About Schmidt

In seinen besten Momenten war er wie der deutsche Letterman in dessen besten Momenten. Sich erhebend über die tägliche Witzmaschinerie eines Jay Leno, auf einem ironiegetränkten Hochplateau sich gerne auch mal am Konstrukt des Daily Talks an sich abarbeiten. So was gab es in Deutschland vorher nicht und wie sich nun herausstellt nachher auch nicht mehr.

Vielleicht ist es auch nicht mehr notwendig, schließlich versenden viele von uns ihre Gagshow tagtäglich und den ganzen Tag auf Twitter oder sonstwo. Jede Schlagzeile zieht sofort eine ganze Rattenschwanzpopulation von mehr oder weniger gut gelungenen Kommentaren nach sich und ich muss zugeben, manche davon sind wirklich lustig.

Vermutlich hielt er sich irgendwann auch mal für unangreifbar, es wurden ihm Gagen nachgeworfen, die sogar höher als Herrn Hoeness hinterzogene Steuern gewesen sein sollen und eine Zeitlang hätte er tatsächlich eine ganze Sendung lang nur seinen Flatulenzen freien Lauf lassen können und noch anerkennende Pfiffe aus den Feuilletons dafür bekommen. Zwischen der komfortablen Situation, solches tun zu können und es zu tun liegt mitunter aber doch ein wesentlicher Unterschied. Seine Auszeit, aus der er als Mischung aus Gandalf und Alm-Öhi zurückkehrte, der ständige Senderwechsel aber vor allem seine mehr als fragwürdige Idee, diesen rotzblonden Sektenvertreter als Kompagnon zu holen, ließen seinen Lack langsam aber sicher abblättern.

Nun hauchte er sein TV-Leben fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus, zumindest der skyfreien, und es fehlt schon etwas. Raab ist kein Ersatz, Raab funktioniert dafür viel zu gut, er ölt das Getriebe gefühlte 58 Wochen im Jahr, trägt aber keinen wirklichen Ansatz von Anarchie in sich. Er ist Dienstleister im Unterhaltungssektor und könnte sich ein „Business as usual“ als Lebensmotto auf den Steiß tätowieren lassen.

Also vergießen wir an dieser Stelle ein Tränchen als Respektsbekundung für Harald, den hervorragenden in seinen besten Zeiten und erinnern uns dabei an seinen korrigierenden Griff mit Daumen und Mittelfinger an die stets wanderbereite Brille. Tusch von Helmut Zerlett und Band!

Mo‘ damn Talking

Wenn ich es richtig verstanden habe, funktioniert die neue Politik-Talkshow auf Raab24/7 (früher bekannt als Pro7) folgendermaßen:

Elton, Joey Kelly, Sonya Kraus, Steven Gädjen, Richard David Precht und 2 Politker diskutieren in Woks auf einem 3-Meter-Brett sitzend über aktuelle Themen. In jeder Runde wird der größte Dummlaberer eliminiert (Achtung: pro Runde darf aber nur eine Person rausfliegen). Im Finale diskutieren die beiden verbliebenen Teilnehmer dann während eines Pokerturniers über die Vor- und Nachteile von Stockcar-Rennen und der überzeugendere Kandidat darf dann gegen Stefan im Münzzielwurf um 3 Millionen Euro spielen.

Die dadurch ermittelte Meinung zu einem Thema wird dann als Staatsziel im Grundgesetz verankert.

Noch eine Talkshow, die wir ungefähr so dringend benötigen wie Nagelstudios oder Bubble-Tea-Läden. Das Schlimme an den bereits existierenden Talkrunden ist ja, dass die Beteiligten zumeist nur die vorgefertigte Meinung im Kreis herumtragen, die sie sowieso bereits seit Monaten in der Gegend herumposaunen. Könnten Talkshows wirklich etwas verändern, ginge eh keiner mehr hin. Worin soll nun die Bereicherung liegen, wenn derjenige eine Diskussionsrunde gewinnt, der die populärste Meinung vertritt?

Die einzige Sendung, die mich noch vor den Fernseher lockte, wäre eine, bei der die wahren Gedanken der Teilnehmer per Untertitel angezeigt würden. Aber von einer solchen Sendung gäbe es exakt eine Folge … und nach längerem Überlegen möchte ich dies doch lieber gar nicht wissen; irgendwie muss ich mir schließlich einen Restbestand Philantropie bewahren …

Der Autokönig

*dingdong* …

„Ja, Guten Tag?“

„Tach, der Herr! Firma Schmittmüller und Söhne, Transporte aller Art. Wir sind dann wegen der Autos da.“

„Wie?..was?…wegen welcher Autos?…“

„Na, Sie sind doch Herr Horst Hotzenplitz.“

„Das schon…“

„Ja, und sie haben doch letzte Woche bei dem Telefongewinnspiel bei dem Dingens da…na…Schlach den Raben mitgemacht und 14 Autos gewonnen. So, und die bringen wir jetz’…“

„Nee,nee. Moment mal, mein Herr, ich hatte da aber mit der Redaktion eine andere Vereinbarung getroffen. Ich sollte 75% des Gegenwertes ausbez…“

„Also, davon weiß ich nix, wir liefern auch immer die Autos aus.“

„Ja, aber was soll ich denn mit 14 Autos?“

„Ich bin Transporteur und kein Vermögensberater, tschulljung. Also was die Autos betrifft…“

„Hören Sie, das ist doch absurd. Wer braucht den 14 Autos, wenn er nicht gerade Autohändler ist?“

„Na,irgend ne indische Großfamilie tät sich jetz‘ bestimmt freuen.“

„Ich bin aber keine indische Großfamilie. Ich lebe hier mit meiner Frau und einer neunjährigen Tochter.“

„Na, dann können Sie ihr ja schon mal eine Kiste für späte reservieren. Also, Meister, das Problem ist: Sie wohnen hier in einer verdammt engen Straße. Da kommen unsere Transporter nicht rein…hätten se sich ja auch mal vorher überlegen können, als se hier eingezogen sind …chchchch…nä, war n Spaß. Also, wir stehen da hinten an der Durchfahrtstraße. Wenn Sie jetzt keinen zentralen Parkplatz haben, wo wir hinfahren könnnten, laden wir die da vorne überall ab, wo Platz ist. Ich sach Ihnen aber gleich, dass das Ärger mit der Ortspolizei geben kann, denn ohne Zulassung dürfen die da eigentlich nicht stehen bleiben. Is ja öffentlicher Verkehrsraum. Aber keine Angst, heute kommt auch noch ein Kleinlaster mit de ganze Papiere und Schlüssel zu Sie.“

„Das darf doch nicht wahr sein! Haben die Autos wenigstens unterschiedliche Farben?“

„Wo denkense hin, Mensch? Alle laubfroschgrün-metallic, wie sie im Fernsehen zu sehen waren. Das wär doch sonst Betrug, wenn wir Ihnen jetzt schwarze Autos hinstellen würden.“

„Na, die wären wenigstens .. ach egal…“

„Ja, dann Glückwunsch nochmal! Wenn Sie Absatzprobleme haben sollten. Mein Ältester braucht ne neue Karre. Für 5 Mille lass ich sie grad auf dem Laster und Sie haben eine Sorge weniger. Ach so, übrigens noch nen Tipp: Wenn Sie länger brauchen, um die Dinger zu verkloppen, sollten Se vielleicht besser n Gewerbe anmelden.“

Übrigens, Respekt, Herr Doktorand! Wenn mir meine Freundin Sekunden, nachdem ich drei Millionen gewonnen hätte, einen Heiratsantrag machte, würde ich vielleicht auch erstmal abwinken. Das wirkt schon komisch…

Andererseits und mit ein wenig Abstand betrachtet, könnte es natürlich auch sein, dass sie diesen Wunsch schon lange in sich getragen hat und jetzt nach stundenlangem Bangen und Zittern, während Sie sich letztlich erfolgreich  abmühten, von ihren Gefühlen übermannt wurde. Da isses jetzt natürlich nicht so romantisch, Nein zu sagen. Das könnte noch Ärger geben …

Nachtrag: War ja angeblich nur n Spaß, das mit dem Heiratsantrag. Also, ich glaube das sogar …