften fordert und fördert? Ein Denken, das auch viele Menschen, die sich in den letzten Jahren als nicht berücksichtigt empfanden, neue Hoffnung gibt und Mut macht, mehr zu wollen, mehr zu fordern, mehr zu tun, selbst aktiv zu werden und sich wieder als ein Teil des Ganzen zu fühlen?

Könnte es sein, dass sich diese Veränderungen auch schnell in der Gesellschaft verankern, in Kunst und Kultur, sich im Leben der Menschen umfassend breit machen, dass sie auch in anderen Ländern ein anderes Denken auslösen  und so z.B. die italienische Karikatur eines Staatsmanns zum überwundenen Ärgernis reduziert, bevor noch Schlimmeres passiert?

Das alles und noch viel mehr könnte passieren. Alleine die Möglichkeit wirkt pulserhöhend. Wahrscheinlicher ist wohl, dass die aktuelle Weltlage, die zu erwartende Weltrezession und andere Faktoren schnell das überlebensgroße Bild ins Wanken bringen werden und sich der Enthusiasmus schnell legt oder ein bewaffneter Spinner doch mal einen guten Tag erwischt.

Vielleicht entwickeln sich die Dinge aber auch so schnell in eine andere Richtung, dass sie die Amtszeit oder sogar die Existenz des nächsten Präsidenten überdauern könnten. Es liegt eine gewaltige Menge Hoffnung in der Luft und die Menschen atmen sie kräftig ein.

Ein klein wenig Zeitenwende vielleicht doch?

… der Blogtitel ist übrigens einem Song von Timbuk 3 aus den 80ern entliehen …

Sch’tars end Sch’treips (Yes, we can)

Sodele, Nummer 44, dann natürlich auch die herzlichsten Glückwünsche aus Dreckfroschistan und alles Gute!

Da sitzt man vor dem nächtlichen TV-Programm, Jubel, Jubel allerorten und man verspürt auf einmal nicht nur Aufbruchstimmung, sondern auch das dringende Verlangen, Marvin Gaye zu hören, James Brown, Stevie Wonder und John Denver The Supremes …

Reife Leistung übrigens, auch eine bislang nicht erreichte Zahl an Menschen zum voten gebracht zu haben, die vorher noch nie eine Wahlkabine von innen gesehen haben.

Irgendwann in den nächsten … ähhh … Wochen wird sich der Jubel langsam legen und dann, Mr. Brothercool, gilt es die Ärmel hochzukrempeln: Nicht noch mehr verbrannte Erde in Afghanistan und dem Irak hinterlassen, das „Out of Business“-Schild in Guantanamo Bay anbringen, die soziale Schere wieder etwas mehr zu schließen, die Wirtschaft aufzupeppeln, mehr und mehr Menschen in ein soziales Netz einzuweben, das üble Image der USA im Ausland verbessern und das ganze bei einem komplett abgewirtschafteten Haushalt.

Puh, wenn man sich das so anschaut, könnte man sich fast wünschen, auch in den Reihen Ihrer Wahlmänner fänden sich ein paar Dutzend, die bis Anfang Dezember noch das „hessische Gewissen“ ereilt und Ihnen diese Herkulesarbeiten erspart. Soll sich doch der ältere Mann mit seiner alaskanischen Vizegunmother darum kümmern, oder?

Nein? Sie wollen das wirklich selber machen? Unbelehrbar, dieser Kerl! Nun gut, dann nur zu …

Ach und bitte, bitte, bitte, machen sie es den armierten Fanatikern nicht zu leicht und fahren im offenen Wagen durch südlichere Großstädte … 

Nachtrag: Eben sagten sie Ihren Kiddies zu, dass das versprochene Hündchen mit ins weiße Haus einziehen wird. Wie süüüß! :o))

Gedanken sind wie Wildpferde

Wildes Assoziieren kann mitunter ein sehr netter Zeitvertreib sein. Wenn es allerdings fast schon zwanghaft passiert und eine Tendenz zum pathologischen entwickelt, kann es zum Problem werden. Da lohnt es sich bestimmt, sich mal etwas näher damit zu beschäftigen. Als Krankheit scheint wildes Assoziieren bislang nicht eingestuft zu sein; es steht zumindest nicht im medizinischen Dauerbrenner, dem Pschyrembel.

In der Jubiläumsausgabe des Pschyrembel haben witzige Redakteure übrigens die berühmte „Steinlaus“ von Loriot mit eingebaut, mit Bild. Haha, Loriot überhaupt. „Jodeldiplom, da habe ich etwas eigenes“, „Sie haben da etwas…“, „Wenn meine Frau aufwacht, nimmt sie gerne einen Tee und etwas Gebäck“. Otto ist jetzt auch schon 60 Jahre alt geworden und tourt immer noch mit den Gags von 1975.

Robin Hood, der Becher ohne Henkel, hihi…der läuft ja immer im Wald herum. Da wäre ich jetzt auch gerne, da ist es schön kühl jetzt, fast wie Urlaub. Ach, in Urlaub könnte ich auch schon wieder, der Strand, das wilde Meer, der Wind, durchaus auch mal kräftiger Wind.

Das „Hurricane“-Festival dieses Jahr soll ja auch wieder ziemlich toll gewesen sein. Die Sängerin Jennifer Rostock hatte als brauchbare Festivalgetränke unter anderem „kalte Muschi“ (Rotwein/Cola) und „Wurstwasserwodka“ (das will man gar nicht näher beschreiben) empfohlen. Letztens hatte ich seit Äonen mal wieder eine Currywurst gegessen und zwar an einer überregional bekannten Imbissbude die berühmt-berüchtigt für ihre höllenscharfen Currywurst-Soßen mit bis zu einer Fantastilliarde Scoville Schärfegrad ist. Ich hatte Soße „C“, über die Könner nur milde lächeln, die bei mir aber schon ausgereicht hatte, damit sich meine Geschmacksnerven für längere Zeit mit unbekanntem Ziel verkrümelten und pures Brennen hinterließen. Vielleicht waren sie ja auch beim Hurricane. Radiohead müssen dort einen starken Auftritt gehabt haben. Radio kann man mittlerweile fast überhaupt nicht mehr hören, nur noch Mainstream-Gedudel. Da muss man schon aufs Internet ausweichen, dort gibt es sehr interessante Sender.

Macht es eigentlich Spaß, in einem Internat zu leben? Den ganzen Tag mit Lehrern verbringen. „We don’t need no Education…dumdidummm….“, Die Mauer ist jetzt schon seit 19 Jahren gefallen, Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Herr Obama hat es sich in Berlin übrigens netterweise verkniffen, einen Satz auf Deutsch zu sagen, was ja auch unendlich peinlich gewesen wäre. Der Kerl sieht extrem abgemagert aus. Oh, ich glaube, ich bekomme langsam Hunger…das Problerm bei wildem Assoziieren ist: MAN KOMMT NICHT AUF DEN PUNKT!!!!

Schöne Grüße an dieser Stelle an den Schreibclub! :o)