Fröhliche WLANeihnacht!

Hurra, hurra, der Weihnachtsmarkt ist da!

Seit gestern auch wieder in Frankfurt. Ich selbst war nicht anwesend, aber wie ich lesen durfte, wurde er davon unbeeindruckt dennoch eröffnet. Mit neuem Oberbürgermeister, neuen Popsongs und wie in jedem Jahr natürlich auch wieder einem neuen Baum.

Aus Bayern kommt das gute Stück dieses Mal. Dennoch aber in sattem Grün und nicht in weiß-blau gehalten. Und weil der Baum so waaahnsinnig viele Äste hat, musste man extra 2.000 zusätzliche Lämpchen anbringen. Hierbei hat die Stadt Frankfurt nun Erstaunliches geleistet, wenn man dem Bericht der Frankfurter Rundschau glauben darf: Trotz Bonuslämpchen „wurden insgesamt nahezu 2 Meter Kabel bei einem 30 Meter hohen Baum verlegt“.

Aus meinem vor Erstaunen weit aufgerissenem Mund fiel heute morgen beinahe wieder das Frühstück heraus, als ich dies las. Wenn das nicht mal ökonomisch und effizient ist …

Der kritische Geist wurde allerdings auch langsam wach und bemerkte spitz, dass dies ja so wohl nicht sein könne, womit er vermutlich Recht hat. Die einzige für mich nachvollziehbare Erklärung kann demnach nur darin liegen, dass die vielen Lämpchen kabellos mit Strom versorgt werden. So weit kann Technik heutzutage also schon sein und ausgerechnet bei einem derart traditionellen Anlass zeigt sie sich. Beeindruckend, wirklich beeindruckend!

Die Frage wäre nun, ob ich eventuell den Besuch des Weihnachtsmarktes auch gleich mit einer Neuladung meines Smartphones verbinden könnte. Wenn ich mich lange genug in der Nähe des Baumes herumtreibe … ach, aber wahrscheinlich ist das eh ein geschütztes kabelloses Stromnetz, in das ich mich erst mühsam einhacken müsste, was mir nach mehreren warmen alkoholischen Getränken sicher noch schwerer fallen dürfte als sowieso schon.

Dann halt nicht! Wehe, der Stand mit den knusprigen Flammkuchen ist auch nicht da …

P.S.: Wer nun behauptet, eine solche Meldung sei lediglich einer schludrigen Berichterstattung der in ihren letzten Zügen liegenden Tageszeitung geschuldet, der ist ein pietätloser Zyniker.

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Beobachtungen aus dem Leben

Die Szenerie: Ein Getränkestand auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt. An der Theke drei Frauen, die offenbar fest entschlossen sind, diverse warme alkoholhaltige Getränke in sich aufzunehmen. Hinter der Theke drei Bedienkräfte in heftiger Diskussion. Gegenstand erwähnter Diskussion sind offensichtlich mehrere Becher mit schwer definierbarer, dampfender Flüssigkeit auf einem Tablett.

„Was hammer denn jetzt hier? Ist da jetzt auch der Kirschwein dadebei?“

„Weiß ich net. Ich hab eben zwei Glühwein hingestellt.“

„Da war aber auch ein Kirschwein debei. Ist des der hier?“

„Kann schonn sei. War da auch n heiße Ebbelwei debei?“

„Keine Ahnung. Den hast Du doch bestellt, oder“?

„Hmmm..“

Jetzt wird es spannend. Ein Bedienungsgesicht nähert sich mit großer Geschwindigkeit einer der Tassen. sie wird doch nicht daran nippen???? Nein, sie belässt es dabei, an dem Getränk zu riechen (hoffen wir, dass sie nicht verschnupft ist) und aus dem daraus folgenden Gesichtsausdruck lässt sich ablesen, dass die angedeutete Degustation wohl nicht den erhofften Erkenntnisgewinn gebracht hat.

„Ach, des wird schonn stimme. Ich nemms grad mit…“

„So, der Herr, was derfs denn für Sie sei?“

„Ich hätte gerne einen heißen Apfelwein mit Calvados“

„Kommt sofort!“

Sofort ist ca. zwei Minuten später. Die Bedienung erscheint mit zwei Bechern.“

„So, biddeschee…“

„Äh, ich hatte nur einen bestellt“

Die Bedienung zieht sofort ein Getränk mit leucht säuerlichem Gesicht zurück.

„Na, des is kei Problem, da brauche se ned gleich sauer zu sei, da find sisch bestimmt gleisch jemand, der den habbe will. Fünf Euro fuffzisch bitte, mit Pfand!“

Das ist bestimmt auf allen Weihnachtsmärkten irgendwie so, ich weiß…

(Übersetzungen gerne auf Nachfrage)

Halbmeterbratwurst

Nun ja, der Frankfurter Weihnachtsmarkt zeichnet sich ja in erster Linie durch seine schiere Größe und den damit verbundenen Trubel aus. Da ist es durchaus entspannend, wenn im Rahmen einer betrieblichen Weihnachtsfeierveranstaltung im jährlichen Wechsel mit dem üblichen Besäufnis vor Ort die Busse bestiegen und kleinere bis nicht ganz so große Weihnachtsmärkte im größeren Umkreis geentert werden. Meist ist deren Hauptmerkmal die Lage in einer möglichst pittoresken Altstadt, die von einem CehundAh, einem Erotikshop und dem örtlichen Kinocenter begrenzt wird.

So auch in der diesjährigen Stadt unserer Wahl, einer Mittelstadt in Mittelhessen mittel … quatsch … mit angenehm unprätentiös ausgestattetem stadteigenen Dom. Sehr unprätentiös auch der örtliche Weihnachtsmarkt. Wie soll ich sagen … es ist ein Weihnachtsmarkt für Klaustrophobiker. Als überladen kann man ihn nun wirklich nicht bezeichnen. Entsprechend schnell war er auch durchschritten, was angesichts von reichlich 5 Stunden Ausgang bis zur Rückfahrt eine gewisse Herausforderung darstellt.

Wenig hilfreich ist dabei dann auch, dass man vor Ort im Gegensatz zur Großstadt den Ladenschluss noch recht traditionell handhabt, damit nur ja nicht angeheiterte Weihnachtsmarktbesucher die schönen Sachen wegkaufen kommen. Mehr als eine halbe Stunde „aahh“, „oohhh“ und große Augen machen war auch im Dom nicht drin, also muss das Körperinnere herhalten, um die reichliche Freizeit zu bekämpfen. Welche Organe an vorderster Front tätig sind, ist individuell unterschiedlich. Einige fordern Magen und Darm zu Höchstleistungen heraus und stürzen sich von Halbmeterbratwürsten zu überkrossen Pfannkuchen und von da zum Waffelstand. Die Überzahl dagegen verlässt sich vor allem auf die Funktionstüchtigkeit von Leber und Nieren. Ich selber habe atmosphärische Anpassungsprobleme, bei 12 Grad und Regen will die warmrote Zimt-Nelken-Brühe nicht so richtig bei mir andocken. Viele Andere benutzen ihn hingegen als Vorglühwein und arbeiten sich nach und nach zu den Kräuter- und Obststuben vor, die sich aber nicht als Bioläden herausstellten, sondern eher im Fuselgewerbe tätig sind.

Dennoch schafften es alle Kolleginnen und Kollegen noch rechtzeitig und unverletzt zurück an die Abfahrtstelle, was keineswegs als selbstvertändlich angesehen werden kann. Das schlimmste sollte aber noch kommen: Ein verhinderter Entertainer im Körper eines Busfahrers. Auf der Hinfahrt hatte er sich noch weitgehend zurückgehalten, vor einem abendlich angeschickerten Publikum kam dann aber die Rampensau in ihm hervor. Pest und Cholera hießen in diesem Fall abwechselnd Schlagermusik von Wolfgang, Andrea, Helene und Konsorten und zwischendrin eingestreute Altherrenwitzchen in Fi.ps.As.mussen-Qualität. Hätte ich dies geahnt, hätte ich mich doch auch stundenlang in der Kräuterstube präpariert. So waren meine Sinne leider noch funktionabel.

Ja, natürlich war es schön und in zwei Jahren geht es dann nach … na, schauen wir mal … hauptsache Halbmeterwurst und Eierpunsch und Altstadtpflaster …

Weihnachtsmarkt 08: Menschen, Bilder, Ereignisse

Kleinere Weihnachtsmärkte in altertümlicher Atmosphäre sind hübsch, aber unter der Woche mit nieseligem Wetter dann doch etwas zu schlecht besucht, um sich dort heimelig zu fühlen. Mein Beileid auch an die Reisegruppe aus Bochum, die 8 Stunden einfache Fahrt (davon alleine 6 im Schnee und Stau auf der Autobahn) unterwegs war, um dann in einem schlechtwettrigen Odenwaldmarkt zu landen. Nächstes Jahr geht’s dann zur Abwechslung mal nach Dortmund, oder?

Meine persönliche Neuentdeckung: Honig-Mandel-Negerküsse Schaumwaffelgebäck…

Wenn man auf Weihnachtsmärkten in Städten über 500.000 Einwohnern unterwegs ist, gibt es zwei empfehlenswerte Methoden des Vorankommens. Entweder man steuert zielgerichtet auf ein bekanntes Ziel zu, wobei man möglichst oft am Rande des Marktes hinter den Buden entlangstrebt und dabei versucht, den Pinklern und Küblern aus dem Weg zu gehen. Wer Zeit hat und einfach nur Atmo aufsaugen möchte, betreibe bitte eine Art vertikales Stagediving: Sich einfach der Masse hingeben und gelassen zuschauen, wo man hingespült wird. Dabei bitte Uferböschungen, Bahngleise und Ortsgrenzen nicht ganz aus dem Auge verlieren.

Glühwein und Co. werden immer süßer und babbiger, das gilt mittlerweile auch für heißen Äppler. Überhaupt begegnen einem fast nur noch Getränke mit Sahnehäubchen. Es wird langsam Zeit für das Pure, Einfache. Aber da wird das kommende Jahr mit seinen grausamen Wirtschaftskrisen sein übriges dazu tun. Der Renner auf dem Weihnachtsmarkt 2009 ist dann wahrscheinlich heißes Wasser mit kurz eingetauchter und dann weitergegebener Zimtstange …

Vielen Dank auch noch an die mir gestern gegenübersitzende Klischeetuckenbande mit ihren lauten, extreeeeem nervenden Stimmen und selbstempfundener Witzigkeit, die mich dazu veranlasste, meinen Flammkuchen in Rekordzeit zu mampfen, um nur schnell wieder wegzukommen. Aber ich hatte ja eh wenig Zeit, also war es eigentlich eine perfide Form von Hilfe. Naja, ich hatte mich ja bereits am Anfang des Absatzes bedankt.

Früher war mehr Lametta …

Es ist soweit!!!

…da standen sie orientierungslos herum am endlos langen Totensonntag; die noch nutzlose Lichterkette in der Hand, den Glühwein noch im ungeöffneten Tetrapak. Manch einer legte noch letzte Hand an seine original Siebengebirgsschnitzereien, das Magenbrot des letzten Jahres nochmals aufbereitend…

Doch dann, mit den Schlägen der Kirchturmuhr war die quälend lange Leidenszeit vorbei. Endlich, endlich war Weihnachtsmarkt allerorten! Ein Meer aus Farben, Lauten, Gerüchen breitete sich aus und in den Mänteln und Taschen der eiligst herbeiströmenden Besuchermassen entstand bei den mitgeführten Brieftaschen und Portemonnaies der vieltausendfache Wunsch, sich zu erleichtern.

Fischbrötchen, kandierte Früchte und Nierenspieße wetteifern um die Gunst der Vorbeiflanierenden und die Mägen der Kunden entwickeln eine nur in diesen Tagen mögliche Schutzschicht, um der Vielzahl an Leckereien Herr zu bleiben. Manch Liebchen klammert sich an die Hand ihres Helden, um ihn im Getümmel nicht zu verlieren; das überdimensionale Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Zweitfrau“ liebevoll und gleichermaßen stolz mit sich tragend.

Die ersten Schneeflocken lösen sich vom Himmelsfirmament und hauchen ihr Leben wohlig auf einem der zahlreich aufgestellten Heizpilze aus.

Es ist Vorweihnachtszeit!

Möchte jemand mitkommen?