Was meinste?

So, ihr Liter-Ratten, ich hätte mal eine kurze Frage. Nämlich so:

Wäre

„Jeden neuen verfickten Tag, den dieser schwindsüchtige, dauermastubierende, seiner eigenen Existenz überdrüssige „Gott“ oder meinetwegen auch diese von einem komplett degenerierten, madenzerfressenen Hirn irgendwann mal in Gang gesetzte endlos scheinende Abfolge von Reaktionen werden lässt, verzehrt sich mein gesamtes, aus Schmerz, Angst und Eiter bestehendes und von berghainscher Technobumsmusik komplett zerrüttetes Wesen nach Dir und Deinem Pina-Colada-Leib …“

ein akzeptabler Beginn für einen Liebesroman (oder alternativ einer Untersuchung über das Paarungsverhalten südmexikanischer Axolotln)?

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Schlecht bei Flaute *

10. Oktober:

Er:

„…deshalb möchte ich mein Abonnement Ihrer Zeitschrift zum Ablauf des Quartals kündigen. Das Niveau der Artikel ihres Heftes hat in den letzten Monaten stetig nachgelassen und erinnert mittlerweile weitaus öfter an das pseudowissenschaftliche Gequatsche alkoholisierter Kneipengänger mit Viertelbildung als an den Geist anregende, mitunter sogar kognitive Dissonanz auslösende Abhandlungen kluger Köpfe, von denen es seinerzeit zumindest einige in Ihre Redaktion verschlagen haben musste. Ich bitte daher darum …“

2 Stunden, 10 Minuten später:

Sie:

„Lieber Herr Fogelweid,

so gerne ich ihre durchaus nachvollziehbare Kündigung in die Tat umsetzen möchte. so sehr fehlen mir die Möglichkeiten. Sie sind – wie bereits einige vor Ihnen – dem Tippfehlerteufel aufgesessen und wieauchimmer auf meiner Homepage „wegelagerer“ statt „Wege-Verlag“ gelandet, die sich mit eineiigem … Entschuldigung, da ist er wieder, der Tippfehlerteufel … einigem beschäftigt, jedoch nicht mit dem Vertrieb halbwissenschaftlicher Magazine fragwürdiger Qualität. Ich muss Sie daher leider bitten, ihre Kündigung nochmals an die richtige Adresse zu senden, wünsche Ihnen dabei allerdings viel Glück und hoffe, sie finden künftig Literatur, die ihren wachen und kritischen Geist wesentlich besser beflügeln kann.

Herzlichst, Ihre Christina M.“

49 Minuten später:

Er:

„Liebe Christina M. (entschuldigen Sie die etwas ungelenke Anrede, aber mehr Information steht mir nicht zur Verfügung),

ich bedaure meinen Adressenlapsus – gleichzeitig aber auch wieder nicht. Denn anderenfalls wäre ich doch um das Vergnügen dieser so fein formulierten Email Ihrerseits gekommen. Sie zegut nicht nur von Formulierkunst, sondern auch von einer unübersehbaren Herzlichkeit und einem schelmischen Humor, den man nicht überall finden kann. Emails wie Die ihre sind es, die meinen Geist besser beflügeln können als jede auf den Massengeschmack zu- oder hingerichtete Zeitschrift.  Fast wäre ich geneigt, mein Vertippen als schicksalhafte Fügung zu bezeichnen. Wären Sie denn – sofern ich Ihnen verspreche, meine Kündigungsbemühungen weiter zu verfolgen – geneigt, mir noch etwas mehr über sich zu erzählen? Da hätte die Welt einen glücklichen Menschen mehr zur Verfügung, etwas, dass ihr sowieso jederzeit aber insbesondere heutzutage gut zu Gesicht stünde.

Hoffnungsvoll, ihr Werner Fogelweid“

1 Stunde, 8 Minuten später:

Sie:

„Ach, ich hätte es mir eigentlich denken können. Höflich wollte ich sein, weil ich Ihren Schreibstil symphatisch fand, aber jetzt bin ich wohl ein weiteres Mal gezwungen, unmissverständlich zu sein.

Ich habe das Pech, eine diesem obskuren Verlag sehr ähnliche Mailadresse zu besitzen. Ich war eher da, aber das nur nebenbei. Ich hätte, da diese „Vertipper“ sich des öfteren ereignen, schon vor längerer Zeit eine andere Anschrift gewählt, da ich diese Adresse aber bereits seit Jahren beruflich nutze, wäre eine Änderung ein großes und riskantes Verfahren. Deshalb bin ich gezwungen, immer wieder auf Mails mir unbekannter Menschen zu antworten.

Es mag sie ein wenig kränken, aber allzu originell sind Ihre Anbahnungsversuche leider nicht. Schon einige glaubten, so näher mit mir in Kontakt zu kommen. Aber nur, weil es in depperten Hollywood-Schinken oder realitätsfernen Büchern immer wieder veranschaulicht wird, ist dies noch lange kein erfolgverprechender Weg, seine Einsamkeit zu überwinden. Ich suche mir meine Kerle – nennen Sie mich altmodisch – immer noch auf die eher klassische Art und Weise aus, die stets mit persönlichem Kontakt in Natura einhergeht. Ich kann ja verstehen, dass dieses Internet eine prima Plattform für ansonsten verklemmte Mauerblümchen ist, einen Schritt aus ihrer selbstgewählten Isolation zu tun. Deshalb bin ich aber noch lange kein romantisch verklärtes Lyrikkätzchen, das schon im siebten Himmel schwebt, wenn hin und wieder mal einer in der Lage ist, drei Sätze einigermaßen gefühlvoll und/oder originell hintereinander zu setzen, ohne sich dabei gleich das Gehirn zu verstauchen. Was auch immer Ihre Kontaktstörungen verursachen mag, ob exotische Ansprüche, eine vermurkste Kindheit, Kleinschwänzigkeit, stinknormale Soziophobie oder was auch immer, ich bin definitiv kein Weg aus diesem Elend für Sie.

Reißen Sie sich halt mal zusammen, gehen Sie unter Leute, pflegen Sie ihre Interessen mit Gleichgesinnten, öffnen Sie sich neuen Eindrücken, aber lassen Sie mich bitte in Ruhe. Vorsichtshalber und aus gegebenem Anlass möchte ich ihnen auch noch miteilen, dass mein Cousin beim LKA tätig ist. Dort hat man keinerlei Probleme, ihre Identität zu enträtseln und Ihnen gegebenenfalls bös auf die Pelle zu rücken, sollten Sie tatsächlich auch weiterhin noch den jämmerlichen Versuch wagen, mich amateurhaft becircen zu wollen. Ich hoffe, ich war nunmehr deutlich genug!

Gerade noch freundlich, C.M.“

*= Es gibt, was den Titel des Beitrages betrifft, m.E. drei Arten von Menschen: Die erste Gruppe weiß um die Bedeutung von Titel und Beitrag, bildet sich darüber ihre eigene Meinung, ist aber nicht weiter informationsbedürftig. Die zweite Gruppe kann zwar keinen Zusammenhang zwischen Titel und Inhalt erkennen, denkt sich aber aus Erfahrung, dass dies einfach mal wieder eine Spinnerei des Herrn LoFoMo darstellt und hat kein weiteres Interesse an Aufklärung. Die dritte Grupe schließlich erkennt ebenfalls keinen Zusammenhang, hat aber durchaus ein gewisses Maß anNeugier in sich, das befriedigt werden möchte. Nur dem letzteren Personenkreis sei deshalb hilfsweise kurz erläutert, dass es sich bei Titel und Inhalt um eine harmlose Parodie des durchaus netten  Romans „Gut gegen Nordwind“ handelt, der von einem ganz anderen Autor (remember filosofy 2.0: Ich bin der Autor DIESES Beitrags) zum gleichen Thema Liebesanbahnung per Internet verfasst wurde, allerdings wesentlich ausführlicher und mit einem deutlich anderen Handlungsverlauf. Mittlerweile gibt es davon sogar eine Fortsetzung namens „Alle sieben Wellen“. So ist das nämlich …

Zurück auf Anfang

Was bisher geschah:

Amber überlebte den Brandanschlag auf ihr Haus, während ihr Gelieber John noch in den Trümmern gesucht wird. Die neu entflammte Liebe zwischen Penelope und Hunter wird auf eine jähe Probe gestellt, als Jill…hoppala, andere Baustelle, tschulljung….

Gestern ersann ich anlässlich der Prämierung des schönsten deutschen Romanbeginns einige Vorschläge, wie ein wenn nicht prämierungswürdiger, dann doch zumindest interesseweckender Romananfang aussehen könnte und stellte dabei eine eventuelle Fortsetzung in Aussicht.

…und ich halte meine Versprechen…:

„Während die ersten Sonnenstrahlen sie langsam aus dem Schlaf kitzelten, bemerkte sie im wohligen Dämmerzustand, dass er erneut in ihr war und kurz davor, sich ein weiteres Mal in ihr zu entladen.“

(Auf vielfachen Wunsch saftig, aber hier interessiert wohl eher das Vorher als das Danach)

„Als Ragomir von Ziegenblitz das erste Mal seine Augen in Zamonien aufschlug, wußte er , dass er hier am rechten Platz war.“

(Für Unerschrockene, die einen gewaltigen Rechtsstreit mit Herrn Moers nicht scheuen)

„Was der Zusteller wohl von mir hielte, wenn er um den Inhalt des Päckchens wüßte, schmunzelte sie in sich hinein, während sie die bestellten 25 Clownsnasen freudig entgegennahm.“

(Ähem, ist ein Insidergag…)

„Schluss, Aus, fertig, Game over!!!!“

(Verwirrend, aber Neugier weckend. Manch einer wird verstohlen nachschauen, ob er ein Buch für Linkshänder erwischt hat)

„Lieselotta gab noch etwas Pfeffer hinzu.“

(Was einmal funktioniert, könnte doch auch ein weiteres Mal…)

„Versonnen blickte Meredith über den weitläufigen Besitz ihrer Vorfahren, als sie die aus der Ferne sich nähernde Gestalt des widerlichen Lüstlings Lord Clifford Braithwaite wahrnahm.“

(Bronte, Austen oder Loriot, je nach weiterem Verlauf der Geschichte)

„Jetzt nimm mich gefälligst, Du Arsch!!!“

(Jaja, die Jugend schreibt)

„Nun bin ich also eine Ratte.“

(Seit Kafka nicht mehr wirklich bahnbrechend, aber da gönnt man sich noch ein paar Sätze)

„Wer konnte ahnen, dass Haushälterin Elisabeth die Mörderin war?“

(Also gut, mein Herr, den Grundkurs „Spannungsaufbau bei Kriminalromanen“ sollten sie auf jeden Fall noch absolvieren)

So viele verheißende Anfänge, jetzt fehlen lediglich die restlichen 487 Seiten…

Aller Anfang ist Beginn

In einem Land zu unserer Zeit begab es sich, dass eine eine Gruppe von Menschen, die große Sympathie für die deutsche Sprache hatte und zu der auch der aktuelle Handballbundestrainer zählte, darüber zu befinden hatte, welcher aus vielen vorgeschlagenen Romanen den schönsten Beginn sein eigen nennen könne.

Man entschloss sich nach reiflicher Überlegung, diese Ehre Herrn Grassens „Butt“ angedeihen zu lassen, der mit „Ilsebill salzte nach“ beginnt und schuf damit das nationale Pendant zu „Nennt mich Ismael“. Pure Poesie…

Und welch großartiger Gedanke. Der Autor dieser Zeilen denkt ja auch noch an das Schaffen eines gewaltigen Ouevres, aber den Beginn eines solchen könnte man ja bereits mal in den Raum werfen.

Wie könnte es beginnen?

„Hätte er sich anders verhalten, wenn er gewußt hätte, dass dies das letzte Mal war?“

(Unheildräuend)

„Der milde Fallwind der schwedischen Küstenregion strich sanft durch ihr goldenes Haar“

(Wird demnächst vom ZDF verfilmt)

„So ein Regenwurm kann ein sehr guter Freund sein…oder auch zwei.“

(Lesestoff für junge Erwachsene)

„KAWUMMM!!!! machte es und alle waren tot.“

(Für Fans von Pratchett, Adams und Konsorten)

„Träge wirbelte der in die Jahre gekommene Deckenventilator den aus altem Bourbon, Zwiebelpizza, Altmännerschweiß und viel zu vielen Zigaretten bestehenden Luftinhalt  seiner Einzimmerdetektei durcheinander, während sich im Milchglas der Eingangstür langsam die Silhouette einer überaus attraktiven aber verzweifelten Frau abzeichnete.“

(Für das anstehende Dashiell-Hammett-Revival)

„Es waren ihre unvergleichlich zarten Finger“

(Liebesroman, Krimi oder Horrorroman…das taugt für vieles)

„Nietzsche war ein unerträglicher Dummschwätzer!“

(Provokant, wird garantiert von einem intellektuellen Lesekreis besprochen)

Hmmm…da steckt noch einiges Potenzial darin. Wird wahrscheinlich fortgesetzt…