Mo‘ damn Talking

Wenn ich es richtig verstanden habe, funktioniert die neue Politik-Talkshow auf Raab24/7 (früher bekannt als Pro7) folgendermaßen:

Elton, Joey Kelly, Sonya Kraus, Steven Gädjen, Richard David Precht und 2 Politker diskutieren in Woks auf einem 3-Meter-Brett sitzend über aktuelle Themen. In jeder Runde wird der größte Dummlaberer eliminiert (Achtung: pro Runde darf aber nur eine Person rausfliegen). Im Finale diskutieren die beiden verbliebenen Teilnehmer dann während eines Pokerturniers über die Vor- und Nachteile von Stockcar-Rennen und der überzeugendere Kandidat darf dann gegen Stefan im Münzzielwurf um 3 Millionen Euro spielen.

Die dadurch ermittelte Meinung zu einem Thema wird dann als Staatsziel im Grundgesetz verankert.

Noch eine Talkshow, die wir ungefähr so dringend benötigen wie Nagelstudios oder Bubble-Tea-Läden. Das Schlimme an den bereits existierenden Talkrunden ist ja, dass die Beteiligten zumeist nur die vorgefertigte Meinung im Kreis herumtragen, die sie sowieso bereits seit Monaten in der Gegend herumposaunen. Könnten Talkshows wirklich etwas verändern, ginge eh keiner mehr hin. Worin soll nun die Bereicherung liegen, wenn derjenige eine Diskussionsrunde gewinnt, der die populärste Meinung vertritt?

Die einzige Sendung, die mich noch vor den Fernseher lockte, wäre eine, bei der die wahren Gedanken der Teilnehmer per Untertitel angezeigt würden. Aber von einer solchen Sendung gäbe es exakt eine Folge … und nach längerem Überlegen möchte ich dies doch lieber gar nicht wissen; irgendwie muss ich mir schließlich einen Restbestand Philantropie bewahren …

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Po-litik

Ich versuche nun leicht verfremdet ausschnittsweise ein Interview mit einem buchveröffentlichenden Berliner Revierbürgermeister wiederzugeben:

Moderator:

„Sie gehen in Ihrem Buch auch auf den Zusammenhang zwischen Wintermonaten und Temperatur ein …“

Bürgermeister:

„Nun, ich versuche nur, die Tatsachen darzustellen. Obwohl die Wintermonate nur 25% des Jahres ausmachen, sind dort ca. 85% der Tage mit Höchsttemperaturen unter 10 Grad Celsius zu verzeichnen. Ich sage jetzt nicht, dass das Eine die Ursache vom Anderen ist, ich stelle lediglich Fakten fest, die niemand wirklich in Frage stellt. Fragen Sie ruhig die Experten.“

Ganz schön feige, was? Dinge in einen Zusammenhang zu stellen und dann die zwangsläufige Bewertung nicht offen auszusprechen. Nun ging es im Interview tatsächlich um einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen Ethnie und Kriminaliät, der keineswegs so zwangsläufig ist wie der Zusammenhang zwischen Temperaturen und Jahreszeit (zumindest derzeit noch, dem Klimawandel nach zu urteilen). Die Art und Weise jedoch, Ressentiments auf diese passiv-aggressive Art vorzutragen, kann einem schon wieder das Sonntagsfrühstück zurückkommen lassen.

„Aba dit is doch eener, der noch dit sacht, wat des Volk denkt“. Nun ja, unabhängig davon, dass ich keineswegs glaube, dass „das Volk“ so denkt, das ist ja keine homogene Masse, sollte ein Politiker eigentlich mehr drauf haben, als sich selbst zum Volkslautsprecher zu degradieren.

Gruselig, sowas! Immer wieder.

Einen Aspekt muss ich allerdings aufgreifen. Das von ihm kritisierte „Gutmenschentum“ empfinde ich auch als eine zunehmende Geisel der Menschheit, wenn auch nicht mit denselben Schlußfolgerugen. Gepaart mit der vielbeschworenen „political Correctness“ steckt darin m.E. viel Unheil. Wenn Dinge im Argen zu liegen scheinen, ist es sicher nicht besonders hilfreich, diese blümchenreich zu umgarnen oder ganz zu verschweigen. Davon ändert sich nichts. Hilfreicher wäre es, wenn man Dummschwätzern oder -schreibern etwas entgegenhält und wenn es sein muss, auch in deutlichen Worten. Man kann deutlich und dennoch nicht beleidigend sein.

Und Eltern, die z.B. einerseits enthusiastisch am Integrationsfestival des Stadtteils ihre VHS-Bauchtanzkenntnisse präsentieren und sich toll fühlen,weil sie arabisches Essen in sich stopfen, andererseits ihr Kind aber von der bisherigen Schule abmelden, weil der Ausländeranteil dort zu hoch geworden ist, gibt es meiner Auffassung nach schon genug.

Requiem

„… someday I’ll wish upon a star
And wake up where the clouds are far
Behind me.
Where troubles melt like lemon drops
Away above the chimney tops
That’s where you’ll find me …“

Meine Güte, jeder ehemalige Staatsoberhäuptling hat nun mal das Recht, sich den Zapfen streichen zu lassen, unabhängig von Dauer und Ehrenhaftigkeit seiner Regentschaft. Und wenn sich der letzte Wizard of Bellevue noch einen Bonustrack wünscht, dann lasst ihm doch die Freude! Man muss auch nicht wie in einem kollektiv verankerten bedingten Reflex einen Vuvuzela-Flashmob drumherum bauen. Wird doch eh bereits bizarr genug, dann kann man sich doch zumindest in die obengenannte Musik hineinträumen und darüber sinnieren, wie es hätte sein können, wenn Probleme wie Zitronenbonbons schmelzten. Hätte er sich lieber „Should i stay or should i go“ von The Clash wünschen sollen? Das wäre ja noch peinlicher ….

Mich beschäftigt hierbei etwas Anderes:

Mal angenommen, ich würde Präsident aller Bunden, führe ein paar Jahre durch die Weltgeschichte, hielte einige wenig beachtete Blablareden und ehrte Rhönradsportler bevor es mir lästig wäre und ich mich aus dem Amt verabschiedete, um meinen wohlverdienten Ehrensold zu genießen. Welche Songauswahl träfe ich für meinen Ausmarsch?

Das ist gar nicht so einfach, vor allem, wenn man mehr als 10 Lieder kennt. Man sollte dabei bedenken, dass die Lieder von einem Blasmusikkorps vorgetragen werden, deshalb wird es bei einiger Musik schwierig in der Umsetzung. Synthesizer-Orgien von Pink Floyd oder Tangerine Dream sind da offensichtlich wenig geeignet. „Sympathy for the Devil“ von den Stones könnte inhaltlich anecken.

Ungeschickt wäre sicher auch, ließe man sein eigenes Auftreten akustisch vom „Imperial March“ aus dem Star-Wars-Soundtrack untermalen, es sei denn, man atmete sowieso bereits schwer.

Wenn man das Korps an den Rand der Erschöpfung bringen möchte, könnte man sich beispielsweise die Vollversionen von „In-a-Gadda-da Vida“ oder „Bolero“ wünschen. Für ganz perfide Menschen böte sich „As slow as possible“von John Cage an, wie es derzeit und die nächsten sechshundertpaarundzwanzig Jahre in Halberstadt aufgeführt wird (Immerhin fanden während Chrissies Amtszeit zwei Klangwechsel statt).

Es sollte im weitesten Sinne auch volkstümlich sein – nein, nicht Silbereisenvolkstümlich, nehmen wir beispielsweise The White Stripes. Deren „Seven Nation Army“ kann ja seit einigen Jahren von jedem Stadionbesucher mitgegröhlt werden. Dazu noch etwas von Abba oder den Beatles, das kennen alle und finden die meisten gut. Muss ja nicht gerade „Ob-la-di.ob-la-da“ sein, vielleicht etwas dramatischeres wie „The long and winding Road“ … wie bitte? Ja, „Let it be“ ginge natürlich auch …

Am Schluss vielleicht dann noch „My Bonnie is over the Ocean“ oder etwas vergleichbares?

Vielleicht genügte im Sinne der neuen Sparsamkeit auch ein Musiker, der Radiohead auf dem Akkordeon spielte ?

Ach, ich weiß nicht, eventuell wäre mir diese ganze Zeremonie, die man genauso gut für ein Begräbnis abhalten könnte, sowieso eher unangenehm. Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr entwickle ich Sympathie für das Verhalten des Altbundespräsidenten Heinemann, der 1974 auf den ganzen Militärschmonzens verzichtete und sich stattdessen eine Schiffsfahrt auf dem Rhein wünschte.

In diesem Sinne:

„I’m a creep, i’m a weirdo,

what the hell am i doing here?

i don’t belong here …“

Polituierte

Eine nahezu vorbildliche Aquirierung neuer Kundenstämme können wir hier beobachten:

Man kann es sich bildlich vorstellen:

„Hallo … äähhh …??“

„Wolfgang,“

„Hallo, Wolfgang, ich bin Hanna, machs Dir bequem bei mir. Und, wie geht es Dir?“

„Hmpff, naja …“

„Diese Eurokrise ist ja schon bemerkenswert. Ich sehe auch die Rolle der Ratingagenturen sehr kritisch. Die können mit einem Schnipp ganze Staaten impot … also … zerstören.“

„Jaja, schon recht, aber jetzt mach dich mal nackig!“

„Und dieser Rechtsterror, da muss der Staat jetzt aber mit harter Hand durchgreifen!“

„Apropos „hart“ … bei mir regt sich was …“

„Ja, ich könnte mich auch aufregen. Hier werden große Löcher in die Gesellschaft gerissen und wenn wir nicht aufpassen, wird das ganze demokratische System weggeblasen …“

„Da Du gerade davon sprichst …“

Naja, undsoweiter, undsofort …

Das ist doch mal eine ganz eine andere Unterhaltung als „Wielst Du ohne Gummi kostet ääxtra …“

Runter kommen sie immer

Das ging ja auch wirklich nicht mehr so weiter mit diesem Verteidigungsminister. Ständig im Drogenrausch und nicht an seinem Arbeitsplatz, mehr Zeit in Entzugskliniken als am Set verbringen und damit alle brüskieren und einen Haufen Geld kassieren. Und nun, wo er kaltgestellt wurde, lümmelt er sich in allen möglichen Talkshows herum, seine beiden Pornoischen immer dabei, bepöbelt und beschimpft alle und fordert doppelte Bezahlung, der feine Herr.

Damit nicht genug, beschimpft er nun auch noch Andere mit antisemitischen und rassistischen Äußerungen. Da muss er sich nicht wundern, wenn sich Dior von ihm trennt und Natalie Portman bei der Oscar-Verleihung keines seiner Kleider getragen hat.

Nun ja, immerhin erklärt er sich bereit, seine Auftrittsgage in Millionenhöhe, die er vor mehreren Jahren vom Gaddafi-Clan für 45 Minuten Show kassiert hat, zu spenden, weil ihn jetzt wohl ein moralischer Schlaganfall ereilt hat. Das ist ja auch das mindeste …

Ein schlimmer Finger dennoch, dieser Carlos-Theodor Estevez-Galliano-Furtado!

… was ist denn …?

Letzte Leerung 2010

Unverzichtbares Last-Minute-Wissen über Zwanzigzehn:

Die beliebtesten Primärfarben (additiv):

1. rot

2.gelb

3.blau

Die nervigsten Tracks:

1. Waka Waka

2. This Time for Africa

3. Dieser WM-Nervsong von Shakira

4. Nein, Mann, ich will noch nicht ausgehen, ich will noch ein wenig Wäsche machen, bügeln, Marmelade kochen und die Fenster sind auch schon ewig nicht mehr geputzt worden.

Oft ausgerufene Benzinpreise:

1. 1,49€

2. 1,38€

3. 1,44€

4. 1,43€

5. Ihrhabtjawohlkomplettdenarschoffen€

Die beliebtesten Nebenbeschäftigungen deutscher Bundespräsidenten:

1. schwerbeleidigtsein

2. Lenabegrüßer

Die nervigsten Werbespotfiguren (Mehrfachnennung möglich):

5. Die Blonde mit den drei Stullen und dem kreisrunden Augenbrauenausfall(23%)

4. Das Vorher/Nachher-Gespann Kauli.tz/Coo.per (34%)

3. Der Langhansverschnitt von Za.lando (68%)

2. Michael „Käsemauke“ Ba.llack (81%)

1. Marcel D. (105%)

Neue geplante Sendeformate für 2011:

1. Wiki und die leaken Männer

2. Bauer sucht Dame (Kuppelshow für Schachfreunde)

3. Das große TV-To.tal-mit-Wok-vom-Turm-springen-und-danach-wettpopeln-mit-Raa.b-während-Lena-137-Lieder-trällern-muss-Special

Die großen Toten in 2010:

3. Heidi

2. Christoph

1. Paul

Die am wenigsten beachteten Demonstrationen:

3. Weniger Kohlensäure im Trinkwasser!

2. Ich bin ein 1-Mann-Flashmob!

1. Für mehr wegsehen!

Die am weitesten verbreitete Überraschung, dass sowas überhaupt ein Staat ist:

1. Katar

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Schwerträglich

Es ist eine noch mit einem lakonischen Lächeln zu quittierende Sache, wenn der Bundespräsidenten-Azubi den Bundestrainer mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnen will, man stellt sich höchstens die Frage, was zu tun sei,wenn die deutsche Elf in 2 Jahren unter der gleichen Führung u.U. Europameister werden sollte. Seligsprechung fällt ja wohl noch nicht in die Kompetenz des Staatsoberhauptes.

Es ist durchaus auch zu begrüßen, wenn die Helfer von Duisburg geehrt werden sollen, auch wenn hier bestimmt viele ähnlich gelagerte Fälle zu benennen wären, die bei weniger öffentlichkeitsintensiven Ereignissen aufopferungsvolle Arbeit leisten.

Jetzt aber auf den Zug aufzuspringen und aus seiner Position heraus dem Fiasko-OB ausm Pott den Rücktritt nahezulegen, lässt die bereits länger gehegte Vermutung, dieser Herr sei ein opportunistischer Populist, der geübt im Fähnchenindenwindhängen ist, beinahe zur Gewissheit werden.

Klar sollte das Staatsoberhaupt kein Neutrum sein und sich auch von Zeit zu Zeit in die Politik einmischen dürfen, wenn nicht gar müssen, das aber ist – mit Verlaub – allzu billig. Zumal bei aller berechtigten Kritik an dem Mann mit dem Namen einer beliebten Urlaubsgegend immer noch nicht deutlich ist, wo welche Verantwortlichkeiten für das Loveparade-Desaster lagen.

Zu so etwas hätte sich wohl keiner seiner Amtsvorgänger – nicht einmal das bayrische Rumpelstilzchen der späten 90er – hinreißen lassen. Mag sein, dass ich hier etwas altmodisch denke, aber zu diesem Amt gehört für mich auch ein gewisses Maß an Würde und Überlegtheit. Diesen Luxus kann man sich genau an dieser Position durchaus leisten.

Es ist mir herzlich egal, ob die schicke  Fist … hoppla … First Lady tätowiert oder gepierct ist; schlimm dagegen ist, wenn sich der Staatsoberhäuptling offenbar ein Branding von der absatzstärksten Tageszeitung verpassen und sich hübsch intrumentalisieren lässt.

Wie gut, dass von W.eizsä.cker noch lebt, dann bleibt zumindest ihm die Grabrotiererei derzeit noch erspart …