Schlägerstar trifft Schlagerstar

Selten, aber dann doch hin und wieder erschrecke ich auch heute noch vor mir selbst …

Da stehe ich in einem dieser Elektronikfachmärkte und postiere mich vor einer der dortigen Anhörstationen, um u.a. zu überprüfen, ob die neue BRMC neben einem netten Cover-Artwork auch akustische Kaufgründe anbietet (dann doch nicht allzu viele, wie ich finde) und während ich mich von Titel zu Titel skippe, wandern meine Auge zu der unter der Station befindlichen CD-Auslage.

Großer Fehler!

Dort liegen in zwei Reihen offenbar sämtliche Klangverbrechen dieses deutsch singenden Schlagersängers mit italienischem Namen (den Nachnamen – wenn es denn überhaupt der eigene ist – hat er auch noch von einer meiner Lieblings-Zeichentrickfiguren gemopst) und von j-e-d-e-m dieser Alben schaut er einen mit diesem immergleichen waidwund-notgeilen Dackelblick unter einem auf frühen Ing.o A.ppelt frisierten Schamhaartoupet an, dass es einem graust. Kein Eissalon würde diesen Gesäßtaschen-Casanova beschäftigen wollen, wieso ist es dann erlaubt,ihn auf wehrlose Ohren loszulassen?

Dies betrachtend steigt in mir eine selten vorhandene Aggressivität auf. Stundenlang könnte ich mit stetig steigendem Wohlgefühl auf diese Schmiervisage einprügeln und das mir, der sonst versehentlich umgetretene Grashalme wieder aufrichtet und sich dabei entschuldigt.

Manche Menschen drücken offenbar alleine durch ihr optisches Vorhandensein sämliche bei mir vorhandenen roten Knöpfe. Bedenklich, oder?

Nee, eigentlich nicht, ich sollte wohl eher bestürzt sein, wenn dem nicht so wäre. Alles in Ordnung, mir gehts wieder gut, nein, ich möchte nicht in diese komische Jacke steigen, meine Herren …

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75/66/37

Der Herr Bockelmann, der ja bereits seit mehreren Jahrzehnten unter dem Pseudonym „Odu Jörgens“ oder so sein musikalisches Unwesen treibt, hat mittlerweile auch schon das erste Lebensdreivierteljahrhundert absolviert und macht sich laut Presse entsprechend altersgemäße Gedanken. Weniger darum, welches die beste Hämorrhoidensalbe ist, sondern zum Beispiel darüber, dass bekennender Sex im Alter ja wohl unmöglich ist. Dies sei nun echt nicht normal, Sex sei das Vorrecht der Jugend. Es solle ja jeder seinen Spaß haben, aber doch bitte nicht derart offensiv.

Recht hat er natürlich. der gute Mann. Das ist doch unästhetisch bis zum Anschlag, wenn man unfreiwillig Zeuge wird, wie sich 6 Zentner welkes Fleisch aneinander abmühen. Da schau ich mir doch zehnmal lieber „Antichrist“ als „Wolke Neun“ an. Am Ende zeigt man sich noch als Rentner mit Frottee-Bademantel und verschwitzt auf der Bühne, igitt! Alles nur wegen dieser blauen Pillchen! War denn früher Rentners Nachtgebet nicht „Lieber Gott, Du hast mir das Können genommen, nun nimm mir bitte auch das Wollen!“?

Ahaber , lieber Herr Bockelmann, wie würden Sie das denn beurteilen, wenn ein nicht näher zu benennender österreichischer Chansonnier vor zugegeben reichlich Jahren mal in einem Lied formulierte, dass mit 66 Jahren das Leben ja erst anfange, man daran Spaß habe, den Bauch einziehe und auf coolen Typ mache, sich ein Motorrad und einen Lederdress kaufe und mit 110 PS durch die Gegend flitze, Lieder im Stadtpark singe, mit Oma in die Disko rocken ginge und nach San Francisco fahre ,um sein Rheuma auszukurieren? Sind das aus heutiger Sicht betrachtet dann alles alterstriebbedingte Ersatzbefriedigungen und somit ebenfalls eines Greises unwürdig? Um Antwort wird gebeten, … aber bitte mit Sahne!

Nen Tacken jünger, nämlich 37 adlige Jahre ist unser flotter BuWiMi, der ja vielen noch von seinen Hauptrollen in den Police-Academy-Filmen bekannt sein dürfte. Jener tritt nun laut Topmeldung demnächst auf einer Party als DJ an. Er lässt auch schon mal ein wenig durchblicken, was so gespielt wird: Die Stones, Br.yan Adams, AD/AC, Neil Young und so. Schön und gut, man gönnt ihm ja die Abwechslung, den ganzen Tag nur rumministern ist ja auch eintönig, aber wo bitte liegt in dieser Meldung der Neuigkeitswert? Das ist ja, als wenn man die nächste Bewegung eines rollenden Rades vorhersagt. Hätte ich gelesen, dass er sein Set erst mit ein paar Indie-Classices von Sonic Youth, den Breeders, Trail of Dead, Suicide und Sigur Ros beginnt, um dann in leichte Electronica mit Orbital, Justus Köhncke, Boards of Canada und Lindström überzugleiten, DAS hätte mich womöglich vom Küchenstühlchen gehauen. Aber, werter Freiherr, wenn diese Namen Ihnen nur ein ratloses Zulterschucken entlocken können, keine Bange, das ist nur nicht weiter erwähnenswerte Randgruppenmusik.

Vergessen Sie aber bitte nicht, ab und an mal eine Schmusenummer einzustreuen, „Sailing“, „Bed of Roses“ undsoweiter …