Another Headline-Hero …

Manches Mal sind Zeitungen aber  auch ein Quell der Freude:

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Vermutlich werden aber nicht allzuviele Menschen beim Lesen dieser Kurzmeldung in schallendes Gelächter ausbrechen, wie es bei mir der Fall war. Natürlich handelte es sich nicht um Schadenfreude, zumal ich den beblüteten Laden vermutlich kenne.

Es liegt offenbar an meiner Jugend, die nicht unwesentlich von Loriot, Polt, MAD, Titanic und anderen Spaßmachern geprägt war. Im Laufe der Zeit wird man einfach in eine gewisse Richtung konditioniert; man liest dann Artikel in einem anderen Modus.

In diesem Fall war mein erster Gedanke nicht „Woher hatte er nur dieses hübsche Kleid?“ wie uns die Werbung glauben machen möchte, sondern „Welche Personenbeschreibung hätte hier wohl gestanden, wenn er seine Blüte in einer Metzgerei, einem Schuhladen oder einer Apotheke gelassen hätte?“

Außerdem vermisse ich Angaben zur Frage, ob er Spliss hatte …

P.S.: Heute waren dafür 7 Seiten Todesanzeigen zu verzeichnen. Ich tippe eher auf ein Anzeigen-Sonderangebot als einen Flugzeugabsturz …

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Helden der Schlagzeile

Das mir mit zunehmender geistiger Verwirrung und abnehmendem Augenlicht in letzter Zeit immer mehr Verleser unterlaufen, ist eine Sache. Ich möchte gar nicht erwähnen, was ich letztens statt „Oranienburg“ las, es hatte jedenfalls nichts mit Südfrüchten zu tun …

Aber für mitunter merkwürdig anmutende Schlagzeilen in den Presseorganen kann mein Hirn nun wirklich nüschd. Jüngstes Beispiel: In der heutigen Tagespresse stand über einer dieser Kleinstmitteilungen am Seitenrand die knackige Überschrift

„Mann gesteht Tötung bei Verkehrskontrolle“

Sofort dachten meine frühagilen Hirnzellen „Na, was gibt es da noch zu gestehen? Bei einer Verkehrskontrolle sind ja meist mehrere Menschen anwesend, die eh mitbekommen werden, wenn während dieser einer gemeuchelt wird. Wahrscheinlich aus Panik wegen des drohenden Verlustes des Führerscheins oder so.“

Tatsächlich ging es aber um einen etwas nervenschwachen, jungen Mann mit vorhandenem Restschuldbewusstsein, der anlässlich einer Verkehrskontrolle den kontrollierenden Beamten zu deren Überraschung gestand, gerade seine Ex-Freundin aus dem Leben befördert zu haben. Ob die beteiligten Beamten ihn daraufhin anherrschten, er solle gefälligst nicht ablenken und sich einer Alkoholkontrolle unterziehen, entzieht sich meiner Kenntnis. Das Blut an seiner Kleidung wird sicher zur Klärung beigetragen haben.

Dennoch erscheint mir diese Überschrift als nicht allzu glücklich …

Jobwunder

Es musste sich doch irgendwie zeigen, dass meine Tageszeitung von einem Konzern übernommen wurde, der eine erkleckliche Anzahl von Büchern aus den Bereichen Kunst, Kultur, Design verlegte. Es konnte sich doch nicht auf die Zusammenlegung von Berliner und Frankfurter Redaktionen bei entsprechendem Stellenabbau beschränken.

Ein poetischer, künstlerischer Geist hätte Einzug halten können, war bislang aber nicht zu erkennen. Bis gestern. Da zeigte er sich, jedoch nicht im Feulle … Feuje … Sportteil, sondern an unerwarteter Stelle, genauer gesagt, bei den Stellenanzeigen. Das Blatt sucht höchstselbst, und zwar einen … *räusper* „Guten-Morgen-Macher“.

Wenn das mal kein Traumberuf ist! Und von solch einer poetischen Strahlkraft umgeben. Wer möchte keinen Guten-Morgen-Macher um sich haben? Auch für die Job … nein, ich sollte sagen Berufenen wirkt das doch wie die von Feenstaub umzuckerte Erfüllung ihrer Existenz. Da dächte sogar manch Prinzessin über einen Beschäftigungswechsel nach.

Eines muss ich allerdings zugeben: Es mag meiner verwöhnten Kindheit geschuldet sein, in der ich täglich einen ganzen Apfelkrotzen für mich allein hatte, aber meine Vorstellung eines guten Morgens erschöpft sich leider nicht darin, morgens um 6 etwas Papier ins Rohr gesteckt zu bekommen. Für mich gehören zu einem guten Morgen mindestens auch Sonnenschein, Kaffee, frische Brötchen, Saft und eine mich liebevoll wachkraulende Hand. Vor allem aber sollte ein guter Morgen ARBEITSFREI sein. Hier besteht m.E. also noch eine gewisse Soll-Ist-Diskrepanz, aber was nicht ist, kann ja noch werden, seien wir also hoffnungsvoll …

Hey, Rundschau, sucht ihr demnächst auch noch Verstärkung für eure Inkasso-Abteilung? Einen Leichtermacher eventuell?

Ach, und noch was: Ihr könntet auch noch ein wenig Verstärkung in der Endabnahme gebrauchen, dann hätte der folgende Satz im heutigen Leitartikel über die vermuteten Ursachen der britischen Unruhenächte so wohl nicht überlebt:

„Es gärte lange unter der Oberfläche der Gesellschaft, aber außer ein paar Popstars traute sich niemand, das anzusprechen. ‚I predigt a rotzot‘ sangen die Kaiser Chiefs aus Lieds …“

Stand wirklich ge-nau-so in der Zeitung. Etwas zu viele Fehler, um es mit Technikversagen  erklären zu können. Liebe Rundschau, ihr habt einen kleinen Rotzoluzzer in euren Reihen, hihi …

Vermischtes

Die Straße zwischen meinem und dem Nachbarort hatte mal ihre große Zeit, da war sie hochoffiziell Teil einer der längsten Bundesstraßen Deutschlands. Seit einigen Jahren ist das aber vorbei, da kam 150m weiter die neue, große Verbindungsstraße, die direkt an diverse Autobahnen anknüpft. Seitdem führt sie ein vergleichsweise ruhiges Leben als Kreisstrasse.

Der frühere Rastplatz wurde gesperrt, die pralle Natur scheint die Straße mehr und mehr zu veschlingen. Derzeit grünt und blüht es um sie herum, als würde jemand dafür bezahlen. Der dezente Strom der dort noch verkehrenden Autos stört die Natur kaum, Vögel zwitschern ihre Lieder, Pflanzen recken sich gen Himmel, hier und da hoppeln Hasen über die Felder, gelegentlich erfolglos verfolgt von dort gassigehenden Hunden.

Vor einigen Tagen wurde es für einen kurzen Moment sehr laut. Ein Quietschen, ein Krachen, Metall auf Metall, dann wieder für einige Minuten Ruhe, dann wieder laute und blinkende Sirenen und stundenlange Hektik. Am Abend jedoch, als ich dort vorbeifuhr, war wieder alles ruhig und nur noch einzelne Fragmente und ein paar Kreidestriche erinnerten an das Geschehene.

Seitdem wartet ein kleines Kind im Nachbarort von da an in alle Ewigkeit, dass seine 25jährige Mama wieder nach Hause kommt und die Zeitungen schreiben das übliche „aus bislang ungeklärter Ursache“.

Unter der Rubrik „Vermischtes“ oder „Kurzmeldungen“ findet man so etwas dann, die Titelseiten bleiben selbstverständlich für schwanzgesteuerte Politiker oder Terrorgemüse reserviert; schließlich ist ja nur für wenige Menschen eine Welt untergegangen.

In einigen Haushalten werden Menschen beim Zeitunglesen darüber nachdenklich, der morgendliche Abschiedskuss ist intensiver und länger als üblich und manch einem entfleucht ein „Fahr vorsichtig!“ wo sonst ein „Denkst Du an die Kartoffeln?“ folgt.

Fahrt vorsichtig!

militantes Organ

Heute morgen entdecke ich beim Überfliegen der täglichen papiernen Neuigkeitensammlung einen Hinweis auf einen Bericht aus dem Bereich Biologie mit dem Titel „Fantastische Milz“ und finde dies ad hoc bezaubernd. Ich habe ja nicht nur Sympathien für nervenschwache Boxer sondern generell für die Zukurzgekommenen, Wenigbeachteten. Jeder Mensch redet über Herz, Lungen, Leber und Nieren aber die kleine Milz wird meist übergangen. Selbst in dem brühmt-berüchtigten Ot.to-Sketch („Großhirn an Faust: Ballen!“ „Milz an Großhirn: Soll ich mich auch ballen?“) wird sie als frecher kleiner Trottel mit Piepsstimme dargestellt.

Da wird es wirklich höchste Zeit für eine Imageverbesserung. Es kann ja wirklich nicht sein, dass einem im Zusammenhang mit diesem kleinen aber wichtigen Organ nur Begriffe wie „Milzbranderreger“ oder Kneipensprüche wie „Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Weißbier“ in den Sinn kommen. Viva la Milz also!

Auf der angepriesenen Seite angekommen jedoch spontan einsetzende Ernüchterung: Es geht keineswegs um Organförderung, sondern lediglich um selbsternannte militante Bürgerwehren in den USA und die Überschrift war selbstverständlich „Fanatische Miliz“.

Welche netten kleinen Realitätsverschiebungen doch morgendlicher Restsand in den Augen und ein noch im Frühnebel liegendes Hirn hervorrufen können …

Nichtzufassen…

Ich wollte mich doch dieses Jahr eigentlich nicht mehr aufregen, schließlich wird 2010 sicher auch wieder genügend Gründe dafür liefern, aber manchmal kann man sich das nicht aussuchen … aber in aller Ruhe:

Da gibt es einen Herrn A., seines Zeichens bis vor kurzem führender Politiker eines der neueren Bundesländer und nebenbei noch begeisterter Brettlsportler. Dem ist vor ziemlich exakt einem Jahr ein ziemliches Schnee-Malheur passiert, welches ihn für einige Wochen, sein Unfallopfer (Ehefrau und Mutter)  jedoch final außer Kraft setzte. Ich hatte die Folgen dieses Vorgangs seinerzeit vielleicht eine Spur zu lakonisch mit „Ski happens“ kommentiert, sorry ‚bout that. Nachdem der Herr A. wieder ansprechbar war, begann sofort die Politikermaschine in ihm zu laufen, denn schließlich war ja für den Spätsommer eine Landtagswahl angesetzt. Die Äußerungen, die er daraufhin so nach und nach losließ, verstärkten jedoch meinen Verdacht, er sei gar nicht wirklich wieder zu Bewußtsein gelangt und das, was da so aus ihm rauskommt, seien bestenfalls vegetative Vorgänge.

Auch das Gerichtsverfahren wurde in Rekordzeit und mit verdächtig mildem Ausgang absolviert, aber das Ergebnis der Landtagswahl, welches ihm mehr Freizeit verschaffte, konnte von vielen als eine Art ausgleichende Gerechtigkeit empfunden werden. Damit schien der Fall A. eigentlich abgehakt.

Aber von wegen! Nun ist zu lesen, der Herr A. befände sich wieder auf der Piste. Hätte es sich dabei nur um diesen Satz gedreht, könnte man es noch als wertvollen Warnhinweis für Urlauber in Thüringen verstanden wissen. Drehte es sich aber selbstverständlich nicht. er fuhr nämlich nicht nur mit Familie, sondern auch ihn begleitenden Reportern einer weit verbreiteten Boulevardzeitung in den Urlaub, denn man möchte ja im BI.LDe bleiben. Heuer ist es übrigens nur Langlauf, ließ er wissen. In seiner „Weihnachtsbotschaft“ (häh, ist er jetzt auch noch nebenberuflich Papst?) stellte er 2009 als ein Jahr dar, „das mit Höhen und Tiefen, aber auch einigen Überraschungen wie im Fluge verging“.

„Uff!“ muss ich dann doch mal sagen. Das soll wirklich von ihm und nicht von einem Satiremagazin gekommen sein. Kein Wunder, möchte man da rufen, wenn man wochenlang nicht bei sich ist, vergeht so ein Jahr ganz fix. Was meinen Sie eigentlich welche Überraschung dieses Jahr erst für die von Ihnen überfahrene Frau bereithielt? Für die war es nämlich ganz schnell und im Fluge vorbei, das Jahr. Als die Sensibilität verteilt wurde, warn Sie wohl grad kacken, wa?

Ein wenig Trost mag für die Anderen vielleicht darin liegen, dass auch bei einem wie ihm irgendwann eventuell doch mal die volle Erkenntnis einsetzt und dann unter Umständen … aber seien wir da nicht zu optimistisch …

Blöder Jahresendblogbeitrag, ich weiß, aber ich lasse es lieber jetzt noch raus und kann es heute nacht dann runterspülen.

Allen Lesefröschlein da draußen ein besonders hübsches und erfreuliches neues Jahr!

Gegen das Abstumpfen

Anlässlich einer heute morgen gelesenen Schlagzeile musste ich mal wieder darüber sinnieren, welche Meldungen uns überhaupt noch überraschen oder schockieren könnten. Angelehnt an den Schlagzeilen-Klassiker „Mann beißt Hund“ interessierte es mich, welche der folgenden Schlagzeilen die werte Leserschaft noch am ehesten zum weiterlesen animieren könnte:

„Mann steckt Vogel mit Schweinegrippe an“

„Schwein steckt Mann mit Vogelgrippe an“

„Vogel steckt Schwein mit Männergrippe an“ (die schlimmste aller Grippen)

„Mann steckt sich beim Vögeln an, das Schwein!“

„Bahn erhöht Fahrkartenpreise“

Ich bin ja mal gespannt …