Krempelallee

… Tand, Tand, ist das Gebilde von Menschenhand …

Es sollte doch nur ein kleiner Spaziergang am Mainufer sein, der sich zeigenden Sonne deutlich machen, dass ich auch noch da bin und die noch vorhandenen Erkältungsviren schockfrosten. Doch dann war ich nach längerer Zeit unversehens mal wieder mitten im wöchentlichen Flohmarkt zwischen Main und Museen gelandet.

Viele Menschen wuseln zwischen noch viel mehr Dingen umher. Einer hantiert etwas unglücklich mit einem frisch erworbenen Crepe (niemals vergessen: Der Nutellamatsch sammelt sich immer in der unteren Ecke!), eine junge Frau fährt ein angebotenes Fahrrad Probe und moniert offenbar Bremsprobleme, was von dem souveränen Verkäufer mit der Allgemeinreplik „Ise billig!“ derart kommentiert wird, dass weitere Nachfragen überflüssig erscheinen.

Ein Junge, ganz internationaler Geschäftsmann, der die Regeln des Marktes verinnerlicht zu haben scheint, preist seine Ware mit „Pay, whatever you want!“ an. Ein kurzer Blick darauf bestätigt meine Vermutung, hier keinen DeLorean und keine Mona Lisa zum Schnäppchenpreis erwerben zu können. Ansonsten scheint aber fast alles vorhanden zu sein.

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Wagenladungen voll von Kleidung jeglicher Art, gerne auch pelzig, Schuhe ohne Ende, jedoch nicht immer paarweise, Socken in allen Variationen, oft auch ohne Gummidruck und aus Biowolle,  Laster voller Schmuck (D&G-Ring, natürlich original), meterweise afrikanisch anmutende Holzmasken und -figuren, säckeweise Armaturen und anderer Sanitärbedarf, Messingbeschläge, Töpfe, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie einer Erwärmung wirklich stand hielten, Messergabelscherelicht und sogar reichlich Zahnarztbesteck (alleine das Betrachten eines Mundspiegels lässt meine Psychosomatik reagieren und ein Ziehen im Backenzahnbereich entstehen).  Darüber hinaus natürlich auch der typische Gebrauchtkram,  darunter eine merkwürdig gestylte Acrylkomposition, die wohl zu irgendwas gut sein musste, es erschloss sich mir lediglich nicht.

Eines war klar: der Großteil der hier feilgebotenen Sachen wird am Tagesende kein neues Herrchen oder Frauchen gefunden haben, dafür ist es schlichtweg zuviel. Zumindest in diesem Teil der Welt gibt es viel zu viel Krempel, der produziert wird, ohne dass eine Notwendigkeit dafür besteht.

Aber es war ein schöner, sonnensatter Winternachmittag und am Flussufer war es sackrisch kalt …

Twisthaufen

Zum einen  soll ich ja laut der Meinung meiner Therapeuten offensiv mit meinem geistigen Zustand umgehen, zum anderen habe ich vor lauter Lebkuchenmummelei momentan sowieso keine Zeit für einen neuen Text, deshalb also hier einige meiner Zwitschereien mit höchstens 140 Zeichen der letzten zwei Wochen:

 

Was machen wir eigentlich, wenn es irgendwann mehr als 365 Dinge gibt, deren an einem Tag gehuldigt werden soll? Auslosung? (19.11.)

Gerade jetzt kauft Euch übrigens jemand Euer Weihnachtsgeschenk weg. Letztes Exemplar, sorry. (19.11.)

Endlich fallen in der „Wetten dass“-Diskussion mal die Namen Harry Wijnvoord und Jörg Draeger! (22.11)

Netzteil des Büro-PCs durchgebrannt. Ich wähne es in Mexiko, zusammen mit den Streichhölzern. (22.11.)

Wenn Abschreiber partout nicht abgeschrieben werden wollen. Man kann dem Lausbub net lange bös sein, gelle? *mageninhalthochkrabbelgeräusch* (24.11.)

„Wie pedantisch sind sie – auf einer Skala von 1 – 10?“ „9,183 … nein, moment … …85!“ (insp. by Chr. Waltz) (24.11.)

Denke seit Tagen über die Anschaffung eines Knäckebrotes nach. Pro/Contra-Liste bringt mich nicht weiter. Darüber meditieren? (26.11.)

Ob wohl „Meine Reise auf dem Jacobsisters-Weg“ das Zeug zu einem Bestseller hätte? (26.11.)

Gesucht: Erklärvideo zur Entstehung von Jahreszeiten. Gefunden: Pferde, die zu Vivaldi-Musik herumtrotten. (27.11.)

Wenn Rihanna soviel vögelte, wie sie darüber singt, käme sie vor lauter Lakenwechseln nicht mehr zum Singen.(zit. n. „Plattentests.de“). (27.11.)

Wissenszuwachs des Tages: Hoss Cartwright (Bonanza) hieß eigentlich Eric. Bin angemessen beeindruckt. (28.11.)

Habt ihr denn wenigstens schon einem Mettigel ein Winterquartier eingerichtet? Es wird langsam kalt … (29.11.)

„Ich habe 3 Kinder und kein Geld. Warum kann ich nicht keine Kinder und 3 Geld haben?“ (Homer S.) (29.11.)

Nervig! Lese seit Tagen „Müslibrüder“ und verorte sie dementsprechend ins Schwäbische. (30.11.)

„Es dauert eine Weile, den Inhalt von Türchen 1 zu laden. Bitte probiere es später noch einmal.“ Adventskalender 2.1 (01.12.)

Wo gibt es doch gleich diese puscheligen Winter-Flipflops zu kaufen? (02.12.)

 

tbc …

SATT!

Ich! Es habe! Na, das Winterzeugs halt …!

Ich habe es vor allem satt, seit Monaten … moment, dass muss dramatischer wirken … MO-NA-TEN in denselben 2 – 3 dicken Jacken und drei bis vier Paaren dicken Klobenschuhen herumzulaufen (sequentiell, nicht gleichzeitig natürlich). Letzte Woche, als der Frühling uns narrte, indem er einige Tage so tat, als stünde er uns unmittelbar bevor, bin ich mal in die dünnere Jacke und die schafthohen Sneaker geklettert und es fühlte sich wunderbar leicht an. Von wegen „unerträgliche Leichtigkeit des Seins“, nur her damit!

Ich ahnte ja letzte Woche bereits, dass  dies eher ein Intermezzo als tatsächlich sich breitmachender Frühling sein wird, aber dennoch nervt dieser Columbo-Winter langsam massiv. Es gibt also nicht nur Menschen, die einfach nicht merken wollen, wann es gut ist und stets den richtigen Zeitpunkt verpassen, auch Wetter kann derart unsensibel sein. Was also tun? Eine Internetpetition für Frühling? Streik? Nennenswerte Spende an wetterbeeinflussende Partei? Drohbriefe ans Wetteramt nach Offenbach (könnte ich sogar direkt vorbeibringen … wobei, das mit dem Anonym wird dann schwierig)?

Grundsätzlich wäre ich ja am ehesten dafür ,diesen Restwinter ab sofort zu ignorieren und das Leben fortan frühlingshaft zu gestalten. Dazu gehört aber eine überbordende Imaginationsfähigkeit,  die ich leider nicht über längere Zeit aufrecht erhalten kann und dann fällt mir auf, dass das in meiner rechten Hand dann doch kein lecker Eis, sondern ein EISKRATZER IST, VERDAMMICHNOCHEINS!!!

So deprimierend es auch sein mag, manchmal hilft wohl nur pure Gewalt! Also, Winter, wenn Du nicht in spätestens einer Woche das Weite gesucht hast, mach ich dich platt. Und nicht nur dich; Du möchtest doch bestimmt nicht, dass Deiner lieben Frau Holle ein Leid widerfährt, oder? Ich denke, wir verstehen uns …?

Schneefuckchen

lalala … walking in a Winter Wonderland … von wegen, hat sich was mit Wonderland, mittlerweile kann ich mich nicht mehr so wirklich für die immer wieder auftauchende weiße Pracht begeistern und bin – man wird es sicher kaum bemerken, deshalb erwähne ich es – leicht bis mittelschwer genervt von den damit verbundenen Begleitumständen. Gut, es ist Winter und wir waren einfach entwöhnt und man sollte das Ganze mit der notwendigen Gelassenheit hinnehmen, die man Dingen, welche man nicht ändern kann, grundsätzlich entgegenbringen sollte.

Soweit die Theorie!

Ich wäre ja fast für einen faustischen Pakt mit dem Wettergott zu haben … nee, nee, meine Seele bleibt hier aber ich wäre ja noch bereit, diese regelmäßigen Niederschläge bis sagen wir Mitte Februar hinzunehmen, wenn sich nach mittlerweile gut dreiwöchiger Abwesenheit mal wieder die Sonne zeigen könnte … und zwar nicht nur minutenweise. Deren Absenz schlägt mir mittlerweile richtig aufs Gemüt.

Also, Petrus, Du alte Sackpfeife, wie wäre es mal mit ein wenig gutem Willen? Oder muss ich erst ein Volksbegehren anstacheln?   

Na denn Prost!

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so, ein paar tage frei und prompt stellen meine etwas ausgeschlafeneren augen beim morgendlichen blick aus dem fenster fest, dass der heurige winter doch arge loslassprobleme hat. also nutze ich die gelegenheit und mache mich gut verpackt zu einem schneespaziergang auf (beweisfoto siehe oben), lasse mir frzzzlnde pünktchen ins gesicht wehen, mache anschließend einen kurzen abstecher in einen zeitschriftenladen und lasse mich schließlich in einem cafe nieder, um hände, magen und seele zu wärmen und meine neuerwerbung ein wenig zu inspizieren.

alle paar jahre ändert der musi.kex.press sein layout, so auch dieses jahr; jetzt sieht er aus wie eine mischung aus s.pex, vi.sions und sonstwas. ichweiß noch nicht ob ich das gut finde, bin erstmal verwirrt und muss mich zurechtfinden. das ähnelt doch sehr der situation, wenn die lebensgefährtin einen mit einer komplett neuen frisur und/oder gefärbten haaren überrascht und eine sofortbewertung haben möchte (welche natürlich begeistert ausfallen soll UND zusätzlich noch ehrlich).  ich muss mich doch erst einmal daran gewöhnen, herrje, es ist halt … uff … ungewohnt.

aber ich schweife ab … während ich also schon genug damit zu tun habe, mich im blätterwald zu orientieren, dringt gut wahrnehmbare konversation vom nebentisch an meine ohren. zum ignorieren zu laut, aber wie ich bald feststellen sollte, auch nicht uninteressant. fortan bleiben meine augen auf dem heft, meine ohren und meine aufmerksamkeit wandern allerdings einen tisch weiter.

zwei damen haben sich offensichtlich mit einem finanzberater zusammengesetzt, weil sie gemeinsam (also ohne den berater natürlich)  ein lokal eröffnen möchten und nun versuchen, das ganze mal mit realismus zu füttern. der hintergrund der beiden damen – so erfahre ich – scheint solide zu sein. eine gelernte kosmetikerin und eine derzeit auf lehramt, ist doch prima! immerhin haben die eltern der einen schon mal ein restaurant im westfälischen betrieben. nein, erfahrungen mit brauereiverträgen haben sie noch keine und die finanzierung scheint auch ein wenig auf goodwill ausgerichtet zu sein. des weiteren können sich die beiden ladies nicht einmal einig sein, wie denn das interieur aussehen soll bzw. wie es derzeit aussieht. gute gesprächsvorbereitung scheint anders zu sein.

ich meine auch, hören zu können, wie die stimme ihres beraters im laufe des gesprächs ein wenig an sonnigkeit verliert. dabei habe ich den eindruck, dass die zwei noch glück hatten und ein seriöseres exemplar seiner gattung erwischt haben und keinen windhund. eventuell bin ich aber auch ein wenig durch seinen hellrosa pulli mit v-ausschnit und einer über der stuhllehne lümmelnden, dazu absolut nicht passenden winterjacke in zwei verschiedenen tönen von kackgrün beeindruckt. windhunde achten viel mehr auf ihr äußeres.

ich konnte leider den ausgang des gesprächs nicht mehr mitverfolgen, aber ich vermute, sie ziehen das irgendwie durch. so langsam verstehe ich, warum in den letzten jahren die fluktuation im gaststättenbereich spürbar heftiger geworden ist. es ist wohl nicht nur die zurückgehende konsumneigung der kundschaft.

„wer nix wird wird wirt“ heißt es so schön wie unpassend. nein, es scheint eben nicht zu genügen, guten willen und ein paar tausend euro mitzubringen. es geht weit mehr dazu, ich habe wie viele, die im büroalltagstrott hängen zu glauben, schon mal tagträume vom betreiben eines netten bistros oder cafes in der großstadt gepflegt, aber ich weiß, dass so etwas nicht wirklich mein ding sein wird. überdies haben wirte ja angeblich die kürzeste lebenserwartung aller berufsgrupppen, sogar schlimmer als reinigungskräfte im akw, das alleine schreckt schon ab.

nun ja, ich wünsche den beiden alles gute, aber das leichte magendrücken scheint nicht vom cappu zu kommen …