Blick in die Welt

Manchmal staune ich über mich selbst bzw. über mein schon so sehr auf Social-Media-Gagverwertung gepoltes Hirn. Da lese ich dieser Tage die Todesanzeige eines mir unbekannten Herrn Runde, der zudem nur wenige Monate vor seinem 100. Geburtstag verschied und das erste, was mir durch den Kopf ging, war „Der Runde muss nun ins Eckige!“

Das ist fürchterlich pietätlos und alles und ich schämte mich fremd, wenn ich mich nicht so gut kennen würde …

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Wie ich ebenfalls der Tagespresse entnehmen musste, heißt der umtriebige und vielgenannte Herr Grube gar nicht „Baanchev“, sondern ganz banal „Rüdiger“. Das grenzt ja an Volksverdummung!

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Endlich läuft die letzte Staffel von „How i met your mother“! Es wird aber auch Zeit. Mag sein, dass die Erzählstruktur anfänglich mal sympathisch war, seit langer Zeit finde ich die ganze Chose nur noch nervig. Der Hauptdarsteller Ted Mosby wirkt nicht nur äußerlich wie eine schlechtere Kopie von John Dorian aus „Scrubs“ und auch die anderen Darsteller konnten mich nie so wirklich für sich einnehmen. Eventuell ein wenig doch Barney, aber wann immer ich ihn sehe, muss ich daran denken, wie ich ihn vor vielen Jahren als das kindliche Genie und präpubertären Arzt Doogie Howser sah. Möge sich also bitte die Frau mit dem gelben Schirm endlich erbarmen und dafür sorgen, dass die seit Jahren auf der Familiencouch gefangengenommenen Kinder des Herrn Mosby wieder freikommen.

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Beinahe sechs Jahre sorgte sie dafür, dass meine Texte in die Welt gespuckt wurden, ich viele unterhaltsame und informative Stunden vor dem Rechner verbringen konnte und interessante Menschen kennenlernen durfte. Nun zeigte sie mir (resp. meinem Online-Provider, der nach mehreren Anläufen endlich die richtige Diagnose lieferte) durch heftig blinkende Dioden und ständige Abbrüche, dass sie am Ende ist. Ruhe nun also sanft, werte Fritzbox, Du warst ein wertvoller Teil meines Lebens! … und hallo, neue Box, Du trittst ein schweres Erbe an, erlaubst mir aber immerhin, mein schnurloses DECT-Telefon wieder anzuschließen. Dieser technische Fortschritt aber auch immer …

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Unter der Erde, aber unter sich

Ja, auch in diesen närrischen Tagen – irgendwo im Netz auch bereits als „Aktionswoche sexuell übertragbarer Krankheiten“ tituliert – ist es statthaft, sich Gedanken über den Tod zu machen, insbesondere wenn er einem so plakativ in der Tageszeitung mittels Traueranzeigen entgegentritt.

Viel ließe sich lernen und erfahren, wertete man diese mal gründlich aus und stellte nicht nur die skurrilsten unter ihnen zu einem amüsanten Buch zusammen. Wer war der Verblichene? Wer betrauert ihn in welcher Form? Welche letzten Worte werden der Person noch mitgegeben?

Sicher unbeabsichtigt peinlich waren jene zwei vor einigen Wochen erschienenen Traueranzeigen betreffend zwei ehemalige Mitarbeiter einer großen Firma, die wortgleich, sich nur im Namen unterscheidend, die langährige Firmentreue, gewissenhafte Arbeitserfüllung und dergleichen mehr rühmten und am selben Tag direkt untereinander abgedruckt wurden.

Ein ansehnliches Beispiel dafür, dass auch der Tod nicht alle gleich macht, fand sich dieser Tage:

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Plötzlich schlug der Tod zu in seiner gnadenlosen Unerbittlichkeit und hinterließ unter anderem einige langjährige bestürzte Freunde. Zumindest aber konnte der nun unter uns Weilende auf einen erlesenen Freundschaftskreis blicken, der zudem großzügig und sich über Standesgrenzen hinwegsetzend ihn als Nichtpromovierten in seine Reihen aufnahm.

Corinne, Ulrike und Marlene scheinen übrigens entgegen meiner ursprünglichen Auffassung doch keine Haustiere zu sein … nun … also, zumindest nicht im strengeren Sinne. Hier ist die Welt halt noch in Ordnung, hier kommt kein Weibsstück auf die Idee, selbst zu studieren, ebenfalls mit dem Familiennamen genannt werden zu wollen oder -Gott bewahre- sogar zuerst genannt zu werden.

Gute alte Welt. Da wo das Entrecote noch liebevoll angebraten wird und die Hausschuhe einem angewärmt empfangen. (Natürlich sind dies auch ganz furchtbare Klischees und ich kenne die Leute ja nicht einmal, aber mit solchen Anzeigen provoziert man es schon ein wenig , nicht wahr?)